Recruiter Slam – Philosophie und Poesie statt blutiger Nasen

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Würde man versuchen, den Begriff Recruiter Slam zu übersetzen, käme da wohl etwas Blutiges raus. Unweigerlich kommt einem ein Bild von sich (oder aber zu-)schlagenden Recruitern in den Sinn. Zumindest aber durch-schlagen müssen diese sich in der Tat des Öfteren. Durch einen Dschungel von Bewerbungen beispielsweise. Obwohl: Die werden ja wegen des Fachkräftemangels immer weniger. Ich kann Sie aber beruhigen: Blutige Nasen und gebrochene Kiefer gab es nicht beim weltweit ersten Recruiter Slam in Stuttgart.

Stattdessen gab es Poetisches und Philosophisches. Leidenschaftliche Personaler, die ihren Job für nichts auf der Welt eintauschen würden und mit der Peitsche dem Bewerber einheizen, Zuhälter aus Holland, wahre Philosophen (gibt’s das im Recruiting? Ja, das gibt’s! Bzw. den), Bewerber Superman und pubertierende Punisher, die Tinder zum Recruiting einsetzen. Oder so.

Überhaupt spielt sich das jetzt alles auf Tinder ab. Keiner schreibt mehr Bewerbungen. Tinder ist der Schlüssel zum glücklichen Kandidaten. Und mit ein bisschen Glück kommt sogar noch ein One Night Stand dabei raus. Klar, Bewerber müssen auf Herz und Nieren geprüft werden. Und die Hosen müssen sie ohnehin runter lassen im Vorstellungsgespräch. Warum also nicht noch einen Schritt weiter gehen?

Recruiter slammen im Arbeitsalltag

Aber zurück auf Anfang. Rumschlagen (also „slammen“) müssen sich die geschundenen Recruiter auch anderweitig: Mit irgendwelchen Vorschriften und Vorgesetzten, die keine Notwendigkeit sehen, Budget für Personalmarketingmaßnahmen freizugeben. Oder gar eine ganze Stelle für Recruitingaktivitäten zu schaffen. Mit Verantwortlichen aus Marketing und Unternehmenskommunikation, die zwar keine Ahnung von Bewerberansprache haben, aber wissen, in welcher Farbe und in welcher Ecke das Unternehmenslogo zu sitzen hat. Und letztendlich müssen Sie sich natürlich auch noch in den Kampf um die heiß begehrten Talente stürzen. Als Sieger aus dem Ring geht der hervor, der die beste Strategie und die schlagendsten Argumente hat. Ja, Recruiting ist schon ein tougher Job und nichts für Zartbesaitete. Insofern kam so eine Veranstaltung also gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Eins hatten nicht nur die 300 Gäste, sondern auch die sechs (eigentlich sieben, aber ich zähle das Opferlamm mal nicht dazu) Slammer gemeinsam: Sie wussten nicht wirklich, was sie erwartete. Bekannt war eigentlich irgendwie nur, dass die Protagonisten jeweils 10 Minuten Zeit hatten, irgendwie irgendwas mit Bezug zum Thema Recruiting zu performen.

HR ist cool und kann was

Wie kommt man eigentlich auf die Idee zu einem solchen Recruiter Slam?Eigentlich ziemlich spontan, hat mir Michael Witt erzählt. Er war mit Tobias Meinold (Kultureservoir Biberach) unterwegs und schwer beeindruckt von den von Tobi organisierten Poetry Slams. So was müsste doch auch irgendwie für Recruiting bzw. Recruiter funktionieren, dachte er sich und konnte auch Tobi für diese Idee begeistern. Michaels ursprüngliche Intention:

„Ich wollte Recruiter herausfordern, sich zu batteln um damit den Besuchern aufzuzeigen das Unternehmen unterschiedlich sind. Einfach mal den Spieß umdrehen und mal die Recruiter sich selbst bewerten lassen. Entertainment. Kann HR auch. Abstauben. Raus aus dem Graue-Maus-Image. HR is cool. Rockt und kann was!“

Und, kann HR was? Sind Recruiter cool? Je nach dem. Auf jeden Fall sind die, die angetreten waren, alles andere als graue Mäuse. Eher magentafarben :-)

Da erzählten dann Jan und Tobi von BFFT (aka 2 der Grüne 3) davon, wie sie Tinder fürs Recruiting genutzt haben und versuchten dabei, das Publikum dazu zu animieren, ihnen Begriffe zuzurufen bzw. auf Schilder zu schreiben, die sie dann in ihre Performance einzubauen versuchten. Klappte nicht ganz, denn erstens war das Publikum nicht so wirklich animiert und zweitens waren die Schilder nicht wirklich leserlich. Nun denn.

Zweiter im Bunde war Martijn Smit, der Erfinder und Macher von Werken.fm aus Hollland, der erzählte, wie er dazu gekommen ist, den Leuten Employer Branding auf die Ohren zu bringen (macht jetzt hier in Deutschland karriereradio.fm). Das Ganze launisch verpackt – der Mann hat echte Entertainer-Qualitäten und füllt sogar ganze Stadien, um Arbeitslosen in Holland den rechten Weg zu weisen. Aber so ein verrücktes Format wie der Recruiter Slam war auch für ihn Neuland.

Ebenso für den dritten im Bunde der ersten Runde. Recruitingphilosophengott oder soll ich sagen Philosophenrecruitinggott? Henrik Zaborowski. Henrik schafft es nicht nur wie kein Zweiter, Recruiting als Philosopie zu betrachten, er verpackt das Ganze auch noch in Poesie. Schiller und Goethe wären vor Neid erblasst. Glücklicherweise mussten die sich wahrscheinlich nie mit solchen Themen herumschlagen. Nach Henriks Performance, für die es Standing Ovations und Bestnoten gab (das Publikum durfte Noten von 1 bis 10 vergeben – ich hatte es mit einer 98 versucht, kam aber nicht damit durch und musste mich dann für die 9 entscheiden),

stand schnell fest, dass das schwer zu toppen war. Und immer noch ziehe ich den Hut vor soviel Genie. Nicht nur virtuell, denn dieses Mal hatte ich mich dem Anlass entsprechend mit einer hippen Kopfbedeckung auf die Veranstaltung gewagt.

Ute Neher von der Telekom, die einfach nur Ute war und immer bleiben wird (was sie unglaublich sympathisch machte), Bernd Schmitz von Bayer, der mit dem unvermeidlichen Tretroller und eigens für diesen Zweck angefertigten Karikaturen angereist war (sehr sehenswert im Übrigen)

und Robindro Ullah, der in die Rolle des Bewerbers im Jahr 2042 geschlüpft war und nicht nur mit einer tollen Siri-Performance, sondern auch mit gestähltem Körper im Superman-Outfit und Basecap glänzte,

machten dann das Slammer-Team voll.

Das letzte Wort der Jury hatten die Profi-Poetry-Slammer von AnKlang aus Biberach (die den Abend über eine super Performance mit intelligenten Texten und interessanten Arrangements (Rap trifft Geige) ablieferten).

And the Recruiter Slam-Winner is…

Diese bestätigten das Urteil des Publikums: Henrik Zaborowski wurde aufgrund seines fulminanten Auftritts mit dem goldenen Recruiter Slam-Mikro ausgezeichnet.

Als besonderes Goodie gab es dann von mir noch eine Freikarte für das nächste aus der Art schlagende HR-Event: personalmarketing2null & friends in Wiesbaden. Ein Netzwerktreffen für aufgeschlossene Personaler, die raus aus ihren verstaubten Büros und es der Recruiterwelt zeigen wollen und darüber hinaus das Herz auf dem rechten Fleck tragen. Hier kommt zusammen, was zusammengehört.

Oder, um es mit Henriks Worten auszudrücken:

„Doch wer vermag am besten
Menschen und ihre Talente einzuschätzen?

Das kann man inzwischen alles online testen
Und ich schlage vor, sich miteinander zu vernetzen.

Und ehrlich zu sein, zeig mir, wer du bist.
Ich bin sicher, auch ohne Show bist Du ganz wunderbar.

Und was du bei dir an Fähigkeit vermisst.
Ist beim anderen im reichen Maße da.

Und umgekehrt – weißt Du, dass wir einander brauchen?
Wir sind für Gemeinschaft geschaffen!“

Henrik ist übrigens auch in Wiesbaden dabei und hat mir verraten, dass er seine Karte verlosen will. Also, Augen auf!

Chapeau an alle Beteiligten!

Bleibt mir zum Abschluss nur zu sagen: Tolles Format! Chapeau, Michael Witt, Chapeau an das Team vom Kultureservoir und von AnKlang. Und natürlich Chapeau an die sieben Freiwilligen, die sich super geschlagen haben. Und zu guter Letzt Chapeau an die 300 Gäste, die sich eingefunden haben, obwohl sie nicht ansatzweise die leiseste Ahnung von dem hatten, was sie erwartet. Wer nicht dabei war, hat definitiv was verpasst. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Und bis es soweit ist, schauen wir uns einfach in Wiesbaden an, wie sich die diesjährigen Sponsoren beim Sponsoren-Slam bei #pm20af so schlagen. Ich bin gespannt.

Also, bis bald in Wiesbaden!

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