Das (Bäcker)-Handwerk macht’s vor – Social Media im Ausbildungsmarketing

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Es geht doch nichts über ein schön frisches, krosses Brötchen am Morgen! Zugegeben, Müsli ist auch nicht schlecht. Aber so ein Brötchen frisch vom Bäcker? Das ist schon was Feines. Also ich meine jetzt richtige Brötchen, vom Handwerksbäcker von nebenan. Nicht von Kamps oder aus der Back Factory (haben sich die Macher der Back Factory eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, was ein Besucher aus dem Ausland wohl denken mag, wenn er Back Factory liest? Rückenfabrik? Zurück Fabrik? Gut, richtig, die Schaufensterauslage spricht ja für sich. Trotzdem ist da mal etwas Nachdenken angesagt…). Aber ich fröne schon wieder meiner Lieblingstätigkeit – ich schweife ab.

Kommen wir zurück zum Brötchen. Und damit zum Bäcker. Denn der backt die ja bekanntlich. Und das in vielen Formen und Ausführungen. Kein anderes Land der Welt hat wohl eine so hohe Vielfalt an Brot- und Brötchensorten wie Deutschland (und für alle, die mein Blog in Berlin, Bayern, Hamburg oder sonst wo lesen: Schrippen, Semmeln, Rundstück, Wecken etc. pp meinen das Gleiche). Und bei den Verbrauchsmengen braucht’s natürlich auch jede Menge Bäckereien und Angestellte in diesen Bäckereien, die uns mit diesen Kostbarkeiten versorgen (angesichts steigender Monokulturen bspw. wg. Biokraftstoffen und damit verbundener Getreidepreise kann man sehr wohl von Kostbarkeiten sprechen!).

Immerhin zählt das Bäckerhandwerk mit einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 13 Milliarden Euro und 287.800 Beschäftigten zur Spitzengruppe der deutschen Handwerksberufe. 287.000 Beschäftigte. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die müssen ja auch erst einmal herangekarrt werden. Aber der so genannte Fachkräftemangel macht natürlich auch vor den Handwerksberufen nicht halt, er nimmt sogar schon so abstruse Ausmaße an, dass potenzielle Azubis mit 1.000 Euro Willkommensgeld geködert werden. Kein Scherz! Aber abgesehen davon, was man von solch einer Maßnahme halten soll (natürlich erhöht sich dann das Bewerbungsaufkommen, ist ja klar), beschreitet das Bäckerhandwerk doch einige interessante Wege und hat auch Social Media für sich entdeckt, um an potenziellen Nachwuchs heranzukommen. Einige davon stelle ich hier heute vor.

Ganz vorne ist natürlich das Bäckerhandwerk selbst. Mit der Website „Back dir deine Zukunft“ informiert die Werbegemeinschaft des Bäckerhandwerks eindrucksvoll über den Beruf des Bäckers und backt dabei im wahrsten Sinne des Wortes keine kleinen Brötchen.

Die Website "Back dir deine Zukunft" des Bäckerhandwerks informiert über die Bäckerberufe

Die Website „Back dir deine Zukunft“ des Bäckerhandwerks informiert über die Bäckerberufe

Hier gibt es jede Menge Infos über das Bäckerhandwerk, die Berufsbilder des Bäckers oder der Bäckereifachverkäuferin. Die Website ist sehr ansprechend gestaltet, macht viel Spaß und kann Vorbild für andere Berufsgruppen (nicht nur) im Handwerk sein. Sogar Unterrichtsmaterial für Lehrer gibt es hier zum Download! Und selbst auf Facebook, SchülerVZ und in Youtube ist die Initiative vertreten. Und wenn wir die Facebook-Page mit anderen Azubi- bzw. Karriere-Pages vergleichen würden, so wäre diese Seite mit aktuell 15.823 Fans nach BMW und Lufthansa und weit vor Audi, VW und Daimler.

Die Facebook-Page von Back dir deine Zukunft

Die Facebook-Page von Back dir deine Zukunft

Und die Seite kann sich durchaus auch sehen lassen, was Interaktion und Dialog angeht. Da kann ich nur sagen, Daumen hoch, das gefällt mir!

Aber ist das Ganze ein Einzelfall? Wie „ticken“ andere Bäcker? Haben sie die Zeichen der Zeit erkannt und nutzen Social Media für ihr Ausbildungsmarketing oder ihre Außendarstellung?
Immerhin gibt es laut Statistik in Deutschland 15.337 handwerkliche Betriebe und hochgerechnet 30.000 Filialen mit zusammengerechnet 45.500 Bäckereifachgeschäfte. Und von den 287.800 Mitarbeiter sind 36.000 Auszubildende (!). Da muss man sich schon was einfallen lassen. Und einige gehen da mit gutem Beispiel voran.

Beispiel Junge. Junge ist eine Traditionsbäckerei aus Norddeutschland. Neben der „normalen“ Website betreibt die Bäckerei auch eine Microsite „Junge-TV“, eine Facebook-Page (leider ohne Infos über Ausbildung und integrierten Jobs) und präsentiert die Videos auch auf Youtube.

Ausbildungsportal der Bäckerei Junge

Ausbildungsportal der Bäckerei Junge

Zugegeben, über den Inhalt und die Machart der Videos kann man streiten. Nichtsdestotrotz, ein interessanter und witziger Ansatz, der auf jeden Fall für Aufmerksamkeit sorgt:

Nun ist ja nicht jeder ein Großbäcker wie Junge und hat das Budget für solch spektakuläre Auftritte. Aber es geht ja auch anders, wie bspw. die Stadtbäckerei Kamp aus Hagen beweist (auch wenn das Ganze noch in den Kinderschuhen steckt, wir hoffen mal, dass sich das noch weiterentwickelt und nicht ein Schnellschuss à la „wir sind jetzt auch in Facebook“ ist ;-)). Denn schließlich kann man da auf der Page Azubis@Stadtbäckerei Kamp  „mal gucken, ob man denn gern Azubi bei Kamp werden möchte“.

Etwas weniger erfolgreich dürfte hingegen so ein Auftritt sein ;-)

So geht's natürlich auch - aber ob das zielführend ist?

So geht’s natürlich auch – aber ob das zielführend ist?

Wie man sich auch als sympathischer Arbeitgeber, vor allem aber mit Sinn für Humor, darstellen kann, zeigt dann noch mal folgendes Video:

Das wurde wenn man so will, von diesem hier

abgekupfert (lesenswert übrigens, wie es zu diesem Song gekommen ist). Aber wie heißt es so schön, besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Bäckerhandwerk goes Hip Hop, warum nicht, hat ja auch bei BMW geklappt ;-)

Die Beispiele und viele andere Facebook-Pages zeigen, dass Social Media im (Bäcker)-Handwerk durchaus Einzug gehalten hat. Und dass auch kleine Handwerksbetriebe und nicht nur DAX 30-Unternehmen via Social Media Azubis einstellen können, zeigt dann noch dieses schöne Beispiel von Malermeister Deck, der via Facebook-Wall quasi das Bewerbungsprocedere eingetütet hat. Auch wenn ein Maler nun alles andere als ein Bäcker ist, so zeigt dieses Beispiel doch, dass Ausbildungsmarketing via Social Media ein erfolgversprechender Weg ist. Aber wie immer, so gilt auch hier: Es geht nicht ums ob, sondern ums wie. Also mit Nachhaltigkeit und Strategie.

So, in diesem Sinne lassen Sie sich Ihre (Sonntags-)Brötchen schmecken!

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