Glassdoor: Deutsche Personaler in Schockstarre

Nach Markteintritt von Glassdoor: Deutsche Personaler in Schockstarre

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Gestern war der große Tag. Nach monatelangen Vorbereitungen ging das weltweit größte Arbeitgeberbewertungsportal Glassdoor mit viel Bohei in den Medien auch mit einer deutschen (Internet)präsenz an den Start. Und während ich geblendet davon, dass endlich mal ein Wettbewerber den Monopolistenmarkt aufmischt, einen euphorischen Blogartikel schrieb, hagelte es von anderer Seite Schelte. Ach, was sage ich: Eine Gefahr für das gesamte Abendland, zumindest aber für Bewerber und in der Folge für die armen Unternehmen, wurde ausgemacht. Und da zeigte sie sich wieder, die Fratze des „hässlichen Amerikaners“. Was war geschehen?

Für viele Personaler ist Glassdoor das personifizierte Böse

Ganz einfach: Der von mir für seine meist kritischen Beiträge sehr geschätzte Blogger Stefan Scheller war über die Eingabe des Unternehmensnamens in die Glassdoor-Suchmaske über eine vermeintlich von seinem Arbeitgeber geschaltete Stellenanzeige gestolpert. Und was er da zu sehen bekam, ließ ihn – das schreibt er selber – in Schnappatmung verfallen. Das Ganze sah dann so aus:

Sorgt für Schnappatmung bei Personalern

Das vermeintliche DATEV-Stellenangebot zeigt nur einen Bruchteil der Original-Anzeige. Ein Klick auf „Jetzt bewerben“ entführt den Bewerber dann auch noch und führt ihn in die Irre, so schreibt Stefan. Denn er landet nicht etwa bei DATEV, sondern auf  einer höchst dubiosen Website eines Anbieters aus der Schweiz und erblickt dort Folgendes:

Dubioses Stellenangebot auf Arca24

Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass es sich

  • nicht um die Website von Glassdoor handelt,
  • aber auch nicht um die von DATEV,
  • sondern um die von einem meines Erachtens höchst dubiosen Nepper, Schlepper, Bauernfänger.

Das, finde ich, lässt sich wunderbar an den Anzeigen, dem fehlenden bzw. unvollständigen Impressum und auch an der mehr als mangelhaften Rechtschreibung erkennen

Unseriöse Abzockanzeigen

Wer sich hier nun bewirbt, ist bei aller Liebe, wirklich saudumm. Und wer sich mit seinem Social Media-Profil anmeldet, noch dümmer. Ich will das an dieser Stelle nicht weiter kommentieren.

Stellt sich nun die Frage, was Glassdoor dafür kann. Scrollt man auf der Seite von Arca24 weiter nach unten, werden dort (vermeintlich) weitere Jobs von DATEV angezeigt. Ein Klick auf diese offenbaren ein ähnliches Bild wie oben. Dummerweise werden diese nun aber über Jobaggregatoren (was glauben Sie, wie Glassdoor an so viele Jobs gelangt? Durch Kooperationen mit Adzuna, Stepstone, indeed u. a.) per Schnittstelle an Glassdoor weitergegeben und dann dort angezeigt. Wenn einer Kritik verdient, so wären es wohl in erster Linie Arca24 oder aber die Programmierer :-). Und dann Glassdoor.

Denn zugegeben, dass diese Stellenanzeige mit dem Unternehmensprofil von DATEV zusammengeführt wird, ist nicht besonders glücklich. Stimmt. Problem ist – und das nicht nur bei Glassdoor – dass einige Jobaggregatoren und Suchmechanismen nicht besonders trennscharf sind und solche Suchergebnisse und Schnappatmung fördernde Erlebnisse leider keine Seltenheit sind. Selbst bei Monster bekommen Sie bei Eingabe von „DATEV“ nicht nur Jobs bei DATEV angezeigt, sondern alle, die irgendwo in der Anzeige den Begriff DATEV beinhalten. So kann es auch passieren, dass bei einer Suche nach „Koch“ auch Stellenanzeigen angezeigt werden, wo der Ansprechpartner mit Nachnamen Koch heißt. Was aber immerhin einen positiven Aspekt zeigt – Stichwort Candidate Experience, die ja als so gefährdet gesehen wird: Dass hier in der Stellenanzeige ein Ansprechpartner genannt wird nämlich.

Übrigens ist das Thema Jobsuche insgesamt nicht ganz so trivial. Problem ist nämlich, dass Sie in der Regel gar nicht wissen, wie der Bewerber nach Stellenangeboten sucht. Der eine sucht nach konkreten Stellenbezeichnungen, der andere wiederum nur nach Schlagworten wie bspw. Personal oder Controlling, der nächste nach dem Unternehmensnamen. Und: Der gemeine Personaler (der eben gerne in Schockstarre fällt, wenn etwas Neues auf den Markt kommt, was er nicht kennt, mit dem er sich  auseinandersetzen muss und vor allem: was er nicht steuern kann), der gemeine Personaler also ist nämlich das nächste Problem. Wie meine Artikel zu Referenten oder Ressourcen-Managern denke ich eindrucksvoll untermauern. Und da muss der arme Programmierer also den bestmöglichen Kompromiss finden. Und da wiederum bleibt dann beim Job Scraping im Zweifelsfall mal ein wenig Qualität auf der Strecke.

Während man sich bei Monster & Co. offenbar damit arrangiert hat oder zumindest kein Hahn mehr danach kräht, ist dann ein mit Pauken und Trompeten gestartetes Arbeitgeberbewertungs-Portal, zumal es aus den Staaten kommt und insoweit ohnehin argwöhnisch beäugt wird, natürlich der Buhmann.

Auch dass Inhalte nicht trennscharf zu Unternehmensprofilen aggregiert werden, ist kein Einzelfall. Überhaupt dass jemand ein Unternehmensprofil anlegt. Kaum vorstellbar! Auf einmal hat man als Personaler nicht mehr die Zügel in der Hand, sondern muss sich von Mitarbeitern oder – merklich schlimmer – vom lästigen Bittsteller Bewerber vorführen lassen. Blöd natürlich nur, dass weder Mitarbeiter noch Bewerber oftmals die korrekte Firmierung kennen. Und schon haben wir den Salat. Da gibt’s auf einmal Profile von DATEV, DATEV eG, DATEV Consulting, DATEV Nürnberg etc. pp. Blöd und unerfreulich, klar. Weil so natürlich die Unternehmensprofile nicht die Wirklichkeit widerspiegeln und Informationen, die fürs Gesamtbild wichtig wären (z. B. Mitarbeiteranzahl, Anzahl der Bewertungen (und damit auch deren Durchschnitt, der bitteschön möglichst hoch liegen sollte), Gehaltsangaben), nicht aggregiert werden. Oder schauen Sie mal auf Facebook: Da gibt es Unternehmensseiten, von denen die Unternehmen nicht mal wissen, dass sie existieren. So ist das nun mal im bösen, bösen (irgendwie dann auf einmal gar nicht mehr so) sozialen Internet. Deswegen sage ich bei Facebook ohnehin immer wieder Finger weg. Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Meinen Sie denn, Hoteliers oder Kneipiers sind glücklich, wenn sie auf einmal ihr Hotel oder ihre Kaschemme (wahrscheinlich sogar zu Recht) schlecht bewertet sehen?

Und was die Sache mit Glassdoor angeht: Glassdoor ist natürlich nicht nur der hässliche Amerikaner, sondern auch noch ein weiteres ernstzunehmendes hässliches Arbeitgeberbewertungsportal. Und die haben’s ohnehin nicht leicht (gilt generell für Bewertungsportale). kununu und Glassdoor können ganze Arien davon singen. Und deutsche Personaler bekommen ohnehin Schnappatmung und verfallen in Schockstarre, wenn auf einmal nicht mehr sie die Unternehmenshoheit haben und sich Beiträge über ihre Unternehmen verselbständigen. Wie ich oben schon schrieb, hat auf einmal der Nutzer, haben Bewerber und Mitarbeiter das Zepter in der Hand. Und das, ja das gefällt natürlich nicht jedem. Und so wird auch schon über die ersten rechtlichen Schritte gegen Glassdoor gemunkelt, weil man es gar nicht lustig findet, dass da Profile angelegt werden, die Unternehmen dort aber dort gar nicht auftauchen möchten und schon gar nicht, dass ihre Gehälter veröffentlicht werden. Könnte ja gegen sie verwendet werden. Oder der Bewerber von einer Bewerbung absehen, weil er für den Hungerlohn nicht arbeiten möchte. Böse, böse Transparenz!

Das freilich ist nichts Neues, weder für Arbeitgeberbewertungsportale im Allgemeinen, noch für Glassdoor im Speziellen (Spannend ist dieses Thema bei Glassdoor insofern, weil es trotz zum Bersten gefüllter Kriegskasse noch keine deutsche Niederlassung gibt und tatsächlich das ganze Handling vom wunderschönen Sausalitos bzw. vom mittleren Westen aus erfolgt. Wirklich hübsche Ecke, sollten Sie mal in San Francisco sein, schnell einmal über die Golden Gate Bridge, schon sind Sie da. Mehr oder weniger zumindest).

Für Bewertungsportale Business as usual eben.

Nichtsdestotrotz hat Glassdoor natürlich längst reagiert und entsprechende Schritte eingeleitet. Klar ist, dass wo gehobelt wird, auch Späne fallen. Ein Website-Launch erfolgt nie fehlerfrei. Immer gibt es irgendwo Kleinigkeiten, die im Laufe der Live-Phase erst entdeckt werden und die dann beseitigt werden. Gefüllte Kriegskasse hin oder her. Sollten auch die wissen, die gerade so laut Buh schreien.

Übrigens, die Stellenanzeige, die Stein des Anstoßes war, findet man nun nicht mehr bei Glassdoor.

Glassdoor - smile :-)

Wohl aber bei Arca24.

  1. […] Diskussionen und Blogbeiträge: “BÄM! Glassdoor jetzt auch in Deutschland!” und “Nach Markteintritt von Glassdoor: Deutsche Personaler in Schockstarre” titelte personalmarketing2null und wollmilchsau fragte “Bringt Glassdoor […]

  2. […] Start von Glassdoor in Deutschland, nicht besonders begrüßt. In einem Artikel ist sogar von einer Schockstarre unter deutschen Personalern die […]

  3. […] des Dialogs mit den Bewerberzielgruppen über Facebook, Kununu oder künftig vielleicht auch Glassdoor wird ebenfalls immer mehr zum Standard. Doch alle diese „Köder“ nützen nichts, wenn […]

  4. […] Henner Knabenreich: Nach Markteintritt von Glassdoor: Deutsche Personaler in Schockstarre […]

  5. Danke Henner, für Deine lange Stellungnahme.

    Dass Glassdoor böse sei, habe ich nicht gesagt. Nur die Zwischenschaltung von arca24 ist dann doch eher unseriös, wie wir beide festgestellt haben. Allerdings gehe ich davon aus, dass Glassdoor den „Man in the middle“ selbst als Vertragspartner an Bord geholt hat, oder? Ich glaube nicht dass man da jetzt pauschal sagen kann, dass Glassdoor dafür nichts kann. Insofern muss sich Glassdoor das in meinen Augen auch zurechnen lassen.

    Was das Thema „Bewerber zuführen angeht“: Es stellt sich die Frage, ob eine Stellenanzeige im Netz nur ein Mittel zum Zweck des Recruitings ist. Wenn es so wäre, könnte man diese auf 10 Worte für einen Algorithmus zurückstutzen. Ohne Bild und sonstiges Schnickschnack. Dann bräuchte man aber keinerlei Employer Branding mehr. Dann könnte man die Marke auch freifliegend im Markt entstehen lassen.

    Aber aus meiner Sicht ist eine Stellenanzeige eben mehr. Es ist Arbeitgebermarken-Kommunikation und trägt einen Teil Employer Branding in sich. Eine Aussage über den Arbeitgeber, wie dieser sich selbst sieht bzw. wie die Marke aufgestellt ist. Darüber hinaus die Botschaft in den Markt: „Dieses Unternehmen stellt ein“ mit all den verbundenen Assoziationen.

    Dass das soziale Netz authentisch Markeneindrücke ergänzt, ist super. Und ich persönlich wäre der Letzte, der Social Media und Markenbildung durch die Online-Äußerung Dritter steuern oder gar verhindern wollte.

    Aber nochmal: Wenn ein Unternehmen wie Glassdoor Geld damit verdienen will, Unternehmen Bewerber zuzuführen, dann muss es nun mal bereit sein, seine Kunden (und das sind ja auch die Unternehmen) zu verstehen. Es geht um Passung. Nicht nur um das Passen von Wortfetzen und Schlagwörtern. Eine Stellenanzeige (so man sie denn überhaupt schaltet) vermittelt also mehr als für ein schematisches Recruiting nötig ist.

    Und das muss auch Glassdoor verstehen, wenn es seine Kunden verstehen will. Ob das nun am Ende RICHTIG ist und zielführend ist egal. Wenn der Markt so tickt wie die Reaktionen auf meinen Artikel zeigen, dann muss Glassdoor handeln. Mehr habe ich nicht behauptet und wollte ich auch nicht aussagen. Und Panikmache sehe ich ebenfalls nicht. Nur den Start wichtiger Diskussionen.

    Und dass die Mehrzahl der Leser meines Beitrags unreflektiert meine Meinung übernommen hat, ist eine mehr als kühne These. Da traue ich persönlich der Community wesentlich mehr zu.

    Wie auch immer: Glassdoor ist herzlich willkommen als zukünftig relevanter Player. Alleine weil dadurch wieder Belebung in den Markt kommt. Und mal ganz ehrlich: Letztlich sollte Glassdoor mir dankbar ein, dass die Themen jetzt sehr schnell auf den Tisch kommen, die für einen erfolgreichen Markteintritt in Deutschland nötig sind. – Denn letztlich hätte die HR-Community schon ganz am Anfang gefragt werden müssen. Aber das lässt sich jetzt noch in gewissem Rahmen nachholen.

    Wir HR-Blogger stehen bereit …

  6. Sorry wegen der Tippfehler, aber warum gibt es keine Vorschaufunktion?

    • personalmarketing2null sagt:

      Na, eine Vorschaufunktion ändert ja auch nichts an den Tippfehlern, oder? :-)
      Oder anders gesagt: In einer Vorschaufunktion sehe ich ja auch nichts anderes, als ich im Kommentarfenster getippt habe.

  7. Zitat:
    „Wie ich oben schon schrieb, hat auf einmal der Nutzer, haben Bewerber und Mitarbeiter das Zepter in der Hand. Und das, ja das gefällt natürlich nicht jedem. Und so wird auch schon über die ersten rechtlichen Schritte gegen Glassdoor gemunkelt, weil man es gar nicht lustig findet, dass da Profile angelegt werden, die Unternehmen dort aber dort gar nicht auftauchen möchten und schon gar nicht, dass ihre Gehälter veröffentlicht werden. Könnte ja gegen sie verwendet werden. Oder der Bewerber von einer Bewerbung absehen, weil er für den Hungerlohn nicht arbeiten möchte. Böse, böse Transparenz!“
    Ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Gehaltsvergleiche unter Kollegen schon lange kein Tabu mehr ist und auch richterlich geklärt wurde.Das ergibt sich aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommerns in Rostock (Az.: 2 Sa 237/09
    Quelle SZ 2010:
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/gehaeltervergleich-verdienst-der-kollegen-kein-tabu-mehr-1.987756

  8. Lieber Henner,

    da scheint Dich mein Beitrag vom Donnerstag ja in Mark und Bein getroffen zu haben oder zumindest stark emotional erregt.

    Logischerweise habe ich ein paar wichtige Anmerkungen zu:
    Glassdoor ist für mich erst einmal ein Portal wie alle anderen auch und wird genauso offen empfangen und bewertet. Stoße ich dabei auf Kritikpotenzial oder das, was ich als solches erachte, äußere ich diese. Die Reaktionen auf meinen Beitrag machen dann die Leser.

    Also stellt sich die Frage, was die deutsche HR-Community am Ende doch so an dem von mir aufgezeigten Thema bewegt hat, dass die Reichweite über die Medien hinweg die 100.000er Grenze überschritten haben dürfte (alleine via XING waren es knapp 20.000)?

    Dabei geht es mitnichten um einen Verriss von Portalen, die Algorithmen nutzen, um Mehrwert zu stiften. Das tun viele und das begrüße ich auch sehr. Auch geht es nicht darum, dass Jobs qualitativ nicht sonderlich passgenau ausgegeben werden. Und es geht schon gar nicht darum, die Hoheit über die eigenen Inhalte im Netz zu haben.

    Aber: Es macht nun mal einen Unterschied, ob Nutzer (z.B. Bewerber, Mitarbeiter oder ähnlich) authentische Inhalte der Transparenz halber ins Netz stellen oder ob dies ein rein kommerzieller Anbieter tut und damit Geld verdienen will. Und ob er die Inhalte (die trotz allem ja einen Markeneindruck vermitteln sollen) dabei noch erkenntlich sind.

    Stellen wir uns mal vor, es würde jemand über Dich eine neue Facebookseite anlegen und kryptisch Inhalte aus Deinem Blog dort veröffentlichen. Komplett aus dem Zusammenhang gerissen, dort wo Du Dich zum Beispiel heftig über etwas aufregst. Und damit ein verzerrtes Bild über Dich zeichnet. Das dann so aussehen würde, als wäre an Deinen Aussagen nichts Konstruktives dran. Und unterstellen wir weiter, er würde dort auf Facebook massiv Traffic erhalten und Deine eigene Website im Googleranking überflügeln.

    Dann stelle ich Dir die Frage, ob Du mit Deinem eigenen Unternehmen das noch so gut fändest.

    Wie gesagt: Nichts gegen authentische Aussagen Dritter im Netz! – Aber selbstverständlich haben Unternehmen diese lieber irgendwo gebündelt und aggregiert. Den Markenverantwortlichen geht es dabei weniger um Kontrolle, als vielmehr um die Chance, zu reagieren und ggf. zu antworten. Insofern bin ich gerade großer Fan von Arbeitgeberbewertungsportalen, weil dort Raum geschaffen wird für Dialog, der freifliegend im Netz nur wesentlich schwieriger entstehen kann.

    Abschließend noch ein Satz zu Deiner Kritik in Richtung „böses amerikanischen Unternehmen“. Wenn ich Deine Beiträge zu Facebook (das viele sehr bereichernde Ansätze zeigt und zurecht als Anmeldemöglichkeit bei Portalen zunehmend genutzt werden wird) richtig interpretiere, dann habe ich umgekehrt eher den Eindruck, dass Facebook für Dich die Wurzel allen Übels darstellt. Witzigerweise ein amerikanisches Unternehmen.

    Und ein „Deswegen sage ich bei Facebook ohnehin immer wieder Finger weg. Ich kann es gar nicht oft genug betonen.“ in Deinem Beitrag ist doch nicht wirklich ein offenes Statement in Richtung Social Media, oder?

    Wir tauschen uns am Donnerstag in FFM einfach nochmal persönlich bei einem Bier dazu aus, denke ich. ;)

    • personalmarketing2null sagt:

      Lieber Stefan,

      auf jeden Fall tauschen wir uns da aus, keine Frage! :-)

      Vorab werde ich aber noch mal schnell hier Stellung nehmen.

      Zunächst einmal ist es nur gut und richtig, dass du etwas kritisch unter die Lupe nimmst. Mache ich ja auch. Ich finde nur, dass du da (und das ist eben meine Meinung und mein Empfinden) etwas unreflektiert und überstürzt einen Schuldigen ausgemacht hast. Nämlich Glassdoor. Und das führt wiederum dazu, dass dein Artikel (und deine Meinung) dazu geführt hat, dass viele andere den Inhalt unreflektiert aufgenommen (und kommentiert) haben. Diese Panikmache wiederum führt dazu, dass zum einen die von dir ebenso wie von mir als sehr wertvoll eingeschätzten Arbeitgeberbewertungsportale von den Personalern, die diese als böse und arbeitgeberfeindlich einstufen, noch böser einschätzen und sich entspannt zurücklehnen und sagen „habe ich doch immer schon gesagt, dass das Müll ist und wir als arme Arbeitgeber mit Dreck beworfen werden“ etc. Zum anderen dazu, dass nach Meinung dieser dann mal wieder ein amerikanisches Portal seine häßliche, seine böse Fratze zeigt.

      M. E. solltest nicht nur du, sondern eigentlich alle Unternehmen Glassdoor dankbar sein. Warum du?
      Nun, wenn du nicht auf Glassdoor zufällig auf den Eintrag aufmerksam geworden wärst, wärst du nie auf das Abzockportal Arca24 aufmerksam geworden. Denn die sind ja letztendlich diejenigen, die die diese verstümmelte Stellenanzeige auf ihrem Portal präsentieren, vom armen Bewerber die Daten abgreifen und die Candidate Experience massiv gefährden. Das ist nicht Glassdoor.

      Warum die anderen? Ganz einfach: Weil auf diese Weise die Jobs, die ihr ausschreibt, weil ihr ja Hände ringend auf der Suche nach Fachkräften seid und ihr alle darüber jammert, sie nicht zu finden, über einen weiteren Weg zu potenziellen Bewerbern finden.

      Blöd dann, wenn so etwas wie du es geschildert hast, zu eurem Profil aggregiert wird, welches dann nicht offiziell von euch angelegt wurde, sondern von einem ehemaligen Mitarbeiter. Wenn ein Unternehmen dann die Hoheit über das verliert, was eigentlich im Idealfall nach außen dringen sollte. Stichwort Hochglanzprospekt.

      Womit wir dann beim Social Web wären. Die Büchse der Pandora ist nun einmal geöffnet. Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. Natürlich ist es toll, dass wir alle eigenen Content erstellen können und wir in den Dialog treten können. Ohne jede Frage! Und das tun wir auch fleißig. Aber das führt dann eben auch dazu, dass Facebook auf einmal die Hoheit über irgendwelche Inhalte bekommt (was natürlich den wenigsten wirklich bewusst ist) oder dass irgendwelche Feeds abgegriffen werden können und auf irgendeiner Website (im Zweifelsfall in einem falschen Zusammenhang) aggregiert werden. Wo wir beim Scraping wären. Natürlich rege ich mich in einigen Fällen darüber auf, wenn auf einmal Inhalte von mir auf irgendeiner Website auftauchen. Vor allem, wenn sie nicht als meine ausgegeben werden ;-). Ist doch klar. Genau wie ich mich darüber aufrege, wenn über mich falsche Tatsachen verbreitet werden. Aber leider ist dies technisch eben möglich.

      Genau wie es technisch möglich ist, sich per Facebook- oder sonstwas-Profil irgendwo einzuloggen. Ist das aber automatisch gut? Jein. Klar, es ist praktisch, wenn ich nicht überall meine ganzen Daten hinterlegen muss. Es ist aber vor allem praktisch für alle Datenkraken dieser Welt. Die auf alle deine Daten zugreifen können. Auf alle. Alle. Insofern sollte man sich gut überlegen, ob man die wirklich so gerne freiwillig zur Verfügung stellen sollte. Und die Abfrage deiner Bewerberdaten erfolgte nicht von Glassdoor, sondern von Arca24. Das aber werden nur die wenigsten gelesen haben (wie auch diverse Kommentare zu deinem Artikel nahelegen). Die Botschaft, die im Wesentlichen haften bleibt und von vielen unreflektiert kolportiert wird und dir auch die Aufmerksamkeit beschert hat: Glassdoor = unseriös. Glassdoor = böse.

      Noch mal zurück zum Thema Einloggen mit Facebook & Co und zu deinem Bewerbungsprozess und damit auch zum Stichwort Big Data: Die Gefahren sind immens, den wenigsten aber bewusst. Ich empfehle daher an dieser Stelle mal gleich drei Bücher

      Sie wissen alles von Yvonne Hofstetter – das ist zugegebenermaßen relativ sperrig zu lesen. Ein Sachbuch eben. Daher eher was leichter Verdaulicheres, aber nicht weniger beunruhigend:
      ZERO – Sie wissen, was du tust von Marc Elsberg – oder, mein Favorit:
      Der Circle – von Dave Eggers absolute Pflichtlektüre für alle, die sich keinerlei Vorstellungen davon machen, wohin all die ganze Vernetzung und Preisgabe der Privatsphäre in sozialen Netzwerken hinführt.

      So. Und der Rest am Donnerstag. Schönen Sonntag dir!
      Henner

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