Von Frechmut, langweiligen Personalern und nackten Tatsachen

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Der Begriff „Frechmut“ ist in aller Munde. Nun, sagen wir so: Zumindest im Munde all derjenigen, die in der immer wieder um neue Zutaten ergänzten HR-Suppe mitschwimmen. Oder derjenigen, die sowohl letztes als auch dieses Jahr auf dem HR Barcamp in Berlin dabei waren. Und derjenigen, die mittlerweile stolze Besitzer des neuen Standardwerks im Personalmanagement sind: Leser des Buchs „Einstellungssache: Personalgewinnung mit Frechmut und Können„. So wenig können das nicht sein, schaut man sich mal die Amazon-Verkaufslisten an, so ist da das Buch in verschiedenen Kategorien auf Platz 1 gelistet. Aber wer sind denn eigentlich all‘ diese frechmutigen Personalerinnen respektive Personaler? Und wo findet man die? Und wer oder was ist eigentlich dieser ominöse „Frechmut„?

Frechmut rockt die Verkaufscharts bei Amazon

Fangen wir mal mit dem letzten an. Frechmut erblickte das Licht der Welt beim letzten HR Barcamp. Ich muss sagen, ich bin echt froh, diesen historischen Moment der Geburtsstunde miterlebt zu haben, den Jörg Buckmann in seinem Buch wie folgt beschreibt:

„Frechmut erblickte am 21. Februar 2013, einem eiskalten Donnerstag, in einem Berliner Hinterhaus an der Windscheidstraße das Licht der HR-Welt. Dort fand in einer inspirierenden Atmosphäre das zweite HR-Barcamp statt: Über 100 Fachleute diskutierten zwei Tage lang frische Ideen für die Personalarbeit von heute und morgen. Zusammen mit Jürgen Sorg, Techniker Krankenkasse, und Florian Schrodt von der Deutschen Flugsicherung entschloss ich mich spontan zu einer Session (so heißen im Barcamp-Slang die meist etwa 60Minuten langen Workshops). Unser Thema: „Was braucht es, um frische und Aufsehen erregende Ideen in Personalmarketing und Employer Branding firmenintern trotz der Vielzahl an Bedenkenträgern zur Umsetzung zu bringen?“ Ich machte mir auf die Schnelle ein paar Notizen, ganz oben auf meinem Zettel stand: Frech sein. Und mutig. Ich fügte die beiden zentralen Essenzen für erfrischende Ideen im Arbeitgeberauftritt ganz einfach zusammen – das ist einfacher und prägnanter. Frechmut war geboren!“

Tja, so einfach ist das. Wobei: Ich habe mal ein wenig recherchiert, diverse Bibliotheken durchstöbert und Fräulein Google konsultiert. Herausgekommen ist: Den Begriff „Frechmuth“ gibt es schon mindestens seit 200 Jahren. So wird er beispielsweise schon in den Werken von Publius Cornelius Tacitus erwähnt, genauer in den „Werken von Caius Cornelius Tacitus, Deutsch, mit Abhandlungen und Anmerkungen von Karl-Ludwig von Woltmann“, dritter Band erschienen 1811. Oder, noch früher, in den „Epigrammen und vermischte Gedichte: Epigrammen und Einfälle, Band 1“ von Friedrich Haug.

Frechmuth oder Frechmut, das ist hier die Frage

Nun, wie auch immer. Es geht also darum (hier und heute, nicht achtzehnhundertirgendwas), im Personalmarketing Farbe zu bekennen und sich mit frechen, neuen und mutigen Ideen nach vorne zu wagen. Aktuellstes Beispiel: Die Feuerwehr Dormagen. Natürlich gibt es nicht nur die Essenzen Frech und Mut, ganze fünf davon hat Jörg Buckmann davon definiert. Aber ich will da jetzt mal gar nicht so sehr ins Detail gehen, sondern empfehle einen Blick ins Buch, nein mehr noch: ich erteile den uneingeschränkten und unbedingten Lesebefehl! – insbesondere für die ersten, vom Herausgeber selbst verfassten Texte.

Sind Personaler langweilig und unkreativ?

Professor Armin Trost schreibt in seinem „frechmutigen Weckruf“, dass ihn das Personalmanagement langweile. Zitat:

„Dabei hat mich das Personalwesen immer zutiefst gelangweilt. Nicht nur die Sache an sich, auch viele Personaler langweilen mich.“

Jüngst schrieb die von mir für ihre (zuweilen zu Recht kritischen) Beiträge sehr geschätzte Svenja Hofert in einem sehr lesenswerten Blogartikel, dass Personaler nicht kreativ sein können und das Personalmanagement eher verwalten, als dass sie frischen Wind einbringen. Sie schreibt ferner, dass Personaler nicht mutig sein können. Allerdings relativiert sie ein wenig in ihrem Artikel und stellt schon heraus, dass wenn überhaupt die Personal-Marke-Tiere frischen Wind in die Bude bringen. Nicht ohne Grund sind es eben diese, die sich mit ihren Blogs einen gewissen Bekanntheitsgrad erschreiben. Mal eine kurze Frage in die Runde: Wer aus dem Bereich des Personalmanagements, welcher Personalleiter hier in Deutschland fällt Ihnen ein, der es schafft, sich und sein Unternehmen in Szene zu setzen (Stichwort Personal, aber auch irgendwie „Employe(e)r“ Branding!)? Na? Kennen Sie jemanden? Außer Jörg Buckmann (der nicht mal Deutscher ist, sich und seine Aktivitäten aber über die Grenzen der Schweiz „verkauft“) und Robindro Ullah? Das sind unsere frechmutigen Vorzeigepersonaler. Dann hört es auch schon auf. Ist das traurig oder ist das traurig?

Insofern ist es vollkommen richtig gewesen, den Frechmut zwischen zwei Buchdeckel zu pressen, wie man so schön auf dem Blog von Eqipia nachlesen kann. Aber natürlich ist es mit einem Buch nicht getan. Es muss generell ein Umdenken erfolgen, um dem so geernannten Fachkräftemangel mit frischen, frechen und mutigen Ideen die Stirn zu bieten. Dass das funktioniert, hat bspw. die „total verrückte HR-Taxi-Session“ beim Barcamp hervor gebracht.

Das total verrückte HR-Taxi - Ergebnisse einer frechmutigen Session

Ohnehin hat man während des Barcamps gespürt, dass es eben auch andere gibt, die Armin Trost da in seinem frechmutigen Weckruf beschreibt.

  • Personaler, die alles andere sind als langweilig.
  • Personaler, die nicht zum Lachen in den Keller gehen.
  • Personaler, die Mut haben und ihre Ziele auch mal frech und ehrlich formulieren, dies jedoch keinesfalls anmaßend oder vermessen.
  • Personaler, die nicht nur zwischen 9 und 17 Uhr mit Herz, Hirn und Humor strotzen.
  • Personaler, die ihr Wissen lieber mit anderen teilen, als dieses als gut gehütetes Geheimnis für sich zu behalten.
  • Kurzum: Personaler, wie Sie, der oder die Position und Blickwinkel gerne wechselt.

Für Hans-Christoph Kürn, eine der Gallionsfiguren aus dem Frechmut-Pamphlet, ist „Netzwerken“ eines der Schlüsselwörter unserer Zeit. Kürn und auch Menschen wie wir Blogger geben gerne Auskunft und teilen unser Wissen. Damit beherzigen wir die Grundvoraussetzung für langfristig erfolgreiches Netzwerken, die da lautet: Geben ist seliger denn nehmen. Soll heißen:

Auch für weniger bibelfeste Personalerinnen gilt die Prämisse, dass tragfähige Netzwerke darauf beruhen, dass die Teilnehmerinnen ihr Wissen verschenken, dadurch Vertrauen gewinnen und schließlich dann auch selber von der Offenheit und dem Knowhow anderer Kontakte profitieren.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Außer vielleicht so viel: Nutzen Sie jede Chance, die sich Ihnen für Austausch unter Ihresgleichen bietet. Bauen Sie Ihr Netzwerk aus, lernen Sie Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Branchen und Ländern kennen und erfahren Sie, wie die was wie machen. Oder „befreunden“ Sie sich einfach „nur“. Und zwar im realen Leben, außerhalb von Facebook, Xing, LinkedIn. Wobei ich diese Netzwerke an dieser Stelle gar nicht schlecht machen will. Gerade diese virtuellen sozialen Netzwerke eignen sich hervorragend, Kontakte anzubahnen und sich gegenseitig zu „beschnuppern“. Schnell erkennt man, ob die Chemie stimmt und das Kennenlernen in live und in Farbe in freier Wildbahn fällt umso leichter.

Bleibt also die Frage, wo man solche frechmutigen Vertreter eines vermeintlich langweiligen, unkreativen und gar nicht frechen Genres findet. Oder wo Sie Gelegenheit haben, sich mit solchen Menschen zu vernetzen und Ihr Wissen auszutauschen. Na, zum Beispiel diesen Freitag in Zürich, bei der „offiziellen“ Buchvernissage. Hier haben Sie die Möglichkeit, HR-Prominenz live zu erleben.

Oder am 9. Mai beim weltweit ersten klimaneutralen Net(t)working für frechmutige PersonalerInnen in Wiesbaden. Hier können Sie dem Netzwerken sogar einen weiteren tiefen Sinn geben (abgesehen von dem, den das Netzwerken an sich schon bietet): Sämtliche Erlöse dieser Veranstaltung gehen nämlich einem, nein sogar zwei guten Zwecken zu. Zum einen dem Projekt almaterra, welches Glücksoasen für Kinder in Krisengebieten aufbaut, zum anderen der „Teestube„, einer Einrichtung der Diakonie für Wohnungslose und „andere sozial ausgegrenzte Personen“. Das Tolle: Im preisgekrönten Ambiente des Heimathafens erleben Sie sogar noch ein Konzert der Soulsängerin Kaye-Ree. Auch sie hat im Übrigen Frechmut bewiesen: In dem sie ihr letztes Album nicht fremdbestimmt durch eine Plattenfirma produzieren ließ, sondern selber eine Plattenfirma gründete und das Ganze selbst  produziert hat – und zwar so, wie es ihren Vorstellungen entspricht. Darüber hinaus treffen Sie Jörg Buckmann höchstselbst, Mr. Mythos Martin Gaedt, jede Menge KollegInnen aus Deutschland und der Schweiz und vieles mehr. Natürlich ist auch für Ihr leibliches Wohl gesorgt. Ein „all inclusive“ Netzwerk-Treffen wenn Sie so wollen.

Übrigens, Armin Trost schließt in seinem Weckruf mit den Worten:

„Wie wohltuend ist es da für mich, ein Buch wie dieses zu lesen. Hier haben etliche Menschen wirklich etwas kapiert und praktisch gewagt. Wir brauchen mehr davon. Die Unternehmen brauchen mehr davon. Das macht mir Hoffnung.“

Dass es mehr von diesen Menschen gibt, zeigen viele Bewerbungen von frechmutigen Personalern. Eine Auswahl davon finden Sie hier. Gerade flatterte mir eine so frechmutige Bewerbung ins Postfach, dass ich sie selbst zensiert kaum zeigen kann. Ich tu es aber trotzden :-)

Extrem frechmutige Bewerbung..

Sie müssen nun nicht gleich nackte Tatsachen schaffen, wie die beiden Herren dort oben (bekleidet sind die beiden übrigens auch in Wiesbaden dabei). Entscheidend ist, dass Sie die Gelegenheit beim Schopf packen, aus der Versenkung kommen und Impulse setzen. Es müssen nicht gleich dicke Hupen und lange Schläuche sein – manchmal reicht es auch aus zu zeigen, dass man eben „nicht (mehr) alle hat“, sich auf Pinterest präsentiert und damit eine vermeintlich staubtrockene Arbeitgebervereinigung als (frechmutiger) Arbeitgeber beim Bewerber positioniert.

In diesem Sinne: Frechmutige Personaler aller Länder vereinigt euch! Vernetzt euch, tauscht euch aus, gebt euer Wissen weiter!*

*aber behaltet ruhig eure Hosen an!

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