Die Polizei, dein Freund und Helfer? – Personalmarketing und Öffentlichkeitsfahndung auf Facebook

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Die Polizei, dein Freund und Helfer. Im Zeitalter der digitalen Freundschaften wird dieser Spruch endlich Wirklichkeit. Bzw. verschiebt sich da ein wenig das Bild: Man hat nämlich die Möglichkeit, Fan von zwei Pages zu werden, um damit – wenn man so will – der Polizei zu „helfen“. Und zwar auf zwei Pages: einmal bei Fahndungserfolgen, zum anderen bei der Besetzung von allein für nächstes Jahr gut 500 Stellen im Polizeidienst. Es tut sich also einiges auf Facebook und man kann tatsächlich den Like-Button klicken und in den Dialog mit der bei dem einen oder anderen wahrscheinlich nicht so beliebten Behörde treten (hm, ich persönlich kann mich nur an einen etwas übereifrigen Kollegen erinnern, der mich damals in der Bielefelder Innenstadt förmlich vom Rad zerrte – nur weil ich mit dem Rad durch die Fußgängerzone fuhr. Ein etwas übereiltes Vorgehen, zumal als ich das Rad dann schob, mit weit mehr Personen kollidiert bin. Nicht, dass ich das vorher AUF dem Rad wäre :-). Aber sei es drum, das ist eine Anekdote aus der Zeit, als ich noch studiert habe und mein Geld mit dem Verkauf von Fahrrädern verdient habe). Apropos Bielefeld: Schon am 15. Juni bin ich wieder in meiner alten Heimat, weniger in Bielefeld, aber in Gütersloh. Dort halte ich einen Vortrag zu (wer hätte das gedacht) Personalgewinnung und Social Media, Titel: „Mit Social Media dem Fachkräftemangel trotzen“. Aber ich schweife schon wieder ab.

Also die Polizei. Genauer gesagt die Polizei Niedersachsen. Gleich zweimal vertreten auf Facebook. Einmal mit einer Seite für Öffentlichkeitsfahndung (!) und seit gut zwei Wochen jetzt mit einer Karriere-Page. Und die verblüfft nicht nur mit einem gelungenen Layout (Gestaltungsempfehlungen für Karriere-Pages nahezu mustergültig umgesetzt :-)), sie konnte innerhalb der kurzen Zeit auch schon knapp 900 Fans um sich versammeln. Woher die kommen? Nun, beispielsweise wurde die Seite entsprechend intern promotet (was meinen Eindrücken zufolge in sehr vielen Fällen einfach nicht oder zu wenig gemacht wird) und es gab Pressemeldungen in der lokalen Presse. Auch erfolgt eine prominente Verlinkung auf der Website der Polizeiakademie selbst. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, es aber keineswegs ist. Schauen Sie sich nur mal die mittlerweile über 130 Karriere-Pages auf Facebook (mit vielen Neuzugängen – eben bspw. die Polizei Niedersachsen, der Sicherheitsdienst Securitas (!) oder die LBS) und die dazu gehörigen Unternehmens-Websites an und Sie werden verstehen, was ich meine. Zum Aufbau der Community und zur Aktivierung potenzieller Bewerber werden selbstverständlich auch die Facebook-Ads genutzt, so Christian Cernak, einer der Page-Initiatoren und -Administratoren. Klar, bietet doch kaum ein vergleichbares Medium (gibt es überhaupt eins?) wie die Facebook-Ad die Möglichkeit, derart zielgruppengerecht zu werben. Und das im Verhältnis zu vielen anderen Methoden sehr kostengünstig. Banner mit wenigen Klicks erstellen, Reichweite einfach auf die passende Altersgruppe und Stadt/Region/Einzugsgebiet Kreis zuschneiden, fertig ist das passende Werbetool. Und gebracht hat alleine diese Maßnahme mehrere Hundert Fans. Wie man die Facebook-Ads nutzen kann, hat seinerseits recht gut Eva von Online-Recruiting.net in einer mehrteiligen Serie beschrieben. Wenn Facebook auch immer wieder gut für eine Überraschung ist, hat sich doch im Wesentlichen nichts geändert. Also Evas Tipps befolgen oder einfach mal ein bisschen rumprobieren ;-)

Karriere-Page der Polizei Niedersachsen auf Facebook

Karriere-Page der Polizei Niedersachsen auf Facebook

Was aber war die Intention für so eine Karriere-Page? Die Polizei auf Facebook – da wird der eine oder andere mit dem Kopf schütteln und sich fragen, was das Ganze soll. Nun, die Antwort liegt natürlich auf der Hand: Auch die Polizei ist auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs. Und auch da sagt man sich, wir müssen dort sein, wo die Zielgruppe ist. Und die ist bekanntlich zunehmend auf Facebook. Und Facebook wird ja zunehmend auch fürs Personalmarketing genutzt. Wenn das Ganze auch noch nicht überall angekommen ist, die Entwicklung lässt sich klar erkennen.

Mittlerweile gibt’s mehr als 18 Millionen Facebook-User alleine in Deutschland. Und die Hauptzielgruppe der 15 bis 29jährigen macht alleine gut 60 % der Nutzer aus. Da sollte wohl auch der ein oder andere Aspirant dabei sein, der die Polizistenlaufbahn einschlagen will. Und ich muss sagen, die Seite macht durchaus Lust auf mehr. So gibt es Infos über die Einsatzbereiche mit der Möglichkeit, sich direkt zu bewerben. Auch erfolgt eine Vorstellung von Mitarbeitern aus dem Polizeidienst. Die Vorstellungsrunde steht allerdings erst am Anfang und wird sukzessive fortgesetzt. Übrigens könnte Ihr Profil dort auch stehen – vorausgesetzt, Sie sind bei der Polizei Niedersachsen oder in der hiesigen Polizeiakademie.

Wahl des gewünschten Verwendungsbereiches mit Möglichkeit der Bewerbung

Wahl des gewünschten Verwendungsbereiches mit Möglichkeit der Bewerbung

Auch die Resonanz unter den Fans ist durchaus positiv: Schon kamen erste Anfragen nach den Voraussetzungen für eine Polizeilaufbahn herein, die auch (vorbildlich!) zeitnah beantwortet wurden.

Nachdem es bereits seit Februar eine Arbeitsgruppe zu Facebook gab und die Führung und auch das Innenministerium ihr Okay gaben, stand dem Projekt nichts mehr im Wege, welches als Konzept der Nachwuchswerbung von der Polizei-Akademie gemeinsam mit einer Agentur umgesetzt wurde. Man darf gespannt sein, wie die Seite weiterhin aufgenommen wird, aber ich sehe da dadurch aus Potenzial. Vor allem, wenn sich die Seite noch mehr dem Dialog öffnet. Bisher ist die Wall nämlich nicht für Statusmeldungen der User freigeschaltet, nur Kommentare sind möglich. Interessanterweise ist aber das Diskussionsforum aktiviert. Meiner Meinung nach eine interessante Möglichkeit, Infos zu clustern und zielgerichtet aufzufinden (sie gehen nicht im Newsfeed unter und können nach Themengebiet aufgerufen werden), die auf Karriere-Pages nur sehr selten genutzt wird. Klar, der Großteil der Interaktion spielt sich nun mal auf der Wall ab. Trotzdem, wenn wirklich jemand spammen oder trollen will, kann er das auch im Forum oder in den Kommentaren. Übrigens: Beleidigende Inhalte können durchaus geahndet werden ;-)
Aber die die Polizei Niedersachsen kann ja durchaus schon  Facebook-Erfahrung vorweisen. Denn bereits seit Februar ist die Seite der Polizeidirektion Hannover online. Die erste Facebook-Page zu Öffentlichkeitsfahndung, die sehr erfolgreich ist und schon erste Fahndungserfolge zeitigte. Ohnehin geht die Polizei Niedersachsen sehr innovative Wege. So werden jetzt Geier für die Leichensuche eingesetzt. Also kann Herr Zimmermann – respektive Czerne bald einpacken :-)?

Was meinen Sie? Bewerberansprache per Facebook? Freue mich über Kommentare!

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