25. März 2026

KI-Jobsuche auf Karriereseiten: Dialog statt Filter
Viele reden von KI-Jobsuche oder KI auf Karriereseiten. Doch nur wenige meinen damit dasselbe. Und noch weniger liefern, was sie
weiterlesen22. Oktober 2020
Lesezeit: 10 Min. Employer BrandingPersonalmarketingRecruitingStellenanzeigen
Im April hatte ich darüber berichtet, dass nur ein geringer Prozentsatz der Stellenanzeigen auf StepStone darüber Aufschluss liefert, ob Unternehmen trotz Corona-Krise einstellen und wie möglicherweise der Bewerbungsprozess in Corona-Zeiten abläuft. Nun ist StepStone ja durchaus kein unbedeutender Player, dennoch tummeln sich weit mehr Jobbörsen in Deutschland (wie viele es genau sind, das weiß keiner). Daher bin ich mit index Marktforschung der Sache genauer auf den Grund gegangen: 130 Jobbörsen und 198 Printmedien wurden in Bezug auf Corona, Corona-Krise, Covid-19 und andere Begriffe über einen Zeitraum von 6 Monaten ausgewertet. Das Ergebnis ist (nach wie vor) wenig schmeichelhaft (und wenig schmeichelhaft ist wahrlich noch schmeichelhaft ausgedrückt).
Anmerkung: Dies ist ein Update eines Artikels vom Juni 2020, angereichert mit den neuesten Daten.
“Jetzt braucht man sich gar nicht zu bewerben, die Unternehmen haben eh Besseres zu tun, als zu rekrutieren.” oder „Der Bewerbungsprozess gestaltet sich schwieriger, Unternehmen haben evtl. Einstellungsstopp, persönliche Vorstellungsgespräche sind derzeit auch nicht möglich.“ So oder so ähnlich haben in den letzten Wochen und Monaten viele potenzielle Bewerber gedacht und denken es noch heute, ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie. Klar, die Medien sind nach wie vor voll von Schlagzeilen über Kurzarbeit und Entlassungen. Die zweite Welle wird auch ihren Tribut zollen. Dennoch, es gibt sie: Unternehmen, denen es trotz oder auch wegen der Corona-Krise und Covid-19 prächtig geht. Die allen Unkenrufen zum Trotz weiter einstellen – und das mitunter nicht zu knapp. Das Problem: Sie kommunizieren es nicht!
Wie wenig Arbeitgeber es tatsächlich kommunizieren, das wollte ich genau wissen. Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir einen starken Partner gesucht: index Marktforschung. Der Anbieter erfasst mit seinem Tool index Anzeigendaten täglich geschaltete Stellenanzeigen aus Online-Jobbörsen, von Unternehmens-Websites sowie aus Zeitungen und Zeitschriften. Mit über 38 Millionen Stellenanzeigen im Jahr ist index Marktforschung in diesem Segment Marktführer in Europa. Wer so viel Marktdurchblick hat, ist der perfekte Kooperationspartner für eine entsprechende Auswertung, für die ich mich auch an dieser Stelle noch mal herzlich bedanken möchte!
Ganz im Vorbeigehen haben wir nicht nur ermitteln können, wie viel Unternehmen in Stellenanzeigen generell auf das Thema Corona bzw. Covid-19 eingehen, wir haben zudem auch noch sehen können, wie sich das Stellenanzeigenaufkommen zwischen März und September entwickelt hat und welche Unternehmen bzw. welche Branche in Sachen “Einstellung trotz Corona” am transparentesten kommuniziert. Untersucht haben wir den Jobmarkt der letzten sechs Monate. Ausgewertet wurden 130 Jobbörsen (darunter StepStone, indeed, stellenanzeigen.de, Jobware, Monster, XING, LinkedIn, sogar eBay-Kleinanzeigen u. v. m.) sowie 198 Printmedien.
Fangen wir also mit den guten Nachrichten an.
Tatsächlich hatte sich das Aufkommen der Stellenanzeigen mit Eintritt der Corona-Krise zunächst drastisch verschlechtert. Während im Zeitraum März 2020 noch über 507.000 Stellenanzeigen von 80.940 Firmen erfasst wurden, waren es im April nur noch 361.761 von 60.446 Firmen. Das entspricht einem Rückgang von fast 30 Prozent bei den veröffentlichten Stellenanzeigen und von gut 25 Prozent bei den ausschreibenden Firmen gegenüber dem Vormonat. Aber bereits im Mai gab es eine erst zarte Tendenz nach oben. Die ersten Unternehmen hatten sich sortiert, die Krone gerichtet und ihrem Recruiting neuen Schub gegeben. Durchaus eine sinnvolle Entscheidung, denn es gibt derzeit viele interessante Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt. Sei es, weil diese von Kurzarbeit oder Entlassungen betroffen sind oder aber, und das ist durchaus keine Seltenheit, weil sie sich in Zeiten von Corona neu orientieren – sei es, weil der nächste Karriereschritt fällig war oder weil man erkannt hat, dass man in dem Unternehmen oder in dem Job irgendwie falsch ist.
Ab Juni war dann bei den Stellenausschreibungen ein deutlicher Anstieg zu erkennen, der sich seitdem – bis auf die “Sommerpause” im August – kontinuierlich weiter entwickelt.
Schaut man sich die Anzahl der ausschreibenden Unternehmen an, so wird das Bild noch deutlicher. Zwar gab es auch nach “Eintritt” von Corona eine deutliche Delle, seitdem geht es aber stetig bergauf und es schreiben deutlich mehr Unternehmen aus, als vor Corona! Hier ist also die Anzahl der ausschreibenden Unternehmen ein besserer Indikator, als die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen.
Insgesamt also durchaus ein Anlass zur Freude.
Schauen wir mal, inwieweit die Freude anhält. Denn wir wollten ja wissen, inwiefern die Unternehmen Transparenz zeigen und darüber informieren, dass sie trotz Corona einstellen und wie die Bewerbungsprozesse ablaufen. Dazu wurden die Anzeigen von index u. a. nach folgenden Begriffen durchsucht (es waren noch mehr, alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen):
Hier einige Beispiele, mit denen Unternehmen Einstellungen bzw. Bewerbungsprozesse im Kontext der Corona-Krise thematisieren:
In diesem Artikel finden Sie weitere Beispiele und Hinweise zur Optimierung Ihrer Stellenanzeigen.
Als Schmankerl obendrauf wurde noch analysiert, ob Unternehmen den Begriff “Kurzarbeit” einsetzen, um damit zusätzliche Anreize bei davon betroffenen Menschen zu schaffen. Hier gab es bspw. Formulierungen wie
Die Anzahl der Stellenanzeigen, die bewusst das Thema Kurzarbeit in Stellenanzeigen aufgreifen, ist tatsächlich so gering, dass ich diese nicht weiter in den Grafiken berücksichtigt habe. Wobei auch hier, wie im Folgenden, viele Potenziale verschenkt werden.
Insgesamt ist grundsätzlich bei der Berücksichtigung der Corona-Krise bzw. von Begriffen wie “Corona” oder “Covid-19” in Stellenanzeigen ein positiver Trend auszumachen, wie folgende Auswertung zeigt.
Während bspw. der Begriff “Corona” im März nur in 3.007 Stellenanzeigen auftauchte, waren es im April bereits 7.649. Im Mai stieg der Wert dann sogar auf 9.149. Seitdem steigen die Zahlen nahezu kontinuierlich, im September tauchte der Begriff bereits 12.363-mal auf.
Einen wahren Höhenflug erfuhren auch Begriffe wie “Coronavirus” oder “Corona-Pandemie”, deren Nutzung sich von März bis September mit 15.085 nahezu verachtfacht hat. “We are still hiring” hingegen hat sich nie durchgesetzt und auch der Begriff “Coronakrise” selbst hat in Stellenanzeigen offenbar die besten Tage hinter sich.
Halten wir also fest: Ja, in den vergangenen sechs Monaten kam ein erhöhtes Bewusstsein bei den Menschen auf, die fürs Recruiting zuständig sind, dass es sinnvoll ist, in Stellenanzeigen (und auf der Karriereseite) Bezug auf Corona bzw. Covid-19 zu nehmen. Es ist ein deutlicher Anstieg der Nutzung von im Kontext der Stelle bzw. des Bewerbungsprozesses stehenden Begriffe zu sehen. Im Verhältnis zu März ist in den vergangenen Monaten in Stellenanzeigen die Corona-Pandemie deutlich stärker berücksichtigt worden. Gut fünfmal so viele Stellenanzeigen weisen im Stellentitel, im Einstiegstext oder in Informationen zum Bewerbungsprozess auf den Umgang mit Corona hin. Das ist allerdings nur der Blick auf die Gesamt-Anzahl der Nennungen in Stellenanzeigen.
Jegliche Euphorie schwindet, wenn wir die Anzahl der Stellenanzeigen, die Corona und Covid etc. im Text berücksichtigen ins Verhältnis setzen zur Gesamtzahl der ausgeschriebenen Stellen. Diese Zahlen sind nämlich nicht nur wenig schmeichelhaft, sie sind schlicht desaströs! Um das sichtbar zu machen, habe ich die x-Achse bewusst auf 100 Prozent ausgelegt.
So machen selbst die meistgewählten Begriffe wie “Coronavirus” u. Ä. nur 10 – 11 Prozent am Gesamtvolumen aller in den letzten sechs Monaten in 130 Jobbörsen und 198 Printmedien veröffentlichten Stellenanzeigen aus. Die Tendenz ist zwar steigend, das Ergebnis aber dennoch beschämend. Dabei würden Unternehmen, die über den Umgang mit der Corona-Krise im Bewerbungsprozess informieren, von mehr Bewerbungen profitieren. Logisch, denn Transparenz schafft in Zeiten massiver Verunsicherung Sicherheit und Vertrauen. Und natürlich bewirbt man sich lieber bei einem Unternehmen, welches einen nicht im Dunkeln tappen lässt.
Rund 10 – 11 Prozent aller in den letzten Monaten veröffentlichten Stellenanzeigen geben potenziellen Bewerbern also Aufschluss darüber, ob es sich lohnt, sich zu bewerben, oder nicht (je Monat). Wobei diese Werte sich nur auf extern veröffentlichte Stellenanzeigen beziehen. Nicht auf die von Karriereseiten!
Und, das ergab seinerzeit meine Stichprobe bei StepStone: Zwar wurde in einigen der dort veröffentlichten Stellenanzeigen auf den Bewerbungsprozess im Rahmen von Corona hingewiesen. Auf den Karriereseiten selbst war aber nur ein Bruchteil der Arbeitgeber so schlau, das ebenfalls zu tun.
Umgekehrt weisen zwar viele Arbeitgeber auf ihrer Karriereseite auf den Umgang mit Corona im Bewerbungsprozess hin bzw. proklamieren, dass sie trotz Corona-Krise einstellen, unterlassen dann aber wiederum einen entsprechenden Hinweis in den auf der Karriereseite veröffentlichten Stellenanzeigen. Was grob fahrlässig ist, schließlich gelangt ein potenzieller Bewerber auf vielen Wegen auf die Karriereseite bzw. zu den Stellenanzeigen.
Schauen wir uns also noch an, welche Branchen eigentlich die Treiber sind, wenn es um die Nennung von Corona in Stellenanzeigen geht. Wenig überraschend sind Personaldienstleister ganz weit vorne. Klar, sind sie doch durchaus Profiteure der Corona-Krise, weil hier viele der verunsicherten Bewerber, die möglicherweise gerade ihren Job verloren haben oder in Kurzarbeit sind, einen sicheren Hafen zu finden glauben. Allerdings muss angemerkt werden, dass diese Branche ohnehin am stärksten unter den ausschreibenden Unternehmen vertreten ist.
Mit sehr großem Abstand folgen IT-Branche und Handel. Für mich überraschend: Die Branche, die am intensivsten mit Corona in Berührung kommt, das Gesundheits- und Sozialwesen, informiert nur sehr bedingt über Corona im Kontext Bewerbung. Und das zudem mit stark absteigender Tendenz. Waren es im April noch 1.825 Stellenanzeigen, sind es im September nur noch 487. Wohingegen die Anzahl der Stellenanzeigen von Personaldienstleistern, die Corona thematisieren, von 5.293 Stellenanzeigen im April auf 9.926 kletterte. In der IT-Branche sehen wir einen Anstieg von 960 auf 2.178 Stellenanzeigen.
Was zum Teufel ist da los? Wieder einmal überrascht es mich nicht, dass das Gesundheitswesen Probleme hat, Fachkräfte zu gewinnen. Schließlich ist es doch die Branche, die am lautesten jammert, aber auch am wenigsten dafür tut, das zu ändern. Dass gerade die Personaldienstleister Nutznießer von Pflegekräften sind, die ihrer Einrichtung aufgrund unbefriedigender Arbeitsbedingungen den Rücken kehrten, sei nur am Rande erwähnt und mag auch Indiz für die steigende Anzahl an entsprechenden Ausschreibungen sein.
Insgesamt sprechen die Zahlen eine deutliche, traurige Sprache. Transparenz zum Umgang mit Corona im Bewerbungsprozess bzw. zu Informationen, ob Unternehmen trotz Corona einstellen, ist kaum vorhanden, Bewerber tappen all die Monate im Dunkeln. Sollten Sie sich also wundern, dass Bewerbungen ausbleiben, könnte dies ein Grund sein. Handeln Sie also jetzt, bevor es zu spät ist und holen Sie sich hier gerne weitere Inspirationen für die Aufbereitung Ihrer “Corona-sicheren” Stellenanzeige. Verunsicherte Bewerber werden es Ihnen danken!
TIPP: So einfach landen Ihre (natürlich “für Corona optimierten” Stellenanzeigen bei Google for Jobs – und beim Bewerber! >> Hier klicken! <<
Übrigens: Wie es mit dem Recruiting in Zeiten von Corona ausschaut, erfahren Sie in dieser aufschlussreichen Analyse!
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Roger Germ