Ein paar Gedanken über das ewige Wettrennen um die Facebook Fanzahlen und den Unsinn von Gewinnspielen auf Karriere-Pages

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Als ich letztens in einem Vortrag mal wieder auf die Karstast Karriere-Page zu sprechen kam, gab es eine Meldung aus dem Publikum. Sie müsse eine Lanze brechen, sagte die Teilnehmerin. Für die Unternehmen, die Gewinnspiele auf Facebook Karriere-Pages dazu nutzen, um Fans zu generieren. Denn schließlich müsse man ja gegenüber dem Vorstand mit irgendwelchen Mitteln und Maßnahmen auch das Engagement für die Seite begründen. Und was eignet sich da besser als die Anzahl der Fans, so das Argument. Und da dann noch der Hinweis kam, dass Gewinnspiele auf Facebook ja ohnehin nicht erlaubt seien, ist es doch noch mal an der Zeit, dazu Stellung zu nehmen…

Je mehr Fans, umso erfolgreicher die Facebook-Page?

Jeder kennt meine Meinung dazu, ich wiederhole sie aber gerne, da sie scheinbar noch nicht überall angekommen ist. Seit dem ich hier blogge, beschäftige ich mich mit dem Thema. Letztendlich war es damals sogar Auslöser für meine Untersuchung der damals 23 Karriere-Pages. Ich konnte mir einfach nicht mehr ansehen, wie sich verantwortliche Personaler gegenseitig auf die Schulter klopften und sich daran ergötzten, wie viele Fans man doch habe und dass man ja viel mehr Fans habe, als der andere. Sorry, mit derart Selbstbeweihräucherung ruft man bei mir insbesondere eins hervor: Brechreiz.

Nun wird also das Argument vorgebracht, ja aber irgendwas muss ich doch unserem Vorstand/Geschäftsführer präsentieren, um den Einsatz für dieses Facebook-Engagement zu rechtfertigen. Und da ist es doch das Naheliegendste und Offensichtlichste, ihm eine möglichst hohe Anzahl an Fans zu präsentieren. Tja, und da liegt dann das Problem: Die Geschäftsführung/der Vorstand hat das Prinzip Social Media nicht verstanden und lässt die Personalabteilung machen, weil man ja dabei sein muss. Wird ja überall geschrieben und immer mehr Berater/Agenturen bieten  (vermeintliche) Social Media Expertise im Bereich Employer Branding an (insbesondere die, die gar keine Ahnung davon haben, aber erkennen zu glauben, dass man damit Geld verdienen kann. Daher hier mein Tipp: Schauen Sie sich genau an, welche Aktivitäten „Ihr“ Social Media Berater bzw. die Agentur in Social Media verfolgt. Dabei reicht es nicht aus, ein Blog, einen Twitter-Account oder eine Facebook-Page zu betreiben. Schauen Sie sich an, was da passiert. Heute ist mir bspw. das Angebot einer Agentur über den Weg gelaufen, die bis dato nichts, aber auch rein gar nichts mit dem Thema zu tun hatten, sich nun aber Social Media Personalmarketing auf die Fahnen geschrieben haben. Einen Twitter-Account sowie einen Blog sucht man hier vergeblich. Eine Facebook-Page, ja die gibt’s! Mit 12 Fans und fünf Einträgen auf der Wall, diese in etwa im Abstand von zwei Monaten gepostet. Sollte Ihnen so etwas unterkommen: Finger weg, vergessen Sie’s! Diese Leute haben ungefähr so viel Ahnung von Social Media wie Thilo Weichert von Facebook. Genau so schlimm sind im Übrigen Agenturen, die Ihnen unbedingt Gewinnspiele auf Facebook verkaufen wollen. Auch hier gilt: Finger weg! Aber dazu kommen wir dann später :-))

Kommen wir zurück zu den Zahlen. Wie gesagt offenbart sich bei dieser Haltung/Einstellung/Meinung ein ganz wesentliches Problem. Man lässt die Personalabteilung agieren, bestimmt irgendjemanden, der eigentlich gar keine Ahnung von Facebook hat, sich jetzt aber schnell anmelden muss (geht denn das nicht ohne? Ich will doch meine Daten nicht dem bösen, bösen Facebook anvertrauen!), um dann so eine so genannte Karriere-Page zu betreiben. Weil es ja der Wettbewerb macht oder so. Funktioniert natürlich nicht, Beispiele gibt es zuhauf. Wichtig ist, ein  generelles Verständnis von Social Media zu schaffen (dabei helfe ich gerne) und einen kulturellen Wandel im Kommunikationsverhalten innerhalb des Unternehmens einzuleiten. Da sind Mitarbeiter und auch die Führungsetage gefordert. Denn wenn die Führung zwar den Einsatz von Social Media fordert, ist das zwar schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein winziger Teil. Denn schließlich gilt es als Führungskraft eine Vorbildfunktion zu erfüllen und wer, wenn nicht die oberste Etage, sollte die Geschicke entsprechend lenken und fördern (denn: Social Media bietet nicht nur hervorragende Chancen für das Personalmarketing und das Recruiting, sondern für sämtliche Unternehmensbereiche. Insofern sollten verschiedene Unternehmensbereiche interdisziplinär agieren. Aber das nur am Rande :-))

Unterhalten sich darüber – hilfreicher Indikator?

Aber nun können ja alle aufatmen, hat Facebook doch gerade eine neue statistische Messzahl ins Leben gerufen (ich berichtete bereits). Da hier nun bereits das erste Ranking zu erschienen ist, werde ich das auch noch einmal aufgreifen, um darzustellen, dass auch diese Maßzahl kein vernünftiger Indikator für Ihr Facebook-Engagement darstellen kann. Warum?

Neues Facebook-Feature - Unterhalten sich darüber

Neues Facebook-Feature - Unterhalten sich darüber

Nun, schauen wir uns doch einmal an, was dieser Indikator so misst:

Wie schon erwähnt, versteht Facebook unter „Unterhalten sich darüber“ die im Zusammenhang mit der Facebook-Page erfolgten Interaktionen.

 

 

 

Folgende Werte fließen in diesen Indikator ein:

  • Anzahl der „Gefällt mir“-Klicks auf die Seite selbst
  • Anzahl der „Gefällt mir“-Klicks auf Posts
  • Anzahl von Kommentaren auf Posts
  • Anzahl geteilter Posts
  • Anzahl der Antworten auf Fragen, welche innerhalb der Facebook-Seite gestellt wurden
  • Anzahl Interaktionen bei erstellten Events
  • Anzahl der Seitenerwähnungen (Mentions)
  • Anzahl von Markierungen (Tags) innerhalb der Page, die auf einem Foto der Seite gemacht wurden
  • Anzahl der Check-Ins bei Facebook Places
  • Anzahl der Empfehlungen bei Facebook Places

Dieser Wert soll nun den Besuchern einer Facebook-Page einen Eindruck über die Popularität, Aktivität sowie das Engagement einer Facebook-Seite vermitteln (mehr zum neuen Messwert und den neuen Facebook-Insights gibt’s bei Thomas Hutter).

Schön und gut und nett gedacht. Problem nur, dass bspw. mangelndes Engagement der Seitenbetreiber in keinster Weise erfasst wird. Schauen wir uns dazu doch einmal das im  Multimedia-Blog erstellte Ranking an:

People talking about Index von deutschen Karriere-Pages

People talking about Index von deutschen Karriere-Pages - Quelle: Multimediablog

Nehmen wir einmal das Beispiel L’Oreal. Leider fiel die Seite in der letzten Zeit insbesondere dadurch auf, dass a) nur sehr rudimentär gepostet wurde und b) Fananfragen leider erst (wenn überhaupt) nach vielen Tagen beantwortet werden. Das ist bei einer E-Mail schon ein absolutes No go, wie man so schön sagt, bei Kommunikation in Echtzeit aber der Super GAU (lassen Sie sich nicht dadurch irritieren, dass in den letzten Tagen fleißig sogar Samstags und Sonntags gepostet wurde. Davor war tagelange Flaute).

Schaut man sich das aus unabhängiger Beobachterperspektive genauer an, so kann man vier Dinge feststellen:

  1. Potenzielle Bewerber erfahren keine Wertschätzung und werden durch so ein Verhalten vergrätzt (im Zweifelsfall entgehen L’Oreal auf diese Weise wertvolle Bewerber)
  2. Diese nicht vorhandene Art der Interaktion lässt auf mangelndes Engagement des Unternehmens und auf mangelndes Interesse an potenziellen Bewerbern schließen
  3. Und dieses wiederum dürfte sich keinesfalls positiv auf das Arbeitgeberimage des Unternehmens auswirken.
  4. Und nicht zu vergessen: Wem man sich auf der Page anvertraut, bleibt leider auch im Dunkeln. Eine Vorstellung des Teams sucht man auf den Seiten leider vergeblich.
9 Tage zwischen Anfrage und Antwort. Echte Fanwertschätzung sieht anders aus

9 Tage zwischen Anfrage und Antwort. Echte Fanwertschätzung sieht anders aus

Ich will hier nicht L’Oreal an den Pranger stellen. Es gibt weitere Beispiele, die zeigen, dass diese Messzahl auch wieder nur ein Ansatz sein kann, etwas zu bewerten. Auch kann ein bloßes Gegenüberstellen der Fanzahlen und „Unterhalten sich darüber“ nur verfälschte Ergebnisse wiedergeben und ist in meinen Augen wenig aussagekräftig. Nichtsdestotrotz kann dieser Index als Richtwert genommen werden. Aussagekräftiger sind aber letztlich Statistiken über Anzahl Kommentare und das Verhältnis von Kommentaren zu Posts, wie sie bspw. das Tool Allfacebook | Stats bietet.

Mit Gewinnspielen an die richtigen Fans?

Soweit, so gut. Stellt sich nun also noch die Frage nach den Gewinnspielen. Wie ist denn das? Bringen die was? Auch hier habe ich schon tausend Mal gesagt, was ich davon halte. So lange bspw. nur iPads und sonstige iGadgets verlost werden oder wie im Falle von Karstast Einkaufsgutscheine oder Eintrittskarten für ein Fußballländerspiel und diese Gewinnspiele nur aus einem Grund heraus stattfinden, nämlich dem Generieren von Fans, so bringt das gar nix. Denn letztendlich wollen diese Fans nur den Gewinn abstauben. An einem nachhaltigen Dialog oder an einem Job in Ihrem Unternehmen sind sie aber nicht die Bohne interessiert.

Derzeit kein Gewinnspiel

Derzeit kein Gewinnspiel - Quelle: irgend eine Karriere-Page, auf der momentan gerade kein Gewinnspiel angeboten wird. Nein, nicht Karstast ;-)

Und die Frage, ob Gewinnspiele auf Facebook erlaubt sind? Ja, klar. Sind sie. Aber da gelten gewisse Vorschriften, die sie einhalten sollten. Aber soll ich Ihnen die jetzt verraten? Sie haben doch nicht allen Ernstes vor, ein Gewinnspiel zu veranstalten, oder?

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