Cloud Jobs API: Revolutioniert Google die Jobbörsen-Landschaft?

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 9 Minuten.

Ist es nun revolutionär oder doch eher eine Randnotiz, was Google vor einigen Tagen verkündet hat? Mit der Cloud Jobs API will Google (ganz selbstlos, ist klar) die Jobsuche optimieren. Für Bewerber und Recruiter wohlgemerkt. Wovon die Recruiting und Jobbörsen-Welt bisher kaum Notiz nahm, könnte tatsächlich die Jobbörsen-Welt auf den Kopf stellen. Schauen wir uns das Ganze also mal im Detail an (keine Angst, den Technik-Part spare ich mir!).

Worum geht es eigentlich? Google ist aufgefallen, dass Unternehmen sich schwer tun, die passenden Bewerber zu finden und führt das unter anderem auf mangelndes Matching der Stellenanzeigen auf die Kandidatenprofile zurück (womit sie nicht unrecht haben). Und das mangelnde Matching wiederum auf austauschbare Stellenanzeigen. So grob zumindest. Genauer gesagt, nutzt die Google Cloud Jobs API „machine learning“, um die Jobsuche zu verbessern und Bewerbern zum Suchprofil passende Jobs auf Karriere-Websites und in Jobbörsen zu präsentieren. Wie heißt es so schön auf der Google-Website:

„Job postings are often worded in industry- and company- specific jargon that job seekers don’t search for.“

Was ist nun dieses „machine learning“? Stumpf übersetzt heißt das nicht mehr als „maschinelles Lernen“. Und das wiederum bedeutet gemäß Wikipediadie „künstliche“ Generierung von Wissen aus Erfahrung: Ein künstliches System lernt aus Beispielen und kann diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern. Das heißt, es werden nicht einfach die Beispiele auswendig gelernt, sondern es „erkennt“ Muster und Gesetzmäßigkeiten in den Lerndaten. So kann das System auch unbekannte Daten beurteilen (Lerntransfer) oder aber am Lernen unbekannter Daten scheitern“.

Die Tatsache, dass an einem ganz gewöhnlichen Tag auf der Jobbörse indeed.de im Schnitt über 300.000 Jobtitel zu finden sind, spricht eine deutliche Sprache. Mehr Stellentitel, als es Berufe gibt – ein Bewerber muss erst mal blicken, dass es sich bspw. bei einem Referent Reservierung Spezial AVB/K um nichts anderes als einen Aktuar handelt. Und dass ein Field Execution Specialist nicht in den Krieg, sondern in den Vertrieb zieht. Damit es eben nicht mehr zu einem solchen Mismatch kommt, stellt Google jetzt seine künstliche Intelligenz zur Verfügung. Was sich meiner Meinung nach als Bumerang entpuppen könnte – schließlich will Google die Suchresultate verbessern, stellt Recruitern aber einen Persilschein aus, mit verschwurbelten, austauschbaren und unverständlichen Stellenanzeigen weiterzumachen wie bisher. Spaß beiseite, zurück zu Googles Cloud Jobs API.

Dank Cloud Jobs API zum richtigen Job

Die Cloud Jobs API soll nun also eine sehr intuitive Jobsuche bieten, die quasi das Geschwurbel entziffert und dem Nutzer auch Ergebnisse anzeigt, nach denen er nicht gesucht hätte, weil er a) entweder nicht im Traum darauf gekommen wäre, dass ein Personaldisponent auch als Ressourcen Manager ausgeschrieben wird oder es sich beim HR in HR-Bearbeiter nicht um Human Resources, sondern tatsächlich um Handtuch-Rollen handelt und b) ihm gar nicht bewusst war, dass Unternehmen so viele unterschiedliche Synonyme verwenden. Wie soll ein Call Center Agent einen Job als Call Center Agent finden, wenn die bspw. nur noch als Service Center Mitarbeiter ausgeschrieben werden, weil ja die Call Center Branche so einen schlechten Ruf hat. Wie soll ein Web-Entwickler wissen, dass er auch nach „Frontend-Guru“ schauen sollte, um passende Jobs angezeigt zu bekommen?

Dank Cloud Jobs API werden Frontend-Gurus von denen gefunden, die eigentlich nicht danach suchen

Die API weiß das. Bzw. „lernt“ das. Sie versteht, in welchem Kontext Berufsbezeichnungen bzw. Stellentitel und Anforderungsprofil stehen und wie das Ganze mit Stelleninhalt, Standort und der Berufserfahrung korrespondiert.

Und weil das Ganze ja auf maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz beruht, verbessern sich natürlich auch die Suchergebnisse signifikant. Bisher ist die Cloud Jobs API bei den Jobbörsen Careerbuilder und Dice sowie dem Karriere-Website und ATS-Anbieter Jibe im Einsatz. Careerbuilder experimentiert momentan mit der API auf der US-Website und möchte die Qualität seiner Suche verbessern. Ziel ist es, Googles Know-how in Bezug auf maschinelles Lernen zu nutzen, um seinen Nutzern schnellere und relevantere Ergebnisse zu liefern. Vielleicht trägt der Einsatz der Technologie aber auch nur dazu bei, an Careerbuilder noch mehr Geld zu verdienen. Dazu aber weiter unten mehr.

Jibe, hierzulande eher weniger bekannter Anbieter von Recruiting-Lösungen und selbst ernannter Optimierer der Candidate Experience, sieht die Lösung sogar als Game-Changer im Recruiting.

Google Cloud Jobs API - mit maschinellem Lernen zum passenden Bewerber - Screenshot: Jibe

Das bietet die Cloud Jobs API

  • Automatische Erweiterung um Synonyme und Akronyme — eine Suche nach DevOps spuckt bspw. auch Ergebnisse für Software-Ingenieur oder System-Administrator aus (oder umgekehrt)
  • “Job enrichment”-Funktion – die Stelle wird automatisch um relevante Informationen, wie bspw. Adresse, Beschäftigungsart oder Benefits ergänzt.
  • Location mapping mit genauen Geo-Koordinaten.
  • Ausrichtung auf Berufserfahrung, so dass nur relevante Stellen ausgegeben werden.
  • Erweiterung der Echtzeit-Abfrage, bspw. um Ausweitung der Standortsuche, der Berufserfahrung und der verfügbaren Stellen, wenn für eine gezielte Suche nicht genügend Jobs zur Verfügung stehen.
  • Eine “dynamische Empfehlungsmaschine”, in der die Nutzer hinterlegen können, welche Jobs sie mögen und welche nicht und zukünftig hierauf die passenden Jobs angezeigt bekommen.

Hm. Wenn ich das so lese respektive bzw. schreibe, frage ich mich, wie das funktionieren soll bei all dem Stellenanzeigen- und Karriere-Website-Chaos, welches uns umgibt. Ob die Cloud Jobs API zaubern kann? Ich bin gespannt. Schließlich kann eine Anwendung beim Lernen auch scheitern. Siehe oben.

Job Clouds API - Stellenausschreibung Stellentitel-Standardisierung - Screenshot: Google

Trotzdem. Auch wenn die API mit Sicherheit so einiges auf den Kopf stellen wird, so handelt es sich doch mitnichten (und Neffen) um eine neue Jobbörse, von der immer wieder mal spekuliert wurde. Aber spinnen wir den Faden doch mal weiter. So wie die Microsoft-Suchmaschine Bing dank Übernahme von LinkedIn wunderbar deren Jobs mit in die Suche einbeziehen könnte, so könnte das auch Google tun. Wobei Google natürlich eine exorbitant größere Reichweite hätte, können wir Suchmaschine doch getrost durch das Synonym Google ersetzen. Was für Möglichkeiten sich da ergeben, dürfte die klassischen Jobbörsen meines Erachtens fast das Fürchten lernen. Schauen wir uns doch mal ein paar Szenarien an.

Revolutioniert Google die Jobbörsen-Landschaft?

Es ist ja nicht nur so, dass Google von gut 90 Prozent der Webnutzer als Suchmaschine genutzt wird und sich hier jede Suchanfrage, jeden Standort und jede besuchte Website merkt. Dank diverser (kostenloser) Gadgets wie Google Mail, Google Docs, Google Calendar, Google Maps etc. und natürlich sämtlicher Android = Google – Endgeräte kann der Datenkrake aus Mountain View auf einen schier unerschöpflichen Datenpool zugreifen, der in die Suchanfragen mit einfließt. Stichwort Predictive Analytics. So wie Google glaubt zu wissen, was die „richtigen“ Suchergebnisse für uns sind, bekommen wir auch die „richigen“ Stellenangebote angezeigt.

Wenn wir jetzt noch in die Überlegungen einbeziehen, dass in fahrbaren Untersätzen zunehmend das Internet und damit wiederum Google einzieht, sind noch andere Szenarien möglich. So kann es möglich sein, dass Sie mit dem Auto unterwegs sind, gerade an einem Unternehmen vorbei fahren, was den passenden Job für Sie hat und Ihnen diesen dank „Connected Cars bzw. Car Connectivity“ anzeigt. Und natürlich kann Google dank Datenpool auch abschätzen, wie wechselwillig Sie gerade sind.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Google die Erkenntnisse, die aus der Zusammenarbeit mit Careerbuilder, Jibe und DICE in den „Lernprozess“ einfließen, sehr wohl dazu nutzt, seine eigene Suche zu optimieren. Ich sehe hier Parallelen zu Google Flights. Haben Sie mal über Google nach „Flug buchen“ gesucht? Dort erscheint dann innerhalb der Suchergebnisse sowohl mobil als auch via Desktop ein Widget, innerhalb dessen sie noch direkt auf Google nach dem passenden Flug schauen können. Und zwar als erster Suchtreffer, direkt unterhalb der Ads.

Ist Google Flights die Blaupause für Google Jobs?

Nun können Sie nach dem passenden Flug suchen und diesen dann über verschiedene Portale buchen. Den Umweg über Portale wie flug.de, opodo, fluege.de, swoodoo oder wie sie alle heißen, können Sie sich also schenken. Klar, dass das für die Flug-Anbieter nicht für umme ist, sondern diese analog der Google Ads dafür zahlen. Dem Nutzer ist es egal, der freut sich über ein optimiertes Nutzererlebnis.

Was spricht nun dagegen, dass Google für Jobs genau den gleichen Weg gehen wird? Erste Versuche, Job-Suchergebnisse mit in den Snippets anzuzeigen, gab es wohl schon, wie der Blogartikel Google adding Job Snippets in Results beschreibt.

Aber spekulieren wir doch einfach mal weiter…

  • Das Ganze entwickelt sich weiter analog Google Flights. Ich mache eine Abfrage nach Jobs, lande über die Suchergebnisse auf dem Job-Widget und lande dann darüber auf (bezahlten) Job-Anzeigen von indeed und Co.
  • Das könnte dann im Weiteren dafür sorgen, dass die organischen Ergebnisse keine Rolle mehr spielen. Könnte.
  • Könnte auch sein, dass User sehr genaue Job-Angebote bekommen, die auf der Auswertung von Suchgewohnheiten und der Nutzung von Google-Diensten und auf Predictive Analysis beruhen.
  • Google sammelt dank der Kooperation mit testwilligen Partnern (s. o.) Daten und wird die eigene „Search Engine“ bzw. die Qualität der Daten verbessern.
  • Wenn dann dank Google Job Cloud API nahezu jedes Unternehmen mega-optimierte Jobseiten launchen kann, sind die technologischen Vorteile von großen Jobbörsen schnell obsolet, da Google dank machine learning und exorbitant großer Datenbasis die beste Jobsuche anbieten kann und wird.
  • Allerdings braucht Google natürlich Stellenanzeigen, um selbige in den Suchergebnissen präsentieren zu können. Wie wir alle wissen, ist es um deutsche Karriereseiten bzw. das Auslesen der Jobs aus den E-Recruiting-Systemen eher schlecht bestellt. Wie sollte Google bspw. aus solch einer Website auch nur einen einzigen Job extrahieren können (dass der Bewerber hier seine helle Freude hat, brauche ich glaube ich nicht zu erwähnen)?Stellenangebote, die Google garantiert nicht auslesen kannAuch ist der Einsatz von schema.org (selbst bei Jobbörsen!) noch ausbaufähig.
  • Cash-Cows werden also die klassischen Jobbörsen sein, die als „Stellen-Lieferant“ noch eine Daseinsberechtigung haben.
  • Die Rolle der Job-Aggregatoren und -suchmaschinen allerdings könnte sich erübrigen, weil Google deren Position einnimmt. Wozu Aggregatoren, wenn Google deren Job übernimmt und das in Folge der fantastischen Cloud Jobs API viel besser könnte?
  • Google würde kaum selbst den Vertrieb der Stellenanzeigen übernehmen. Vielmehr wären die Jobbörsen dazu gezwungen, vermehrt in Adwords zu investieren, um noch Relevanz für die Stellensuchenden (und Unternehmen) zu behalten.
  • Was Google natürlich freut, weil das den Marktwert noch erhöhen wird. Schließlich hat das Geschäft mit der Jobsuche (weltweit) ein Milliarden-Volumen.
  • to be continued…

Was auch passieren wird, es wird spannend. Wahrscheinlich wird es noch eine Weile dauern, bis es soweit ist. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass etwas passieren wird. Auch wenn ich mir wirklich schwer vorstellen kann, wie es Google gelingen will, Ordnung ins Chaos zu bringen. Trotzdem kann es nicht schaden, darauf eingestellt zu sein :)


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