Drama, Baby, Drama – Die neue Bosch Karriere-Website

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Jeder Erfolg hat seine Geschichte. So lautet zumindest der Claim der neuen Bosch Karriere-Website, der sich wie ein roter Faden durch das Gesamtkonzept zieht. Letztendlich ist an der Aussage an sich erst mal nicht dran zu rütteln. Ob das aber wirklich auf das Konzept der neuen, von mir mit Spannung erwarteten, Karriere-Website zutrifft? Kann man wirklich gratulieren? So viel sei schon einmal vorab gesagt: Das Grundkonzept ist wirklich toll gedacht. Wenn da nur die Umsetzung nicht wäre :-) Wie ich schon in meinem letzten Artikel hervorhob: „Weniger ist mehr.“ Und das gilt auch oder gerade für eine nutzerfreundliche zielgruppenorientierte Karriere-Website. Schauen wir uns nur einfach einmal die Startseite an: Hier begrüßt uns ein überdimensionales Video, welches uns auf Klick ein paar Bosch-Mitarbeiter vorstellt. An sich eine sehr gute Idee, hätte das Ganze nicht einen Haken (wir sprechen jetzt mal nicht von den in unterschiedlichster Qualität gephotoshoppten Mitarbeitern vor verschwommener Kulisse :-)) – nämlich das Verschwinden wesentlicher Navigationsinhalte zu Gunsten eben dieses überdimensionalen (734 x 452 Pixel!) Flash-Teasers.

Startseite Bosch-Career mit Standardauflösung und ausgeblendeten Symbolleisten

Startseite Bosch-Career bei Standardauflösung und ausgeblendeten Symbolleisten – wichtige Informationen bleiben dem User verborgen

Leider wurde bei der Konzeption dieser Website offensichtlich übersehen, dass Otto-Normal-User eben nicht einen iMac zuhause stehen hat, sondern eine Bildschirmgröße von 1024 x 768 Pixel die meist verbreitete Bildschirmauflösung ist.  Und aufgrund dieser Tatsache entgehen einem nicht nur die weiterführenden Navigationselemente für die Zielgruppen, sondern auch weitere Teaser. Schade.

Wo wir gerade dabei sind: Diese unzufriedenstellende Präsentation der Informationen und Navigationselemente zieht sich als roter Faden durch die Website genauso wie der oben zitierte Claim. Als Beispiel möchte ich nur einmal den Zielgruppenbereich aufzeigen, den ich über den Link „Einsteigen bei Bosch“ erreiche. Warum da wieder Platz für einen überdimensionalen, funktionsarmen Flash-Teaser verschwendet wird (die Navigation befindet sich auch in der linken Navigationsleiste und ist damit im Flash-Teaser überflüssig, da dieser absolut keinen Mehrwert bietet – im Gegenteil den User eher verwirrt) und wesentliche Informationen wieder aus dem Blickwinkel verschwinden, ist mir ein Rätsel.

Verwirrende Navigation und verschenkter Platz auf der Bosch-Career Website

Verwirrende Navigation und verschenkter Platz auf der Bosch-Career Website

Was auch auffällt: Die unterschiedlichsten Bildwelten, die selten miteinander harmonieren. Schön ist ja, dass man auf Stock-Material verzichtet hat und echte Mitarbeiter als „Models“ eingesetzt hat (Stichwort Authentizität!). Dass man aber unterschiedlichste Bildqualitäten bzw. keine einheitliche Bilddarstellung wählt, ist bei einem Relaunch in der Größe sehr bedauerlich.Wahrscheinlich hat man hier auf das Bildarchiv verschiedener Jahrgänge zurück gegriffen und die Kosten für ein erneutes Fotoshooting gescheut. Oder aber, was in der Praxis leider sehr häufig vorkommt: Man shootet selber. Manchmal sollte man aber besser jemanden ran lassen, der sich mit so was auskennt und nicht an der falschen Stelle sparen.

Was die Präsentation der Inhalte angeht, habe ich den Eindruck, dass man sich bei der Konzeption der Website nicht ganz einig war, welche Informationen man dem User wie nahebringen soll – und hat sich daher wohl für diese verwirrende Darstellung entschieden. Was aber auch an der Flashverliebtheit einer Agentur wie next.jvm.de liegen mag. Diese Verliebtheit wird dann auch im Bereich „Unser Antrieb: Innovation“ auf die Spitze getrieben. Hier präsentiert sich dem Betrachter eine Flash-App, dessen Nutzen sich weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick erschließen lässt. Ein Hinweis, welchen Zweck das Ganze haben soll und wie die App zu nutzen ist, wäre das Mindeste gewesen.

Der Mehrwert ist hier nicht zu erkennen

Der Mehrwert ist hier nicht zu erkennen

Ein Mehrwert ist auch nicht zu erkennen, weil auch hier wieder Wesentliches dem Auge des Nutzers verborgen bleibt. Das sich nämlich unterhalb der Flash-Animation wechselnde (durchaus sinnvolle Inhalte) dem User präsentieren, bleibt den Meisten verborgen.

Schauen wir uns nun noch den Bereich Bewerbung und Stellensuche an. Dass Bosch mit dem Bewerbermanagementsystem von SAP arbeitet, lässt nichts Gutes ahnen. Ist doch bekannt, dass gerade dieses Bewerbermanagementsystem in punkto mangelhafter Usability kaum zu überbieten ist :-)

Genau so ist es dann auch. Leider hat man beim Relaunch vergessen (bzw. ist es standardmäßig bei SAP nicht möglich), die Darstellung des Stellenportals an das Website-Layout anzupassen. Der User wird also regelrecht durch das sachlich-nüchterne Design der Stellenbörsen-Oberfläche geschockt. Das ist aber nicht alles. Das Laden der Stellenangebote dauerte bei mehreren Versuchen bis zu 15 Sekunden (mit DSL 6000 – was soll da nur der User machen, der kein DSL hat? Eine ideale Möglichkeit für Unternehmen, Bewerber zu vergraulen. Wird scheinbar gern genutzt :-)) Hat sich die Jobliste irgendwann geladen und man klickt einen Job aus der Stellenliste an, passiert – nichts. Zugegeben, das liegt an den Browser-Einstellungen. Aber das sind Standardeinstellungen. Meiner Meinung nach ein absolutes No go und Zeichen für eine schlecht konzipierte Anwendung! Das Gleiche gilt für die Ausbildungsplatz-Stellenbörse. Hier geht man scheinbar nach dem Motto „Stellenprofile? Die sind doch absolut überbewertet!“ Diesen Eindruck kann man zumindest gewinnen, wenn einem vor dem Klick auf „Jetzt bewerben!“ die Inhalte des Jobprofils nicht vorher angezeigt werden und man unmittelbar auf das (nicht zielgruppengerecht gestaltete) Online-Bewerbungsformular gelangt.

Jetzt bewerben - aber ohne vorher das Stellenprofil zu sehen??

Jetzt bewerben – aber ohne vorher das Stellenprofil zu sehen??

Oder habe ich was übersehen?

Aber warum werden überhaupt zwei Bewerbermanagementsysteme eingesetzt? Warum nicht nur eins? Und warum dann kein gescheites, nutzerfreundliches (sowohl für Personaler als auch für Bewerber)? Das würde dann auch eine 17 (!)-seitige Bedienungsanleitung zur Nutzung des Online-Bewerbungs-Systems sparen, die ich im Übrigen als Extra-Service hier zum Download anbiete :-) Meine Empfehlung wäre in diesem Zusammenhang taloom. Nein, ich bekomme kein Geld dafür, das System überzeugt einfach durch seine Usability, seine Einfachheit und sein Können. Und den Preis – gegenüber einem System von SAP sind das Peanuts.

Nun gut, kommen wir zum Ende, es ist schon spät. Fassen wir zusammen: Die neue Karriere-Website von Bosch kommt auf den ersten Blick sehr sympathisch und authentisch rüber. Ganz klar zu erkennen, dass der Mitarbeiter hier im Mittelpunkt steht. Das ist gut. Auch die angebotenen Informationen sind ansprechend aufbereitet und lassen kaum zu wünschen übrig (bis auf einige nicht  funktionierende Links). Was mir letztlich Kopfschmerzen bereitet (und nicht nur mir, ich habe die Website verschiedensten Leuten – sowohl Fachleuten als auch Ottonormalsurfern – präsentiert, der Tenor war durch die Bank der gleiche), ist die mangelhafte Nutzerorientierung. Seien es die Navigation, meterlange Scroll-Wüsten oder nicht bis zum Ende ausgereizte SEO-Potenziale – Drama, Baby, Drama! Eine Website muss dem Nutzer Orientierung und Mehrwert geben. Nicht dem Entwickler Freiraum für seinen Spieltrieb. Und das sieht hier leider ganz nach Letzterem aus.

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