Prophylaxe für die Mitarbeitersuche: Personalmarketing bei Zahnärzten

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 10 Minuten.

Gerade bekam ich eine Erinnerungs-Mail von meinem Zahnarzt, mich zu meinem jährlichen Prophylaxe-Termin einzufinden. Eine super Sache, oder? Warum gibt es das eigentlich nicht für Bewerber? „Hey, lieber Bewerber, hiermit erinnern wir dich an dein Vorstellungsgespräch am soundsovielten. Wir freuen uns aufs Kennenlernen.“ Oder so. Das Ganze per SMS verschickt. BÄM! Candidate-Experience-Touchpoint-Optimization par excellence. Was machen Zahnärzte denn überhaupt in Sachen Personalmarketing? Zahnmedizinische Fachangestellte und andere Vertreter der Zunft sind ein hart umkämpftes Gut. Da müssten doch eigentlich alle Register der Bewerberansprache gezogen werden, oder?

Wenige Bewerber, dafür viele Ausbildungsabbrüche und gekündigte Arbeitsverhältnisse – den Deutschen Zahnarztpraxen laufen die Mitarbeiter davon. Das Berufsbild der Zahnmedizinischen Fachangestellten strahlt offenbar wenig Attraktivität aus.“ heißt es in dem im Dental-Magazin erschienenen Artikel Fachkräftemangel in der Zahnarztpraxis. Stellt sich also die Frage, wie damit umgegangen wird.

Generell lassen sich einige Zahnarztpraxen tatsächlich schon was einfallen. Nicht nur was Mitarbeiter-Ansprache, sondern auch was Praxiskonzepte angeht. Bei meiner Recherche für einen Vortrag vor Zahnärzten habe ich wirklich tolle (und nicht ganz so tolle) Beispiele gefunden, die ich Ihnen nicht vorenthalten will. Zumal sich das ein oder andere „klassische“ Unternehmen sich hier die ein oder andere Scheibe abschneiden kann.

Das ist übrigens das mehrheitlich vorherrschende Bild (nicht nur in der Dentalbranche!): Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen anfordern, aber selber mit Informationen hinterm Berg halten.

Aussagekräftige Unterlagen fordern, aber keine Infos bieten - das ist die gängige Praxis

Wo bleibt denn da die Gleichberechtigung? Fairerweise muss man allerdings erwähnen, dass diese Praxis wenigstens überhaupt einen Karriere-Bereich auf der Website hat. Das schaffen nur wenige!

Bewerber suchen Jobs (auch) via Google

Aber zurück auf Anfang. Wie geht man vor, wenn man auf der Suche nach Beispielen für Zahnarztpraxen ist, die sich des Themas Karriere bzw. zumindest der Stellenangebote annehmen? Richtig, man macht es wie 73 Prozent der Befragten einer Careerbuilder-Umfrage (und Hand aufs Herz, wer macht es nicht?): Man googelt. Damit haben wir auch schon die erste Lektion hinter uns. Bewerber suchen via Google auch nach Jobs (und/oder Informationen über Sie als Arbeitgeber). Wenn Sie da gefunden werden – super! Und wenn Sie sogar mit Google Adwords arbeiten, umso besser.

Generische und Adwords-Suchergebnisse bei Google

Und wenn Sie dann noch entsprechende Infos mit Mehrwert für Bewerber bereit halten – bingo! Voraussetzungen für die Nutzung von SEM ist eine gescheite Landing Page (also eine Zielseite auf der der Bewerber die Informationen findet, die Sie ihm versprachen. Bitte nicht die Startseite verlinken!).

Jeder Besucher Ihrer Website ist auch Bewerber

Was ich ja nun schon geraume Zeit gebetsmühlenartig predige: Jeder Besucher Ihrer Website ist auch ein potenzieller Bewerber. Jeder. Zumindest aber Multiplikator. Insofern sollten Sie – sofern Sie regelmäßig Stellen zu besetzen haben – einen Impuls geben und auf diese aufmerksam machen. Und das machen Sie nicht, indem Sie den Link zur Karriereseite oder zu den Stellenangeboten im Footer oder in der zweiten Ebene verstecken.

Also, zweite Lektion: „Karriere“-Button in die Hauptnavigation. Unbedingt. Zumindest in den sichtbaren Bereich. Übrigens, weder Footer noch Meta-Navigation zählen zum sichtbaren Bereich. Unterstützen können Sie das Ganze auch durch Teaser, wie bspw. im Falle von Relax & Smile, eine Kieferorthopädie-Praxis aus München, die durch ihren Alpenstyle und die Dirndl tragenden Mitarbeiterinnen für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. Ja, Sie lesen richtig. Die Damen der Schöpfung tragen dort Dirndl. Das ist sogar Grundvoraussetzung. Ist auf jeden Fall hübsch anzusehen. Und mal ganz ehrlich, sind Sie jemals schon so charmant auf Jobs aufmerksam gemacht worden?

Stellenangebots-Teaser auf Startseite der Relax and Smile Website

Wir sprechen ja immer von Einzigartigkeit. Von USP und EVP. Hier haben Sie ein traumhaftes Beispiel. Denn das Praxiskonzept ist wirklich einzigartig. Und überhaupt: Die EVP sind Sie! So schön der Teaser aber auch ist, leider sucht der Bewerber Informationen über den Arbeitgeber vergebens. Was sind die Benefits? Werden die Dirndl gestellt oder muss man sie selbst bezahlen? Etc. pp. (Tatsächlich werden die Dirndl gestellt – mehr über das Konzept und die Hintergründe in dem lesenswerten Artikel „Tracht beim Kieferorthopäden„).

„Auch die Praxiskleidung hat eine Wirkung – nach innen und nach außen. Das heißt, sie ist ein Signal für unser Gegenüber und beeinflusst gleichzeitig unser Innerstes. Im heutigen Marktumfeld gilt es mehr denn je, Stellung zu beziehen, im wahrsten Sinne des Wortes „Farbe zu bekennen“.  […] Obwohl hinlänglich bekannt ist, dass die Mitarbeiter in jedem Unternehmen das größte Kapital sind, handeln viele Praxisinhaber nicht entsprechend. Mit anderen Worten: Das größte Potenzial liegt bei den Mitarbeitern. […] Das Motto „Mensch gewinnt Mensch“ bindet langfristig nicht nur Ihre Patienten, sondern wird zum großen Teil den wirtschaftlichen Erfolg Ihrer Zahnarztpraxis sichern.“ Quelle

In dem Zitat stecken viele Aspekte, die auch außerhalb von Zahnartpraxen Gültigkeit haben. Ich sage nur „Mensch gewinnt Mensch“ und Candidate Experience.

Mit Corporate Benefits beim Bewerber punkten

Ein anderes Praxiskonzept verfolgt KU64, nach eigenen Angaben die größte Zahnarztpraxis Deutschlands. Während sich die vom Architekturbüro Graft gestaltete Praxis wirklich sehen lassen kann, bekommt man bei der Website eher Augenkrebs Zahnweh. Hiermit meine ich jetzt die Farben und das sehr unruhige Layout. Aber immerhin finden Sie in der Hauptnavigation den „Jobs & Karriere„-Button mehr oder weniger prominent platziert (wenn Sie denn die Navigations-Elemente finden, die kleben nämlich quasi direkt ganz oben am Browserfenster).

Personalmarketing: Website von KU64 mit Stellenangeboten und kununu-Verlinkung

Aber Sie finden weitaus mehr. Nämlich eine ganze Seite, die sich nur den Benefits der Praxis widmet. Wow, oder? Eine ganze Seite! Und wohl gemerkt, wir sprechen von einer Zahnartzpraxis! Nicht von einem Großkonzern wie BASF, Deutsche Bank oder Bertelsmann. Da können sich selbige durchaus inspirieren lassen!

Ein kleiner Auszug gefällig?

  • Ermäßigungen auf alle zahnmedizinischen und kosmetischen Leistungen (ausgenommen Materialien), die im Hause KU64 angeboten werden
  • bei Prophylaxeprodukten wie der elektrischen Zahnbürste Philips Diamond Sonicare tragen KU64-Mitarbeiter nur den Einkaufspreis
  • kostenlose Arbeitskleidung von den Mitarbeitern selbst gestaltet
  • Kostenübernahme des monatlichen BVG-Tickets für Bus & Bahn oder Zuschuss Parkplatz
  • tolles und gesundes Essen montags bis freitags durch einen Koch der Spitzengastronomie
  • Übernahme von Fortbildungskosten
  • Subventionierung von Englischunterricht
  • Kostenübernahme Raucherentwöhnungskurs

Da hat jemand das Motto „Mensch gewinnt Mensch!“ wirklich verstanden. Auch nahezu das gesamte Mitarbeiterteam wird in Wort und Bild vorgestellt. Sa-gen-haft! Aber welche Zahnarztpraxis verfügt schon über jemanden, der sich ausschließlich um PR und Kommunikation kümmert?

Social Media in der Azubi-Ansprache

Insofern wundert es dann auch nicht, dass man hier die Social-Media-Klaviatur geschickt zu bespielen weiß. So wird bspw. Facebook dazu genutzt, Azubis anzusprechen. Und das nicht sinnentleert, wie auf vielen Facebook Karriereseiten, sondern zielgruppengerecht und mit Mehrwert. Was mir besonders gut gefällt: Das „Mitarbeiterempfehlungsprogramm„. Durch Taggen von Personen können nämlich die „best friends on Facebook“ auf den Job aufmerksam gemacht werden. Klasse Idee! Seit neuestem ist man sogar auf Snapchat aktiv. Das lasse ich mal unkommentiert (letztendlich bin ich nur neidisch, weil ich das Prinzip nicht verstehe und keine Freunde dort habe).

Sehr gut gefällt mir auch die prominente Verlinkung des kununu-Profils. Kleiner Wermutstropfen bei all der Lobhudelei: Stellung genommen wird auf die immerhin 19 Bewertungen leider nicht. Dabei wird das Profil sehr wohl wahrgenommen: Über 6.500 Aufrufe sprechen Bände. Theoretisch also 6.500 potenzielle Bewerber.

„Die Praxen können nicht früh genug beginnen, sich über eine positive Außendarstellung und engagiertes Eigenmarketing als potenzielle Arbeitgeber zu empfehlen.“ Quelle

Aber es geht ja besser. Die Düsseldorfer Praxis 360° Zahn setzt noch einen drauf. Dort hat man zwar nicht ganz so abgespacete Praxisräume, dafür aber einen sehr informativen Web-Auftritt mit Karriere-Bereich, bei dem jede Menge Mitarbeiter per Video zu Wort kommen.

Einen Karriere-Button in der Hauptnavigation gibt’s leider nicht, dafür aber einen prominent platzierten Teaser.

Startseite 360GradZahn mit Karriere-Teaser

Auch bei 360° Zahn setzt man auf Social Media. Und das hat auch schon Früchte getragen, wie ich auf Nachfrage erfahren habe. So wurden bereits neue Mitarbeiter eingestellt sowie Azubinen gefunden, die dieses Jahr ihre Ausbildung beginnen!

Wohlgemerkt, beide Praxen haben Facebook-Seiten mit mehreren Tausend Fans, die primär Infos für Patienten posten. Nicht, dass Sie jetzt wieder auf die Idee kommen und eine Facebook Karriereseite einrichten. Das hatten wir doch schon, oder? Wenn Sie keine Ressourcen haben – weder inhaltlich, noch zeitlich, noch personell: Vergesst Facebook! Die aktuelle Social Media Personalmarketing Studie gibt Ihnen Empfehlungen, welcher der Kanäle bei welcher Zielgruppe ankommt.

Berufsorientierung ist Aufgabe des Arbeitgebers

Absolutes Highlight ist für mich aber der Auftritt vom Zahnmedizinischen Zentrum Berlin. Hier spürt man, dass Mitarbeiter wirklich einen sehr hohen Stellenwert haben und ihnen sehr viel Wertschätzung entgegen gebracht wird. Insbesondere, aber nicht nur, wenn es um die Gewinnung von Azubis geht. Das wird schon auf der Homepage ersichtlich, wo bspw. das Firmenjubiläum einer Mitarbeiterin oder die bestandene Abschlussprüfung einer Azubine in der „Bühne“ (Content-Element im Headerbereich einer Webseite) gewürdigt wird. Wow! Der Karriere-Button in der Hauptnavigation. Da kann er keinem entgehen. Klasse! Und immer wieder auf der Website Verlinkungen zum Karriere-Bereich.

Nochmal: Jeder Besucher Ihrer Website ist ein potenzieller Bewerber (oder Multiplikator)!

Der Chef der Praxis, Dr. Frank-D. Groenke sagt im Video:

„Unser Markenkern ist eigentlich ganz unspektakulär: Die Freundlichkeit nach innen und nach außen. Nach innen heißt zu unseren Mitarbeitern und nach außen natürlich zu unseren Patienten.“

Besser kann man es kaum auf den Punkt bringen. Ohne freundliche und zufriedene Mitarbeiter können Sie kaum Ihre Patienten begeistern und halten, geschweige denn auf Weiterempfehlungen hoffen. Also müssen Sie alles dafür tun, sich glaubwürdig als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Und das gelingt hier meines Erachtens sehr gut!

 

Die Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter zeigt sich bei ZZB direkt auf der Homepage

Insbesondere die Azubis zur Zahnmedizinischen Fachangestellten werden ja händeringend gesucht. Und da Berufsorientierung ja weder in der Schule noch sonstwo stattfindet, müssen diesen Job eben Sie als Arbeitgeber respektive Ausbildungsbetrieb übernehmen. Und das macht diese Praxis wirklich mustergültig!

Ausbildung Zahnmedizinische Fachangestellte - Website des ZZB

Prägnant und auf den Punkt gebracht werden Aufgaben, Benefits und Perspektiven. Auch das Video stellt sehr anschaulich dar, was den Azubi in der Praxis erwartet. Selbst die Perspektiven werden thematisiert. Das ist insofern bemerkenswert, da (vermeintlich) mangelnde Perspektiven mit ein Grund dafür sind, dass dieser Ausbildungsberuf entweder schwer zu besetzen ist oder aber viele ihre Ausbildung abbrechen. Wobei Ausbildungsabbrüche oft auch ein Grund von überzogenen Erwartungen sind. Daher ist es Ihre Pflicht, ausreichend über die Berufe zu informieren. Was erwartet den Bewerber, welche Aufgaben kommen auf ihn zu, wie ist das Umfeld etc pp. Damit fangen Sie auf der Website und in Stellenangeboten an. Und setzen mindestens noch einen Probe-Arbeitstag oben drauf. Ist klar, oder?

Apropos Video: Ich glaube, ich habe noch nie einen so umfangreichen Beschreibungstext bei einem Youtube-Video gesehen. Auch hier ziehe ich meinen Hut. Lassen Sie sich inspirieren! Die meisten verlinken nicht einmal Ihre Website… (Lesen Sie auch die Tipps zu Youtube und Vimeo). Lohnenswert auch ein Blick auf die Kommentare. Die werden nämlich genutzt, um mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu kommen.

Umfangreiche Informationen beim Youtube-Video

Es liegt an Ihnen…

Man kann über den Fachkräftemangel jammern und mit seinem Schicksal hadern. Man kann aber auch den Arsch hoch kriegen und was dagegen tun. Und es fängt mit einer positiven Außendarstellung an. Woher soll man wissen, was für ein toller Arbeitgeber Sie sind, wenn Sie nicht darüber sprechen? Und so kommt die entscheidende Rolle den Praxen selbst zu, sich potenziellen Bewerbern zu präsentieren. Oder, um mit einem Zitat von Dr. Silvia Morneburg (Bayerische Landeszahnärzte-Kammer) zu sprechen, welches selbstredend auch für andere Zielgruppen (und Unternehmen) gilt: „Es liegt an uns Zahnärzten, Jugendliche für das Berufsbild der ZFA zu motivieren und von den vielfältigen Aufstiegs- und Qualifikationsmöglichkeiten zu überzeugen.

Nächste Woche habe ich einen Termin zur professionellen Zahnreinigung. Mein Zahnarzt nutzt übrigens nicht die Gelegenheit, sich als Arbeitgeber auf seiner Website zu präsentieren. Zeit, dass sich das ändert.


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