Arbeitgeberbewertungsportale und Arbeitgebersiegel: Überbewertet!

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Schon Ende der letzten Woche berichtete die Wirtschaftswoche über eine aktuelle Umfrage, die softgarden in Kooperation mit dem Personalmagazin durchgeführt hat. Tenor: Bewerber misstrauen Glassdoor & Co. Ist das wirklich so? Sind Arbeitgeberbewertungsportale für die Tonne? Und werden Arbeitgebersiegel überhaupt von Bewerbern wahrgenommen? Diesen Fragen ist die Umfrage unter ausschließlich „echten“ Bewerbern nachgegangen. Mit interessanten Erkenntnissen. Hier meine Zusammenfassung.

Befragt wurden über 3.000 Bewerber, die sich über das E-Recruitingsystem von softgarden auf eine neue Position beworben haben. Allerdings stieg bei den Detailfragen ein Großteil der Teilnehmer aus. Dennoch lag die Gesamtzahl der Beantwortungen durchgehend über 1.000.

Arbeitgeberbewertungen und Arbeitgebersiegel überbewertet?

Die Bedeutung von Arbeitgebersiegeln und Arbeitgeberbewertungen bewegt sich in einem überschaubaren Rahmen:

  • 37 Prozent sagen, dass Arbeitgeberbewertungsportale, Arbeitgeber-Rankings oder Arbeitgeber-Siegel bei der letzten Bewerbung eine Rolle spielten.
  • 31 Prozent haben sich aufgrund einer Bewertung/eines Siegels oder der Position des Zielarbeitgebers in einem Ranking schon einmal für oder gegen einen Arbeitgeber entschieden.

Bedeutet im Umkehrschluss, dass für eine Mehrheit diese Bewertungen oder Siegel keine große Rolle spielen. Dies sollte aber nicht heißen, dass insbesondere Arbeitgeberbewertungsportale links liegen gelassen werden können (denn wer weiß, vielleicht tummelt sich unter diesen 31 Prozent Ihr Wunsch-Mitarbeiter). Dazu aber später.

kununu klar vorne, Glassdoor weit abgeschlagen

Gefragt wurde auch nach der Bekanntheit der einzelnen Anbieter. Bei dieser ungestützten Abfrage war mit Abstand der bekannteste Anbieter kununu. Danach folgen mit sehr großem Abstand weitere Anbieter wie Glassdoor, oder Great Place to Work. Spannend: Glassdoor liegt in den Nennungen sogar hinter dem Portal jobvoting. Obwohl, so überraschend ist dies wiederum nicht. Zum einen ist Glassdoor erst relativ kurze Zeit am Markt, zum anderen lief bereits der Deutschlandstart mehr als holprig an und man tut bis auf inhaltsleere Pressemitteilungen auch nichts, um an der Bekanntheit und Reichweite zu arbeiten. Jobvoting ist bereits seit einigen Jahren in Deutschland aktiv und verfügt über eine gewisse Bekanntheit.

Arbeitgebersiegel und Arbeitgeberbewertungsportale - Bekanntheit der einzelnen Anbieter - Quelle softgarden

Allerdings: Nur rund 36 Prozent der Teilnehmer waren überhaupt in der Lage, einen konkreten Anbieter zu nennen. Sollten die Budgets also sinnvoller genutzt werden, als in sinnlose Siegel zu investieren? Meine ehrliche Antwort an dieser Stelle: Ja, klar. Zumal die wenigsten Unternehmen in der Lage scheinen, die Siegel sinnvoll für sich zu nutzen.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurden einzelne Anbieter noch einmal gestützt abgefragt. Die Teilnehmer sollten die Anbieter nach einzelnen Kriterien bewerten und konnten alternativ die Option „Der Anbieter ist mir nicht bekannt“ ankreuzen. Hier die jeweiligen Bekanntheitsquoten, die aus der Unbekanntheitsquote abgeleitet ist („Der Anbieter ist mir nicht bekannt“).  Auch hier wieder ganz klar vorne kununu. Was mich aber besonders freut, dass der Candidate Experience Award bereits jetzt bei den Bewerbern angekommen ist. Und das nach nicht einmal einem Jahr!

Bewertungen von Bewerbungsverfahren spielen große Rolle

Klar hingegen ist, dass natürlich die Karriere-Website für Bewerber die wichtigste Anlaufstelle ist und bleibt. Wo, wenn nicht der dort, soll der Bewerber Informationen über den Arbeitgeber und die gesuchten Zielgruppen finden? Im Idealfall zumindest. Dass wir von diesem meilenweit entfernt sind, muss ich an dieser Stelle glaube ich nicht betonen. Dennoch wollte man wissen, wie Arbeitgeberbewertungen im Vergleich zu den Informationen, die Arbeitgeber direkt auf der Karrierewebsite bieten, bewertet werden und welche Formen der Arbeitgeberbewertung die  Bewerbungsentscheidung besonders stark beeinflussen.

Wichtigkeit von Arbeitgeberbewertungen und -siegeln - Quelle: softgarden

Wie unschwer zu erkennen ist, hat die Bewertung von Bewerbungsverfahren die größte Relevanz bei Bewerbern. Dessen sollten Sie sich stets gewahr sein – auch im Hinblick auf die Tatsache, dass ein positiver Bewerbungsprozess sich positiv auf das Erleben der „Arbeitgebermarke“ niederschlägt. Und umgekehrt natürlich.

Gefragt wurde im Übrigen auch nach Transparenz und Seriosität der einzelnen Anbieter. Auch hier wieder schneiden die Candidate Experience Awards wieder gut ab. Wenn Anbieter es erst einmal geschafft haben, sich bei Bewerbern bekannt zu machen, so werden einzelne Aspekte wie „Seriosität“ und „Transparenz“ im Übrigen mehrheitlich positiv gesehen. Anders gesagt: Wer die Anbieter kennt und sich eine Bewertung zutraut, beurteilt sie meist positiv. Das sind doch mal Nachrichten, die die Siegel-Anbieter gut schlafen lässt! Daraus könnte man folgern, dass die Diskussion über Sinn und Unsinn von Arbeitgeberbewertungsportalen und die Verlässlichkeit der einzelnen Verfahren vermutlich an den meisten Bewerbern vorbeigegangen ist. Klar ist sie das. Wer von den mündigen Bewerbern würde schon Siegel hinterfragen, die auf den Karriereseiten seriöser Arbeitgeber prangen? Je mehr,  je besser! Oder auch nicht.

Schade, dass es nur die wenigsten tun. Denn dann würden Sie schnell dahinter kommen, dass viele der Siegel einfach für eine Jahreslizenz zu haben sind. Je tiefer man in die Tasche greift, umso toller ist man als Arbeitgeber. Diese Gleichung zumindest scheinen nicht wenige Arbeitgeber aufzustellen

Kaum Relevanz bei Bewerbern

Nicht nur im quantitativen Teil der Umfrage, sondern auch bei den Kommentaren wird deutlich, dass für viele Bewerber Arbeitgeberbewertungen, Arbeitgebersiegel und -Rankings bislang eine eher untergeordnete Rolle spielen:

„Ich habe mich bisher nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Von den aufgeführten Unternehmen ist mir das Siegel „Top Arbeitgeber“ bekannt.“

Und so äußern sich nur wenige Nutzer ausdrücklich positiv zu Arbeitgeberbewertungsportalen, -siegeln oder -rankings:

„Es ist gut und sehr wichtig, dass demokratische Plattformen existieren, die Arbeitnehmern die Möglichkeiten geben, ihre Erfahrungen zu teilen. Somit liegt die Macht der Beurteilung und Gestaltung nicht mehr nur bei den Arbeitgebern.“

„Jeder Arbeitgeber sollte eine große Aufmerksamkeit auf seine Bewertungen legen. Fachkräfte werden knapper, somit muss das eigene Unternehmensbild positiv sein.“

Ach, was sind Bewerber doch naiv… :)

Oder auch nicht. Denn die größte Gruppe der Kommentare fällt wenig schmeichelhaft aus. Insbesondere die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der einzelnen Siegel oder Plattformen wird infrage gestellt:

„Ich vermute, dass diese Plattformen überwiegend von sehr unzufriedenen bzw. sehr zufriedenen Personen genutzt werden. Diese Informationen spiegeln dementsprechend die Extreme der tatsächlichen Arbeitszufriedenheit oder Arbeitssituation. Jede Ansicht ist sehr subjektiv.“

„Eine gesunde Skepsis vor „eingekauften“ MA-Befragungen und Gütesiegeln scheint mir angebracht.“

Mir auch.

Richtiger Umgang mit Arbeitgeberbewertungen und -siegeln

Gefragt wurde auch, was man Arbeitgebern im Hinblick auf ihren Umgang mit Arbeitgeber-Bewertungsplattformen, -Rankings und -Gütesiegeln empfehlen würde. Während einige wenige tatsächlich der Meinung sind, man solle das Ganze nicht überbewerten, empfiehlt ein Großteil, dass Arbeitgeber bewusst mit diesen Bewertungen umgehen sollten:

„Sie auf jeden Fall ernst nehmen, da diese meiner Meinung nach an Bedeutung gewinnen. Es findet ja gerade eine Art Verlagerung der Macht statt; durch das Internet kann nun auch der Bewerber sich einen Arbeitgeber aussuchen und sich vorher gründlich objektiv informieren und nicht nur aus der subjektiven Selbstdarstellung eines Unternehmens Informationen beziehen, um Entscheidungen zu treffen.“

Bezeichnend auch dieser Kommentar. Man könnte meinen, der Bewerber hat meinen Artikel zum zweifelhaftesten aller Arbeitgeber-Siegel, dem FOCUS-ich-bin-tausendster-von-1.000-Top-Arbeitgebern-Siegel, gelesen:

„Mit Rankings und Gütesiegeln zu werben, ist (leider) unabdingbar, um mit den Wettbewerbern mithalten zu können –auch wenn diese in meinen Augen inflationär verwendet, unter zweifelhaften statistischen Erhebungen ermittelt werden und daher häufig wertlos sind.“

Inflationär verwendet. Unter zweifelhaften statistischen Erhebungen ermittelt. Häufig wertlos. Auf den Punkt. Danke.

Insofern empfehlen die Bewerber Arbeitgebern „Weniger ist mehr, also ein Siegel ist o.k., wer überall dabei ist, macht sich unglaubwürdig.“ Bingo.

Ohnehin gilt:

„Es nützen keine Gütesiegel, wenn die Wirklichkeit sich anders darstellt.“

Und die zeigt sich spätestens beim Antritt der Stelle. Gut, dass es dann solche Arbeitgeberportale gibt, wo man die Realität kund tun kann ;-)

Die komplette Umfrage ‚Arbeitgeberbewertung aus Kandidatensicht‘ kann hier heruntergeladen werden.

 

  1. […] Arbeitgeberbewertungsportale und Arbeitgebersiegel: Überbewertet! In seiner ihm eigenen Art und Weise beschreibt und seziert Henner Knabenreich hier ein HR-Dauerbrenner-Thema. Dabei kommt er unterfüttert von ziemlich deutlichen Zahlen zu dem Ergebnis, dass für „viele Bewerber Arbeitgeberbewertungen, Arbeitgebersiegel und -Rankings bislang eine eher untergeordnete Rolle spielen“. Fazit: Sollte man wissen. Hier gibt es die Bewerbersicht auf kununu, Top-Arbeitgeber & Co. […]

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