Obst und Holz vor der Hütt'n als Wunderwaffen im War for Talents

Obst und Holz vor der Hütt’n als Wunderwaffen im War for Talents

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Es ist schon sensationell, was so manche Studie zutage fördert. So z. B. dass kostenloses Obst eine geeignete Maßnahme erscheint, dem Fachkräftemangel die Stirn zu bieten. Manche Arbeitgeber setzen allerdings bei Ihrer Bewerber-Brautschau lieber auf Holz vor der Hütt’n. Glauben Sie nicht? Na, dann lesen Sie mal weiter…

Momentan ist ja wieder Studienzeit. Wie ich schon das ein oder andere Mal schrieb, sind Studien immer mit Vorsicht zu genießen, möchte der Auftraggeber der Studie immer gerne wieder, dass sie seine Verkaufsabsichten oder seine Meinungsbildungsmache unterstützt. Ist ja auch in Ordnung, jeder muss sein Geld verdienen. Aber was die neueste Studie von meinestadt.de da zutage gefördert hat, ist schon der Hammer.

Kostenloses Obst als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel

Nein, nicht weil die Unternehmen die falschen Recruiting-Kanäle nutzen. Sondern weil 41 Prozent der befragten Unternehmen kostenloses Obst als sinnvolle Maßnahme gegen den Fachkräftemangel erachten. Kein Scherz:

War for Talents: Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel - Quelle meinestadt.de

Demnach ist Obst die Wunderwaffe im War for Talents und liegt sogar vor der Einführung neuer Arbeitszeitmodelle und in etwas gleich auf mit verstärktem Recruiting über soziale Medien. Das ist sen-sa-tio-nell! Meine Empfehlung an alle Recruiter: Stoppt jegliche Social Media-Aktivitäten, schnappt euch euren Praktikanten (den ihr ja eigentlich extra für die Betreuung eurer Facebookseite angeheuert hattet) und einen Einkaufskorb und ab auf den nächsten Wochenmarkt! Aber Spaß beiseite: Natürlich können Sie mit kostenlosem Obst bei der Belegschaft punkten. Denn mal Hand aufs Herz, wer hat Lust auf Convenience-Kantinen-Fraß? Abgesehen davon, dass dieses fetthaltige Essen nicht nur die Arbeitsmoral dämpft, sondern auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führt, nimmt die Fettleibigkeit in Deutschland stetig zu. Heute sind 23,3 Prozent der 18- bis 79-jährigen Männer fettleibig (adipös); vor rund 14 Jahren waren es noch 19,5 Prozent. Mit der Fettleibigkeit steigt das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch werden die Weichen für Diabetes gestellt.

Übergewicht in Deutschland - Quelle Bund

Das Ganze ist zudem aber auch noch extrem gefährlich: Ganze Belegschaften (ich bin ehrlich, es waren „nur“ Schulkinder – aber stellen Sie sich mal vor, 4.000 Mitarbeiter würden durchs Kantinenessen krank – vorausgesetzt, Sie haben so viele) wurden seinerzeit von einem solchen Convenience-Food-Lieferanten vergiftet. Gut, Erdbeeren aus China, wer will die schon… Also beim Obstkauf unbedingt darauf achten, dass die Obstsorte gerade Saison hat und regionaler Herkunft ist. Im Übrigen können Sie insbesondere bei ostdeutschen Fachkräften punkten. Da machte mich meine Ehefrau soeben drauf aufmerksam. Sie ist nicht nur die beste Ehefrau von allen, sie kommt auch noch aus der ehemaligen DDR. Und dort gab es bekanntlich kein Obst. Insofern, ran an den Speck. Respektive den Obstkorb! Dann klappt’s auch mit dem Mitarbeiter!

Mobile Recruiting und Tageszeitungen werden unterschätzt

Aber die Studie liefert uns natürlich noch mehr Erkenntnisse. Vor allem die, dass die Vorstellungen von Unternehmen und Bewerbern, was die Effektivität von Maßnahmen angeht, oftmals auseinander klaffen und auf die falschen Recruiting-Pferde Kanäle gesetzt wird. Das an sich ist nichts Neues, aber immer wieder schön zu belegen…

Informationskanäle bei der Ausbildungsplatzsuche - Quelle meinestadt.de

Hier lässt sich sehr schön sehen, dass der Einsatz von mobilen Anwendungen (und sei es „nur“ die mobil optimierte Karriere-Website) von Unternehmen mehr als unterschätzt wird: Gerade einmal 20 Prozent der befragten Personaler messen dem Thema ein Bedeutung zu. Die Zielgruppe sieht das geringfügig anders: 55 Prozent sehen mobile Kanäle als wichtig an. Damit liegen diese auf Platz 2 hinter Jobbörsen. Zwei Dinge, die ich auch bemerkenswert finde (naja, eigentlich auch wieder nicht): 65 Prozent der Personaler meinen, in sozialen Netzwerken ihr Heil finden zu können. Aber nur 35 Prozent der Bewerber messen Facebook eine ernsthafte Bedeutung zu. Nicht ohne Grund lautet meine Empfehlung: Vergesst Facebook! Auch Messen sind in den Augen der Bewerber kein adäquates Mittel zum Zweck. Kein Wunder, bei dem was man auf Ausbildungsmessen so erlebt. Und – allen Unkenrufen zum Trotz: Die Tageszeitung ist sehr beliebt bei den Kids und liegt mit 46 Prozent vor Social Media. Und weil alle Welt Print tot redet, halten nur noch 17 Prozent der Personaler die Tageszeitung für ein Erfolg bringendes Medium. Wie man sich doch irren kann.

Und was lernen wir daraus? Stampfen Sie Ihre Facebook-Seite ein, schalten Sie in Tageszeitungen – bspw. mit solchen Motiven, bei denen Sie auf die richtigen Stellen verweisen und Ihre Dienstleistung ins richtige Licht rücken (vielen Dank für die Einsendung der Stellenanzeige als Nominierung für die Goldene Runkelrübe!)

Stellenanzeige - Ratbacher sucht Trainees mit Holz vor der Hütten

und locken Sie Ihre Bewerber mit einem frischen Obstkorb!

  1. Franz sagt:

    Interessant! aber trotzdem kann ich mir gut vorstellen. Hier ist noch eine Studie, die sagt dass die IT-Branche am meisten von dem Fachkräftemangel getroffen.. http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/konkurrenz-um-fachkraefte-steigt/
    Ob da die Äpfel helfen?

  2. Ich glaube, hier handelt es sich um ein Missverständnis. Bestimmt waren angebissene Äpfel gemeint, auf dem Gehäuse eines ordentlichen MacBook fürs Homeoffice!

  3. Martin Vohla sagt:

    Die Einführung von Obstkörben (natürlich bio und reginal) in den Küchen war dieses Jahr der absolute Knaller bei uns im Unternehmen. Selten habe ich für HR-Maßnahme so viel positives Feedback von den Mitarbeitern bekommen. Dabei war es gar nicht der War for Talents, der mich dazu gebracht hat, sondern lediglich der War for Vitamins. Ich würde es jederzeit sofort wieder tun und kann es nur jedem empfehlen. Und: JA! Natürlich kann ich deswegen keine signifikante Erhöhung unseres Bewerbereingangs verzeichnen ;-)

    • Guten Tag Herr Vohla,

      … ich bin gespannt, was rauskommt, wenn Sie 1 Jahr nach der Einführung der Bio-Äpfel die Empfehlungsrate checken. Bei mir auf der Seite finden Sie außerdem noch ein paar zusätzliche Äpfel. – Grüße aus Darmstadt

  4. Uwe Sunkel sagt:

    In dieser Studie fehlt mir der Cross-Check für die Gewinnung von IT-Fachkräften, die sich doch bekanntlich nur von Pizza und Cola ernähren … ;-)

  5. Hallo Herr Knabenreich,

    frische Äpfel für jedes Unternehmen!

    Vielen Dank für Ihren Aufschrei! Alle Ergebnisse der zitierten Befragung zeigen mehr oder weniger budgetorientierte Massnahmen als Vorgehen wie mehr Stellenschaltungen in Online- oder Print. Auch das Thema Recruiting über soziale Medien ist weniger ein Kulturchange als ein Ressourcenthema; der Besuch von Veranstaltungen desgleichen. Das fällt alles leichter als ein echtes Changeprojekt wie es die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle ist. Hier würde es dann ja auch ans Eingemachte gehen – wie Haltung, Selbstverständnis, Rollen, usw. Dieser Wechsel der Mind sets wird durch den Kontext-Wandel Tag für Tag mehr erzwungen. 47-Jährige auf Vakanzen vorzuschlagen wurde uns als Headhunter von Unternehmen noch 2008 als „no go“ um die Ohren gehauen. Heute – gerade 6 Jahre später – werden 60-Jährige endlich tatsächlich nach Potenzial beurteilt und nicht nach der Zahl der grauen Strähnen. Das hat sich vor kurzem auch noch (fast) keiner vorstellen können.

    Das mit den Äpfeln würde ich aber trotzdem auch machen!
    http://www.t-n-p.de

    Mit herzlichen Grüßen aus DA nach WI
    Johannes Terhalle

  6. Sehr gut, wie heißt es doch so schön: „An apple per day keeps the Talent away“ da helfen Äpfel an den richtigen Stellen auch nichts mehr.

Was meinen Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

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