Mit Pornoclip gegen den Bewerbermangel

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 2 Minuten.

Manchmal kann man nur mit dem Kopf schütteln. Oder den Mund vor Staunen nicht zukriegen. Oder in herzhaftes Gelächter ausbrechen. So zumindest die Reaktion der Teilnehmer der Next Generation Recruiting Conference in Dortmund anlässlich meines Vortrages:  Mit Facebook & Co. im War for Talents punkten. Denn hier hatte ich ein „Recruiting-Video“ der Dachdeckerinnung Oberschwaben (der 20 Betriebe angehören) gezeigt, welches potenziellen Auszubildenden den Beruf des Dachdeckers schmackhaft machen soll. Wieder einmal eine Aktion des Handwerks, um die rar gesäten Bewerber für die Berufe aufmerksam zu machen. Dass das besser geht, hatte ich ja unlängst anhand des Bäckerhandwerks dargestellt.

Aber so etwas hier ist einfach nur peinlich. Da hat man wohl zu viel Big Lebowski oder Pornos geschaut. Oder beides. Denn anders lässt sich dieses Desaster wohl kaum erklären. Aber sehen Sie selbst:

Zugegeben witzig ist es schon irgendwie. Es wäre ja auch alles halb so wild, wenn es nicht darum ginge, mit diesem Spot Schüler für den Beruf des Dachdeckers zu werben. (wobei der Spot auch eine andere Intention hat. Er soll nämlich vor unseriösen Handwerkerdrückerkolonnen warnen. Aber passt das zusammen?)

Dachdeckerinnung Oberschwaben entsetzt mit zweifelhaftem Viralvideo

Und wenn es ja auch durchaus Dachdeckerinnen gibt? Gut, es ist richtig. Bei Deutschlands beliebtesten Ausbildungsberufen liegt der des Dachdeckers 2010 bei den Damen der Schöpfung „nur“ auf Platz 156, bei den Herren immerhin auf Platz 24 (hätte ich nicht gedacht).  Abgesehen davon, dass ich kaum glaube, dass dieser Spot wirklich dafür sorgt, neue Bewerber zu generieren (vielleicht werden die jenigen angesprochen, die sich Chancen darauf ausmalen, einmal ein Rohr zu verlegen (ach nee, das ist ja wieder eine andere Branche), werden eben die Damen aufgrund der chauvinistischen Machart des Videos eher wenig berücksichtigt. Nun gut, vielleicht überlegen sich diverse vernachlässigte Ehefrauen aufgrund des Videos in Zukunft klingelnde Handwerker herein zu lassen, um sich eine feuchte Stelle stopfen zu lassen. Dann hätte das Video wenigstens etwas erreicht (ich bitte diese Wortwahl zu entschuldigen. Ich beziehe mich nur auf den flachen Dialog dieses Videos ;-)).

Ein Kommentar eines Youtube-Users gibt es eigentlich ganz gut wieder:

Absolut beschämende Aufmachung dieses Spots, für die Dachdeckerinnung, sowie auch für den Macher des Filmchens. Wenn einem nix mehr einfällt dann muss es sexistisch sein! Wen bitte soll das Ansprechen? Junge Leute, die Dachdecker werden wollen?

By the way: Eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen kommt zum Ergebnis, dass Dachdecker durchaus ein krisenfester Beruf ist. Denn, so die Schlussfolgerung, ein Dach über dem Kopf braucht schließlich jeder. Jepp, korrekt! Dem ist nichts hinzuzufügen. Aber um Jugendliche für diesen Beruf zu begeistern bedarf es schon mehr, als einen pornografischen Videoclip.

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