05. Juni 2026
Die AfD-Regierungsprogramme und ihre Folgen für HR & Recruiting
Lesezeit: 14 Min.
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Es ist Anfang 2027. Bei der letzten Landtagswahl hat die rechtsextreme AfD die absolute Mehrheit errungen und regiert nun in Sachsen-Anhalt – mit weitreichenden Folgen für Unternehmen, HR und Recruiting. Wagen wir einen Ausblick auf das, was uns erwartet, wenn die “Regierungsprogramme” Realität werden und wir nicht endlich ins Handeln kommen.
Was es für HR und Recruiting bedeutet, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt regiert
Kathrin R. leitet seit acht Jahren die Personalabteilung eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens in Halle (an der Saale). Das Unternehmen hat 430 Beschäftigte, darunter 35 mit ausländischem Pass: Ingenieure aus Indien, Monteure aus Polen, Produktionshelfer aus Afghanistan und eine Softwareentwicklerin aus der Ukraine, die seit 2023 im Unternehmen ist.
Vor drei Wochen kam Olena M. zu Kathrin ins Büro. Sie hatte einen Brief der Ausländerbehörde dabei. Darin stand, dass ihr Schutzstatus, wie der aller ukrainischen Staatsangehörigen in Sachsen-Anhalt, einer Jahresüberprüfung unterzogen wird. Sollte die Landesregierung die Sicherheitslage in der Ukraine für hinreichend verbessert erklären, würde die Grundlage für ihren Aufenthalt erlöschen. Dann fragte Olena, ob sie im Sommer kurz nach Kiew fliegen dürfe, um ihre Mutter zu besuchen. Kathrin musste ihr erklären, dass das nicht möglich ist. Denn wer als ukrainischer Schutzberechtigter in seine Heimat reist, verliert laut der rechten Landesregierung sofort seinen Status. Olena muss sich also entscheiden, ob sie ihre Mutter sehen oder ihren Job behalten möchte. Kathrin hat ihr das erklärt. Seitdem redet Olena kaum noch.
Auf Kathrins Schreibtisch liegt außerdem die Ablehnung eines Förderantrags. Das für das Frühjahr geplante Diversity-Training wurde unter Verweis auf die neue Richtlinie „Förderpolitik ohne Regenbogen” abgelehnt. Auch das Welcome Center in Magdeburg, über das sie in den letzten Jahren drei internationale Fachkräfte gewonnen hat, wurde geschlossen, da die Landesregierung die Förderung nicht verlängert hat. In dem Erlass heißt es, dass Sachsen-Anhalt keine Willkommenskultur für Zuwanderer, sondern eine „Verabschiedungskultur“ brauche.
Und wenn jetzt das Telefon klingelt, ist das nicht mehr der Recruiting-Dienstleister oder ein hoffnungsfroher Bewerber. Es ist der Betriebsrat. Oder einer der polnischen Monteure, der fragt, ob er – obwohl er EU-Bürger ist – wirklich noch eine Zukunft im Land hat. Sie erhält Anrufe von der Geschäftsführung, die wissen will, was man jetzt noch tun darf, wenn man eine neue Stelle ausschreiben will, ohne die verbleibenden Förderungen zu verlieren. Und von einem der afghanischen Produktionshelfer, der ihr sagt, dass er sich in der Kantine nicht mehr wohlfühlt – weil die Kommentare lauter geworden sind, seitdem die rechtsextreme AfD das Land in Grund und Boden regiert.
Kathrin weiß nicht, was sie antworten soll. Sie fragt sich, wie sie mit der wachsenden Polarisierung umgehen soll. Und wenn die nächste Stelle besetzt werden soll, schaut sie auf einen stetig schrumpfenden Bewerbermarkt – und auf eine politische Umgebung, die das aktiv befördert.
Sie fragt sich, ob sie überreagiert und ob sich das alles wieder geben wird. Aber das wird es nicht.
AfD-“Regierungsprogramme” betreffen Personalarbeit im Kern
Das klingt alles wie ein schlechter Traum?
Klar, in keinem deutschen Bundesland regiert die AfD heute allein. Aber was dieser Artikel beschreibt, ist keine Fiktion.
Er ist das Resultat der Lektüre zweier öffentlich zugänglicher Dokumente, in denen die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern (beide Landtagswahlen im September 2026) ihre Absichten offenlegt.
Wer wirklich wissen will, was passieren würde, wenn diese Partei regiert, muss einfach nur ihre “Regierungsprogramme” lesen. Die Ansagen stehen schwarz auf weiß drin – klar, explizit und mit Überschriften versehen. Und wir dürfen an dieser Stelle auch nicht verschweigen, dass einiges von dem oben Geschilderten bereits heute Realität ist – dem Programm einer rechtskonservativen Bundesregierung bzw. einzelner Bundesländer geschuldet. Mit der rechtsextremen AfD käme es allerdings noch dicker.
All diese Vorhaben betreffen HR direkt. Und das nicht etwa am Rande, sondern im Kern.
Keine Fachkräfte aus dem Ausland, keine Diversity
Unter der Überschrift „Folgeprobleme vermeiden, auf kulturfremde Fachkräfte verzichten!” formuliert das Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt auf den Seiten 36 und 37 die Position, dass internationale Arbeitsmigration nicht die Antwort auf den Fachkräftemangel sei. Kulturfremde Fachkräfte trügen demnach sogar zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels bei.

Ausländische Fachkräfte als Problem, nicht als Lösung
Unter der Überschrift „Technisierung, Digitalisierung und KI statt kulturfremder Fachkräfte!” (S. 37) heißt es ausdrücklich, Automatisierung sei zu bevorzugen, da ausländische Beschäftigung grundsätzlich als Problem und nicht als Lösung gilt. Diese Strategie soll nicht nur zur Auflösung von Engpässen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt beitragen, sondern dazu dienen, die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte zu vermeiden.

Das Programm von Mecklenburg-Vorpommern formuliert es etwas zurückhaltender, kommt aber zum gleichen Ergebnis: Arbeitsmigration sei „kein Ersatz für die Aktivierung inländischen Potenzials” und Fachkräfteeinwanderung nur dort zulässig, „wo alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind” (S. 14 des „Regierungsprogramms“ der Rechtsextremen in Mecklenburg-Vorpommern).

Welcome Center in Sachsen-Anhalt werden abgeschafft
Hinzu kommt, dass die Welcome Center, über die viele Unternehmen in Sachsen-Anhalt internationale Fachkräfte gefunden und beim Ankommen begleitet haben, abgeschafft werden sollen. Auch das Landesprogramm zur Förderung einer Willkommens- und Anerkennungskultur für Zugewanderte soll gestrichen werden. Stattdessen, so das Programm wörtlich (S. 34), brauche Sachsen-Anhalt eine „Verabschiedungskultur für illegale Zuwanderer“. Recruiting-Abteilungen, die auf diese Infrastruktur angewiesen sind, verlieren damit nicht nur politische Rückendeckung, sondern auch die konkreten Dienstleistungen, die sie heute nutzen.
Was diese Programme konkret bedeuten, lässt sich nicht wegdiskutieren. Unternehmen, die heute selbstverständlich international ausschreiben, würden dies gegen den erklärten Willen einer Regierung tun, die gleichzeitig über Förderprogramme, Vergaberecht und Verwaltungsermessen auf Unternehmen einwirken kann. Der politische Signaleffekt wäre enorm – und er träfe nicht nur das wirtschaftsschwächste Bundesland Deutschlands, sondern eine Region, die schon heute beim Beschäftigungswachstum fast ausschließlich auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist.
Sachsen-Anhalt würde ohne ausländische Fachkräfte zusammenbrechen
Was häufig untergeht: Wer hier die Tür schließt, schließt sie nicht vor einer abstrakten Zuwanderungsstatistik. Er schließt sie vor der Pflegerin, die nachts die Frühchenstation betreut, und vor dem Arzt, der die einzige Praxis im Landkreis offenhält.
Die Pflege bricht als Erstes zusammen
Pflege- und Gesundheitsberufe zählen in Sachsen-Anhalt zu den größten Engpassbereichen auf dem Arbeitsmarkt. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juni 2024 rund 2.400 ausländische Beschäftigte in Gesundheits- und Altenpflegeberufen tätig – ein Plus von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ganze ist kein regionales Randphänomen, sondern spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Laut IW-Kurzbericht 71/2024 sank im Jahr 2023 die Zahl der deutschen Beschäftigten um 77.000, während der Beschäftigungszuwachs ausschließlich von ausländischen Fachkräften getragen wurde. In der Gesundheits- und Krankenpflege gab es dem Bericht zufolge zudem für mehr als sieben von zehn offenen Stellen bundesweit keinen passend qualifizierten Arbeitslosen.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt für Ostdeutschland im längeren Zeitverlauf, dass der Anstieg der Gesamtbeschäftigung zwischen 2015 und 2024 fast ausschließlich auf Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zurückgeht. Und das, obwohl die Altersstruktur dort wesentlich ungünstiger ist als im Westen und der Anteil ausländischer Fachkräfte gleichzeitig deutlich niedriger liegt.
Unternehmen hätten mit AfD-Regierung ein existenzielles Problem
Die Idee, dass KI und Automatisierung Intensivpflege oder hausärztliche Versorgung ersetzen könnten, ist – freundlich ausgedrückt – keine ernsthafte Antwort auf den Versorgungsnotstand. Unternehmen, die diese Fachkräfte beschäftigen oder auf sie angewiesen sind, hätten bei einer Umsetzung dieser Programmpunkte ein existenzielles Problem. Was die menschenfeindliche Politik der AfD für die Gesundheitsversorgung der Menschen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bedeuten würde, muss ich, glaube ich, nicht weiter ausführen.
Mit der AfD ist die Gleichstellung in Sachsen-Anhalt Geschichte
Auch die Gleichstellung ist mit der AfD in Sachsen-Anhalt Geschichte. So soll die Funktion der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen aus dem Hochschulgesetz gestrichen werden (S. 69); Kommunen sollen gesetzlich nicht mehr verpflichtet sein, Gleichstellungsbeauftragte zu ernennen (S. 124). Im Hochschulbereich sollen alle staatlichen Programme zur Förderung speziell von Frauen eingestellt und alle Frauenquoten außer Kraft gesetzt werden. Das Ziel der Gleichstellung soll aus dem Hochschulgesetz gestrichen und durch den Begriff der Gleichberechtigung ersetzt werden. Dahinter verbirgt sich die Überzeugung, dass strukturelle Benachteiligung nicht existiert und deshalb keine strukturellen Maßnahmen benötigt werden.
Oder, um es mit den Worten der rechtsextremen Partei zu sagen: Die aktuell gepflegte Gleichstellungspolitik sei „das genaue Gegenteil von Gleichberechtigung, denn sie arbeitet mit der systematischen Privilegierung von Frauen und diskriminiert gezielt Männer.”
Für HR-Verantwortliche, die mit öffentlichen Einrichtungen kooperieren, Fördermittel beantragen oder Nachwuchs aus Hochschulen gewinnen möchten, bedeutet dies, dass ihr institutioneller Ansprechpartner für Gleichstellungsfragen ersatzlos gestrichen wird. Die Strukturen, die über Jahre hinweg mühsam aufgebaut wurden, werden per Verordnung aufgelöst.
Keine Förderung von Diversity-Programmen mehr
Im Kapitel Wirtschaft (S. 94 des „Regierungsprogramms“ der AfD in Sachsen-Anhalt) werden Diversitätsziele explizit als „wirtschaftsfremde Ideen” bezeichnet. Das Ergebnis sei “eine Wirtschaftspolitik, die der Wirtschaft Steine in den Weg legt und dafür sorgt, dass unsere Wirtschaft hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt.”

Hinzu kommt ein Passus aus dem kommunalpolitischen Teil desselben Programms: Unter dem Titel „Förderpolitik ohne Regenbogen” (S. 124) heißt es, die Vergabe von Fördermitteln dürfe sich nicht mehr danach richten, ob Antragstellende Genderziele erreichen oder andere Anforderungen der – Zitat – „perversen Regenbogenagenda” erfüllen.

Demokratische Bildung verliert ihre Finanzierung
Dazu passt, dass Weiterbildungsanbieter, die eine demokratische Unternehmenskultur fördern, DEI-Trainings durchführen oder politische Bildung anbieten, keine Fördermittel mehr erhalten sollen. Auf AfD-Deutsch: Förderprogramme sollen „entideologisiert” werden (S. 137). Wer Landesmittel erhalten will, muss demnach nachweisen, dass er keine „wirtschaftsfremden Ideen” verfolgt. Was als wirtschaftsfremd gilt, definiert dabei eine AfD-Regierung.

Was das AfD-“Regierungsprogramm” für die Belegschaft von Unternehmen bedeutet
Die Frage ist nicht nur, was diese Programme für die Personalgewinnung bedeuten. Vielmehr stellt sich die Frage, was sie mit den Menschen machen, die bereits jetzt im Unternehmen beschäftigt sind.
Politisches Klima verändert das Betriebsklima
Dass das politische Klima das Betriebsklima verändert, ist keine These, sondern durch Studien belegt. So hat bspw. die Gesicht-Zeigen!-Studie „Unternehmen in Verantwortung” ergeben, dass rund 32 Prozent der Beschäftigten extremistische Einstellungen am Arbeitsplatz beobachtet haben und weniger als jeder fünfte dieser Fälle überhaupt eine Reaktion im Unternehmen hervorruft. Wenn das politische Umfeld bestimmte Abwertungen nicht nur duldet, sondern aktiv vollzieht – wenn der Staat also signalisiert, dass Kollegen mit Migrationsgeschichte als „kulturfremde Fachkräfte” gelten –, dann ermutigt das diejenigen in jeder Belegschaft, die schon immer der Meinung waren, dies auch offen äußern zu dürfen.
Politische Polarisierung ist bereits in den Unternehmen angekommen
Das ist in Ostdeutschland bereits heute sichtbar: In ostdeutschen Unternehmen wird laut IW Personalpanel/IW-Report 14 /2026 Migrationspolitik mit 61,9 Prozent deutlich häufiger in der Belegschaft diskutiert als in westdeutschen Unternehmen (40,7 Prozent). Auch die Spaltung der Parteienlandschaft ist mit 46,8 Prozent gegenüber 32,0 Prozent ein weit häufigeres Gesprächsthema. Die politische Polarisierung ist also bereits jetzt in den Unternehmen angekommen.
Die AfD würde mit ihren “Regierungsprogrammen” die Rahmenbedingungen für eine weitere Verschärfung setzen.
Wenn der Job am Aufenthaltstitel hängt
Der Abschnitt „II. Einwanderung und Remigration“ macht das AfD-Programm für bestehende Belegschaften in Sachsen-Anhalt noch konkreter (S. 33): Alle Schutzanerkennungen sollen unter der rechtsextremen Regierung einer jährlichen Überprüfung unterzogen werden, mit dem erklärten Ziel, die Grundlage für die Rückkehr in die Herkunftsländer zu schaffen. Und wer als Schutzberechtigter in sein Herkunftsland reist – um Verwandte zu besuchen oder nachzusehen, ob das Elternhaus noch steht –, verliert seinen Status sofort. Unternehmen, die solche Menschen beschäftigen, können diese Situation nicht auflösen: Ihre Mitarbeitenden müssen sich zwischen familiären Bindungen und dem Aufenthaltsrecht und damit ihrem Job entscheiden.

Qualifizierte Fachkräfte werden das Land verlassen
Die Konsequenz ist absehbar. Laut der DeZIM-Studie „Ablehnung, Angst und Abwanderungspläne – Die gesellschaftlichen Folgen des Aufstiegs der AfD“ spielt bereits heute mehr als ein Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund bei einer AfD-Regierungsbeteiligung im eigenen Bundesland mit dem Gedanken, wegzuziehen. 12,5 Prozent haben sogar konkrete Pläne.
Was HR-Abteilungen in Regionen mit starkem rechtsextremen Milieu schon heute erleben, würde sich damit drastisch verschärfen: Internationale Fachkräfte, die mühsam gewonnen wurden, lesen die Nachrichten, erleben am eigenen Leib, was es bedeutet, „nicht deutsch” zu sein – und ziehen Konsequenzen. Andere, die überlegten, nach Deutschland zu kommen, besinnen sich eines Besseren.
Mit der Folge, dass Stellen unbesetzt bleiben und die Wirtschaft und damit die Gesellschaft leidet.
Und Beschäftigte ohne Migrationsgeschichte, die in einem weltoffenen Betrieb arbeiten wollen, merken, dass das Versprechen ihrer Arbeitgebermarke nicht mehr zur gesellschaftlichen Realität passt.
Betrieblicher Zusammenhalt und gesellschaftliche Demokratiestabilität sind eng miteinander verbunden
Das WSI der Hans-Böckler-Stiftung zeigt die andere Seite dieses Zusammenhangs. Beschäftigte mit starker Mitbestimmung entwickeln seltener negative demokratische Einstellungen. Wer im Betrieb erlebt, dass seine Stimme zählt, trägt dieses Erleben nach außen. Betrieblicher Zusammenhalt und gesellschaftliche Demokratiestabilität sind eng miteinander verbunden.
Dieser Zusammenhang wird auch im IW-Report 14/2026 “Gesellschaftspolitische Spannungen am Arbeitsplatz” auf Unternehmensebene deutlich: Beschäftigte, die sich Sorgen um die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens machen, nehmen häufiger einen negativen Einfluss gesellschaftspolitischer Diskussionen auf das Betriebsklima wahr. Wirtschaftliche Unsicherheit wirkt somit als Konfliktkatalysator – und das weit über ökonomische Fragen hinaus.
Ein Arbeitsmarkt, der in wenigen Jahren noch knapper, noch weniger vielfältig und noch schlechter qualifiziert ist als heute
Ergebnis dieser Politik wäre ein Arbeitsmarkt, der in wenigen Jahren noch knapper, noch weniger vielfältig und noch schlechter qualifiziert ist als heute.
Wer sich dann fragt, warum der Fachkräftemangel explodiert ist, findet die Antwort in den “Regierungsprogrammen” der rechtsextremen Partei von 2026.
Das alles klingt weltfremd und verstörend? Das ist es auch. Aber tatsächlich sind all diese Aspekte nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Menschen und Unternehmen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erwartet. Insgesamt umfasst das “Regierungsprogramm” der AfD Sachsen-Anhalt 156 Seiten, das Programm für Mecklenburg-Vorpommern 94 Seiten – zusammen also 250 Seiten rechtsextreme, demokratie- und menschenverachtende Ideologie.
250 Seiten, die HR und Recruiting an vielen weiteren Stellen direkt betreffen.
Was Unternehmen jetzt tun können
Die beiden Landtagswahlen finden im September 2026 statt. Was danach kommt, ist offen. Es wäre jedoch eine gefährliche Selbsttäuschung, zu glauben, diese Frage gehe Personalabteilungen nichts an, nur weil sie in Bayern, Hessen oder Nordrhein-Westfalen sitzen. Lieferketten, Standortentscheidungen, Kooperationspartner, Bewerber aus der Region – all das ist miteinander verknüpft. Was in einem Bundesland passiert, endet nicht an der Landesgrenze.
Wer Demokratie will, muss sie gestalten
Und es gibt etwas, das Personalabteilungen tun können. Nicht etwa als politische Akteure, die Wahlkampf machen, sondern als Personalverantwortliche, die wissen, was sie gestalten wollen: Verlässlichkeit, Vielfalt, die Fähigkeit, Menschen aus verschiedenen Hintergründen anzusprechen und zu halten, strukturelle Fairness sowie ein Klima, in dem jeder einen Beitrag leisten kann.
Diese Werte sind keine ideologische Position, sondern der Kern moderner Personalarbeit. Sie sind jedoch gefährdet, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen in die beschriebene Richtung verschieben.
Unternehmen gelten als vertrauenswürdiger als Regierung, Medien und Zivilgesellschaft
Dabei haben Unternehmen eine Ressource, die häufig unterschätzt wird. In Deutschland gelten sie als vertrauenswürdiger als Regierung, Medien und Zivilgesellschaft zusammengenommen. Gerade diejenigen, die sich von politischen Akteuren entfremdet haben, vertrauen Unternehmen besonders stark. Wer dieses Vertrauen nutzt, um demokratische Werte im Betrieb zu verankern, erreicht genau die Menschen, die über andere Kanäle kaum noch erreichbar sind.
78 Prozent der Beschäftigten wollen demokratische Werte in der Unternehmenskultur verankert sehen
Laut der Gesicht-Zeigen!-Studie wollen 78 Prozent der Beschäftigten in Deutschland demokratische Werte in der Unternehmenskultur verankert sehen. Die Mehrheit ist schon da. Sie wartet nur darauf, dass jemand die Führung übernimmt.
Machen Sie den Anfang?
HR4Democracy – HR für Demokratie & Freiheit
„Schweigen ist Zustimmung.“ Dieser Satz gilt im Privatleben genauso wie im Unternehmen. Und er gilt in dem Moment, in dem sich Personalabteilungen und Führungskräfte fragen, ob sie das alles etwas angeht. Willi Graf, Mitglied der Weißen Rose, hat es noch schärfer formuliert: „Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung.“ Nicht die Politik. Nicht die Gesellschaft.
Sondern jede und jeder selbst.
#HR4Democracy ist eine Initiative für Personaler, Führungskräfte und Recruiter, die diese Verantwortung nicht länger ignorieren wollen. Die Demokratie und Werteorientierung nicht als Sonntagsrede, sondern als praktische Aufgabe verstehen: in Einstellungsprozessen, in Onboarding-Programmen, in Führungsleitlinien und in Betriebsvereinbarungen. Die Haltung zeigen und sich für demokratische Werte einsetzen.

Wer wissen möchte, wie das konkret aussieht, ist herzlich zum nächsten „DemokratieDonnerstag” und in die LinkedIn-Gruppe „HR4Democracy” eingeladen. Hier tauschen wir uns zu solchen Fragen aus, ohne auf den nächsten Wahlausgang zu warten.
Sehen wir uns dort?
Anmerkung: Aus grundsätzlichen Überlegungen heraus wird kein direkter Link zu den “Regierungsprogrammen” gesetzt. Eine Google-Suche führt aber schnell zum Ziel.