Kunst im Personalmarketing: Unsichtbare Talente

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Denn die im Dunkeln sieht man nicht„, heißt es. Oder die hinter den Kulissen. Der erste Satz stammt aus Bertold Brechts „Dreigroschenoper“. Sie merken schon, jetzt wird’s anspruchsvoll. Jetzt geht es um Kunst. Weg von Whatsapp im Recruiting, hin zur Kunst im Personalmarketing. Ein echter Spagat, den ich aber mal versuche. Und dank einer großartigen neuen Personalmarketing-Kampagne der VBZ (Verkehrsbetriebe Zürich) wohl auch hinkriege. Glauben Sie mir, das was Sie nachfolgend sehen, haben Sie noch nie gesehen. Mich jedenfalls hat’s vor Begeisterung umgehauen.

Insofern sollten Sie sich also nicht über die Blessuren in meinem Gesicht wundern (okay, ich bin ehrlich, es war ein kleiner Sportunfall. Dennoch – umgehauen hat mich das, was mir da von den VBZ aktuell präsentiert wird, wirklich). Und es sollte mich arg wundern, wenn Ihnen das anders geht. Zurück zum Einstieg, zurück zum Zitat aus der „Moritat von Mackie Messer“. Genauer lautet dies:

„Denn die einen sind im Dunkeln

Und die andern sind im Licht.

Und man siehet die im Lichte

Die im Dunkeln sieht man nicht.“

Gut, der Vergleich zu Mackie Messer hinkt vielleicht etwas (zumindest was den Inhalt der Geschichte angeht, er passt aber durchaus zur Aussage der nachfolgend geschilderten Kampagne), aber in vielen Unternehmen sieht man die Mitarbeiter, die hinter den Kulissen werkeln und einen Betrieb erst möglich machen, wirklich nicht. Man sieht einen Personalchef, der quasi „im Lichte“ steht, der Fahrleitungsmonteur (der was??? – Sehen Sie? Der gute Mann kümmert sich eben um die Wartung und Montage der Fahrleitungen) ist „im Dunkeln“, wird nicht gesehen.

Mitarbeiter hinter den Kulissen stehen im Mittelpunkt

Genau um diese Menschen, diese Mitarbeiter geht es in der neuen Personalmarketing-Kampagne, die die VBZ mal wieder mit ihrer Haus- und Hof-Agentur Ruf-Lanz ausgeheckcht hat. Für alle, die nicht wissen wer die VBZ sind: Es handelt sich um die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich. Eigentlich ein dröger kommunaler öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber also. So etwas wie die ESWE-Verkehr in Wiesbaden beispielsweise. Oder die Hamburger Hochbahn. Oder die Berliner Verkehrsbetriebe. Aber es gibt wohl keinen Arbeitgeber im öffentlichen Dienst, der sich derartig in Szene setzt und mit frechmutigen Personalmarketing-Ansätzen zu überzeugen weiß. Und der jetzt mit dieser Kampagne noch einen drauf zu setzen weiß. Und der mit ihr meiner Meinung nach – mehr als verdient – international Preise einheimsen können sollte.

Hintergrund der Kampagne: Fast 1000 von den rund 2400 VBZ-Mitarbeitern lenken weder einen Bus, noch eine Straßenbahn („ein Tram“, wie der Schweizer sagt) und sind für die Bevölkerung kaum sichtbar. Genau sie sind es aber, die dafür sorgen, dass das Räderwerk öffentlicher Verkehr in Zürich funktioniert. Das sind dann z. B. Automatikx, Lackierx oder Elektromonteurx und andere Berufe im handwerklich-technischen Bereich. Ebenso „im Dunkeln“ stehen aber auch Ingenieurx im Bereich der Verkehrsplanung oder im Bau. Und natürlich die kaufmännischen Bereiche wie etwa Finanzen, IT, HR (!) und viele weitere Berufsfelder. Klar, welcher Zürcher weiß beispielsweise, wer hinter all den genialen Personalgewinnungskampagnen der VBZ steht? Ich sage nur: „Die VBZ suchen charmante Dessous-Verkäuferinnen! Weil die VBZ aber jedes Jahr rund 100 solcher „unsichtbaren Talente“ für sich gewinnen wollen, stehen stellvertretend vier davon kunstvoll inszeniert im Mittelpunkt der neuen Personalwerbekampagne.

Hierbei haben sich die Zürcher allerdings nicht von Bert Brecht inspirieren lassen. Sondern vom chinesischen Künstler Liu Bolin. Dieser feiert große Erfolge, weil es ihm gelingt, sich und seinen Hintergrund durch Körperbemalung miteinander verschmelzen zu lassen und sich damit quasi unsichtbar zu machen. In etwa so:

Der Künstler Liu Bolin inspirierte die VBZ zu ihrer Kampagne

So wie die Mitarbeiter hinter den Kulissen eben. Genau diese aber werden durch die Aktion in den Mittelpunkt gerückt. Oder anders gesagt: Mittendrin und doch kaum sichtbar – wie viele VBZ-Mitarbeiter.

Unsichtbare Talente

Aber was schreibe ich noch groß, lassen Sie einfach die Bilder auf sich wirken! Hier finden Kunst und Personalmarketing wirklich auf eindrucksvolle Weise zusammen.

Personalmarketing-Kampagne der VBZ-Unsichtbare Talente

Unsere Fahrerinnen und Fahrer sehen Sie jeden Tag. Doch ohne die vielen VBZ-Mitarbeitenden hinter den Kulissen würden Sie als Fahrgast schnell den Anschluss verpassen. IT-Projektleiter Thomas Eisenring ist mitverantwortlich für das neue Leitsystem. Dieses koordiniert den gesamten Verkehr und steuert die Anzeigetafeln, die Ihnen die Ankunft des nächsten Trams oder Busses auf die Minute genau vorhersagen.“

Personalmarketing-Kampagne der VBZ-Unsichtbare Talente 2

„… Doch ohne die vielen VBZ-Mitarbeitenden hinter den Kulissen würden sie im Cockpit kaum so eine gute Figur machen. Die gelernte Schneiderin Marina Böhm leitet die Abteilung Bekleidung mit viel Flair für Stoffe und Farben. Sie prüft jeden neuen Entwurf nach Strich und Faden, lässt Details verändern oder frisch kombinieren. Bis alle auf die VBZ-Kollektion abfahren.“

Personalmarketing-Kampagne der VBZ-Unsichtbare Talente 3

„… Doch ohne die vielen VBZ-Mitarbeitenden hinter den Kulissen würden keine neuen Tram- und Busprojekte ins Rollen kommen. In einer wachsenden Stadt wie Zürich braucht es neue Verbindungen in aufstrebende Quartiere wie z. B. Zürich-West, um das Verkehrswachstum umweltschonend zu bewältigen. Dabei können wir auf Bauingenieur Ralph Signer und sein Team bauen.“

Personalmarketing-Kampagne der VBZ-Unsichtbare Talente 4

„… Doch ohne die vielen VBZ-Mitarbeitenden hinter den Kulissen wäre der Verkehrsstrom wohl öfter mal unterbrochen. Fahrleitungsmonteur Ramon Mächler betreut zusammen mit seinen Kollegen 526 Kilometer Fahrleitungen, die zweimal jährlich Meter für Meter kontrolliert werden. Oft in der Nacht, wenn keine Trams und Trolleybusse unterwegs sind.“

Wer nun glaubt, Mr. Frechmut himself, also Jörg „Buckchi“ Buckmann, hätte in diesem Fall selbst Hand angelegt, der irrt. Der quirligste HRler der DACH-Region kann mit Sicherheit so einiges. Vieles davon stellt er auch immer wieder gerne unter Beweis. Hier aber kam er dann doch an seine Grenzen und so holte man sich jemanden, der sich damit auskennt, um in Anlehnung an Liu Bolin diese Kunstwerke zu produzieren. Pascal Thalmann ist  der Mann, der hier den Pinsel anlegt.

Der Zürcher Künstler werkelte also nicht nur selbst hinter den Kulissen, nein normalerweise malt er in seinem Atelier genau solche für Theater, Fotoshootings und Filmproduktionen. Kulissen sind demnach durchaus seine Spezialität – aber diese auch auf Menschen zu projizieren? So was hatte er zwar vorher noch nie gemacht, aber die Resultate können sich sehen lassen. Das, was er da bei kühlen Temperaturen auf die Kleidung und die Gesichter der VBZ-Mitarbeiter pinselte, könnten den Künstler aus China durchaus arbeitslos machen.

Nun ist so eine Aktion natürlich das eine, Aufmerksamkeit ist der VBZ gewiss. Und das weit über die Landesgrenzen hinaus. Letztendlich geht es aber darum, dem Fachkräftemangel (oder das, was als solcher kolportiert wird) eine lange Nase zu drehen. Und so findet man auf einer eigens dafür eingerichteten Microsite weitere Infos über die Menschen, die bisher im Dunkeln standen und nun dank dieser Kampagne ins Licht getreten sind. Offizieller Start der Kampagne war heute Abend im Rahmen einer dem Anlass angemessene Vernissage.

Jüngst forderte „Mr. Mythos“ Martin Gaedt noch „Querdenker, Designer, Musiker. Befreit HR aus der Sackgasse!“ Ich glaube, dass die VBZ hier gut vorgelegt hat. Für mich ist diese Kampagne auf jeden Fall das beste, was ich seit Langem in Sachen kreativem Personalmarketing gesehen habe. Und wird es wohl auch lange bleiben. Ganz großes Kino, liebe VBZ. Oder sollte ich sagen: Echte Meisterwerke? Wie auch immer, ich bin mir sicher, das wäre auch Inspiration für das Kunsthaus Bregenz gewesen… Überhaupt wäre das doch eine schöne Idee: Wenn die Kampagne ausgedient hat, bekommen die Motive einen Ehrenplatz eben dort. So lange dürfen Sie sie noch hier im Blog oder aber natürlich in und um Zürich herum bewundern.

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