Personalmarketing auf Schusters Rappen: Zum neuen Job dank Wanderkarte

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Letztes Wochenende zog es mich mal wieder raus in die Natur. Wanderschuhe an und ab ging es nach Bacharach, um von dort aus auf dem Rheinburgenweg nach Trechtingshausen zu wandern. 20 Kilometer Strecke oberhalb von Vater Rhein (warum eigentlich Vater?), über saftige Wiesen, durch rebenumrankte Weinberge, an Burg Stahleck und Burg Sooneck und anderen vorbei, immer einen traumhaften Blick auf diese wunderschöne Landschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt hat dieser Trip noch nicht einmal ansatzweise mit Personalmarketing zu tun.

Bacharach - Blick auf Stadtmauer

Doch dann, nichts Böses ahnend, wie ein Blitz aus heiterem Himmel (den es im Übrigen wirklich gab, das Wetter hatte binnen kurzer Zeit umgeschlagen), das: Eine Land- bzw. Standortkarte, die den (hungrigen) Wanderer unter anderem auf Gastronomie, aber auch auf Handwerksbetriebe im beschaulichen Niederheimbach (Welterbe Oberes Mittelrheintal) aufmerksam macht.

Von Bacharach nach Niederheimbach - Standortkarte mit Jobangebot

Das Wandern ist des Jobsuchers Frust

Und außerdem auf Jobs. Ja, Sie lesen richtig. Jobs wurden da angepriesen. Eigentlich eine wunderbare Idee. Schließlich soll man ja die Zielgruppe da ansprechen, wo sie sich tummelt. Und die Medien nutzen, die einem als Unternehmen sowieso schon immer zur Verfügung stehen. Dienstwagen zum Beispiel. Fassadenfronten. Oder eben Landkarten. Zumindest im Falle eines „der renommiertesten kartografischen Verlage Deutschlands„.

Revilak oder Bender sucht Mitarbeiter - kann Personalmarketing so funktionieren?

Eine Dame (eingekauft bei irgendeiner Bilddatenbank) weist charmant lächelnd darauf hin, dass man „Sie“ sucht. Und man doch bitte „für einen der renommiertesten kartografischen Verlage Deutschlands“ arbeiten möchte und zwar „bundesweit für uns im Außendienst vor Ort„. Klar, warum nicht. Was möchte man in einem solchen Fall tun? Mein erster Impuls war, den dargebotenen QR-Code abzuscannen oder aber wenigstens die Web-Adresse in mein Smartphone einzutippen. Es gab aber weder einen QR-Code noch eine Web-Adresse. Lediglich eine Telefon- und eine – Achtung! – Faxnummer werden genannt.

Da Samstag war, habe ich von einem Anruf abgesehen (die meisten Leute, die an diesem Schild vorbei kommen, werden wohl Wanderer sein. Apropos Wanderer: Wussten Sie eigentlich wie Wandern definiert wird? Der Deutsche Wanderverband bezeichnet „Wandern als Gehen in der Landschaft. Dabei handelt es sich um eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale wie physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch für eine Wanderung sind:

  • eine Dauer von mehr als einer Stunde,
  • eine entsprechende Planung,
  • Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie
  • eine angepasste Ausrüstung“

Das aber nur am Rande. Zurück zur Zielgruppe. Schränken wir diese weiter ein und nehmen wandernde Rentner aus, bleiben nur noch wenige übrig und die werden eben Sams-, Sonn- oder Feiertags an diesem Schild vorbei kommen. Kontaktaufnahme also unmöglich. Abgesehen davon, dass die wenigsten ein Faxgerät ihr eigen nennen, wird die Telefonzentrale (die im Übrigen aller Wahrscheinlichkeit nach super über die ausgeschriebene Stelle Bescheid weiß) wohl kaum besetzt sein.

Was bleibt also übrig? Smartphone-Nutzer werden sich ein Bild machen. Also fotografieren, so wie ich es auch getan habe. Menschen, die am Wandertag lieber ihr Smartphone zuhause lassen (ja, auch die gibt es) greifen dann zu Stift und Papier – sofern sie beides denn am Start haben. Zur Not geht auch die Handinnenfläche, die nur wieder ist weniger geeignet bei solchen Witterungsverhältnissen wie letzten Samstagnachmittag. Bliebe zur Not noch, das Schild um- bzw. abzureißen oder zumindest ein Teil davon.

Sie merken, die Art und Weise wie einem potenziellen Bewerber da die Kontaktaufnahmen verwehrt wird, ist offensichtlich. Aber selbst wenn man sich das Ganze gemerkt hat (z. B. weil man super Memotechniken beherrscht), ist das Dilemma noch nicht ausgestanden. Denn was tut Mensch, wenn er mehr Informationen haben möchte. Er googelt. Die Frage ist, wonach. Denn da gibt’s mehrere Optionen:

  • Revilak Kartografien
  • Bender Verlagsgesellschaft mbH
  • Der Profi für Gemeinde- und Stadtpläne

Da ich davon ausgehe, dass Revilak das Produkt ist und der Suchstring „der Profi für Gemeinde- und Stadtpläne“ mir zu sperrig ist, entscheide ich mich für Bender Verlagsgesellschaft. Ist ja auch naheliegend, weil das Unternehmen. Natürlich googel ich das Ganze per Smartphone. Schließlich bin ich ja noch unterwegs und ganz heiß auf den Job! Nun ist es aber leider so, dass Google nicht mobil optimierte Websites abstraft. Das wiederum führt dazu, dass die Website zwar unter den Suchergebnissen angezeigt wird, aber eben längst nicht so prominent, wie bei der stationären Suche.

Und rufen Sie dann die Website auf, finden Sie natürlich auch keine Stellenangebote geschweige einen Button, der Ihnen den Weg zur Karriere bahnt.

Website der Bender Verlags GmbH ohne Karriere-Button

Wenn Sie nun ein wenig Geduld haben und mal hier, mal da einen Link probieren, werden Sie sogar fündig. Intuitiv klickt man ja auf Unternehmen, aber da gibt’s keinen Link zu den Stellenangeboten. Oder sagen wir so: Er ist gut versteckt. Rufen Sie nämlich die Sitemap auf, so finden Sie dort den Link „Stellenangebote“. Allerdings sind die Informationen dort sehr rudimentär.

Stellenangebote bei Revilak - oder auch nicht

Ja, sucht Bender denn nun oder nicht, werden Sie sich vielleicht fragen. Wer weiß, vielleicht steht das Schild oberhalb von Niederheimbach schon seit Jahren dort? Könnte man denken. Ist aber nicht so. Denn zuhause am stationären Rechner ergibt sich ein anderes Suchergebnis als mobile. Und da findet man dann mehrere Suchergebnisse zu Revilak bzw. Bender und sogar unmittelbar eins für Stellenangebote!

Suchergebnisse bei stätionärer Googlesuche bringen Stellenangebote bei Revilak zum Vorschein

Na also. Geht doch! Und hier findet sich dann auch endlich das gesuchte Stellenangebot (allerdings lässt es sich aus der Navigation heraus auch nicht aufrufen). Des Rätsels Lösung: Gesucht wird ein Mediaberater. Oder auch Handelsvertreter. Oder vielleicht auch einen Gemeindekontakter. Je nach dem eben.

Stellenangebot Mediaberater bei Revilak

Tipps für die Bewerberansprache

Was sagt uns dieses Lehrstück in Sachen gut gemeint, aber nicht gut gemacht? Denn die Idee, die eigenen Medien und Flächen für Personalmarketing-Zwecke zu nutzen ist ja naheliegend. Nur wird das leider viel zu selten berücksichtigt. Allerdings nützt es eben gar nix, wenn dann dem Bewerber ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt und der Kontakt unnötig erschwert wird. Also

  1. Ermöglichen Sie die Kontaktaufnahme bzw. die Informationsaufnahme (QR-Code und Webadresse, E-Mail)
  2. Ermöglichen Sie den unmittelbaren Zugang zum Stellenangebot, in dem Sie selbige(s) unmittelbar aus der Hauptnavigation oder per Teaser verlinken
  3. Entsorgen Sie sämtliche Stock-Fotografien, die vermeintliche Mitarbeiter zeigen.
  4. Sprechen Sie sowohl das weibliche als auch das männliche Geschlecht an (auf wen soll das ausgewählte Bildmotiv bitteschön abzielen? Ein Fall fürs AGG ;-)!)
  5. Optimieren Sie Ihre Website mobil. Das Beispiel zeigt sehr schön, dass Google keinen Spaß versteht und nicht mobil optimierte Websites tatsächlich abstraft
  6. Formulieren Sie ansprechende Stellenangebote und einigen Sie sich auf EINEN Stellentitel
  7. Benennen Sie einen konkreten Ansprechpartner – die Telefonzentrale selber ist wohl kaum geeignet
  8. Kommunizieren Sie, was Sie zu bieten haben. Also wirklich zu bieten haben.

Und ansonsten: Nutzen Sie die Gelegenheit und wandern Sie die Etappe! Sie bekommen

  1. Tolle Ansichten einer der schönsten Landschaften Deutschlands (hier z. B. Burg Sooneck mit Blick auf den Rhein)
    Blick von Burg Sooneck aufs Rheintal
  2. Ein Praxisbeispiel feinsten Personalmarketings (oder auch nicht)

In diesem Sinne, frohes Wandern!


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