Das Toleranz-Paradoxon: Wie Jobbörsen mit Stellenanzeigen der AfD umgehen

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 14 Minuten.

Cheffe, ich sehe gerade…“, so schrieb mir vor wenigen Tagen einer meiner langjährigen Leser, und schickte einen Link mit, der auf  Stellenanzeigen der AfD verwies, geschaltet bei einer großen deutschen Jobbörse. „Gefällt mir nicht„, schrieb er. Und das war auch mein Gedanke. Dürfen Jobbörsen indirekt dazu beitragen, das rechte Gedankengut einer Partei weiterzuverbreiten? Ist das alles total legitim, schließlich ist die AfD ja eine demokratisch gewählte Partei und sitzt sogar im Bundestag? Oder ist das Portemonnaie dem Herzen näher als es Anstand und Würde sind? War das Ganze möglicherweise auch gar nicht beabsichtigt und nur ein dummes Versehen? Fragen, die mich aufwühlten und auf die ich Antworten wollte. Ich habe sie bekommen.

Warum sollte eine Jobbörse keine Stellenanzeigen der AfD veröffentlichen?

Zunächst einmal sei natürlich die Frage erlaubt, warum eine Jobbörse eine Stellenanzeige der AfD nicht veröffentlichen sollte. Schließlich muss die ja ihr Geld verdienen und außerdem ist eine Partei wie die AfD ein zahlender Kunde, wie jeder andere auch. Und abgesehen davon handelt es sich ja bei der AfD ja um eine demokratisch gewählte Partei, die in vielen Landtagen, Kommunen und sogar als drittstärkste Fraktion im Bundestag vertreten ist. Also ist doch alles fein, schließlich schalten CDU, SPD, FDP, Grüne und Die Linke ja auch in Stellenportalen. Was soll also diese Diskussion?

Stellenanzeigen der AFD bei StepStone

Nun, ganz einfach. Es gibt gravierende Unterschiede: Während die AfD als geistiger Brandstifter mit von Hass und Ressentiments geprägten Botschaften (s. u.) eine Saat des Bösen legt, die sich in Taten wie in München, Chemnitz, Kassel, Hanau oder Halle oder gegenüber Andersdenkenden, Andersfarbigen oder Andersgläubigen entlädt, ist das bei allen anderen gewählten Parteien mit Sicherheit nicht der Fall. Sicher, der Grundgedanke der AfD vereinte keine rechte Ideologie und auch heute ist nicht jeder AfD-Wähler ein undemokratischer Radikaler. Viele sind von der Politik enttäuscht und suchen eine Alternative zu SPD, CDU, Grünen und Linken und glauben sie in der „Alternative für Deutschland“ zu finden.

Sicher ist aber ebenso, dass diese Partei immer mehr nach rechts driftet und islam-, fremden- und zuwanderungsfeindliche Ressentiments streut. Was glücklicherweise dazu führt, dass Menschen mit einem halbwegs gesunden Menschenverstand der Partei den Rücken kehren und die Anzahl der Sitze im Bundestag schrumpft. Und das zu Recht, denn es reicht der Blick auf Parolen und Zitate, die die obersten Funktionäre der AfD und deren Steigbügelhalter bei Wahlkampfveranstaltungen und anderswo zum Besten geben, die das rechtspopulistischeextreme Leitbild eindrucksvoll untermauern.

Diese Zitate sollten Jobbörsen-Betreiber zum Umdenken anregen

Da diese Parolen offenbar viele nicht kennen (oder ausblenden) und um Ihnen vor Augen zu führen, wie menschenverachtend diese sind, kann ich es mir an dieser Stelle nicht nehmen, ein paar davon zu zitieren:

„Das große Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird. Aber wir alle wissen natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt.“ Quelle

„Die alten Kräfte, also die Altparteien, aber nicht nur die Altparteien, auch die Gewerkschaften, vor allen Dingen auch die Amtskirchen und die immer schneller wachsende Sozialindustrie, die an dieser perversen Politik auch noch prächtig verdient. Diese alten Kräfte, die ich gerade genannt habe, lösen unser liebes, deutsches Vaterland auf wie ein Stück Seife unter einem lauwarmen Wasserstrahl. Aber wir Patrioten werden diesen Wasserstrahl jetzt zudrehen! Wir werden unser Deutschland Stück für Stück zurückholen!“ Quelle

„Liebe Freunde, die Aufgabe der AfD ist es, diese Kulturnation zu retten. Deutschland steht auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten und der Islam, liebe Freunde, ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.“ Quelle

„Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ Quelle

„Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Quelle

Deutliche Anhaltspunkte für eine Ausrichtung der Partei gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung

Eine Partei, deren Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland die bis zu 20 Millionen Morde an Andersdenkenden, Andersgläubigen und Andersfarbigen als „Vogelschiss“ bezeichnet, kann wohl mit Fug und Recht kaum als „demokratisch“ bezeichnet werden. Eine Partei, welche die Nähe zu Rechtsextremen sucht und sie in ihren Reihen beherbergt, kann wohl kaum als „demokratisch“ beurteilt werden. Und wem das immer noch nicht reicht, es gibt noch einen kleinen, aber feinen Unterschied gegenüber den demokratischen Parteien: Die AfD, zumindest Teile davon, stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutz. Und das hat Gründe. Denn das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht mögliche Verstöße der AfD in den Kategorien Menschenwürde, Demokratieprinzip, Rechtsstaatsprinzip und NS-Revisionismus. Im Gutachten heißt es zusammenfassend u. a.:

Die Auswertung der Aussagen von Führungsfunktionären sowie sonstigen Funktionären und Mitgliedern der AfD lässt erste deutliche Anhaltspunkte für eine Ausrichtung der Partei gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung erkennen.

Wie stehen Jobbörsen zum Veröffentlichen von Stellenanzeigen der AfD?

Was aber sagen nun die Verantwortlichen in den Stellenbörsen dazu? Warum fördern sie mit der Veröffentlichung von Stellenanzeigen für Posten innerhalb der AfD-Verwaltung indirekt eine Ideologie, die mitten ins Herz der Demokratie trifft und rechten Agitatoren mehr Reichweite verschafft? Gemeinsam mit Jess Koch, Initiator von „Love HR, Hate Racism“, habe ich nachgefragt. Bei Jobbörsen, die eine Anzeige bereits veröffentlicht haben. Und bei denen, wo das (noch) nicht der Fall war. Angefragt haben wir bei StepStone, Monster, stellenanzeigen.de, indeed, XING, meinestadt.de, truffls, HeyJobs, Jobware, Absolventa und vectorjobs. Bis auf Absolventa und vectorjobs haben wir von allen Antworten erhalten. Sofern uns die Antworten schriftlich vorliegen, veröffentliche ich sie ungekürzt und im vollen Wortlaut.

StepStone: Neutrale Möglichkeit, Stellenanzeigen zu veröffentlichen

StepStone, wo die AfD gleich mit mehreren Fraktionen und einer großen Auswahl an Stellen vertreten ist und letztendlich Auslöser dieses Artikels war, betrachtet seine Job-Plattform als eine „neutrale Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Stellenanzeigen„. Die AfD sei seitens der Gerichte nicht verboten und man werde sie daher nicht boykottieren. Schließlich, so die Meinung, würden starke Demokratien nur im Diskurs funktionieren.

„StepStone betreibt Online-Jobplattformen in mehr als 20 Ländern und bietet Unternehmen, Organisationen sowie Parteien eine neutrale Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Stellenanzeigen. Allein in unserem Büro in Düsseldorf arbeiten Menschen aus mehr als 20 verschiedenen Nationen erfolgreich zusammen. StepStone ist also ein weltoffenes Unternehmen. Als solches glauben wir an Demokratie und freie Meinungsäußerung. Die AFD ist eine demokratisch gewählte Partei, die im Bundestag vertreten und seitens der Gerichte nicht verboten ist. Wir werden diese daher auch nicht boykottieren. Denn wir sind der Meinung, dass starke Demokratien nur im Diskurs funktionieren – und nicht im Boykott.“

stellenanzeigen.de: Keine politische Stellungnahme

Auch auf stellenanzeigen.de finden sich Anzeigen der AfD. Hier nimmt man „zu keinen politischen Vorgängen Stellung, die sich im Rahmen des Grundgesetzes“ bewegen:

Wir haben das eben nochmal eingehend (auch mit der Geschäftsleitung) diskutiert und stehen zu der Entscheidung, die wir bereits vor zwei Jahren grundsätzlich für uns getroffen haben: Wir nehmen zu keinen politischen Vorgängen Stellung, die sich im Rahmen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sowie auf der rechtlichen Grundlage anzuwendender Gesetze bewegen.

Man weist aber darauf hin, dass es sich bei der AfD nicht um einen Direktkunden handelt und die Anzeigen über den Feed eines Dienstleisters in der Stellenbörse landeten. Dieses „Argument“ wurde auch im folgenden Fall bemüht.

Monster: Wir wollen Parteien, die nicht mit unseren Unternehmenswerten übereinstimmen, ausschließen

Bei Monster wird man den Fall analysieren und in Zukunft prüfen, wie man „extreme Parteien, die nicht mit den Monster-Unternehmenswerten übereinstimmen“ ausschließen kann:

Wir analysieren diesen Fall und werden für die Zukunft prüfen, wie wir extreme Parteien, die nicht mit den Monster Unternehmenswerten von Integration und Diversität übereinstimmen, ausschließen können.

Grundsätzlich könne im Einzelfall bei einer so genannten eCom-Schaltung erst im Nachhinein eingegriffen werden, was technische Hintergründe habe. Immerhin, man will prüfen.

Stellenanzeigen der AFD bei indeed

indeed: Wir unterstützen Kandidaten bei der Jobsuche

Bei indeed betont man zunächst, dass man mit der AfD eigentlich nichts am Hut habe. Da es aber „legitime Stellen innerhalb der AfD gebe“ und man Kandidaten bei der Jobsuche bestmöglich unterstützen möchte, werden diese eben veröffentlicht. Schließlich enthielten diese ja weder diskriminierende, diffamierende oder anstößige Inhalte. Man verweist zudem auf die Richtlinien, die für das Schalten von Stellen gelten. In diesem Falle sollte es als Begründung wohl eigentlich ausreichen, dass die Partei selbst diskriminiert, diffamiert oder anstößige Inhalte von sich gibt. Nicht so für indeed:

Indeed unterstützt die AfD oder von AfD-Politikern getätigte öffentliche Positionierungen nicht. Indeed pflegt keine direkte Geschäftsbeziehung mit der AfD.

Indeed ist eine Suchmaschine für Jobs, die möglichst viele legitimen Stellenangebote in Deutschland umfasst. Wir helfen Kandidaten bei der Jobsuche und es gibt daher derzeit legitime Stellen innerhalb der AfD-Partei, die auf Indeed zu finden sind. Unser engagiertes Search Quality Team erfasst alle Inhalte auf unserer Seite und entfernt Stellen oder Stellenausschreibungen, die unseren strikten Vorschriften zuwiderlaufen. Dies umfasst diskriminierende, diffamierende und anstößige Inhalte.

XING: Politisch neutral

XING macht es sich einfach: keine Partei hat die Möglichkeit, dort Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Die dort aufgetauchten Anzeigen kamen über einen externen Partner und wurden bereits entfernt. Zudem arbeite man daran, die technischen Unzulänglichkeiten abzustellen.

XING ist politisch neutral. Aus diesem Grund haben wir bereits vor einiger Zeit beschlossen, keine Partei mit unseren Recruitinglösungen zu unterstützen und damit auch keine Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Die von Dir genannten Beispiele wurden direkt von Partnern, wie z.B. der Bundesagentur für Arbeit, eingespielt. Diese haben wir bereits entfernt, etwaige weitere Anzeigen bearbeiten wir noch. Nachdem Du uns dankenswerterweise auf diese Lücke hingewiesen hast, sind wir dabei, die Filter für die Angebote unserer Partner weiter zu verfeinern.

meinestadt.de: Eine neutrale Veröffentlichung der Stellenanzeigen

Liest man das Statement von meinestadt.de, so bekommt man den Eindruck, man habe bei StepStone abgekupfert – oder umgekehrt. Kein Wunder, sowohl StepStone als auch meinestadt.de sind Töchter des Axel Springer-Konzerns. Auch hier sieht man seine Stellenbörse als „neutrale Möglichkeit der Veröffentlichung ihrer Stellenanzeigen“ und glaubt an einen Diskurs:

meinestadt.de bietet Unternehmen, Organisationen sowie Parteien eine neutrale Möglichkeit zur Veröffentlichung ihrer Stellenanzeigen. Als weltoffenes Unternehmen glauben wir an Demokratie und freie Meinungsäußerung. Daher sind wir der Meinung, dass starke Demokratien nur im Diskurs funktionieren – und nicht im Boykott.

HeyJobs: Klare Ablehnung der AfD

Der auf Programmatic Personalmarketing spezialisierte Anbieter HeyJobs ist eine der wenigen Jobbörsen, die klar Position gegen die AfD beziehen und betont, dass die Prinzipien der AfD in krassem Widerspruch zu den eigenen Unternehmenswerten stehen:

Um Menschen auf der HeyJobs Plattform die bestmögliche Auswahl an Jobs zu bieten, kooperiert HeyJobs mit der Bundesagentur für Arbeit und integriert deren Stellenangebot. Leider sind hierbei 2 Stellen der AfD an HeyJobs übermittelt worden. Diese sind nicht mehr online. Zu keiner Zeit haben wir eine Geschäftsbeziehung mit der AfD unterhalten.
Die AfD steht in vielerlei Hinsicht im Widerspruch zu den Unternehmenswerten von HeyJobs, welche Respekt und Offenheit gegenüber jedem Menschen unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, sexueller Orientierung und jeglichen weiteren Merkmalen betonen.

kimeta: Wir distanzieren uns von der AfD

Auch bei kimeta distanziert man sich klar von der AfD. Eine offizielle Geschäftsbeziehung wird abgelehnt. Allerdings bestünde das Problem, dass Inhalte von anderen Stellenbörsen gezogen oder aber Agenturen Stellenanzeigen veröffentlichen würden. Und das von den Spezialisten für KI-basierte Jobsuche in Deutschland? Ein kleiner Filter und zack! hätte sich das mit den Stellenanzeigen der AfD erledigt.

Jobware: Politische Neutralität

Auch bei Jobware spricht man sich klar gegen die AfD aus. Grundsätzlich habe man sich dazu entschieden politische Neutralität zu wahren. Aber abgesehen davon gäbe es im Vergleich zu den anderen demokratischen Parteien einen großen Unterschied zur AfD: diese werden nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.

truffls: Null Toleranz gegenüber rechts

Null Toleranz gegenüber rechts„, das ist das klare Statement von truffls, das ich nicht weiter kommentieren muss. Gerade hat truffls mit der Kampagne „mussegalsein“ ein klares Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung in der Arbeitswelt gesetzt.

Interessant finde ich an dieser Stelle, dass einige Jobbörsen eine „aktive“ Zusammenarbeit mit der AfD zwar ablehnen, sie aber dennoch indirekt ermöglichen, etwa durch Agenturen oder Crawler. Würde man es wirklich ernst meinen, würde man ein ordentliches Qualitätsmanagement und einen Mechanismus installieren, womit solche Fehlgriffe unmöglich würden. Offenbar aber werden Porno-Spam und AfD-Spam anders behandelt.

Das Toleranz-Paradoxon

Und wie ist das nun mit der Einstellung bezüglich „starken Demokratien, die nur im Diskurs funktionieren“ oder aber einer „demokratisch legitimierten Partei, die seitens der Gerichte nicht verboten sei„? Kann man das so stehen lassen? Klar, man kann. Wie gesagt, vielen ist der schnöde Mammon wichtiger. Natürlich haben die oben zu Wort gekommenen recht: Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei. Insofern ist es durchaus legitim, so tolerant zu sein und ihr die Möglichkeit zu geben, Jobs zu veröffentlichen und damit ihre Gefolgschaft zu rekrutieren. Nichtsdestotrotz sät diese Partei qua ihrer Funktionäre und fragwürdiger Parolen ein Klima des Hasses und der Intoleranz und versucht mit allen Mitteln, die Demokratie zu untergraben.

Soll man eine intolerante Partei tolerieren?

Sollte man also tolerieren, dass eine Partei und insbesondere deren Funktionäre, die sich jeglichen Regeln des demokratischen Diskurses entziehen, Stellen auf einer Online-Plattform veröffentlichen darf? Sollte man sie also nicht boykottieren und auf diese Weise ein klares Zeichen gegen rechts setzen? Der Philosoph Karl Popper bringt dieses sogenannte „Paradox der Toleranz“ in seinem 1945 veröffentlichten Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ perfekt auf den Punkt:

Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.

Weiter führt er aus, dass wir uns „im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen sollten, die Unduldsamen nicht zu dulden.“ Übersetzt für StepStone & Co. sollte das heißen: null Toleranz gegenüber rechts.

Was können Jobbörsen und Agenturen, was können Sie tun?

Nach all diesen Ausführungen sollten Jobbörsen eine Zusammenarbeit also kategorisch ablehnen. Gleiches gilt natürlich auch für Agenturen, denen ja gerne der Schwarze Peter zugeschoben wurde. Und natürlich können Jobbörsen und auch Agenturen nicht nur kategorisch eine Zusammenarbeit ablehnen, sie können auch technische Vorkehrungen treffen, dass sich beim Crawlen oder bei der Auftragsannahme nicht doch eine Stellenanzeige ins Stellenportal verirrt. Das stellt technisch kein Hexenwerk dar. Man muss nur wollen. Zudem könnte man klare Kante bekennen und eine Zusammenarbeit ausschließen. Ich bspw. schließe eine Zusammenarbeit mit Auftraggebern rechter Gesinnung aus und kommuniziere das auch auf meiner Website. Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband, Greenpeace oder auch der Arbeiter-Samariter-Bund sprechen sich klar gegen die AfD aus. Warum sollten das also nicht auch indeed, StepStone und andere?

Und natürlich können auch Sie als Kunde Ihren Einfluss geltend machen. Indem Sie eine Zusammenarbeit ablehnen oder aber die Anbieter darauf aufmerksam machen, dass eine Zusammenarbeit nur infrage käme, wenn man sich klar gegen rechts positionieren würde. Appellieren Sie an den gesunden Menschenverstand der Verantwortlichen und versuchen Sie auf diese Weise zum Umdenken zu bewegen. Wenn das nichts bringt, hilft eben nur Boykott.

„Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit“

„Wehret den Anfängen“, das kann man nicht oft genug betonen. Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn sich HR mehr mit den Themen Rassismus und rechte Ideologien auseinandersetzen würden, so wie es andere getan haben. „Komischerweise halten sich Arbeitgeber und Personalabteilungen sehr zurück, wenn es darum geht, ein klares Profil zu zeigen. Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass sie Ansichten einer Partei wie der AfD teilen, aber sie tun auch nichts oder nur zu wenig dagegen“, heißt es im Blog HR4good. „Es ist hier die ureigene Aufgabe eines gesamtheitlich und modernen Personalmanagements, diese Dinge aktiv anzugehen. Wer das nicht rafft, der gehört für mich nicht in den HR-Bereich.“, bringt es hr is not a crime auf den Punkt.

Obwohl die „üble Mischung von Führerprinzip, Radaupolitik und Massenbetörung“ in Deutschland nichts mehr zu suchen hat, passiert in deutschen Unternehmen und Personalabteilungen erschreckend wenig. Die große Mehrheit schweigt, schaut allenfalls beschämt zur Seite. Und das ist fatal. Denn wie brachte es Uno-Generalsekretär Kofi Annan anlässlich einer Gedenkveranstaltung, die an die Ermordung von Millionen Juden durch die Nazis erinnerte, auf den Punkt: „Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit“. Reihen Sie sich nicht ein in dieses Schweigen, werden Sie laut! Mit meinem Blogbeitrag möchte ich einen ersten bescheidenen Beitrag leisten. Weitere folgen. Denn weder hier noch anderswo darf es Platz für Rassismus geben. Love HR, hate Racism, das sollte auch Ihr Motto sein.

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Über den Autor

Das Toleranz-Paradoxon: Wie Jobbörsen mit Stellenanzeigen der AfD umgehen 2 Henner Knabenreich personalmarketing2nullHallo, ich bin Henner Knabenreich. Seit 2010 schreibe ich hier über Personalmarketing, Recruiting und Employer Branding. Stets mit einem Augenzwinkern oder den Finger in die Wunde legend. Auf die Recruiting- und Bewerberwelt nehme ich nicht nur als HR-Blogger maßgeblich Einfluss, auch als Autor, als Personalmarketing-Coach, als Initiator von Events wie der HR-NIGHT oder als Speaker hinterlasse ich meine Spuren in der HR-Welt. Sie wollen mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, haben Interesse an einem Karriere-Website-Coaching, suchen einen Partner oder Berater für die Umsetzung Ihrer Karriere-Website oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Ob per E-Mail, XING, LinkedIn oder Twitter - sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Sie!


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  1. Hallo Henner,

    was ich dazu meine? Lasst die Kirche mal im Dorf. Stellenbörsen sind kein Bildungsmedium. Außer Jobsuchenden und Personalern liest die doch niemand. Ich habe die Stellenanzeigen der AfD nicht gelesen, weil sie mich nicht interessieren, aber ich glaube, dass Du etwas übertreibst, wenn Du schreibst, dass die Stellenbörsen der AfD helfen, deren Propaganda zu verbreiten.
    Ansonsten verstehe ich Deine Ausführungen sehr gut. Mir wird auch speiübel bei dieser rechten Polemik und nicht nur bei den von Dir wiedergegebenen Zitaten. Ich bete zu Gott und engagiere mich auch aktiv, damit die Demokratie stark genug wird, um diesen Blödsinn auszuhalten. Ob es gut ausgeht, werden wir sehen …
    Was aber klar ist: Sollte mir jemals irgendein Algorithmus, z.B. von XING, so kommen „Wir haben ein passendes Stellenangebot für Sie: Pressesprecher bei AfD“, dann werde ich den Suchagenten wegen funktionaler Störung und persönlicher Beleidigung sofort deaktivieren.
    Viele Grüße
    Ralf

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