Karriereseiten: Was wollen Bewerber? (Studie)

Die Karriere-Website[1] ist der für potenzielle Mitarbeiter wichtigste Kanal, sich über einen Arbeitgeber zu informieren und sich zu bewerben. Für Unternehmen wiederum stellt die Karriereseite der Mittelpunkt aller Recruiting-Aktivitäten dar. Doch obwohl die Fakten eine deutliche Sprache sprechen, liegen in den Unternehmen viele Potenziale brach: Der Karrierebereich ist nicht auffindbar, für die gesuchte Zielgruppe erforderliche Informationen sind dürftig oder nicht vorhanden, die Jobsuche ist gut versteckt und darüber hinaus umständlich und der Bewerbungsprozess vergrault potenzielle Kandidaten auf der letzten Meile.

Karriereseiten - Was wollen Bewerber

Welchen Stellenwert haben Karriereseiten für potenzielle Bewerber?

personalmarketing2null und softgarden wollten es einmal genau wissen: Welchen Stellenwert haben Karriereseiten für potenzielle Bewerber und was erwarten sie von diesen? Zu diesem Zweck haben wir zwischen Anfang Dezember 2019 und Anfang Januar 2020 1.624 aktuelle „echte“ Bewerber um eine Einschätzung gebeten.[2] Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache und sind eine wichtige Hilfestellung bei der Umsetzung oder Optimierung einer Karriereseite.

Karriere-Website ist der wichtigste Informationskanal

Ohne Wenn und Aber ist die Karriere-Website der wichtigste Kanal, um sich über einen potenziellen Arbeitgeber zu informieren: Für 69,1 Prozent der Befragten steht sie an erster Stelle, fast gleich auf mit Jobbörsen (68 Prozent). Während die Google-Suche mit 54 Prozent an dritter Stelle steht, folgen soziale Businessnetzwerke (35,8 Prozent), Bewertungsplattformen wie kununu (24,5 Prozent) und Facebook, Instagram & Co. (13,7 Prozent) mit deutlichem Abstand in der Gunst der Bewerber. Den Stellenwert einer Karriere-Website bewerten alle Befragten als sehr wichtig.

Keine Karriere-Website? Keine Bewerber!

Auf die Frage, ob sich die Teilnehmer auch bei Arbeitgebern bewerben, die keine Karriere-Website haben, antwortet fast ein Drittel (28 Prozent) mit Nein.

Wenn diese Zahlen schon ein deutliches Alarmsignal darstellen, sind es die Gründe, warum sich Kandidaten gegen eine Bewerbung entscheiden, erst recht:

Mangelnde Transparenz und unseriöser Auftritt als Grund, sich nicht zu bewerben

So empfinden bspw. 28 Prozent eine fehlende Karriere-Website als unseriös oder unprofessionell, 7 Prozent implizieren mangelnde Wertschätzung und 42 Prozent sehen mangelnde Transparenz seitens des Arbeitgebers als Grund, sich nicht zu bewerben. Einige Aussagen der Bewerber bringen das Desaster gut auf den Punkt:

„Ich habe den Eindruck, dass die Firma nicht ausreichendes Interesse daran hat attraktiv für potentielle Arbeitnehmer zu wirken und damit wirkt es wahrscheinlicher, dass die Firma auch nach der Einstellung nicht sonderlich bemüht ist um einen attraktiven Arbeitsplatz.“

„Recruiting und Personalwesen scheinen keinen hohen Stellenwert zu haben. Damit verbinde ich eine nicht ausreichende Wertschätzung der Mitarbeiter.“

„Da fehlt irgendwie die Glaubwürdigkeit.“

Menüpunkt „Jobs & Karriere“ in der Hauptnavigation

Keine Karriereseite zu haben, ist das eine. Aber viele Unternehmen verschenken auch dann Potenziale, wenn sie zwar über Karriereseiten verfügen, sie den Button, der auf Jobs und die Perspektiven bei einem Arbeitgeber aufmerksam macht, vor den neugierigen Blicken potenzieller Mitarbeiter aber verstecken. In der Beliebtheitsskala bei Unternehmen ganz weit oben ist der Footer, an zweiter Stelle die Sekundärnavigation, wo sich der Karriere-Button oft verbirgt. Doch wo sollte der Menüpunkt für den Karrierebereich platziert sein? Und was wäre die perfekte Bezeichnung für diesen? Auch das haben wir gefragt. Die Antworten sind eindeutig.

Menüpunkt für die Karriereseite sollte in der Hauptnavigation platziert sein

Gut zwei Drittel (62,3 Prozent) der Bewerber erwarten den Menüpunkt in der Hauptnavigation. 22 Prozent schauen auch in der Sekundärnavigation. Der Footer rangiert in der „Beliebtheitsskala“ auf Platz 4 (6,3 Prozent). 8,5 Prozent haben jegliche Erwartungshaltung aufgegeben, sie freuen sich, wenn das Unternehmen überhaupt über eine Karriereseite verfügt.

„Jobs & Karriere“ am beliebtesten bei Bewerbern

Geht es um die Bezeichnung des Menüpunktes, der auf die Karriereseite eines Unternehmens verweist, so sind sich gut 60 Prozent der Bewerber einig: „Jobs & Karriere“ sollte der „Karriere-Button“ benannt sein. Tatsächlich bevorzugen ausschließlich „Karriere“ nur 30 Prozent der Bewerber. Weit abgeschlagen ist „Jobs“ mit nur 6 Prozent der Stimmen. Eigentlich klar, die Bezeichnung „Jobs“ sollte dem vorbehalten sein, was dort primär angepriesen wird: den Jobs, den Stellenangeboten. Menüpunkte sollten immer eindeutig, beschreibend sein. Insofern ist auch klar, warum Bezeichnungen wie „Arbeiten bei…“ (2 Prozent) und „Über uns“ (1,6 Prozent) in der Gunst der Bewerber ganz weit hinten liegen.

Jobsuche ist das primäre Ziel auf einer Karriereseite

Natürlich haben wir auch die Frage nach den Gründen, warum Bewerber eine Karriereseite besuchen, gestellt. Viele Unternehmen und Agenturen scheinen davon auszugehen, dass Bewerber diese Seiten primär aufsuchen, weil sie dort Informationen über den Arbeitgeber vorzufinden hoffen. Was im Grunde genommen auch richtig ist.

Die Jobsuche kommt auf einem Großteil der Karriere-(Start)-Seiten hingegen oft zu kurz, wie etwa auch die Karriereseiten der DAX 30 zeigen. Das ist allerdings ein fataler Trugschluss: Denn der wichtigste Grund, eine Karriereseite aufzurufen, ist für den Großteil der Besucher tatsächlich die Suche nach Jobs bzw. Stellenangeboten. Was eigentlich logisch und naheliegend ist. Insbesondere für die, die auf der Karriereseite mehr oder weniger durch Zufall landeten, etwa über Google. Oder über den neugierig machenden Link zur Karriereseite. Und das könnten eine Menge sein, schließlich sind zwei Drittel der Arbeitsmarktteilnehmer zwar im Job, aber durchaus offen für einen Wechsel.

Vergessen werden sollte auch nie, dass im Grunde jede Seite der Karriere-Website eine Startseite darstellen kann – je nachdem, auf welchem Weg der Nutzer auf die Seite gelangte. Das sollten Sie bei der Konzeption Ihrer Karriereseiten unbedingt berücksichtigen!

Die Suche nach Stellenangeboten und Informationen über den Arbeitgeber sind die wichtigsten Gründe für den Besuch einer Karriereseite.

Für 88 Prozent der Befragten ist es das Top-Kriterium. 73 Prozent suchen nach Informationen über den Arbeitgeber. Und 50 Prozent sind auf der Suche nach Informationen über einen Ansprechpartner. Informationen über die Jobprofile bzw. die relevanten Berrufe sind für rund 47 Prozent der Besucher einer Karriereseite wichtig. Nahezu genauso viel (ca. 46 Prozent) suchen nach realistischen Einblicken ins Unternehmen, ca. 45 Prozent nach Informationen über Kultur und Werte. Die Suche nach Informationen über die möglichen Einstiegsarten ist für rund 44 Prozent der Besucher von Belang.

Jobsuche und Ansprechpartner wichtigste Inhalte

Befragt nach den wichtigsten Inhalten einer Karriere-Website bekommt das Bild noch mehr Schärfe: Hier steht mit 91,5 Prozent die Jobsuche an erster Stelle. Auf Platz 2 stehen mit 63 Prozent Informationen über die Ansprechpartner, dicht gefolgt von Informationen über den Bewerbungsprozess (62 Prozent). An vierter und fünfter Stelle stehen Informationen über die gesuchte Einstiegsart und Berufsgruppe (58 Prozent) und realistische Einblicke ins Unternehmen mittels Bild und Video (45 Prozent).

Infos über Standort, Weiterentwicklung und Werte stehen bei Bewerbern hoch im Kurs

Befragt nach den Informationen, die Bewerber auf einer Karriereseite erwarten, nennen 76 Prozent den Standort als wichtigstes Kriterium. Umso wichtiger also diesem Thema erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Das Thema Standort spielt auch bei der Jobsuche eine große Rolle, dazu weiter unten mehr. An zweiter Stelle stehen Informationen über Weiterentwicklung/Weiterbildung (70 Prozent). Nahezu gleichwertig sind auch Infos zu Werten und Unternehmenskultur einzuordnen (69 Prozent). Eine praxisnahe Darstellung potenzieller Aufgaben oder Projekte, die auf Mitarbeiter zukommen, erwarten 52 Prozent der Bewerber. Auf Platz 5 finden sich eine Darstellung der Mitarbeitervorteile (49 Prozent). Spannend: 44 Prozent der Bewerber erwarten Informationen zu sozialer Verantwortung und nachhaltigem Handeln!

Text und Bild sind das bevorzugte Format auf Karriereseiten

Zu wissen, welche Informationen Bewerber wünschen, ist das eine. Hilfreich zudem, in welcher Form. Es gibt viele Stimmen, die Videos als das seligmachende Medium anpreisen und von Texten fast komplett Abstand nehmen. Aber sind Videos wirklich das Mittel der Wahl? Abgesehen davon, dass ein Video (auf der Karriere-Website) Inhalte nie ersetzen, maximal ergänzen kann, bevorzugen Bewerber eine Kombination aus Text und Bild (52,4 Prozent). Ausschließlich Video hingegen bevorzugen nur 0,75 Prozent. Eine Kombination aus Text, Bild und Video wird von 29,5 Prozent befürwortet. Auch nur Text ist deutlich populärer als nur Video (13,5 Prozent).

Verschiedene Filterkriterien bei der Jobsuche essenziell

Die Jobsuche ist das wichtigste Element auf der Karriereseite, das bestätigt die Aussage von über 1.600 Bewerbern. Aber wie sollte diese gestaltet sein, welche Filterkriterien sind wichtig? Eine klare Antwort gibt es darauf nicht, denn es hängt schlicht und einfach von den Bedürfnissen der Zielgruppe ab. Um also niemanden zu verprellen, sollten Sie es allen recht machen. Eins zumindest lässt sich aber sagen: Eine Filterung nach Arbeitsort ist für die meisten Bewerber (61 Prozent) das wichtigste Kriterium. Auch eine Filtermöglichkeit, die die Fähigkeiten berücksichtigt, steht bei Bewerbern hoch im Kurs (55 Prozent). Eine Suche nach Abteilung bringt Bewerbern im Übrigen herzlich wenig, wenn hier lediglich mit internen Titeln gearbeitet wird oder die Anzahl so erschlagend ist, dass eine Suche einem Spießrutenlauf gleicht.

Ansprechpartner top, Chatbot auf Karriereseiten flop

Bewerber haben ein sehr großes Bedürfnis, vor einer Bewerbung (oder auch danach) mit potenziellen Arbeitgebern in Kontakt zu treten. Was sie dabei gar nicht mögen, sind unpersönliche Chatbots. Lediglich 1,7 Prozent der 1.594 Befragten wünscht sich eine solche Form der Kontaktaufnahme. Immerhin doppelt so viel wünschen sich den Kontakt per Live-Chat (3,5 Prozent). Deutlich höher im Kurs steht da das Kontaktformular mit 15,6 Prozent der Stimmen. Aber wenig überraschend, steht der Kontakt zu einem konkreten Ansprechpartner mit vollständigem Namen, E-Mail-Adresse und möglicherweise XING- oder LinkedIn-Profil bei der überwältigenden Mehrheit von 73,7 Prozent auf Platz 1.

Karriere-Website als Aushängeschild des Arbeitgebers

Die Karriere-Website sollte das „Aushängeschild des Arbeitgebers“ sein, so bringt es einer der Studienteilnehmer auf die Frage nach der perfekten Karriere-Website auf den Punkt. Ein Blick auf einen Großteil deutscher Karriereseiten zeigt das genaue Gegenteil: viele Arbeitgeber-Präsenzen spiegeln mangelndes Interesse und mangelnde Wertschätzung gegenüber potenziellen Mitarbeitern wider. Das sollte Ihnen ein Ansporn sein, es besser zu machen. Hier ein paar abschließende Empfehlungen für die Gestaltung von „perfekten“ Karriereseiten:

Empfehlungen für die Gestaltung der perfekten Karriereseite

  1. Sorgen Sie dafür, dass Sie überhaupt über eine Karriereseite verfügen. Keine Karriere-Website ist gleichbedeutend mit keinen Bewerbern.
  2. Sorgen Sie dafür, den Zugang zur Karriere-Website so einfach wie möglich zu machen. Der Menüpunkt, der auf Ihre Karriere-Website verweist, gehört dahin, wo er von jedem sofort gefunden wird und jederzeit sichtbar ist: in die Hauptnavigation.
  3. Benennen Sie den Menüpunkt klar und beschreibend: „Jobs & Karriere“ oder „Karriere“.
  4. Die Jobsuche ist das wichtigste Element einer Karriereseite. Sorgen Sie dafür, dass diese überall und von jeder Seite aus zugänglich ist. Am besten, Sie integrieren die Jobsuche direkt auf die Startseite bzw. die entsprechenden Unterseiten. Zumindest aber sollten Sie prominent auf die Stellenangebote verlinken.
  5. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Jobs gut auffindbar sind. Am besten erreichen Sie das durch verschiedene Filterkriterien und durch eine Freitextsuche, die das gesamte Stellenangebot durchsucht  – nicht nur den Stellentitel!
  6. Bewerber wollen Transparenz über den Arbeitgeber in Spe: Stellen Sie dar, wen Sie primär ansprechen (Ihre Kern-Zielgruppe!), was potenzielle Mitarbeiter im Unternehmen erwartet (Aufgaben, Projekte), mit welchen Werten, welcher Kultur Sie punkten und was Sie Ihren Mitarbeitern zu bieten haben.
  7. Stellen Sie Informationen in verschiedenen Formen bereits. Insbesondere gut strukturierter und ansprechend gestalteter Text (Texte sind Teil Ihrer Arbeitgebermarke) sollten im Fokus stehen. Getreu dem Motto „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ reichern Sie die Texte um im Kontext stehende Reportagebilder oder -Videos an (Stockfotos sind tabu!). Vermitteln Sie potenziellen Mitarbeitern ein möglichst umfassendes Bild von dem, wer Sie als Arbeitgeber sind und wie Sie ticken. Je mehr Informationen Sie über sich bereitstellen, umso besser kann ein potenzieller Mitarbeiter entscheiden, ob Sie zusammenpassen oder nicht.
  8. Ermöglichen Sie Interessenten den unmittelbaren Kontakt zu einem Ansprechpartner aus Fleisch und Blut. Chatbots ohne Mehrwert sind flop, echte, erreichbare Menschen mit Kontaktdaten top!

Sie haben noch Fragen zur Studie, zum Thema Karriereseiten allgemein oder sind auf der Suche nach einem erfahrenen Partner für die Konzeption oder Umsetzung? Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, ich freue mich auf Sie!


[1] Die Begriffe „Karriere-Website“, „Karriereseite“ und „Karriereseiten“ werden im Folgenden synonym verwendet, obgleich es sich streng genommen um verschiedene Paar Schuhe handelt.

[2] Bewerber, die sich über Bewerbungsformulare der auf verschiedenen Karriereseiten implementierten E-Recruiting-Software Softgarden bewarben, hatten von Anfang Dezember 2019 bis Anfang Januar 2020 die Möglichkeit an der Umfrage teilzunehmen. 1.624 Bewerber nahmen diese Möglichkeit wahr.

Karriere-Websites mit Wow!-Effekt: Wie Sie Karriereseiten gestalten, denen kein Bewerber widerstehen kann
  • Henner Knabenreich
  • Herausgeber: Springer Gabler
  • Auflage Nr. 12019 (21.11.2019)

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