Karriere-Websites, Studenten, Studierende, Pinocchio und die geschlechtergerechte Sprache

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Eigentlich ganz einfach, so eine Grundstruktur einer Karriere-Website, oder? Es gibt ja so viele Seiten, an denen man sich orientieren kann, da muss man das Rad nun wirklich nicht neu erfinden. Eine Einteilung der Zielgruppen nach Schülern, Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen und fertig ist die Laube. Noch ein bisschen „Arbeiten bei XY“ hier, ein paar Stellenangebote dort und fertig ist das Grundgerüst. Ganz falsch ist das nicht. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Das gilt insbesondere für die Anordnung der Navigationselemente und die „Bedienung“ der Website. Aber ist das wirklich so einfach mit dieser Zielgruppen-Kategorisierung? Und sind Studenten wirklich Studenten oder doch Studierende?

Zunächst einmal ist es natürlich super und vor-bild-lich, wenn Sie wenigstens überhaupt eine Einteilung nach Zielgruppen auf Ihrer Karriere-Website vornehmen. Das ist schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und vor allem: Da haben Sie gegenüber einem Großteil deutscher Arbeitgeber schon mindestens eine Nasenlänge Vorsprung. Und wenn ich hier von Nasenlänge spreche, dann meine ich nicht so ein süßes Stupsnäschen, sondern die von Pinocchio, wenn er mal gerade wieder das Blaue vom Himmel lügt. Wenn Sie darüber hinaus noch über sich als Arbeitgeber informieren und sogar die Stellenangebote präsentieren, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Erschreckenderweise sind es aber laut einer index-Umfrage mal gerade 23 Prozent der Unternehmen, die mehr als nur ihre Stellenangebote präsentieren. Das an sich lässt einem schon einen Schauer über den Rücken laufen. Am schlimmsten aber ist es, wenn Ihre Karriere-Website nicht gefunden wird. Weil Unternehmenskommunikation und/oder Marketing mal wieder bestimmt haben, dass der Karriere-Button keinen Platz in der Hauptnavigation der Homepage hat. Oder weil in Online-Shops der „Jobs“-Link immer im Footer sitzt und das Standard sei. Dass Ihnen dadurch jede Menge Bewerber durch die Lappen gehen, zählt nicht (natürlich ist das Geschrei auch in den Marketingabteilungen groß, wenn dort die Stellen nicht besetzt werden. Aber dann sind Sie der Schuldige, nicht die werten Kollegen!)

Dass das absoluter Bullshit ist, muss ich hier glaube ich nicht vertiefen. Da empfehle ich dann einfach mal das ausführliche Studium meines Artikels „Der Arbeitgeber Telekom existiert nicht„, da wird es Ihnen dann (hoffentlich) wie Schuppen aus den Haaren fallen (zur Ehrenrettung der Telekom muss gesagt werden, dass andere Unternehmen auch nicht existieren). Oder Sie lesen meinen Beitrag zu Karriere-Websites im neuen Standardwerk zur Personalgewinnung.

Studenten oder Studierende – das ist hier die Frage

Aber kommen wir zurück zu den Zielgruppen. Wie gesagt, findet man da meist eine Standardeinteilung. Ob die immer so gut ist, sei jetzt mal dahin gestellt. Sicherlich ist es sinnvoll, Zielgruppen nach Einstiegslevel zu kategorisieren. Überlegen Sie doch auch einmal, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Zielgruppenansprache nach Funktionen abzubilden (ganz unter uns, die Überlegung können Sie sich sparen. Es ist, glauben Sie mir!). Nun, wie die Überschrift schon sagt, soll es hier und heute nur um eine Zielgruppe gehen. Nämlich um die der Studenten. Oder sind es doch die Studierenden? Ginge es nach den leider zur Plage gewordenen Gleichstellungsbeauftragtinnen (so müssten die ja eigentlich politisch korrekt heißen) und deren Kampf für eine geschlechtergerechte Sprache, müsste das wohl tatsächlich Studierende heißen. Im Duden heißt es dazu: „Als geschlechtsneutrale Bezeichnung oder als Ausweichform für die Doppelnennung Studentinnen und Studenten setzt sich der Plural Studierende immer mehr durch.“ Aber ist das wirklich die Lösung? Ist „Studierende“ nicht vielmehr auch eine eindeutig weibliche Form? Schließlich heißt es ja „die Studierende“.

Welche abstrusen Formen das Ganze annimmt, stellen Sie fest, wenn Sie einmal bestimmte Begrifflichkeiten gegenüber stellen:

  • Studentenausweis vs. Studierendenausweis
  • Studentenwerk vs. Studierendenwerk
  • Studentenparty vs. Studierendenparty
  • Studentenfutter vs. Studierendenfutter
  • Studentenwohnheim vs. Studierendenwohnheim
  • Studentenjobs vs. Studierendenjobs
  • Werkstudenten vs. Werkstudierende

Ich glaube, es wird deutlich, worauf ich hinaus will, oder? Abgesehen davon, dass kein Mensch (schon gar kein Student :-)) einen so sperrigen Begriff in den Mund nimmt, sind Student und Studierender zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Während „Student“ nämlich einen Status beschreibt (das Eingeschriebensein, der Immatrikuliertenstatus), drückt der Begriff „Studierende(r ;-))“ die Tätigkeit im Partizip Präsens aus.

So weit, so gut. Welche Bedeutung hat das nun für die Benennung des Navigationspunktes, unter dem sich dann die Informationen für die Studierenden äh Studenten finden? Und was mache ich mit einer überaus politisch korrekten Marketingabteilung, die auf die Einhaltung der Gender-Aspekte pocht? Oder noch schlimmer: was mache ich, wenn ich eine Gleichstellungsbeauftragtin im Unternehmen habe? Hier könnten vielleicht die nachfolgenden Argumente respektive Zahlen helfen. Wenn nicht, dann ist Ihnen auch nicht mehr zu helfen…

Studierende spielen keine Rolle

Fangen wir mal an mit einer Abfrage bei Google:

  • Die ergibt 18 Millionen Treffer zu „Studenten“, aber nur 4,75 Millionen zu „Studierenden“.
  • Eine Abfrage zu der Begriffskombination „Studierende + Karriere“ ergibt 1,27 Millionen Treffer, eine Abfrage zu „Studenten + Karriere“ hingegen 3,43 Millionen.
  • Plattformen wie Absolventa, Unicum oder Connecticum bezeichnen sich als „Jobbörse für Studenten“ bzw. „Karriere und Recruiting für Studenten“.

Auch eine Abfrage in Bezug auf die Verwendung der beiden Begrifflichkeiten auf Websites zeigt deutliche Ergebnisse.

  • Gibt man den Suchterm „allinurl: studierende + karriere“ ein, so ergeben sich 4.070 Suchtreffer. Für Studenten sind es 10.030.
  • Suchen Sie nach „studierende + jobs“ in der URL, so finden Sie 3.760 Treffer. Bei Studenten sind es 103.000.

Das an sich ist schon sehr deutlich. Trotzdem: Eine Abfrage der Suchergebnisse ist ja das eine, wie aber sieht es aus mit dem Suchvolumen – also wie oft wurde nach bestimmten Begriffen gesucht? Hierzu habe ich den Google Keyword-Planner bemüht. Und spaßeshalber auch Österreich und die Schweiz mit in die Abfrage einbezogen. Laut Wikipedia ist nämlich „Studierender“ in Österreich der gängige Begriff (in der Schweiz nennt man den Studierenden Studentenausweis der Einfachheit halber und um geschlechtergerechten Sprachunfällen aus dem Weg zu gehen „Legitimationsausweis“ bzw. „Legitimationskarte“, liebevoll abgekürzt „Legi“. Wieder einmal macht sich also die Neutralität der Schweizer bemerkbar. Wobei ich aus erster Quelle erfahren habe, dass auch dort Gleichstellungsbeauftragtinnen scharf darauf achten, dass die geschlechtsneutrale Form eingehalten wird. Aber das nur am Rande). Schauen wir mal…

Studenten oder Studierende - Abfrage mit dem Google Keyword-Planner

Wie man sieht, haben auch hier die Studenten die Nase vorn. Ganz Pinocchio-mäßig liegen die weit vor den Studierenden. Und bei den „Studentenjobs“ sowieso.

Abgesehen von diesen Fakten mag auch noch ein Zitat von Max Goldt hilfreich sein:

„Wie lächerlich der Begriff «Studierende» ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: «In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende.» Oder nach einem Massaker an einer Universität: «Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden.» Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren.” In dieser Verwendung ist das Wort „Studierende” so sinnvoll wie Klofußumpuschelungen.“

Sollten Sie also mal wieder darüber streiten, wie man den Navigationspunkt für die Zielgruppe Studenten auf der Karriere-Website benennen soll, ziehen Sie diese Zeilen zu Rate. Zielgruppe sind Studenten. Basta. Sowohl männliche als auch weibliche. Und so sollten wir trotz „Genderisierung“ unserer Sprache und trotz aller vermeintlichen politischen Korrektheit die Navigationspunkte benennen. Denn ansonsten müssten wir den Punkt „Werkstudenten“ ja auch in „Werkstudierende“ umbenennen. Und ich glaube, das wollen wir alle nicht ;-)

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