3 P: Personalmarketing, Produktmarketing, Promotion

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich nach dem Studium einen Job als Personalreferent gesucht habe. Klar, wer Personalmanagement studiert hat, wird Personalreferent (schließlich wird ja wer nix wird, auch Wirt). Schwerpunkt Recruiting, Personalmarketing oder Personalentwicklung, in die Richtung sollte es gehen. Eigentlich kein Thema als Diplom-Kaufmann. Dachte ich. Bis neulich. Bis mir das Stellenangebot „Personalreferent mit Promotion – Recruiting und Personalentwicklung“ unter die Augen kam.

Personalreferent mit Promotion?

Das war die Frage, die ich mir gestellt habe. Benötigt es für eine Personalreferenten-Stelle wirklich einen Doktortitel? Ist der essentiell, um einen guten Job als Recruiter und/oder Personalentwickler zu machen?

Stellenangebot Personalreferent mit Promotion

Ach ja, der Job. Worum geht es denn eigentlich bei dieser „spannenden“ Stelle? Denn um solch eine handelt es sich offensichtlich, sonst wären die Aufgaben ja nicht mit spannend umschrieben, oder? Schauen wir uns mal diese spannenden Aufgaben an.

Bis Sie zu diesen kommen, müssen Sie allerdings erst einmal lesen, dass „Mitarbeiter das höchste Gut unseres Unternehmens sind„. Aha. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Wäre schön, wenn das auch zum Ausdruck käme. Laut Stellenanzeige (wir befinden uns immer noch bei den spannenden Aufgaben) legt man „daher sowohl bei der Personalauswahl als auch bei der Personalentwicklung größten Wert auf Qualifikation und Persönlichkeit.“ So so. „Durch sein professionelles Auftreten sowie seine fachlichen und organisatorischen Kompetenzen bringt man sich aktiv in den verschiedenen Bereichen des Personalmanagements ein.“ Hm. Und dafür brauche ich also Promotion? Übrigens, wenn Sie nicht schon vorher ausgestiegen sind, weil man nicht auf des Pudels Kern, also den eigentlichen Aufgaben kommt, jetzt kommen Sie:

„Sie übernehmen nicht nur die Betreuung und das Recruiting hochqualifizierter Mitarbeiter sondern optimieren auch kontinuierlich bereichsinterne Prozesse.“

Das war’s aber auch schon. Denn dass man „durch sein Know-How und seine kreativen Ideen immer wieder neue Wege geht, um Mitarbeiter zu finden, zu fördern und zu begeistern„, zählt ja eigentlich nicht zu den Aufgaben. Ich bin ja froh, dass man wenigstens nicht „zu fördern und fordern“ schreibt…

Tja, für diese wahrlich spannenden Aufgaben braucht’s dann also einen Doktortitel. So zumindest lautet das Anforderungsprofil. Aber nicht nur das, es muss schon ein „überdurchschnittlich abgeschlossenes Universitätsstudium mit Promotion“ sein. Die ebenfalls geforderten ausgezeichneten Deutschkenntnisse fließen dann hoffentlich auch in das Erstellen zukünftiger Stellenanzeigen ein.

Auch das Bewerbungsverfahren führt die Aussage, „Mitarbeiter seien das höchste Gut unseres Unternehmens“ eher ad absurdum. Denn wenn das wirklich mehr als nur ein Lippenbekenntnis wäre, müsste doch schon dem Bewerber entsprechend Wertschätzung gegenüber gezeigt werden, oder? Dass man in diesem Unternehmen ausschließlich auf Studierte setzt, ist meines Erachtens zwar grob fahrlässig (ebenso wie auf einen promovierten Personalreferenten zu setzen), dass es in der Jobsuchmaske aber keinen Filter für die HR-Funktion gibt, finde ich in diesem Kontext schon unglücklich. Gut, man ist natürlich so gewieft und vermutet die Stellen hinter dem Begriff „Querschnittsfunktionen“. Dort muss man sich dann nur durch ca. 15 Stellen scrollen, um zur Position zu gelangen.

Stellensuchmaske ohne HR- Positionen

Apropos Scrollen. Wenn Sie sich dann bewerben wollen, müssen Sie sich erst mal durch ein unnötig langes Formular scrollen, um Ihre Bewerbung absenden zu können. Wenn es auch keine Pflichtfelder sind – warum wird ein HRler auch noch mit Fragen zu Programmierkenntnissen oder Entwicklungswerkzeugen konfrontiert?

Bewerbungsformular: Warum werden IT-Kenntnisse abgefragt, wenn nicht erforderlich?

Sie wissen, ich bin nicht kleinlich. Aber wer damit wirbt, dass Mitarbeiter das höchste Gut seien, darf es bei einem Lippenbekenntnis nicht belassen. Der muss es auch beweisen. Und das geht hier gründlich schief. Es sei denn, das Motto des Unternehmens lautet

Wenn Sie sich bewerben wollen,
müssen Sie erst tüchtig scrollen…

Produktmarketing oder Personalmarketing? Hauptsache P.

Apropos schief gehen. Auch die nachfolgende Suche nach einem Mitarbeiter dürfte so schief gehen. Denn hier wird irgendwie (mal wieder) die Eier legende Wollmilchsau gesucht. Oder man kann sich nicht so richtig entscheiden, wen man denn eigentlich sucht: Einen Mitarbeiter fürs Produkt- oder doch eher einen fürs Personalmarketing. Immerhin fängt ja beides mit P an. Außerdem ist der lästige Mitarbeiter ja auch irgendwie ein Produkt. Eine Human Ressource eben. Und es ist doch das Gleiche, ob ich ein Produkt vermarkte oder einen Arbeitgeber. Warum also nicht beides miteinander kombinieren?

Stellenanzeige: Mitarbeiter Produktmarketing oder Personalmarketing oder beides

Abgesehen davon, dass die Stellenanzeige auch nach Gestaltungsaspekten nicht besonders glücklich gelungen ist (aber deswegen sucht man ja einen Mitarbeiter Produktmarketing. Äh Personalmarketing), ist es auch der Inhalt nicht. Schauen wir uns doch auch hier die Aufgaben an:

Sie sind im Rahmen unserer Produktstrategie ver­antwortlich für das Produkt-Marketing in definierten Produktbereichen“, heißt es da. Ferner verantwortet man „inner­halb des Bereichs Corporate Marketing sämtliche Ak­ti­vi­tä­ten zum Themenkreis Personalmarketing“. „Hierbei gehört zu Ihren wesentlichen Aufgaben­bereichen„, heißt es weiter (man beachte das „hierbei“, was sich ja ohne Zweifel auf die „Aktivitäten zum Themenkreis Personalmarketing“ bezieht):

  • Die Gestaltung sowie laufende Pflege des produktbezo­genen Content unseres Internet­auftritts
  • Die redaktionelle und fachliche Betreuung sowie Überarbeitung von Produktdatenblättern sowie Produktbroschüren und weiteren produktbezogenen Werbemitteln in Ab­stim­mung mit den produktverant­wortlichen Geschäftsbereichen
  • Die Konzeption sowie Realisierung von Vertriebs- und Messedemos
  • Konzeption von produktbezogenen Schulungs­materi­alien
  • Die laufende organisatorische sowie konzeptionelle Unterstützung bei unseren Messepräsenzen
  • Die Erstellung von produktbezogenen Präsentationen, Mailings, Videos sowie weiteren Medien
  • Die Umsetzung von Anforderungen aus dem Pro­duktmanagement Definition, Konzeption, Steuerung und Umsetzung von Personal­marketing-Maßnahmen in Zusammen­arbeit mit dem Unternehmens­bereich Human Resources
  • Betreuung und Steuerung der Umsetzung von Hand­lungsfeldern im Bereich Employer Branding

Ich glaube, ich habe selten so oft „produktbezogen“ auf so engem Raum gelesen, wie hier. Interessant auch, dass die „Definition, Konzeption, Steuerung und Umsetzung von Personalmarketing-Maßnahmen in Zusammenarbeit (!) mit dem Unternehmensbereich Human Resources“ erfolgt (wäre das nicht die Aufgabe von HR?). Und dass man als Produktmanager selbstverständlich auch die Umsetzung von Handlungsfeldern im Bereich Employer Branding betreut und steuert. Ach nee, das passiert ja in der Rolle als Personalmarketing-Manager. Obwohl. Ist ja nur ein Mitarbeiter gesucht, kein Manager.

Und was muss dieser Mitarbeiter dann so mitbringen, um das Personalmarketing (oder war es Produktmarketing) dieses Mittelständlers nach vorne zu bringen? Na klar, eine „Ausbildung als staatlich geprüfte/r Techniker/in (Elektrotechnik) oder eine vergleichbare technisch geprägte Ausbildung„. Logisch, geht ja um Personalmarketing. Ich meine Produktmarketing. Idealerweise hat der Bewerber dann vielleicht auch als PR- und Marketing­fachkraft bereits mehrjährige Berufs­erfahrung im technischen Produkt­marketing erwerben können. Und so ganz nebenbei hat man da den gleichen Job gemacht, wie der, für den jetzt gesucht wird. Woher sollte man sonst über die „nach­ge­wie­se­nen berufs­praktischen Kenntnisse aus dem Bereich Personal­marketing bzw. der Umsetzung von Employer Branding Konzepten“ verfügen?

Bevor ich mich dem letzten Fundstück widme, möchte ich Sie aber noch bitten, folgenden Satz auf der Zunge zergehen zu lassen:

„Sie verfügen über die Fähigkeit, durch die Verknüpfung detaillierter Produktkenntnisse sowie einer Betrachtung des Markt- und Wett­bewerbsumfelds mit Kunden gerichteten Bedarfsanalysen ein technologie­basiertes Branding zu realisieren.“

Für mich ist allein das „technologiebasierte Branding“ wahre Poesie!

Ist aber wirklich alles schlecht an der Stellenanzeige? Nein, das muss ich fairerweise sagen: Auch wenn man einen direkten Ansprechpartner verschweigt, so gibt es immerhin eine Adresse, die man in seinem Bewerbungsschreiben angeben kann. Punkten kann das Unternehmen definitiv aber mit der Angabe seiner Benefits. Abgesehen davon bin ich mir aber in einem ganz sicher: Sobald der Mitarbeiter Personalmarketing, äh Produktmarketing gefunden ist, werden auch die zukünftigen Stellenanzeigen für Begeisterung beim Bewerber sorgen.

Personalreferent für den Bereich Mobilität und IT

So wie es diese mit Sicherheit bei demjenigen tut, der sie denn auch findet. Gesucht wird hier eigentlich ein Recruiter. Oder aber Personalreferent Recruiting. Oder HR Business Partner. Oder ist es doch ein HR Manager? Wie auch immer, derjenige, der auf der Suche nach einer solchen Vakanz ist, wird diese wohl kaum finden. Oder hätten Sie hinter der Bezeichnung „Personalreferent (w/m) für den Bereich Mobilität und IT“ diese Aufgaben vermutet?

  • Sie sind verantwortlich für die Formulierung von Stellenanzeigen und die Führung von Bewerbungsgesprächen
  • Ihnen obliegt die Auswahl und Gewinnung neuer Fach- und Führungskräfte
  • Sie erstellen bzw. bearbeiten Kandidatenprofile
  • Sie übernehmen administrative Tätigkeiten und Datenpflege rund um das Arbeitsspektrum eines Personalbereiches
  • Sie führen Vertragsgespräche und sind für die Mitarbeiterbetreuung mit verantwortlich

Sehen Sie, ich auch nicht. Ich dachte an jemanden, der was mit Mobilität und IT macht. Irgendwie. Hatte zwar keine konkrete Vorstellung, was der eigentlich genau macht. Aber einen Recruiter hatte ich hier nicht erwartet.

Stellenanzeige Personalreferent für den Bereich Mobilität und IT

Und obwohl der ja ganz offensichtlich gesucht wird (zumindest deutet die Tatsache, dass man für das Formulieren von Stellenanzeigen, das Führen von Bewerbungsgespräche, die Auswahl und Gewinnung neuer Fach- und Führungskräfte und das Erstellen von Kandidatenprofilen zuständig ist, stark darauf hin), taucht dieser Begriff nicht nur nicht im Stellentitel auf – es ist auch nicht zwingend notwendig, dass man die entsprechenden Kenntnisse mitbringt. Denn hier reicht „erste Berufserfahrung im Bereich Personal, idealerweise im Personalrecruiting“ vollkommen aus.

Tja, bei dem einen muss es Promotion sein, beim nächsten ist für das Personalmarketing der Produktmanager zuständig und beim anderen braucht man für seine Tätigkeit als Recruiter (die aber gar nicht so genannt wird) eigentlich auch nicht zwingend die notwendige Berufserfahrung. Höre ich da irgend jemanden „Fachkräftemangel“ rufen? Nicht ohne Grund ist der Begriff zum Unwort des Jahres gewählt worden!

Eine Sache bin ich Ihnen noch schuldig geblieben. Nämlich die Sache mit der Promotion. Ich habe Google & Co. konsultiert, wie häufig denn eine Personalreferentenstelle mit der Anforderung „Promotion“ ausgeschrieben ist. Sie dürfen raten, wie viel Stellenanzeigen ich gefunden habe. Ich habe zudem einen kleinen Aufruf in der Community gestartet, warum man denn für den Job als Personalreferent nun unbedingt eine Promotion mitbringen muss.

Nun, offensichtlich agiert man eben gerne auf Augenhöhe. Und da der in dem Stellenangebot genannte Ansprechpartner Doktor ist, muss man sich als Personalreferenten eben auch in den weißen Kittel zwängen. So einfach ist das. Ob das dort auch für Praktikanten gilt, entzieht sich meinen Kenntnissen.

In diesem Sinne, einen guten Wochenstart!

  1. […] Genauso habe ich es schon oft in der Praxis erlebt. Da forderte ein Unternehmen gute Kenntnisse in sämtlichen Programmen, die der Softwarebereich hergibt; dazu fließende Englisch- und weitere Fremdsprachenkenntnisse. Dabei ging es um eine Sachbearbeiterstelle im Controlling, bei der der neue Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin weder Kontakt zu Kunden, noch zu ausländischen Filialen noch sonst einen Anknüpfungspunkt in einen anderen Sprachraum haben würde. Und auch die genutzte Software hätte sich ganz klar eingrenzen lassen. Ein ähnliches Phänomen beschreibt auch Personalmarketing2Null in seinem Beitrag: 3 P: Personalmarketing, Produktmarketing, Promotion. […]

  2. Personalerin sagt:

    Suchen die etwa immer noch einen promovierten Personalreferenten? :) Die Stelle war schon ausgeschrieben, als ich mich im Herbst 2014 (!) auf Jobsuche begeben habe…

  3. Andreas sagt:

    Herrlich, super Artikel.

  4. HR Artist sagt:

    3P – die Zukunft in HR

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