Glassdoor kommt nach Deutschland

Glassdoor kommt nach Deutschland

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Vor Kurzem feierte kununu seinen siebten Geburtstag. Im Juni 2007 erblickte die damals noch recht schüchterne und unauffällige Plattform das Licht der öffentlichen Welt. „Kununus Vision ist es, eine seriöse Informationsquelle für Arbeitnehmer und Jobsuchende zu werden. Kununu möchte als Gegengewicht zur Informationsmacht der Arbeitgeber dienen”, so hieß es damals. Während das Arbeitgeberbewertungsportal damals noch relativ unbeachtet vor sich hin dümpelte, hat sich das mittlerweile geändert. Insbesondere die erst zaghafte, dann immer ungestümere Annäherung und schließlich vollzogene Ehe mit dem Business-Netzwerk Xing, führen dazu, dass sich die Welt des Personalmarketing verändert. xununu hat im DACH-Markt eine Quasi-Monopolstellung erlangt, die nun vielleicht Gegenwind erfährt. Siehe dazu auch die Stellungnahme von Glassdoor am Ende des Textes!

Offenbar plant Glassdoor (das amerikanische Pendant zu kununu) nämlich den Markteintritt in Deutschland. Das ist durchaus denkbar, schließlich verkündete Glassdoor im Dezember 2013, dass es 50 Millionen weitere Dollar eingesammelt hat. Genug Geld, um international zu expandieren und die Mitarbeiter von 200 um weitere 100 aufzustocken.

Update: Was mal geplant war, ist nun Realität. Glassdoor Deutschland ist seit gestern morgen online. Mehr dazu hier.

Tatsächlich berichten verschiedene voneinander unabhängige gut informierte Quellen (aka Personaler) über ein Anbändeln seitens Glassdoor und so wurden schon in verschiedenen deutschen Unternehmen Sales-Teams von Glassdoor gesichtet. Mittlerweile sollen es schon über 200 Unternehmen sein, mit denen man in Deutschland den Markteintritt wagen will. Trotzdem dürfte es nicht ganz so einfach sein, den deutschen Markt zu beackern, wird doch ein Großteil schon von xununu beherrscht. Positiv in die Karten dürfte Glassdoor allerdings die derzeitige Grundstimmung in deutschen Personalabteilungen spielen. Und so war schon zu hören, dass Glassdoor jederzeit die Türen offen stünden.

„Wenn sie kommen, ist meine Tür offen.“

Glassdoor, das amerikanische kununu

Natürlich habe ich direkt bei Glassdoor nachgefragt, aber (noch) kein Feedback erhalten. Wer oder was aber eigentlich ist dieses Glassdoor?

Kommt Glassdoor nach Deutschland

Grob in die Tüte gesprochen, ist das Ganze die US-Version von kununu. Zwar wurde die Plattform im Juni 2007 gegründet, ging aber erst ein Jahr später an den Start. Da hatte es bei kununu schon den ersten Relaunch gegeben. Ursprünglich stand bei Glassdoor im Übrigen der Gehaltsvergleich im Fokus: „The idea behind Glassdoor is simple: You tell me your salary, and I’ll tell you mine.“ Bzw. etwas differenzierter: „The idea is to collect as much detailed salary information and feedback for every job title at a company so that job seekers can know how to evaluate an offer, and current employees can see how they are doing relative to their peers.

Das Thema Gehalt ist immer noch eins der Alleinstellungsmerkmale, während dieses bei kununu (bisher) nie zur Debatte stand. Ansonsten ist das Prinzip ähnlich: Arbeitnehmer bewerten ihre Arbeitgeber, Arbeitgeber können kostenpflichtige Unternehmensprofile anlegen usw. Die Nutzer müssen sich also nicht großartig umstellen. Sogar das Company-Grün ist recht ähnlich. Im Gegenzug zu xununu hat man aber erkannt, welche Bedeutung das Thema Mobile hat und so gibt es sowohl eine mobil optimierte Website als auch eine App.

kunun vs Glassdoor - mobile bei Glassdoor schon Realtität

Und selbstverständlich hat man bei Glassdoor genauso mit Vorbehalten und Skepsis zu kämpfen, wie xununu auch:

„Glassdoor is a career website where employees can anonymously dish about their workplaces, and many of them don’t hesitate to trash their companies and CEOs.“

Insofern wird es Glassdoor meiner Ansicht nach nicht ganz leicht auf dem deutschen Markt haben, da auch ein starker Partner wie Xing an der Seite fehlt. Charmant wäre hier eine Liaison mit LinkedIn, die dann beide gemeinsam den deutschen Markt aufmischen könnten. Andererseits – Mit 50 Millionen im Rücken lässt sich schon ganz gut der Markt aufmischen. Und vor dem Hintergrund der aktuellen Stimmung schauen wir einfach mal, wie sich die Dinge entwickeln, gell?

Update: Wie weitere Recherchen ergaben, greift Glassdoor nicht nur auf dem deutschen, sondern im gesamten europäischen Markt an. „One of the company’s most important current initiatives is expansion into international markets.“  Das europäische Headquarter sitzt in London und von dort aus rekrutiert man bspw. auch für Frankreich und Deutschland. Ziel ist es, als Top Karriereportal den deutschen Markt zu beherrschen: „In this position (Country Manager) you will help us enter the German market and rapidly grow our presence there to become the dominant career community in Germany.“

 

Country Specialist Glassdoor Germany

Wir dürfen gespannt sein, ob das gelingt. Offenbar aber ist das deutsche Team schon an Bord, derzeit sind nämlich keine Stellen mehr ausgeschrieben. Die Stelle des Country Managers respektive der Country Managerin bekleidet ein bis dato zumindest hier in der Szene unbeschriebenes Blatt, Sonja Perry (wen man nicht alles so auf Xing findet – selbst der CEO von Glassdoor Robert Hohman hat ein Profil dort ;-)). Auch die deutsche Domain glassdoor.de ist seit Mitte September gesichert. Und nicht nur das: Auch für andere europäische Seiten (z. B. Frankreich, Spanien, Irland, Italien, Österreich) wurden bereits Weiterleitungen eingerichtet. Insofern möchte Glassdoor offenbar den gesamten europäischen Markt erobern. Wer im Übrigen den französischen HR-Markt als Business Development Executive aufmischen möchte, sollte diesem Link folgen.

Das Video hier gibt einen schönen Einblick in die Arbeitswelt von Glassdoor. Man bekommt glatt Lust, sich zu bewerben :-)

Update 2:Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten„. Diesen unvergessenen und wie Hohn klingenden Satz sagte DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz. Zwei Monate später stand die Berliner Mauer. In etwa so reagiert gerade Glassdoor: Natürlich hegt man derzeit keinerlei Pläne, den deutschen Markt zu erobern. So zumindest fällt die Antwort, die ich heute Morgen von Glassdoor bekam, aus:

„Hi Henner,
Thank you for reaching out. While we’re not disclosing specific expansion plans at this time, we’d love to keep you in the loop as we get closer.“

Dass man die Stelle eines Country-Managers für Deutschland besetzt hat und ein Sales-Team deutsche Unternehmen für Glassdoor akquiriert, geschieht also offenbar aus Langeweile. Eine Aussage wie diese: „One of the company’s most important current initiatives is expansion into international markets.  […] In this position you will help us enter the German market and rapidly grow our presence there to become the dominant career community in Germany.“ habe ich wohl misinterpretiert. Dass man sich am 13. September 2014 die Domain www.glassdoor.de gesichert hat, geschah also nur aus reiner Voraussicht. Nee, is klar. Und ich bin der Kaiser von China.

  1. […] dass man eher die Stelle eines französischen Country Managers besetzen konnte als mit einem deutschen, der unseren komplexen […]

  2. Michel sagt:

    Spannend und nicht überraschend!
    Ich bin v.a. gespannt darauf, ob es in den german offices ebenfalls Onsite Yoga gibt und man seine Haustiere mitnehmen kann ;-). Übrigens auch sonst spannend zu sehen, was Glassdoor seinen US-Kollegen alles anbietet (PC or Mac, sunny offices etc.).

    Und für die Personaler bedeutet dies nochmals eine weitere Möglichkeit, ein Firmenprofil zu schalten. Als gäbe es nicht jetzt schon Genügende… ;-)

    Grüsse aus der Schwiiz
    Michel

    • personalmarketing2null sagt:

      Ja, die Benefits lassen sich sehen. Auch ist der Standort des Headquarters Sausalito gar nicht mal übel. Ich war da mal vor Jahren, da gab es Glassdoor allerdings noch nicht :-)
      Was die Sache mit dem Firmenprofil angeht, stimme ich dir zu. Klarer Vorteil für Glassdoor ist aber die Internationalität der Plattform. Insofern bieten die Amis gerade für international aufgestellte Unternehmen viel mehr Möglichkeiten, als xununu das kann. Im Übrigen ist ein Angriff auf die Schweiz wohl noch nicht geplant. Zumindest ist die Domain noch nicht gesichert ;-)

  3. Lasse Seidel sagt:

    …hat Glassdoor einen „Countrymanager“, der den deutschen Markt versteht, kann es einen gesunden Wettbewerb geben – wenn nicht, kann die kununu-Xing-Connection ganz entspannt sein: Man muss den deutschen HR-Markt erst einmal verstehen (=> als amerikanisches Unternehmen).
    Das ist so manches Mal ja schon für ansässige Anbieter schwierig bis unmöglich. ;-)

    Ich bin gespannt, wie die offizielle Antwort ausfallen wird von den Glassdoorern!

    • personalmarketing2null sagt:

      Das ist ein sehr guter Punkt! Man sieht ganz schön an LinkedIn, wie sich amerikanische Unternehmen in Deutschland schwer tun. Ist erst einmal ein Platzhirsch da, wird es schwierig, den abzulösen. Allerdings spielt das aktuelle Geschäftsgebären der X-Connection sowohl Glassdoor als auch LinkedIn in die Karten. Wenn dann auch noch User Experience, Benefit, Service (!) und Pricing stimmen, könnte es spannend werden! Auch ich bin gespannt auf eine Antwort!

  4. Stefan Nette sagt:

    Wo oben schon gesagt, bin ich immer reichlich ambivalent wenn US-Platzhirsche mit viel Geld in unseren Markt drängen, meistens missachten Sie jegliche Gegebenheiten vor Ort und wollen ihr Konzept durchdrücken, das missfällt mir.

    Ein bisschen Belebung kann der Sache aber tatsächlich nicht schaden.

    Gruß
    Der andere Stefan

  5. Hallo Henner,
    das sind interessante Neuigkeiten. Ich persönlich habe mir oft Inspirationen über Glassdoor geholt und freue mich, dass mit einem potenziellen Markteintritt frischer Wind auf den Seiten der Arbeitgeber-Bewerter weht.

    Danke für den Beitrag und Deinen Einsatz.
    Viele Grüße aus Düsseldorf,
    Henryk

  6. Hallo Henner,
    vielen Dank, dass Du uns wieder mal auf anstehende News im Markt hinweist. Auch wenn ich grundsätzlich kein Fan davon bin, wenn amerikanische Internetfirmen den deutschsprachigen Raum mit großem finanziellen Engagement aufmischen, so könnte der Eintritt von Glassdoor auf dem deutschen Markt tatsächlich Bewegung in das aus meiner Sicht etwas „schläfrig“ gewordene Xununu-Imperium bringen. Warten wir es mal ab – am langen Ende werden die Personalmarketingverantwortlichen in den Unternehmen entscheiden, wer Erfolg haben wird und wer nicht.
    Ich bin mir sicher, Du bleibst da dran.
    Stefan

    • personalmarketing2null sagt:

      Servus Stefan, stimme dir da zu. Auch ich sehe den Eintritt amerikanischer Unternehmen mit Skepsis. Wenn es aber den Markt beleben würde – was dringend notwendig wäre, denn Plattformen wie Companize, Jobvoting oder Bizzwatch scheint dies nicht zu gelingen – wäre es in jedem Fall eine Bereicherung! Ich bleibe dran!

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