Was mit Menschen machen: Traumberuf Personaler?

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

„Ich möchte mit Menschen zusammenarbeiten”. Das ist die Antwort auf die Frage, warum Personaler ihren Beruf gewählt haben. 62 Prozent von 502 befragten Personalerinnen und Personalern geben diese Antwort. Die Umfrage “Traumberuf HR?” hat allerdings noch einige andere interessante und aufschlussreiche Antworten parat, die wieder einmal ein wenig schmeichelhaftes Bild auf den Stellenwert von HR und Recruiting im Besonderen werfen und zeigen, inwieweit Personalabteilungen durch das Setzen falscher Prioritäten einen Beitrag zum sogenannten “Fachkräftemangel” leisten. Grund genug, insbesondere die im Kontext Recruiting interessanten Fragestellungen einmal näher zu beleuchten.

Für viele mag HR (read: Human Relations) ein Traumberuf sein. Der Name impliziert es schon: Human Relations = (zwischen)menschliche Beziehungen. Tatsächlich geben gut zwei Drittel der Befragten als Hauptgrund für die Berufswahl den Wunsch an, was mit Menschen zu machen, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Möglicherweise ist HR, das Personalmanagement, der Umgang mit Humanressourcen (denn viel mehr stellen Mitarbeiter in vielen Unternehmen letztendlich nicht dar, wenn wir ehrlich sind), dann das falsche Berufsfeld. Möglicherweise wären hier Friseur, Verkäufer oder auch Pflegeberufe eine bessere Berufswahl. Denn da macht man wirklich was mit Menschen.

Hauptmotivation für den HR-Job: Zusammenarbeit mit Menschen

Traumberuf HR - warum Personaler ihren Job gewählt haben - Quelle Personio

Nun gut, Personio wollte es eben genauer wissen, und hat zusammen mit Bitkom Research 502 Personaler zu den Gründen ihrer Jobwahl, zu ihrer Arbeitszufriedenheit und ihrem -alltag befragt. In der Stichprobe waren Head of HR (Köpfe menschlicher Beziehungen), HR Business Partner (Geschäftspartner menschlicher Beziehungen),  Personalleiterinnen und -Leitern, HR Manager (Führungskräfte menschlicher Beziehungen), Personalreferentinnen und -referenten, Employer Branding Manager (Arbeitgebermarkenbildende Führungskräfte) und Recruiter (Personalbeschaffer).

Einige der Ergebnisse habe ich einmal herausgepickt. Zwar kommt die Studie nicht unmittelbar zu dem Schluss, dass die Damen und Herren Personaler vor dem Hintergrund “was mit Menschen machen zu wollen” besser Berufe hätten ergreifen sollen, die näher am Menschen sind. Klar zu erkennen ist aber, dass eben genau dieser Wunsch nicht erfüllt wird. Denn, Überraschung!: 53 Prozent der Befragten sind der Meinung: Die Arbeit mit Menschen kommt zu kurz! Und so ist dann kein Wunder, dass 38 Prozent der befragten HR-Verantwortlichen unzufrieden in Ihrem Job sind.

Die Arbeit mit Menschen kommt zu kurz, administrative Aufgaben überwiegen

Woran liegt’s, woher kommt die bittere Enttäuschung? Die zusammenfassende Quintessenz: Als Verantwortlicher von menschlichen Beziehungen musst du dich viel zu sehr mit administrativen Dingen herumschlagen. Ein paar Zahlen dazu:

  • Im Schnitt verbringen Personaler 42 Prozent ihrer Arbeit mit administrativen Aufgaben
  • 89 Prozent der Personaler halten den Admin-Anteil für zu hoch
  • Dauerbrenner Wertschätzung/Stellenwert von HR: 32 Prozent beklagen eine zu geringe Wertschätzung durch Geschäftsführung und Belegschaft

Eigentlich sollte doch aufgrund der Ausbildung, die man an deutschen Hochschulen überwiegend genießt, klar sein, dass Personalmanagement vor allem eins bedeutet: Administration, Administration und noch mal Administration. Als Personaler wirst du zum Verwalter ausgebildet, nicht zum Gestalter. So war das vor 20 Jahren, als ich Personal studiert habe, so scheint es heute noch in vielen Hochschulen der Fall zu sein.

Wirklich Personaler – oder doch lieber Friseur, Verkäufer, Erzieher oder Polizist?

Möchte man wirklich was mit Menschen machen, sollte man vielleicht doch besser Friseur, Verkäufer, Physiotherapeut, Zahnmedizinische Fachangestellte, Gerichtsvollzieher, Altenpfleger, Erzieher, Lehrer oder Polizist werden. Schließlich ist man da deutlich näher am Menschen und kann wirklich was bewegen. Möglicherweise ist auch die zu geringe Wertschätzung, die HR entgegengebracht wird, der Grund dafür, dass HR zu wenig Wertschätzung gegenüber Bewerbern zeigt – Stichwort Candidate Centricity.

Digitalisierung von HR-Prozessen offenbart geringen Stellenwert von Recruiting

Ein Teil der Umfrage widmete sich auch dem Thema Digitalisierung von HR-Prozessen. Auch da lassen die Ergebnisse tief blicken. Insbesondere zeigt sich da wieder einmal sehr schön der Stellenwert, den Recruiting & Co. im Unternehmen einnehmen. Offenbar keinen allzu großen. So ist zwar in nahezu allen Unternehmen (99 Prozent) die Entgeltabrechnung digitalisiert, aber selbst ständig wiederkehrende Aufgaben wie Urlaub und Abwesenheit werden gerade einmal in 57 Prozent der Unternehmen digital abgewickelt. Eine digitale Personalakte wenden nur 25 Prozent der Unternehmen an. Möglicherweise hat sich das in Corona, im Zeitalter der Zwangs-Digitalisierung, geändert (die Daten wurden 2019 erhoben), aber das scheint mir wenig wahrscheinlich.

Werfen wir also einen vielsagenden Blick auf das Thema, das für ein Unternehmen strategisch überlebenswichtig ist: Recruiting, genauer: der Digitalisierung von Recruiting.

Entgeltabrechnung top, Bewerbermanagement-Software flop

Gerade einmal 6 Prozent (in Worten: sechs) setzen auf eine digitalisierte Stellenausschreibung. 15 Prozent (in Worten: fünfzehn) auf Bewerbermanagementsysteme. Das ist grob fahrlässig, wenn nicht gar dumm und verantwortungslos. Ineffiziente und intransparente Bewerbungsprozesse kosten Unternehmen im Zweifelsfall Millionen (weil Stellen nicht besetzt und in der Folge Projekte und Aufträge nicht bearbeitet werden können, siehe dazu auch Cost of Vacancy). Eine Bewerbermanagementsoftware gibt’s ab wenige Hundert Euro im Monat. Mangelhafte Recruiting-Prozesse bedeuten im Zweifelsfall den Unternehmenstod.

Traumberuf-Personaler-Bewerbermanagement-spielt-in-Sachen-Digitalisierung-keine-Rolle

Dass das Thema Recruiting bei HR keinen hohen Stellenwert hat, zeigen auch die Antworten auf die Frage, welche Prozesse durch digitale Tools verbessert werden könnten:

  • 42 Prozent sagen die Personalakte
  • 42 Prozent sagen die Dokumentenverwaltung
  • 40 Prozent sagen das Mitarbeiterfeedback
  • 36 Prozent sagen das Performance Management
  • 0 Prozent sagen das Bewerbermanagement.

Noch mal zum Mitschreiben: Kein einziger der Befragten erwähnt den Bewerbungsprozess (Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich das Untersuchungsdesign nicht im Detail kenne, möglicherweise hat Personio den Punkt nicht abgefragt, was dann wiederum auch kein gutes Licht auf das Studiendesign wirft).

Umfrage bestätigt wiederholt den geringen Stellenwert von E-Recruiting

Allerdings spiegelt die Umfrage “Traumberuf Personaler” sehr gut die Ergebnisse von anderen Umfragen aus 2018 und 2019 wider. In beiden wird der Digitalisierung von Recruiting-Prozessen ein erschreckend geringer Stellenwert bescheinigt. Wohin soll das führen?

Einsatz von digitalen Lösungen im Personalmanagement - E-Recruiting ohne Relevanz - Quelle Personio

Zurück zum Traumberuf Personaler. Denn es wäre ja ein Traumberuf, wenn nicht so viel Admin-Kram zu erledigen wäre. Und so sind 54 Prozent der befragten Personaler der Meinung, dass sie dank digitalisierter HR-Prozesse mehr Zeit für Mitarbeiter und Bewerber hätten. Wenn zudem 31 Prozent glauben, durch die Digitalisierung weiterer HR-Prozesse effizienter arbeiten zu können, sei die Frage erlaubt, warum man dann genau die Prozesse, die genau dies ermöglichen würden, außen vor lässt bzw. ihnen einen so geringen Stellenwert einräumt. Warum geben 46 Prozent der Befragten an, dass sie den “Traumberuf” des Personalers gewählt haben, weil sie das Unternehmen “aktiv mitgestalten möchten” – tun es dann aber nicht und beschweren sich stattdessen über den geringen Stellenwert, den man ihnen einräumt? Nur gut, dass wir den Fachkräftemangel haben, dem HR bei Recruiting-Versagen den Schwarzen Peter zuschieben kann.

Die kompletten Ergebnisse der Umfrage “Traumberuf Personaler” können hier heruntergeladen werden.


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Über den Autor

Was mit Menschen machen: Traumberuf Personaler? 2 Henner Knabenreich personalmarketing2nullHallo, ich bin Henner Knabenreich. Seit 2010 schreibe ich hier über Personalmarketing, Recruiting und Employer Branding. Stets mit einem Augenzwinkern oder den Finger in die Wunde legend. Auf die Recruiting- und Bewerberwelt nehme ich nicht nur als HR-Blogger maßgeblich Einfluss, auch als Autor, als Personalmarketing-Coach, als Initiator von Events wie der HR-NIGHT oder als Speaker hinterlasse ich meine Spuren in der HR-Welt. Sie wollen mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, haben Interesse an einem Karriere-Website-Coaching, suchen einen Partner oder Berater für die Umsetzung Ihrer Karriere-Website oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Ob per E-Mail, XING, LinkedIn oder Twitter - sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Sie!


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  1. Karl sagt:

    502 Personaler = 0 Prozent sagen das Bewerbermanagement
    Sorry!

    Immer auch mal schauen, wer so eine Studie macht und was/wer da gefragt wird (Wie Sie ja richtig angemerkt haben). Es gibt 10.000 Studien, davon werden sehr viele zum “Verkaufen” genutzt und um “Digital-Panik” zu machen. Zudem muss die Admin-Aufgabe ja auch jemand machen. HR ist nicht nur Sonnenschein und New Work tralala! Dazu brauche ich nämlich gar kein HR!

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