Ausbildungs-Pages auf Facebook: Das Abenteuer Social Media geht weiter

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 10 Minuten.

Vor einiger Zeit berichtete ich über Karriere-Fanpages, die sich speziell dem Thema Ausbildung widmen und sogar teilweise von Azubis selber betreut werden. Genau wie die eigentlichen Karriere-Fanpages (oder auch Karriere-Pages, Arbeitgeber-Fanpages, Recruiting-Fanpages oder neulich zu lesen: Karriereseiten (Achtung: Nicht zu verwechseln mit Karriereseiten, also eigentlich richtig Karriere-Websites (und nicht Homepage, Homepage ist lediglich, wie der Name schon sagt, die Startseite))) seit meiner Untersuchung im Frühjahr dieses Jahres sich mehr als verdreifacht hat (die aktuelle Übersicht aller Karriere- und Ausbildungspages finden sich nach wie vor hier), sprießen nun also auch die speziellen Ausbildungspages. Und, genau wie bei den anderen Karriere-Pages auch, gibt es hier und gute schlechte Beispiele und merkt man schnell, ob und wie ernst man es eigentlich mit dem Engagement in Social Media meint. Denn, auch auf die Gefahr, dass ich mich zum x-ten  Male wiederhole: es reicht nicht aus, eine schicke Page bei Facebook zu erstellen und dann darauf zu warten, dass die schon irgendwie funktioniert. Eine solche Page braucht ständige Pflege, sie dient ja dazu, in den Dialog mit den Fans oder Gefällt-mirern zu treten. Eine Befeuerung mit Twitterfeeds bringt da gar nichts und noch schlimmer ist es, gar nicht auf die Meldungen oder Kommentare einzugehen. Oder dies von vornherein zu unterbinden, indem man Fans die aktive Beteiligung an der Page verweigert (leider kein Einzelfall). Da kann ich nur sagen: Hausaufgaben nicht gemacht, 6, setzen! Bei aller Abenteuerlust und trial & error in Sachen Social Media, so viel sollte mittlerweile doch angekommen sein, dass das ein absolutes No go ist, oder?

Auf der Seite Ausbildung und Studium @Finanzverwaltung Rheinland-Pfalz wird eigentlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann: Postings per Twitter, nicht ausbildungsbezogene Postings und auf der Pinnwand werden nur die selbst geposteten Beiträge ersichtlich - Quelle: http://www.facebook.com/pages/Ausbildung-und-StudiumFinanzverwaltung-Rheinland-Pfalz/126134957437969?v=wall

Hier wird eigentlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann: Postings per Twitter, nicht ausbildungsbezogene Postings und auf der Pinnwand werden nur die selbst geposteten Beiträge ersichtlich

Und wer immer noch nicht weiß, wie es geht, findet hier im Blog wertvolle Hinweise und kann auch von den Learnings anderer Unternehmen profitieren, die sich hier an diversen Stellen in Interviews geäußert haben.

Nun, und seit meinem damaligen Artikel hat sich einiges getan. Nicht nur die Anzahl der Karriere-Fanpages an sich (noch einmal zur Erinnerung, hier meine Definition einer solchen Fanpage: eine Karriere-Fanpage ist eine Facebook-Page, bei der ein Unternehmen über sich als potenzieller Arbeitgeber informiert, Einblicke ins Arbeitsleben (in Wort und/oder Bild/Video) gibt, sich via Administrator oder Botschafter des Unternehmens (Mitarbeiter) mit seinen Fans austauscht und über aktuelle Jobs informiert. Die Karriere-Fanpage dient damit dazu, sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen und über den Dialog mit den Fans potenzielle Kandidaten zu gewinnen. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum sich in meiner Auflistung weder Personaldienstleister noch Jobbörsen finden.) ist im Laufe des Jahres von 18 am Anfang des Jahres auf bis heute 72 Pages angestiegen (andererseits ist auch die eine oder andere Page verschwunden, so bspw. die von RosenRTRC (die aber bei der Herangehensweise von Vornherein zum Scheitern verurteilt war) ), auch die Zahl der Karriere-Pages, die sich ausschließlich an Azubis wenden, steigt stetig. Hier die aktuellen Seiten, mit einer kleinen Einschätzung zur Ernsthaftigkeit und Umsetzung der Seiten:

  • Ausbildung @ Opel: 544 Fans.
    Start im Mai 2010. Jede Menge aktuelle Beiträge und auch Interaktion, ich habe allerdings den Eindruck, dass diese Seite ein wenig weg von der Azubiperspektive hin zur klassischen „Auslagerung-der-Personalabteilung-in-Sachen-Bewerberfragen“ abdriftet und ein wenig an Drive verloren hat (was daran liegen mag, dass Stephan und Stefan derzeit in Prüfungsvorbereitungen sind :-)).
  • Ausbildung und Studium bei Ondal: 51 Fans.
    Start im September 2010. Aktuelle Beiträge, leider wenig Interaktion, was auch daran liegen mag, dass hier nicht aus „Wir-Azubis“-Perspektive geschrieben wird und die kritische Masse an Fans noch nicht erreicht ist.
  • Ausbildung und Studium – made by TRUMPF: 210 Fans
    Start im März 2010. Hier hat sich ein bisschen was getan, es ist ein bisschen mehr Leben in die Bude gekommen aber die Beiträge haben meiner Meinung nach die richtige Tonalität (wir dürfen nie vergessen: Auszubildende befinden sich an einem komplett neuen Lebensabschnitt und brauchen umso mehr Unterstützung und Information – leider auch immer wieder auf Karriere-Websites zu beobachten, dass diese Zielgruppe eher stiefmütterlich bedacht wird. Warum eigentlich? Stellen Azubis doch in vielen Unternehmen die Zukunft dar und wird es immer schwieriger, qualifizierten Nachwuchs zu bekommen).
  • Ausbildung bei Swisslife: 123 Fans.
    Start im September 2010. Diese Seite überzeugt mit aktuellen Einträgen und lebendigen Dialogen. Schön: Die Seite wird von Azubis betreut, da passt auch die Ansprache!
  • Hypovereinsbank Ausbildung: 606 Fans.
    Start im Februar 2010. Quasi die Mutter aller Ausbildungs-Pages. Auch hier hat sich ein bisschen mehr Disziplin eingeschlichen. Dennoch der „kopflose“ Eindruck, den ich schon geschildert hatte bleibt, auch an der Usability hat sich nichts geändert. Schade. Da bestätigt sich einmal wieder, dass es nicht auf eine Fülle an frei gestalteten Tabs ankommt, sondern auf eine authentische Präsentation bzw. den Dialog auf Augenhöhe.
  • TTS Ausbildung: 79 Fans.
    Start im August 2010. Hier ist noch Luft nach oben. TTS ist mit zwei Seiten auf Facebook vertreten, das machen sonst nur wenige – eigentlich nur Siemens (siehe unten), ist aber mit Sicherheit ein guter Ansatz, weil wie oben dargestellt, die Zielgruppe der Azubis anders angesprochen will, als bspw. Young Professionals. Dennoch gibt es gute Beispiele, wie man die Wünsche beider Zielgruppen mit einander vereinbaren kann, wie die Seite der DFS sehr gut zeigt. (Im Übrigen hier der Hinweis an alle Bielefelder: nein, bei TTS handelt es sich nicht um die Tanzschule Teubner Schneider, in der verzweifelte Tanzlehrer vor vielen Jahren hoffnungslos versucht haben, mir Standardtänze beizubringen, sondern um Tooltechnic Systems, eine international agierende Unternehmensgruppe).
  • Phoenix Contact Ausbildung: 69 Fans.
    Start Dezember 2010. Jüngstes Gewächs. Phoenix Contact ist bedingt durch Gunter Olesch bekannt für eine sehr gute Personalarbeit. Die braucht das Unternehmen allerdings auch, denn der Standort Blomberg ist ungefähr so sexy wie Gummersbach oder Pritzwalk. Nichtsdestotrotz ein spannender und ausgezeichneter Arbeitgeber, der nun auch mit einer Ausbildungsfanpage aufwartet. Leider nicht konsequent umgesetzt (dabei hatte ich doch selbstlos meine Unterstützung angeboten :-)). Zwar bietet die Seite wirklich aufwendige Apps mit toll gemachten Kurzvideos zu den einzelnen Ausbildungsberufen. Aber wir sprechen hier von Social Media und sind hier bei Facebook, da geht es um den aktiven Dialog. Und der ist hier leider nicht möglich, maximal das Kommentieren einzelner Beiträge ist hier möglich. Und im Ton vergreift man sich hier leider auch – der ist sehr förmlich und animiert nicht gerade zum Mitmachen und trifft auch nicht den Nerv der Zielgruppe. Gut, für Phoenix Contact ist das gerade erst der Einstieg ins Abenteuer Social Media. Und wir haben alle mal klein angefangen und aus Fehlern lernt man bekanntlich. Und mit Sicherheit ein Unternehmen wie eben Phoenix Contact. Auf diesem Wege also mal viele Grüße ins gute Ostwestfalen-Lippe!
Phoenix Contact - Aufwendige Apps mit Kurzvideos zu jedem einzelnen Ausbildungsberuf. Respekt!

Phoenix Contact - Aufwendige Apps mit Kurzvideos zu jedem einzelnen Ausbildungsberuf. Respekt!

  • Stadtreinigung Hamburg Ausbildung: 62 Fans.
    Start Juli 2010. Das Tolle an Facebook ist, dass es für jeden eine Spielwiese darstellt und sich jeder dort darstellen kann (sogar eine Seite, die die Ausbildung im Fleischerhandwerk schmackhaft machen soll, gibt es ;-)) und so findet man auch die Ausbildungsfanpage der Stadtreinigung Hamburg. Dort geht es um die Berufsausbildung in der Stadtreinigung Hamburg. Schade, auch hier ist das Engagement wohl nicht ganz ernst gemeint, ansonsten würde die Page wohl gewissenhafter gepflegt.
  • Ingram Micro Ausbildung: 187 Fans.
    Start August 2010. Auch hier gilt wieder einmal mehr, dass weniger mehr ist. So finden wir auch hier recht aufwendig gestaltete Reiter, aber leider wenig Leben, sprich Dialog (die Social Media Essenz). Der letzte Eintrag ist von Oktober und von Lebendigkeit kann wohl kaum sprechen, wenn nur Videos gepostet werden. Im ersten Moment habe ich übrigens gedacht, hoppla, die Seite kennst du doch, die sieht ja aus wie

    Die Logos von Ingram Micro und Siemens - eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen

    Die Logos von Ingram Micro und Siemens - eine gewisse Ähnlichkeit lässt sich nicht leugnen

  • Starte dein Siemens: 295 Fans.
    Start im Oktober 2010. Wie heißt es hier so schön: „Wir sind die Siemens-Azubis und -Studenten und zeigen dir, warum du zu Siemens kommen solltest.“ Das passte bis dato noch nicht, bisher wurde hier eher „zentral“ gepostet, dass hier wirklich Azubis bzw. Studenten zu Wort kommen, ist noch recht neu und lässt sich auch auf den ersten Blick nicht erkennen. Erst im Reiter „Talente@work“ wird das entsprechende Team vorgestellt. Aber Siemens hat den Vorteil bestehender Social Media Erfahrung, war Siemens doch Pionier in Sachen Karriere-Fanpages. So kann das junge Team von Starte dein Siemens auf den reichen Erfahrungsschatz  von Hans-Christoph Kürn zurückgreifen und auch ich hätte noch den ein oder anderen Optimierungsvorschlag :-).
  • Warema Ausbildung und Studium: 6 Fans.
    Start Juni 2010. „Wir sind jetzt auf Facebook!“ Mit dieser wahnwitzigen Äußerung sind schon andere gestartet, einige haben die Kurve gekriegt, andere nicht. Schade, hier wäre mal wieder ein schönes Beispiel für einen Mittelständler gewesen, der Social Media fürs Ausbildungs- respektive Personalmarketing einsetzt. Wäre. Wenn er denn nicht schon im Vorfeld gescheitert wäre. Aber noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen, ich helfe gern! :-)

Fazit: Generell wirken einige Seiten eher wie ein Experiment oder auch „Abenteuer“, wie die Seiten von Warema oder der Finanzverwaltung Rheinland Pfalz eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wobei ich es schon bemerkenswert finde, dass eine langweilige Behörde so versucht, auf Bewerberfang zu gehen. Immerhin hat die Seite 39 Fans, aber mit Meldungen wie „Bitte beachten: Für Freistellungsaufträge wird nun auch die Steuer-Identifikationsnummer benötigt.“ lockt man keinen Hund hinterm Ofen hervor, geschweige einen potenziellen Azubi auf die Fanpage, oder? Und man sollte potenzielle Fans nie mit falschen Versprechungen anlocken, das kann nach hinten los gehen. Eine Fanpage lebt nun mal von Authentizität und vom Dialog mit den Fans, was nützt mir die schönste App, wenn ich keinen Ansprechpartner habe (der mir eigentlich versprochen wurde nzw, den man erwartet)? Social Media Engagement ist eben nicht „Wir sind jetzt auch auf Facebook!“, es bedeutet viel mehr den regelmäßigen Dialog mit der Zielgruppe auf Augenhöhe. Und das nicht nur 5 Minuten am Tag. Das ist nun mal die Wahrheit, tut mir leid! Das Bedürfnis der Zielgruppe nach Dialog wächst nun einmal mit den Errungenschaften von Facebook und dem Social Web. Und wenn ein Unternehmen solch eine Seite ins Netz stellt, erwartet ein Fan zu Recht  nicht nur Informationen, sondern die Bereitschaft zu echtem wechselseitigem Austausch. Und noch etwas: wenn ich schon so eine schöne Fanpage habe, sollte ich das auch kommunizieren. Denn über Facebook direkt kommen nur die wenigsten auf Ihre Seite. Es gilt also stets, die Social Media Aktivitäten mit allen anderen Aktivitäten – allen voran natürlich die Karriere-Website, aber natürlich auch crossmedial – zu vernetzen. Leider ist das weder bei Starte dein Siemens, bei TTS, bei Ondal, noch bei Phoenix Contact der Fall. Swiss Life,  Rheinland-Pfalz (!) und die Stadtreinigung sind hier bessere Vorbilder. Und bei einigen Unternehmen denke ich, bitte bitte kümmert euch erst um eure Karriere-Website, als euch blindlings ins Social Media Abenteuer zu stürzen. Die Erwartungen eurer Zielgruppe könnten ansonsten schnell zunichte gemacht werden… Insofern, das Abenteuer Social Media geht weiter. Und wir sind mittendrin, statt nur dabei.

Noch eine kleine Anekdote am Rande: Im Zuge der Suche von Nachmietern für meine Wohnung war auch der eine oder andere Azubi dabei, der gerade seine Ausbildung startet. Auf die Frage, ob er dann auch schon mal darüber nachgedacht hat, Facebook & Co. für die Jobsuche zu nutzen, erntete ich nur verwunderte Blicke und Kopfschütteln. Man mag es glauben oder nicht: das bevorzugte Medium zur Jobsuche bei der Jugend ist immer noch das gute alte Arbeitsamt. Es ist also noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Ach ja, und bevor wir uns auf Social Media stürzen, sollten wir erst mal die Hausaufgaben machen.

Gehen wir es also gemeinsam an.

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