kununu-Bewertungen nur noch per Xing-Zugang lesbar

kununu-Bewertungen nur noch per Xing-Zugang lesbar?

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Schon bemerkt? Wollen Sie sich Bewertungen auf kununu anschauen, so ist dies nur noch möglich, wenn Sie sich per Xing-Account einloggen. Ruft man die Arbeitgeberbewertungsseite als Nichtmitglied auf, so werden nur noch die ersten Zeilen einer Bewertung angezeigt. Erst durch Klick auf „Weiterlesen“ kommt man in den Genuss der gesamten Bewertung.

Update: So war es zumindest. Aktuelles und die Reaktionen der Personalmarketing-Szene am Ende des Artikels.

Das an sich ist nicht neu. Neu ist aber, dass man sich per Xing-Account einloggen muss. Und so poppte dann heute Morgen folgendes in meinem Facebook-Feed auf:

kununu-Bewertungen nur mit Xing-Mitgliedschaft lesbar

Ein Klick auf „Weiterlesen“ öffnet dieses Pop-Up-Fenster mit der Botschaft

Weiter zu den Arbeitgeber-Bewertungen – Mit einer kostenfreien XING-Mitgliedschaft erhältst Du Zugriff auf etwa 681.000 Arbeitgeber-Bewertungen auf kununu. Hier kannst Du Dich registrieren.

Einerseits – ebenso wie der neue Xing-Stellenmarkt – ein cleverer Schachzug, neue Mitglieder zu gewinnen und die Quasi-Monopolstellung auszubauen. Andererseits sorgt das gerade für viel Unmut in der Community. Auch deswegen, weil es sich um eine Nacht- und Nebel-Aktion handelt, die weder seitens Xing noch seitens kununu angekündigt worden ist.

kununu-Bewertungen nur noch via Xing-Mitgliedschaft lesbar

Aussage eines Personalers: „Habe es auch gerade ausprobiert. Ich glaube, jetzt wird der Bogen überspannt. Es wird definitiv unsympathisch…!“ Womit er mit dieser Ansicht definitiv nicht alleine ist, wie verschiedenes Feedback aus Personalerkreisen ergab.

Gut informierte Kreise berichten, dass es sich um ein „neues Feature“ handeln soll, welches jetzt testweise einem „eingeschränkten Personenkreis über einen nicht näher bekannten Zeitraum“ angezeigt wird. „Demzufolge sollen damit das „Nutzerverhalten und die Akzeptanz analysiert werden“.

Ob das ein so cleverer Schachzug ist? So sind bspw. die Ausbildungsprofile jetzt obsolet. Kommentar eines Personalmarketing-Verantwortlichen: „macht die Rubrik „Azubibewertungen“ auch überflüssig…

Denn welcher Schüler meldet sich schon bei einem Businessnetzwerk an, um Ausbildungsbewertungen zu lesen? Und welches Unternehmen investiert noch in solche Profile, wenn die von der Zielgruppe gar nicht mehr gelesen werden?

Quo vadis, kununu? :-(

Wie ist es mit Ihnen? Gehören Sie auch zu diesem eingeschränkten Nutzerkreis? Was halten Sie von dieser erneuten Bevormundung seitens xununu?

Ein Statement seitens kununu ist angefragt, liegt aber noch nicht vor. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Update: Hier das Statement:

Nachdem kununu und XING gemeinsam das Thema „Neue Arbeitswelt“ vorantreiben und wir für die User noch mehr Informationen über Arbeitgeber bereitstellen möchten, forcieren wir entsprechende Maßnahmen, um auf die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von beiden Portalen hinzuweisen. Das kommt auch den Anforderungen unserer User entgegen, die bereits jetzt beide Portale für ihre Zwecke aufsuchen. So können z. B. schon seit einiger Zeit Arbeitgeberbewertungen von der XING-Startseite aus abgegebenen werden, ebenso sind die Bewertungen auf XING über jeder Stellenanzeige sowie natürlich im Arbeitgeberprofil aufgeführt.

Im nächsten Schritt möchten wir nun unterstützen, dass kununu-Nutzer verstärkt Teil der XING-Community werden. Über XING bekommen die User z.B. einen ersten Eindruck über künftige Kollegen oder können das Netzwerk eines Arbeitgebers unter die Lupe nehmen. Diesen Schritt möchten wir gut  vorbereiten, sodass wir uns derzeit noch in einer Testphase befinden, um zu prüfen, wie wir dies für den Nutzer am komfortabelsten ermöglichen können. Sobald wir ein neues Feature einführen, werden wir dieses am Launch-Start offiziell vorstellen und die User mit ausreichenden Informationen dazu versorgen – so wie wir es bisher bei sämtlichen Maßnahmen getan haben.

Im übrigen entstehen für unsere User keine Nachteile: Die Registrierung nimmt nur wenig Zeit in Anspruch und eröffnet zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten von XING. Die Anonymität bleibt nach wie vor bestehen: Bewertungen, die auf kununu.com abgegeben wurden, werden stets anonymisiert veröffentlicht. Ein Rückschluss auf den Autor der Bewertung ist für andere Nutzer nicht möglich.

Update 2: Offensichtlich läuft mittlerweile alles planmäßig.

Vorzeitiges Wochenende also :-) Mag sein, dass die Reaktionen heftiger waren, als gedacht. Denn ursprünglich waren die Tests bis Ende der Woche geplant. Was bleibt, ist ein übler Nachgeschmack und der Unmut vieler Personaler. Äußerungen aus der Personalmarketing-Szene wie diese sprechen Bände:

Ob sich kununu damit einen Gefallen tut?!

Was mich grade schwer in Wallung bringt ist die Tatsache, dass nun die Stellungnahmen des Unternehmens nicht mehr frei sichtbar sind. Das geht absolut gar nicht und widerspricht m.E. dem gesamten Prinzip von kununu — wie kommt man auf solche Ideen?

Ich habe jetzt gerade meinen Vertrag verlängert und ärgere mich maßlos darüber. Zuerst habe ich mich darüber geärgert, dass mich Xing zu einem deutlich teureren Profi zwingt. Das bisherige wurde abgeschafft, jetzt gibt’s nur noch alles oder nichts. Kununu finde ich nach wie vor super, aber die verärgern mich mit diesen unqualifizierten Schnellfeedbacks ab der Xing-Startseite sowieso und das hier ist der Gipfel. Damit meine ich nicht nur den Zwang, sich bei Xing zu registrieren, sondern vor allem, dass wir als Kunden, die viel Geld für ein Profil ausgeben, ganz offensichtlich mit der Testkunden-Lüge verarscht werden. Das ist schlicht eine Sauerei. Ich glaube, ich werde jetzt einmal den Arbeitgeber Kununu bewerten…

Spaß beiseite, mich nervt der besch*** Umgang mit Kunden. Auch ich mochte kununu eigentlich – langsam sortiert sich dieses Duo Infernale aber echt zwischen Flaschenpfand und Management-circle-Werbebriefen ein – nach dem Flaschenpfand.

Ich hoffe, dass der Test und die Reaktionen darauf gezeigt hat, dass diese Kopplung keinen Mehrwert (außer für xing) darstellt. Für mich wäre das so, wie wenn ich nur noch auf Trip advisor Bewertungen lesen kann, wenn ich bei Dorint Hotels Club-Member wäre… Oder so ähnlich… . Geht gar nicht. Damit verliert kununu für mich an Glaubwürdigkeit und Objektivität und Kandidaten werden verhöhnt, sollten sie nicht wissen, dass hier nur xing Mitglieder aktiv sind.

Geschäftsmodell, erweiterte Nutzungsmöglichkeiten und Good Will hin oder her – leider wird hinter dem ökonomischen der qualitative Aspekt oftmals vernachlässigt. Menschen werden schlicht und ergreifend nicht gerne genötigt, Mitgliedschaften einzugehen, um vermeintliche Vorteile genießen zu dürfen. Gerade diese mitschwingende Erhabenheit des großzügigen Einräumens neuer Vorzüge – aber nur unter bestimmten Bedingungen – schadet der Reputation. Auch wenn es gut gemeint ist, was bleibt ist ein fader Beigeschmack, der jetzt nicht messbar, im schlimmsten Falle aber auf Dauer schädlich ist. Schade, gerade im Falle von kununu.

Wie gesagt, alles war nur ein „Test“.

Ziel war es, die Reaktionen der Nutzer analysieren. Ich denke, die waren eindeutig. Fragt sich, ob die Botschaft angekommen ist…

Dieses ganz offensichtliche und wissentliche Lügen – regionale Test bei einigen wenigen Kunden, dass ich nicht lache – ist es, was mich am meisten nervt.

Harren wir also der Dinge, die da kommen werden.

  1. Judith sagt:

    Lieber Henner
    Danke für deinen Beitrag. Ich hoffe, dass der Test und die Reaktionen darauf gezeigt hat, dass diese Kopplung keinen Mehrwert (außer für xing) darstellt. Für mich wäre das so, wie wenn ich nur noch auf Trip advisor Bewertungen lesen kann, wenn ich bei Dorint Hotels Club-Member wäre… Oder so ähnlich… . Geht gar nicht. Damit verliert kununu für mich an Glaubwürdigkeit und Objektivität und Kandidaten werden verhöhnt, sollten sie nicht wissen, dass hier nur xing Mitglieder aktiv sind.

    Liebe Grüße
    Judith

  2. Jan Willand sagt:

    Geschäftsmodell, erweiterte Nutzungsmöglichkeiten und Good Will hin oder her – leider wird hinter dem ökonomischen der qualitative Aspekt oftmals vernachlässigt. Menschen werden schlicht und ergreifend nicht gerne genötigt, Mitgliedschaften einzugehen, um vermeindliche Vorteile genießen zu dürfen. Gerade diese mitschwingende Erhabenheit des großzügigen Einräumens neuer Vorzüge – aber nur unter bestimmten Bedingungen – schadet der Reputation. Auch wenn es gut gemeint ist, was bleibt ist ein fader Beigeschmack, der jetzt nicht messbar, im schlimmsten Falle aber auf Dauer schädlich ist. Schade, gerade im Falle von kununu.

    (Aber vermutlich kräht da in zwei Monaten kein Hahn mehr nach, ähnlich wie der facebook-Messenger-Arie.)

  3. Stefan Nette sagt:

    Hi Henner,
    ich bin vollkommen im Einklang mit deiner, Henriks und der allgemeinen Meinung. Ich werd mir morgen mal die Xing und Kununu Kontakte ziehen, die mir bekannt sind und meinen Unmut darüber zum Ausdruck bringen.

    M.M.n. Sollte man dringend prüfen ob ein Sonderkündigungsrecht besteht, immerhin ändern sie die Zielgruppe in nicht unbeachtlichem Maße wenn diese Änderung Flächendeckend ausgerollt werden sollte. Eine riesen Sauerei.

    Gruß
    Stefan

    • personalmarketing2null sagt:

      Nun ja, wie man ja nun mehrfach lesen konnte, handelt es sich um einen zeitlich und regional begrenzten Test. Dass dieser so ohne jegliche Vorabinformation erfolgte, ist natürlich eher als unglücklich zu bewerten. Andererseits sprechen die Resultate glaube ich Bände. Und wenn das nur ein Test ist, darf man auf jeden Fall gespannt sein, was dann wirklich kommt. In diesem Sinne, calm down :-)

  4. Stefan Reiser sagt:

    Hallo zusammen,
    ob man da nicht aus Versehen am eigenen Geschäftsmodell sägt…
    Als Kunde frag ich mich dann nämlich relativ schnell, wie gut ich es finde, wenn man nur mit einer zusätzlichen Anmelde-Hürde an das Employer Branding-Profil kommt.
    Über die Kommunikation seitens xununu ist genug gesagt, da überrascht mich eigentlich nix mehr. „Neue Arbeitswelt“ finde ich als Ausrede irgendwas zwischen mutig und frech…

    Viele Grüße aus BY,
    Stefan Reiser

  5. Moin Henner, Mann, Du bist wieder schnell. Sehr gut. Ich muss gestehen, ich sehe dieses „Geschäftsgebaren“ von Xing & kununu extrem kritisch. Hier wird mit Macht der Masse versucht, alle User „gefangen zu nehmen“. Unter dem Deckmantel des „wir wollen doch nur das Beste“. Google lässt grüßen. Moralisch netter wäre es sicherlich, mit guter Leistung für sich zu überzeugen. Aber nun ja, mit Moral wird weniger Geld verdient. Ich empfehle jedem, der auf diese Politik keine Lust (mehr) hat, sich mal Alternativen anzusehen. Wie z. B. feelgood@work oder jobstobe.

    Herzlichen Gruß,
    Henrik

  6. Tamara Frast sagt:

    Hallo Henner,
    wie in unserem Statement bereits erwähnt, ist die XING-Registrierung an einzelnen Stellen auf kununu ein Test, der in Zusammenhang mit der Entwicklung von neuen User-Features steht. Diese Testphase – die nur bei einem sehr geringen Anteil unserer User ausgespielt wird – läuft noch bis Ende dieser Woche, dann ist das Weiterlesen von kununu-Bewertungen wie bisher ohne Registrierung erforderlich.

    Schöne Grüße, Tamara Frast, Head of Corporate Communications, kununu.com

  7. Andrea Hartenfeller sagt:

    Wobei meine Erfahrung zumindest Xing-seitig so ist, dass Aufregung aus der Community (zunächst) wenig bringt ;-)

    • personalmarketing2null sagt:

      Leider, Andrea, leider. Hier nutzt man weidlich die Quasi-Monopolstellung aus. Ist ja in Ordnung, dafür ist so was ja da :-)
      Und letztendlich sind wir alle selbst schuld, weil wir alle (mich eingeschlossen) postulieren, dass in Active Sourcing und Bewertungsportalen enorme Chancen fürs Recruiting und Employer Branding liegen ;-). Was ja de facto auch so ist. Erinnert so ein bisschen an die Politik von Yelp. Entweder du machst mit oder du bist der Dumme. Dass es durchaus anders gehen kann, zeigte ja ganz gut das Beispiel Qype…

  8. Andrea Hartenfeller sagt:

    Die Änderungen finde ich ein wenig befremdlich – und gibt dem Ganzen ein kleines „Geschmäckle“, wie es denn nun tatsächlich um die Anonymität bestellt ist.

    Und ich teile die Bedenken in Bezug auf Azubi-Marketing. Zum einen melden sich Schüler selten bei Xing an, zum anderen untersagen die Xing-AGB (noch), dass man die Plattform nutzt, wenn man noch nicht volljährig ist. Ausbildungsinteressierte sind nun mal häufig jünger als 18.

    Um das Thema „Neue Arbeitswelt“ voranzutreiben, taugt diese Änderung meiner Meinung nach jedenfalls nicht.

    • personalmarketing2null sagt:

      Hallo Andrea, stimme dir in allen Punkten zu. Befremdlich finde ich auch, dass eine regionale Testphase
      a) scheinbar alle Regionen betrifft ;-)
      b) als solche nicht kenntlich gemacht wird
      c) nicht kommuniziert wird.
      Nun, wie auch immer, die Community ist in heller Aufregung. Zu Recht.

      • Habe das gerade mal getestet (Region Hamburg). Also wenn ich nach verschiedenen Firmen google und dort einen Kununu-Link finde und klicke, kann ich die volle Bewertung lesen (bin dabei nicht in Xing angemeldet und habe alle cookies gelöscht).

        Also entweder haben sie es aufgrund der Aufregung jetzt schon wieder abgestellt, oder es ist tatsächlich irgendwie eingeschränkt.

        • personalmarketing2null sagt:

          Hallo Herr Rautenberg, danke fürs Feedback. Offenbar war der „Aufschrei“ doch größer, als gedacht. Scheinbar ist die Testphase beendet. Siehe dazu auch Update 2.

Was meinen Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

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