Wo kann Sie Ihre Neugier hinführen? Die neue Siemens Karriere-Website

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Es wird mal wieder Zeit für einen Karriere-Website-Check. Und nach Bertelsmann und Bosch habe ich mir dieses Mal die neue Karriereseite von Siemens angeschaut. Die wurde übrigens auf der Karriere-Fanpage von Siemens Career vorgestellt – mit der Bitte um Feedback, wie denn die Seite gefällt.

Feedback auf Siemens Karriere-Fanpage zur neuen Karriere-Website

Feedback auf Siemens Karriere-Fanpage zur neuen Karriere-Website

An sich eine gute Idee, wie ich finde. Nur nicht so sinnvoll, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist sein sollte. Also schaun mer mal, was die Site so an Potenzial hat – oder eben auch nicht. Ich muss sagen, ich war schon gespannt, mit was die Website so aufwartet, hat mich die letzte Variante der Jobs und Karriere-Sektion von Siemens nicht wirklich überzeugt. Umso enttäuschter war ich dann, als ich das Ergebnis gesehen habe.

Das fängt leider schon bei der Startseite an. Was hier auffällt, ist zum einen die zwar relativ groß dimensionierte, aber leider auf den ersten Blick sinnfreie Flash-Animation. Denn was sich dahinter verbirgt, kann man nur erraten und schwerlich erkennen, weil die Mitarbeiterportraits (um die es sich letztendlich handelt, wie sich herausstellt, wenn man das Ganze anklickt) recht klein dimensioniert sind. Und leider ist es dann auch so, dass sich bei Klick auf die Animation das Ganze im gleichen Fenster öffnet – und das Ganze dann quälend langsam. Und wenn das bei einer Highspeed-DSL-Leitung so ist, wie soll es da einem User ergehen, der auf weniger schnellere Datenleitungen angewiesen ist? (Aber das ist ein Problem, was mir immer wieder auffällt. Da werden selbstverliebt irgendwelche flashy Seiten programmiert, die sich nur mit großem Aufwand öffnen lassen – und der User starrt ins Leere. Bzw. wendet sich entnervt ab, weil sich das, was sich da öffnen soll, eben nicht öffnet. Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass es den Leuten, die solche Sites konzipieren, nicht in den Kopf will … :-)) Aber zurück zu unserer Siemens-HR-Website. Da sich das Ganz so quälend langsam öffnet, klickt man natürlich rasch den „Back“-Button des Browsers (anders gelangt man leider nicht zurück auf die Homepage), um wieder auf den eigentlichen Content-Bereich zu gelangen. Und erlebt eine Überraschung. Denn man landet nicht etwa auf der Startseite, sondern auf irgendeiner Contentseite. Wenn man aber findig ist, entdeckt man im rechten oberen Bereich der Flash-Animation ein „schließen“ mit der man die Anwendung schließen kann. Na also, geht doch!

Siemens Startseite: Was soll das - welche Funktion hier hintersteckt, wird nicht klar

Siemens Startseite: Was soll das - welche Funktion hier hintersteckt, wird nicht klar

Gut, geben wir uns nicht mit solchen Kleinigkeiten ab. Schließlich geht es doch auch darum, die bereitgestellten Informationen gut strukturiert auf der Website zu finden. Eben. Genau darum geht es. Warum man das dann aber nicht berücksichtigt und dem User das Leben unnötig schwer macht? Warum nur, warum? Nur für den Kick, den Augenblick?

Schauen wir uns das Ganze mal im Detail an. Bin ich auf der Startseite, habe ich links meine Navigation, wo ich die Bereiche „Bei Siemens arbeiten“, „Ihr Einstieg bei uns“, „Career Channels“ (was ist denn das??) und „Siemens im Überblick“ finde. Bis auf die Tatsache, dass man sich nur in der Fantasie ausmalen kann, was sich hinter Career Channels verbirgt (vielleicht Youtube-Channels, auf denen einstiegsbezogene Videos angeboten werden?), schon mal kein schlechter Ansatz. Schade nur, dass ich auf der Startseite überhaupt nicht erfahre, wen Siemens denn so sucht? Auszubildende? Studenten? Absolventen? Young Professionals? Berufserfahrene? Ingenieure? Wiwis?

Navigation auf der Siemens Job & Karriere-Startseite

Navigation auf der Siemens Job & Karriere-Startseite

Da muss ich dann also mal bei „Ihr Einstieg bei uns“ schauen. Und bin überrascht. Sucht Siemens denn keine Azubis? Ich erinnere mich da an eine Antwort, die ich damals im Rahmen meiner Analyse der Karriere-Websites der größten Arbeitgeber von Haniel erhielt: „Selbstverständlich bilden wir auch Auszubildende aus. Wir bekommen jedoch so viele Bewerbungen von Azubis, dass wir hierfür nicht werben müssen. Haben Sie sonst noch Fragen?“ Vielleicht geht Siemens hier einen ähnlichen Weg. Ich weiß es nicht. Aber ich finde es bedenklich, könnte es doch ein falsches Signal senden.

Gut, also nehmen wir mal an, ich wäre Absolvent und wollte mich über die Einstiegsmöglichkeiten bei Siemens informieren. Ich klicke also auf Einstieg und dann auf „Absolventen“. Noch ist alles gut. Jetzt schau ich mir mal an, was „meine Möglichkeiten“ sind. Und bin verwirrt. Wo ist die Navigation hin? Hilfe! Ich will mich doch orientieren! Aber doch nicht so. Warum machen „die“ das? Wer sind denn die, werden Sie jetzt fragen. Nein, nicht die gelben Engel vom ADAC. Sondern die Agentur, die diese Website konzipiert (und umgesetzt?) hat. Zugegeben, nicht immer liegt es an der Agentur. Oft liegt es auch am Auftrag gebenden Unternehmen. Dann nämlich, wenn man Geld sparen will und man das tolle Konzept lieber selber umsetzen will. Und man oder die IT oder die dann wiederum beauftragte Agentur aufgrund technischer Restriktionen an ihre Grenzen stoßen. Und das tolle Konzept dann in der Umsetzung ganz anders aussieht, als eigentlich geplant. Selber schon oft genug erlebt so was. Leider. Gut, aber zurück zur Siemens-Karriereseite. Apropos Karriereseite: Welchen Begriff verwenden Sie eigentlich? Karriereseite, Karriere-Website, HR-Website …? Würde mich mal interessieren :-)

Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja richtig, bei der Navigation, die auf einmal weg ist.

Wo kann Sie Ihre Neugier hinführen? Eine berechtigte Frage, bei der Navigationsstruktur

Wo kann Sie Ihre Neugier hinführen? Eine berechtigte Frage, bei der Navigationsstruktur. Wo ist sie hin die Navigationsstruktur? Und wieso habe ich zwei Jobsuchmasken?

Und wo dann plötzlich mit anderen Navigationselementen gearbeitet wird. Tja, glücklicherweise gibt es ja den Back-Button. Und immerhin gibt’s ja auch eine  Breadcrumb-Navigation. Aber besonders nutzerfreundlich, liebe Siemensleute ist das nicht, was ihr da potenziellen Kandidaten präsentiert. Auch das Verwenden von Flash und nicht webkonformen Schriften in den Überschriften ist gar nicht schön. Immerhin wird die Copy aber auch angezeigt, wenn man Javascript ausgeblendet hat, dann zwar in Arial, aber das ist ja auch gut so.

Was noch so auffällt? Uneinheitliche Seitengestaltung, doppelte Jobsuchmasken (die ohne Javascript nicht funktionieren), wenig emotionale Ansprache in Bild, fehlende Informationen in Bezug auf das, was Siemens als Arbeitgeber bietet und nicht ausgereizte Potenziale in Sachen SEO. Mehr verrate ich Ihnen gerne im persönlichen Gespräch. Sprechen Sie mich ruhig an!

Tja, und gibt es denn gar nichts Positives zu berichten? Muss ich denn immer rumkritteln, alles schlecht machen? Ob nun Bertelsmann, Bosch oder Siemens – immer diese negative Kritik! Das muss doch nicht sein, oder? Letztendlich können Unternehmen dieses ja auch als Chance begreifen und aus ihren Fehlern lernen. Denn was ich hier wiedergebe, ist ja nicht nur meine Meinung. Fakt ist ja, dass wirklich viele Potenziale brachliegen und eine gute Karriere-Website einfach anders aussieht (auch wenn da die nächste Potentialpark-Studie wieder was anderes sagen wird, da bin ich mir sicher. Aber welche Aussagekraft haben denn solche rein auf quantitativen Aspekten basierende Rankings? Gell.) Doch, was mir sehr gut gefällt, sind schon die vielen Mitarbeiter, die im Rahmen des Karriere-Channels zu Wort kommen. Klasse, und in dieser Vielfalt mit Sicherheit einmalig! Schön auch die Website-Suche mithilfe von AJAX. Klasse finde ich ja die Idee von Siemens mit dem Facebook-Feedback. (Apropos Facebook: Wieso wird die Fanpage eigentlich nicht verlinkt??) Besser hätte ich es gefunden, wenn das im Vorfeld des Relaunchs stattgefunden hätte. Überhaupt sollten solche Websites viel öfter vorm Relaunch diversen Usability-Tests mit echten Nutzern, und seien es „nur“ Mitarbeiter, Praktikanten oder gänzlich Unbeteiligten, quasi als „Hausfrauen-Tests“ unterzogen werden. Stattdessen wird leider sehr oft an der Zielgruppe konzipiert und programmiert. Aber wie heißt es so schön, im letzten Beitrag des Facebook-Eintrages:

Vielen Dank für Euer Feedback. Wir hatte dazu gerade eine Telco und gehen den Punkten natürlich nach! Noch nen schönen Tag an Alle wünscht das SiemensCareer Facebook Team!

Dem schließe ich mich gerne an! Feedback und Kommentare sind herzlich Willkommen! Viele Grüße aus Gummersbach!

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