Candidate Experience: Was Bewerber nervt

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Es wird mal wieder Zeit für einen Beitrag zur so genannten „Candidate Experience“. Oder, so wie ich es gerne nenne, zum „Candy Date„. Wobei eigentlich fast nahezu jeder Artikel hier zumindest zwischen den Zeilen einer zum Thema ist. Und das bereits seit 7 Jahren, obwohl da offiziell noch niemand über den Begriff gesprochen hat. Um alle abzuholen, gibt’s daher eine Definition und Informationen darüber, was Bewerber am meisten am Bewerbungsprozess nervt.

Oft nehmen wir HR-Blogger und -Experten wie selbstverständlich Begriffe in den Mund bzw. lassen Worte dank Tastatur das Licht der Welt erblicken, die in der breiten Masse noch nicht angekommen sind. Gerade letzte Woche habe ich einen launigen Vortrag zum Thema Fachkräftemangel (oder doch Ideenmangel?) gehalten und in dessen Kontext natürlich auch die Frage in den Raum respektive ans Auditorium gestellt (ca. 40 Leute, allesamt Personalentscheider), wer von den Anwesenden denn schon vom Begriff „Candidate Experience“ gehört hat. Ach, Sie verstehen auch nur Bahnhof? Kann ich mir zwar nicht vorstellen, schließlich lesen Sie einen HR-Blog wie diesen, aber dennoch… Als selbstverständlich kann ich es nicht voraussetzen, dass Sie schon von dem Begriff gehört haben. Daher hier zunächst einmal eine Begriffserklärung nebst Grafik.

Definition Candidate Experience

„Die Candidate Experience umfasst sämtliche Erfahrungen, die ein Bewerber während der gesamten Bewerbungsphase und darüber hinaus im Umgang mit dem Unternehmen bzw. dem (zukünftigen) Arbeitgeber sammelt“.

Die Aspekte der Candidate Experience

Und zwar vom ersten Kontakt (in den meisten Fällen ist dies die Stellenanzeige, kann aber auch Außenwerbung oder die Karriere-Website oder eine Direktansprache via XING (neudeutsch: Active Sourcing) sein) bis hin zum Austritt bzw. der Freisetzung (neudeutsch: Outplacement), auf jeden Fall aber dem On-Boarding. Herrlich, oder? Candidate Experience, Outplacement, Onboarding, Touchpoint (neudeutsch für Berührungspunkt oder Kontakt) – willkommen in Deutschland! Gut, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden und zwar direkt neben meinem Friseur (von dem Sie ja bekanntlich einiges in Bezug auf den Umgang mit (Arbeitgeber-)Bewertungen lernen können) ihren Stammsitz hat. Die Mitgliedschaft ist quasi in trockenen Tüchern. Aber ich schweife ab. Zurück zum Thema.

Zu dieser oben genannten Candidate Experience gibt es immer wieder interessante Studien und Erhebungen (der geneigte Leser verfolgt dies hier im Blog bereits seit längerer Zeit) oder die Verleihung des Candidate Experience Awards nebst Rahmenprogramm, wo ich das Publikum mit einem launigen Workshop zum Thema Karriere-Websites erfreuen werde. Apropos erfreuen: Aktuell erfreut uns gerade das Stellenportal Jobware mit neuen Zahlen zum Thema Bewerbungsprozess. Die ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten will, mögen Sie den ein oder anderen von Ihnen hoffentlich im Umgang mit dem Bewerber sensibilisieren (und dazu führen, den Prozess zu optimieren). Hier also die Top 5 der nervendsten Aspekte im Bewerbungsprozess – mit nachfolgender Grafik.

Das nervt Bewerber im Bewerbungsprozess

  • Platz 1: Keine bzw. eine späte Antwort (62 Prozent).
    Auch ich warte bis heute auf eine Bestätigung respektive Absage auf Bewerbungen, die ich vor Jahren abgeschickt habe.
  • Platz 2: Keine Rückmeldung auch nach dem Vorstellungsgespräch (58 Prozent).
    Kein feiner Zug, der sich darüber hinaus rächt. Denn solch eine Vorgehensweise trägt kaum zu einer guten Reputation bei und schlägt sich schnell bei xununu & Co. und Bewerberforen (und natürlich in der Einschätzung der Arbeitgeberattraktivität nieder – das betrifft natürlich alle der genannten Punkte).
  • Platz 3: Keine Begründung für eine Absage (52  Prozent).
    AGG und damit geschürter Befürchtungen bei Recruitern, dass es Klagen hagelt, sei Dank.
  • Platz 4: Unrealistische Anforderungsprofile (49 Prozent).
    Lernen Unternehmen trotz fachlich fundierter HR-Blogs und guter Literatur eigentlich gar nichts dazu?
  • Platz 5: Hoher Zeiteinsatz für Anschreiben und Lebenslauf (31 Prozent).
    Werden Anschreiben nicht ohnehin total überbewertet? Und in welchem Verhältnis steht die Mühe zu der Zeit, die sich Recruiter für die Sichtung der Bewerbungsunterlagen (= wenige Sekunden) nehmen? Und wenn schon von „aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen“ die Rede ist – warum sind dann nicht wenigstens auch die Informationen, die ein Arbeitgeber von sich preisgibt mindestens ebenso aussagekräftig?

Candidate Experience: Das nervt Bewerber am Bewerbungsprozess - Quelle Jobware

Eine bemerkenswerte Konsequenz aus dieser von Forsa unter 507 „qualifizierten und leitenden Angestellten“ im Alter von 18 bis 60 Jahren – natürlich nicht repräsentativen – erhobenen Umfrage gibt es übrigens auch: Jobware bietet ab sofort eine „Feedback-Garantie“, um den nervigsten Aspekt im Bewerbungsprozess zu entschärfen. So können sich Bewerber, die nach 14 Tagen immer noch keine Antwort auf ihre Bewerbung erhalten haben, telefonisch oder per E-Mail an Jobware wenden. Dort will man den Unternehmen dann auf die Füße treten und so dazu beitragen, dass Bewerber und Unternehmen glücklich zusammenfinden. Nette Idee, wie ich finde.

Nett und wertschätzend kann übrigens auch ein Absageschreiben formuliert sein. Und das trotz automatisierten Standardschreibens.

Candidate Experience - auch eine Absage kann positiv und wertschätzend formuliert werden

Auch so etwas trägt natürlich zu einer positiven Candidate Experience bei. Die natürlich wiederum zu einer positiv wahrgenommenen Arbeitgebermarke beiträgt. Logisch, oder? Ohnehin können Sie „nicht nicht Employer Branding betreiben„. Oder anders gesagt: Kein Personalmarketing ist auch Personalmarketing. Nur eben kein gutes.


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