Kunsthaus Bregenz sucht Direktor. Ich helfe.

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Heute möchte ich mal wieder zu etwas Ernstem kommen. Azubirecruiting war gestern, heute geht’s wieder um Kultur. Im weiteren Sinne zumindest. Wenn man es genau nimmt, geht es natürlich wieder um Recruiting. Oder um verfehltes. Oder um Bemühungen, die so glaube ich, nicht wirklich fruchten. Aber dafür gibt’s ja mich. Als Retter in der Not sozusagen. Rächer der Enterbten. Oder auch der Bewerber. Und selbstloser Helfer. Heute gehen wir mal wieder ins schöne Vorarlberg, genauer: nach Bregenz. Da sucht das Kunsthaus nämlich einen Nachfolger für den Direktorsposten. Denn der letzte begeht einfach Republikflucht und ist demnächst in Deutschland. Umso mehr freue ich mich, etwas für die Völkerverständigung tun zu können.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon an dem eindrucksvollen Bau vorbei gegangen bin, der nicht nur durch seine Architektur besticht, sondern auch interessante Ausstellungen und Exponate in sich birgt. Aber ich bin nun mal eher der Naturmensch und mich zieht es eher an den See oder auf den Pfänderrücken, als ins Museum. Das Kunsthaus Bregenz gehört laut Wikipedia „zu den architektonisch und programmatisch herausragenden Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst in Europa„. Genau.

Kunsthaus Bregenz - Foto: Matthias Weissengruber © Kunsthaus Bregenz

Und der seit Oktober amtierende Direktor des Kunsthauses, Dr. Yilmaz Dziewior, wechselt nun überraschend an das Museum Ludwig in Köln. Ab Februar 2015 wird Dziewior mit dem Museum Ludwig eines der international bedeutendsten Häuser für zeitgenössische Kunst leiten, so kann man in der einschlägigen Presse lesen. Tja, und da braucht das KUB also einen neuen Direktor.

Kunsthaus Bregenz sucht neuen Direktor

Da die nicht auf der Straße liegen und auf Bäumen wachsen, geht man beim Kunsthaus Bregenz daher ganz pfiffige neue Wege in der Spezialistenansprache. Jaha. Dort weiß man nämlich alle Register zu ziehen und nach allen Regeln der Kunst zu rekrutieren. Und setzt dabei vor allem auf ein bei vielen Unternehmen beliebtes Instrument: Das Recruiting-Suchbild. In diesem Fall das Kunsthaus-Bregenz-sucht-Direktor-Suchbild.

Kunsthaus Bregenz sucht Direktor-Suchbild

Na, haben Sie’s gefunden? Okay, ich habe es Ihnen ja auch wirklich leicht gemacht. Aber mal im Ernst. Da ist so ein Kunsthaus international renommiert und verzeichnet (das unterstelle ich jetzt mal) auf seiner Website Zugriffe aus der ganzen Welt. Von Kunstliebhabern. Von Kunstliebhabern, die einfach nur Kunst lieb haben (also nicht solche Kulturbanausen wie mich). Von Kunstliebhabern, deren Profession es ist, Kunst zu lieben und die Kunst zu ihrer Profession gemacht haben. Also quasi potenzielle Kunsthausdirektoren. Warum kann man solch einer Stelle (die ja  nicht ganz unerheblich ist für das weitere erfolgreiche Fortbestehen des Kunsthauses) also nicht mehr Raum einräumen? Quasi einen kunstvollen Rahmen geben?

Nun gut. Man setzt immerhin auf das Suchbild. Insofern eine Art von Recrutainment, wenn Sie so wollen. Und wenn man denn nun also durch Zufall in der Rubrik „KUB Specials“ unterhalb vom Lieblingswitz, Achtung:

auf das Stelleninserat aufmerksam wurde, erwartet uns folgendes:

Stellenanzeige Direktor Kunsthaus Bregenz

In einem Layout, in etwa so anmutig wie das einer Traueranzeige (ist das eigentlich das Standard-Layout bei Headhuntern? Und wenn ja, warum? Um Bewerber vor Augen zu führen, was für ein langweiliger Haufen man ist und ja die Stelle nicht mit dem Auftraggeber in Verbindung zu bringen ist? Wäre ja Quatsch, schließlich wird ja nicht verdeckt gesucht), wird dem potenziellen Kandidaten dort lang und breit erklärt, wer oder was das Kunsthaus Bregenz ist und welche Persönlichkeiten mit „einschlägigen Erfahrungen“ und „entsprechender Ausbildung“ so gesucht werden. Irgendwie passt diese Anzeige nicht so recht zum Auftritt des Kunsthauses. Was mir ebenso fehlt: Warum sollte ich mich auf den Posten bewerben? Wo ist Bregenz, was ist so einzigartig an dem Arbeitsort. Wussten Sie bspw., dass man Bregenz auf allen denkbaren Wegen – von der Straße, aus der Luft (der Flughafen Friedrichshafen, der sogar von der Lufthansa angeflogen wird, ist keine 30 Fahrminuten entfernt), per Schiene und sogar vom See aus zu erreichen ist (hier sind diverse Schiffe unterwegs). Zürich und andere Metropolen bspw. sind keine zwei Fahrstunden entfernt. Die Alpen liegen quasi vor der Haustür. Man kann wandern oder Wassersport in allen erdenklichen Variationen betreiben. Es gibt die Bregenzer Festspiele. Und so vieles mehr. Spricht man davon? Nein.

Vor meinem geistigen Auge erscheint gerade eine Art Microsite (kann durchaus ein Blog sein und muss nicht viel kosten!) mit einer Vorstellung des Standorts in großf0rmatigen Bildern (Bodensee, Bregenzer Altstadt, Pfänder + Umgebung, Alpenpanorama etc.), einer Standortkarte, einem Video vom Kunsthaus, Vorstellung verschiedener Ausstellungsexponate, Vorstellung von Mitarbeitern etc. pp. Ich hätte glatt Lust, da rasch was auf die Beine zu stellen. Aber die Zeit…

Auch dürfte die Auffindbarkeit (ich korrigiere: ist die Auffindbarkeit) des bisherigen Dokuments = Inserat via Google mehr oder minder gleich null. Was nicht verwundert, wenn man die als PDF platzierte Anzeige in genaueren Augenschein nimmt:

Stellenanzeige Direktor Kunsthaus Bregenz als PDF

Von einem „Inserat 1_6.3“ ist da die Rede. Aha. Ja, da weiß Google gleich, dass es sich um ein Stellenangebot für den Direktor des Kunsthauses Bregenz handelt. Nun gut. Man kann dem Kunsthaus Bregenz zugute halten, dass es nicht selbst dieses wahre Kunstwerk kunstvoller Stellenanzeigen erschaffen hat. Nein, dahinter steckt offensichtlich eine Personalberatung, die man eingeschaltet hat, diese Stelle zu besetzen. Wahrscheinlich soll der amtierende Direktor keinen Wind davon bekommen, dass für ihn ein Nachfolger gesucht wird :-). Ach, da fällt mir in diesem Zusammenhang auf: Bereits im Mai ging durch die Medien, dass der Direktor das Kunsthaus verlassen wird. Die Stellenanzeige selber ist aber erst am 10. Juni erstellt worden. Nun, dieses als mangelndes strategisches oder wenigstens zeitkritisches Handeln zu interpretieren, wäre wahrscheinlich zu vorschnell. Denn wie gesagt, man hat ja professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Und wie steht dort auf der Website zu lesen?

Unter dem Punkt „Professional Search“, einer der Leistungen der Beratung, bietet man die „Kombination mit einer Inseratschaltung in Printmedien und/oder Internet“. Und dort wiederum heißt es dann: „Diese Suchstrategie soll den erweiterten Kreis von potenziell in Frage kommenden ManagerInnen ansprechen. Wir übernehmen für Sie die zielgruppengerechte Gestaltung und Schaltung des Textes für Printmedien und Internet-Plattformen.“

Zielgruppengerechte Gestaltung und Schaltung also. Sieht so zielgruppengerechte Gestaltung für das Kunsthaus aus? Erreicht man so den erweiterten Kreis von potenziell in Frage kommenden ManagerInnen = DirektorInnen? Wohl eher nicht. Wer anderer Ansicht ist, spreche jetzt oder möge für ewig schweigen. Ein Blick in Big Brother (nein, nicht die NSA, nur sein Handlanger) Google bringt noch einmal das gleiche Inserat, veröffentlicht im Juni im Stellenmarkt der Zeit, hervor. Ob das zielführend war? Wohl eher nicht.

Wie wäre es mit Networking oder Guerilla Recruiting?

Was also ist zu tun? Außer auf die Hilfe eines deutschen Bloggers, der sich selbstlos solcher Problematiken annimmt zu warten, natürlich :-)
Wie schon so oft erwähnt, da rekrutieren, wo die Zielgruppe ist. Das wären also die „Points of Sale“, wie die Website, die von Kunstbegeisterten aus aller Welt angesurft wird. Hier aber prominenter platziert und auch wirklich zielgruppengerecht und vor allem: zum Auftritt des Kunsthauses passend – gestaltet. Schaltung von Inseraten in entsprechenden Job- oder „Special Interest“-Portalen. Aber wohl vor allem: durch das Nutzen persönlicher Netzwerke. Vielleicht kann sich das Kunsthaus Bregenz ja ein paar Tipps von nebenan – sprich der Operndirektorin der Bregenzer Festspiele holen. Denn wie sagt sie so schön: „Akribie beim Suchen zahlt sich aus“. Und: „Für Sonderanforderungen ist Networking ganz wichtig. Man spricht mit Regisseuren, Dirigenten und Operndirektoren von anderen Häusern oder Festivals, ob sie Künstler mit speziellen Fähigkeiten kennen und einschätzen können.“ Übertragen auf unsere Situation also: Man spricht mit Direktoren von anderen Häusern oder Festivals, ob sie jemand Passendes kennen oder jemanden kennen, der jemand Passendes kennt…

Oder wie wäre es mit ein bisschen Guerilla Recruiting? Es müssen ja nicht pochierte Eier, Donuts und Bier sein – Einfach ein paar als Kunstwerke getarnte Stellenanzeigen in den angesagten Kunsthäusern Europas aufhängen oder den dortigen Direktoren als Ausstellungsexponat oder Kunstband (oder Bildband von Bregenz? Vom Kunsthaus selber?) mit ein paar netten Worten (es sollte natürlich schon mehr sein, als nur ein paar nette Worte) zukommen lassen und – bääm, der Posten ist besetzt!

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