100 Prozent DU. 100 Prozent Peinlich. 100 Prozent Ausbildungsmarketing zum Fremdschämen.

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Hatte ich eigentlich schon mal meine Meinung kund getan, was ich so von Gewinnspielen auf Facebook halte? Hm, ich bin mir nicht sicher. Und hatte ich eigentlich schon mal peinliche Karriere-Auftritte auf Facebook präsentiert, bei denen sich Unternehmen zum Horst machen bzw. mit ihren Aktionen hundertprozentig danebenschießen?

Ich weiß, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Aber manchmal weiß der Köder einfach nicht, auf was er sich da einlässt und der Angler hat zuweilen nicht einen Schimmer davon, welchen Köder er da eigentlich auswirft. Wie zum Beispiel in diesem Musterbeispiel schlechten Ausbildungsmarketings.

Es geht mal wieder um ein Gewinnspiel auf Facebook Karriereseiten. Dieses Mal kann man leider kein iPad gewinnen, „nur“ ein schnödes professionelles Shooting für Bewerbungsfotos (das mag auch das verhaltene Interesse erklären, so ein Apple-Produkt ist ja viiiiel cooler). Um was geht es? Eigentlich ganz einfach: Hintergedanke bei der ganzen Aktion ist der, dass das Unternehmen, welches ich hier freundlicherweise nicht nennen werde, eben nicht Interesse an Noten und Leistungen der händeringend gesuchten Azubis hat, sondern vielmehr der Mensch mit seinen Hobbys und Leidenschaften im Mittelpunkt steht. Die interessierten Fans haben nun die Möglichkeit, in dieser Gewinnspiel-App ihr Hobby und/oder ihre Leidenschaft mit der Facebook-Community und dem Unternehmen zu teilen. Das ist ja an sich schön gedacht.

Mitmachen bei 100 Prozent Du? - Besser nicht!

Mitmachen bei 100 Prozent Du? – Besser nicht!

Aber leider nicht zu Ende. Schließlich machen sich die Teilnehmer hier zum Vollhorst und erregen mit ihrem fragwürdigen Auftritt eher Mitleid oder ein Kopfschütteln, als dass sie Interesse wecken und zum Mitmachen animieren (ja, ich weiß, das machen ohnehin schon viele Leute auf Youtube & Co. Problem ist nur, dass viele einfach nicht wissen, was sie da eigentlich tun und vor sich selbst geschützt werden müss(t)en. Aus diesem Grunde finde ich diese Aktion nicht nur peinlich, sondern eigentlich sogar unverantwortlich. Wenigstens eine kritische Überprüfung bzw. bessere Auswahl der Beiträge sollte erfolgen (das hat mir bei einigen Beiträgen definitiv nicht den Anschein, würde aber im Zweifelsfall auch dazu führen, dass dann gar kein Beitrag mehr dort erscheinen würde. Dann doch lieber so und auf dem Rücken der Dummen, scheint mir allerdings die Devise).

Zwei Dinge könnten das Ganze vielleicht ein wenig relativieren. Zum einen sind die Nutzer (zu ihrem Schutz???) nicht mit vollem Namen ersichtlich, zum anderen bietet zumindest Youtube jetzt die Möglichkeit, Personen in Videos zu verpixeln. Wer nämlich Filme dort hochlädt, kann Gesichter darin unkenntlich machen. Auf diese Weise sollen zum Beispiel Kinder besser geschützt werden (oder sagen wir so: Im Idealfall werden sie vor sich selbst geschützt ;-)).

Auch Facebook Ads bringen die Aktion nicht ins Rollen

Auch Facebook Ads bringen die Aktion nicht ins Rollen

Die Aktion startete am 5. Juli, die Reaktion ist, wie oben schon geschrieben, bis dato sehr verhalten. Von über 5.000 Fans waren bis dato erst fünf bereit, sich zum Vollhorst zu machen und sich mit peinlichen Posts einem Millionenpublikum zu präsentieren. Auch das Schalten von Facebook Ads hat da scheinbar nicht den gewünschten Erfolg. Mag sein, dass das an der Ferienzeit liegt, ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass es dabei bleibt und sich die Nutzer (und uns) weitere Fremdschäm-Aktionen dieser Art ersparen. Zwar dauert das Gewinnspiel noch bis zum 26. Juli, allerdings behält sich das Unternehmen vor, „das Gewinnspiel „100% Du“ aus sachlichem Grund jederzeit ohne Vorankündigung abzubrechen, zu unterbrechen oder zu beenden.“ Hoffen wir’s.

Auch wenn der Hauptschuldige immer in der ausführenden Agentur zu finden ist, letztendlich ist der Auftraggeber, der solchen Rohrkrepierern sein OK gibt, verantwortlich für solche Kampagnen. Und da dieses Unternehmen ja demnächst 2.000 Stellen abbauen will, sind vielleicht auch schon die ersten gefunden, bei denen man anfangen könnte.

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