Bewerber vermeiden? So geht’s! Teil 1: Unsichtbar sein

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Sie kennen das alle: Sie können sich vor Bewerbungen nicht retten! Täglich ereilt Sie eine Flut von Bewerbungen, interessierte Kandidaten wollen mehr zu einer Stelle wissen und blockieren das Telefon (und Ihre wertvolle Arbeitszeit) und das E-Mail-Postfach quillt auch noch über. Klar, dass da kaum Zeit fürs Tagesgeschäft oder die Umsetzung der DSGVO bleibt. Auch der Recruiting-Chatbot kann Sie nur wenig entlasten und ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber das muss nicht sein! Denn hier kommt sie, die ultimative Bewerbungsvermeidungsstrategie in drei Teilen!

Zunächst die gute Nachricht: Glücklicherweise entwickelt sich der Arbeitsmarkt so, dass das Erwerbspersonenpotenzial sukzessive sinkt. In einigen Bereichen haben wir nahezu Vollbeschäftigung erreicht, die demografische Entwicklung leistet einen zusätzlichen Beitrag, dass lästige Bewerbungen ausbleiben. In Ihre Karten spielt auch, dass es in einigen Regionen oder Branchen einen echten Fachkräfte-Engpass gibt (Optimisten sprechen gar von einem „Fachkräftemangel“). Und zu guter Letzt sind ohnehin nur 21 Prozent der gesamten Arbeitsmarkt-Teilnehmer aktiv auf Jobsuche. Doch keine Sorge, auch mit denen werden Sie spielend fertig. In meiner jahrelangen Beratungstätigkeit und in direkter Zusammenarbeit mit HR-Profis aus dem gesamten Bundesgebiet habe ich basierend auf dieser Ausgangslage drei Bausteine entwickelt, wie sich die lästigen Bewerber vom Hals halten können und Sie sich endlich wichtigeren Dingen, als der Bewerberansprache und dem Recruiting widmen können!

Diese Bausteine stelle ich Ihnen in den nächsten Wochen vor. Beginnen wir mit Teil 1, der Unsichtbarkeit.

#1 Seien Sie unsichtbar!

Wer diese Königsdisziplin beherrscht, hat eigentlich schon gewonnen! Machen Sie sich einfach unsichtbar! Wer nicht gefunden wird, dem bleiben Bewerbungen natürlich erspart! Was Sie für diese Unsichtbarkeit tun können? Ganz einfach!

Die perfekte Bewerbervermeidungsstrategie, Teil 1: Seid unsichtbar!

Verzichten Sie auf eine Karriere-Website

Mal ganz ehrlich: Wer braucht heute schon noch eine Karriere-Website? Warum sollten Bewerber Informationen über Sie als Arbeitgeber finden? Je transparenter Sie werden, umso größer ist die Gefahr, dass letztendlich irgendwelche Unverbesserlichen den „Jetzt bewerben“-Button klicken. Auch Jobs haben nichts auf Ihrer Website zu suchen. Nicht vergessen: Ihr Ziel ist es, KEINE Bewerbungen zu erhalten! Meine Empfehlung lautet daher: Verzichten Sie komplett auf einen Karrierebereich innerhalb Ihrer Corporate Website! So bleibt Ihnen schon der Mammut-Anteil an Bewerbungen erspart! Garantiert!

Verstecken Sie den Karriere-Button!

Leider gibt es in vielen Unternehmen Ewiggestrige, denen man solche Karriereseiten einfach nicht ausreden kann. Oft genug kann man sich gegenüber Geschäftsführung, Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit oder Marketing als Personaler einfach nicht durchsetzen und muss sich den Kollegen beugen. Problem dabei: Schaut man sich einmal die Web-Statistiken an, so wird man schnell feststellen, dass die Karriereseiten nach der Homepage am zweithäufigsten aufgerufen werden. Je nach Unternehmen entfallen im Schnitt 40 bis 60 Prozent der Zugriffe auf die Karriereseite. Im Hinblick auf eine Bewerbervermeidungsstrategie also absolut kontraproduktiv!

Dieser starken Nachfrage respektive Sichtbarkeit sollten Sie daher unbedingt einen Riegel vorschieben. Erreichen tun Sie dies, indem Sie den Karriere-Button gut verstecken. Besonders gut geeignet ist hierfür der Footer, beliebt und erfolgreich ist aber auch die Platzierung in der dritten Ebene unter Punkten wie „Unternehmen“, „Über uns“, „Aktuelles“ oder „Service“. Ich bin sicher, Ihnen fallen noch andere Lösungen ein! Denn bedenken Sie stets, dass jeder Besucher Ihrer Website ein potenzieller Bewerber sein könnte. Dummerweise also auch die, die gar nicht aktiv auf Jobsuche sind. Hier gilt es also, zu handeln und dem Aktionismus solcher Kandidaten den Riegel vorzuschieben. Unternehmen, die die Bewerbervermeidungsstrategie erfolgreich umsetzen, berichten davon, dass die Zugriffe auf die Karriereseiten (und in der Folge auch Eingänge der Bewerbungen) um 50 Prozent und mehr zurückgingen! Diese Potenziale gilt es also zu nutzen!

Verzichten Sie auf SEO und SEM!

Eine Binsenweisheit ist es, dass Besucher nur über die Karriere-Startseite auf Sie als Arbeitgeber aufmerksam werden. Viele Wege führen auf Ihre Karriere-Website! Ein Problem, dass viele Arbeitgeber umtreibt: Immer mehr Bewerber suchen über Google nach Stellenangeboten oder Informationen über Arbeitgeber. Blöd, wer da gefunden wird! Sie sollten also unbedingt von allen Maßnahmen Abstand nehmen, die eine erhöhte Auffindbarkeit zur Folge hätten. Insbesondere vor dem Hintergrund von Google Jobs sollten Sie also etwaige Pläne seitens Marketing & Co. boykottieren, mittels Suchmaschinenoptimierung (SEO = Search Engine Optimization) oder gar Suchmaschinenmarketing (SEM = Search Engine Marketing) für mehr Sichtbarkeit zu sorgen!

Verzichten Sie auf Jobbörsen und andere Portale

Ein weiterer Punkt in der Bewerbervermeidungsstrategie ist auch der Verzicht auf Jobbörsen oder andere Employer-Branding-Portale. Jede zusätzliche Quelle birgt die Gefahr zusätzlicher Bewerbungen! Positive Notiz am Rande. Die Reichweite der Jobbörsen nimmt stetig ab, auch hier wird die Anzahl der Bewerbungen also quasi automatisch zurückgehen. Dennoch: Jede Maßnahme, die Sie ergreifen, um Reichweite zu erzielen, zahlt negativ auf das Bewerbungsaufkommen ein! Dessen sollten Sie sich stets gewahr sein!

Die perfekte Bewerbervermeidungsstrategie

Nun sind Sie am Zug! Viel Spaß beim erfolgreichen Umsetzen! Die Unsichtbarkeit ist die Königsdisziplin. Sind Sie unsichtbar, sind Sie bereits am Ziel angelangt. Wer unsichtbar ist, wer wirklich unsichtbar ist, der braucht keine Bewerbungen zu fürchten und hat endlich wieder Zeit fürs Tagesgeschäft! Falls Sie mit den o. g. Empfehlungen jedoch nicht erfolgreich waren, keine Sorge! In Teil 1 und 2 der perfekten Bewerbervermeidungsstrategie erfahren Sie, was Sie tun müssen, wenn es dann doch ein vorwitziger Kandidat geschafft hat und zu Ihnen durchgedrungen ist.

Bewerber vermeiden, Teil 2: Austauschbar sein

Bewerber vermeiden, Teil 3: Unnahbar sein


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Über den Autor

Hallo, ich bin Henner Knabenreich. Seit 2010 schreibe ich hier über Personalmarketing, Recruiting und Employer Branding. Stets mit einem Augenzwinkern oder den Finger in die Wunde legend. Auf die Recruiting- und Bewerberwelt nehme ich nicht nur als HR-Blogger maßgeblich Einfluss, auch als Autor, als Personalmarketing-Coach, als Initiator von Events wie der HR-NIGHT oder als Speaker hinterlasse ich meine Spuren in der HR-Welt. Sie wollen mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, haben Interesse an einem Karriere-Website-Coaching, suchen einen Partner oder Berater für die Umsetzung Ihrer Karriere-Website oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Ob per E-Mail, XING, LinkedIn oder Twitter - sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Sie!


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    1. Susann sagt:

      Erscheint das hier nur mir so krank??
      Sich als Unternehmer vor den Fachkräften verstecken müssen, an denen es angeblich doch so mangelt? Da lache ich mich doch fast tot – wenn es nur nicht so traurig wäre!
      Gäbe es nicht, wie täglich zu lesen, ein so unfaßbar, teilweise abgründiges Mißmanagement in den Unternehmen, würden nicht ständig Tausende entlassen, siehe z. B. die Banken-„Krise“ wegen ausgearteter Anlagegeschäfte mit in der Folge hohen Strafzahlungen und Pleiten, für die der arme Steuerzahler, neben vielen anderen Untaten, dank Unterstützung durch Politik und Gesetzgebung, auch noch aufkommen soll. Auch zur Automobil-, Versicherungs- und Baubranche, ebenso wie zum öffentlichen Dienst, etc., etc. fehlen einem nur noch jegliche Worte – Bücher über alle, sich auch noch wiederholenden Mißstände in unserem Land würden ohne Probleme eine ganze Bibliothek füllen können.
      Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, sondern stehen mit beiden Beinen fest auf der Erde und im Leben! Unternehmen berauben so viele gut aus- und weitergebildete, fleißige Mitarbeiter, die so manches Holz aus dem Feuer geholt haben für selbige, mit deren Hilfe sie sowie die Weiterbildungsindustrie außerordentlich gut verdient haben, ihrer oft über Jahrzehnte hart erarbeiteten Existenz, ohne Rücksicht auf die Menschen und ihre Familien, die dann ab 45 aufwärts einfach aus dieser „Gesellschaft“ aussortiert und zwangsweise „unsichtbar“ werden, sofern Sie sich nicht bemerkbar machen, z. B. durch hunderte von Bewerbungen (oft genug auf Fake-Angebote, die nur der billigen Eigenwerbung dienen, da ständig in der Wiederholungsschleife der Jobbörsen zu sehen) und so den Unternehmen wieder „auf die Füße fallen“.
      Ich fände es beschämend, auf diese Art und Weise, in Anbetracht des Leides anderer Menschen, die verzweifelt versuchen zu überleben, mein tägliches Brot verdienen und profitieren/mich profilieren zu wollen. Es ist erschreckend und kotzt mich an – wann wird dieser tägliche Wahnsinn endlich gestoppt? Deutschland ist langfristig garantiert auf der Verliererspur, wenn auch noch das letzte „Tafelsilber“ verscherbelt wird.

      • personalmarketing2null sagt:

        Gute Frage. Auf jeden Fall hinterfragen es zu wenig und folgend blindlings fragwürdigen Normen, sonst wäre so ein System, bei dem die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, wohl kaum möglich.

    2. Wunderbar, Herr Knabenreich! Einen Tipp hätte ich noch: Machen Sie gar nix. Kümmern Sie sich einfach nicht. Noch besser: Seien Sie arrogant und tun so, als brauchen Sie keine Mitarbeiter. Wer denkt, sein Unternehmen betreffe das alles nicht, ist bestimmt ein Unternehmen, dass Bewerber magisch anzieht, eben weil es so über allem steht. Es hat so viel Auswahl und den ganzen Blödsinn (Personalmarketing etc.) gar nicht nötig, Chapeau! Das ganze Gerede über Fachkräftemangel usw. ist doch eh´ nur politischer Unsinn. Arroganz macht sexy! Bislang haben es doch immer noch ein paar Unverbesserliche geschafft, sich zu bewerben. Die blieben dann zwar nicht lange, aber das macht nix, Reisende soll man nicht aufhalten. Neben Unsichtbarkeit ist Arroganz noch das pure Zielwasser für zukünftige personelle Katastrophen.
      Viele Grüße! Silke Wöhrmann
      #personalmarketingin3D

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