Demokratie-Euro für Demokratie leben: Was HR tun kann, wenn der Staat die Förderung kürzt

Lesezeit: 17 Min. HRHR4Democracy

Bundesfamilienministerin Karin Prien streicht mehr als 200 Projekten die Förderung aus dem Programm „Demokratie leben!”. Betroffen sind unter anderem die Amadeu Antonio Stiftung, HateAid, Correctiv, der BUND und die Bildungsstätte Anne Frank – also genau die Organisationen, die seit Jahren die Arbeit leisten, die Unternehmen und ihre HR-Abteilungen heute dringender brauchen denn je.

Sie beraten zum Umgang mit Rechtsextremismus am Arbeitsplatz, sie unterstützen Beschäftigte, die im Netz angegriffen werden, sie bilden Führungskräfte aus und sie liefern die Recherchen, auf deren Grundlage Personalverantwortliche überhaupt erst verstehen, mit welchen Phänomenen sie es zu tun haben.

Organisationen, von denen auch Personalarbeit profitiert, verlieren ihre Förderung

Das Geld wird nicht insgesamt gestrichen. 191 Millionen Euro stehen weiterhin im Bundeshaushalt für „Demokratie leben!” bereit. Es soll allerdings umverteilt werden: weg von spezialisierten zivilgesellschaftlichen Trägern und hin zu Schulen, Sportvereinen, Feuerwehren und Bibliotheken. Prien begründet das mit dem Ziel, die „stille Mitte” der Gesellschaft besser zu erreichen, und spricht von einem notwendigen Schritt zu mehr „Pluralismus”.

Was sie nicht sagt, ist, dass ausgerechnet diejenigen Organisationen ihre Förderung verlieren, die über Jahre eine Expertise aufgebaut haben, auf die auch die freiwillige Feuerwehr im ländlichen Raum zurückgreift, wenn sie mit rechtsextremen Vorfällen konfrontiert ist. Diese Expertise lässt sich nicht in zwölf Monaten an anderer Stelle replizieren.

Alarmsignal aus der gesamten Breite der Zivilgesellschaft

Wie groß der Widerstand gegen den geplanten Umbau ist, zeigt ein offener Brief, den über 1.050 zivilgesellschaftliche Organisationen, Verbände und Einzelpersonen an die Ministerin gerichtet haben. Bemerkenswert ist dabei vor allem, wer ihn unterschrieben hat. Es sind eben nicht nur die unmittelbar betroffenen Träger, sondern auch genau jene Akteure, auf die Prien angeblich umverteilen möchte. Greenpeace und der WWF haben unterschrieben, ebenso der Württembergische Landessportbund, Kolping Deutschland, die Katholische Landjugendbewegung, Caritas-Verbände, evangelische Kirchenkreise, Diakonie-Einrichtungen, Sportjugendverbände und der Bundesvorstand der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

Diese Organisationen unterschreiben also quasi gegen ihren eigenen vermeintlichen Vorteil – eben, weil sie wissen, dass sie die spezialisierten Träger nicht ersetzen können, sondern als Partner brauchen. Wenn ein Sportbund-Präsident gemeinsam mit Amnesty International, foodwatch und Wikimedia gegen Priens Pläne protestiert, dann ist das ein Alarmsignal aus der gesamten Breite der Zivilgesellschaft.

Arbeit der betroffenen Organisationen eng mit Personalarbeit verknüpft

Wer denkt, die Streichung sei ein Thema für die Politik und nicht für die Personalabteilung, unterschätzt, wie eng die Arbeit der betroffenen Organisationen mit dem Alltag von HR verzahnt ist. Die Studie „Unternehmen in Verantwortung!” von Gesicht Zeigen! liefert dazu sehr klare Zahlen. Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland hat bereits rechtsextreme Einstellungen am Arbeitsplatz wahrgenommen. In weniger als jedem fünften dieser Fälle wurde anschließend gehandelt. Gleichzeitig wünschen sich rund 78 Prozent der Beschäftigten, dass Demokratie, Wertschätzung und Respekt feste Bestandteile der Unternehmensstrategie sein sollten.

Genau die Organisationen, die HR braucht, verlieren ihre Förderung

Die Bereitschaft ist also vorhanden, was fehlt, sind die Strukturen. Und genau diese Strukturen liefern die Organisationen, denen Prien jetzt die Mittel entzieht.

  • HateAid berät Beschäftigte und Führungskräfte, die im Netz Ziel von Hass und digitaler Gewalt werden, und finanziert in geeigneten Fällen sogar die Prozesskosten für eine zivilrechtliche Auseinandersetzung.
  • Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt Unternehmen mit Fortbildungen und Beratung im Umgang mit rechtsextremen Vorfällen.
  • Correctiv liefert die journalistischen Recherchen, ohne die viele Unternehmen gar nicht wüssten, mit welchen Akteuren und Strategien sie es zu tun haben.
  • Die Bildungsstätte Anne Frank schult pädagogische und auch betriebliche Fachkräfte im Umgang mit Antisemitismus und Rassismus.

Wenn diese Strukturen wegfallen, stehen Unternehmen ohne professionelle Partner da. Und das ausgerechnet in einer Phase, in der die AfD bei Landtagswahlen Rekordergebnisse einfährt und die Polarisierung in vielen Belegschaften deutlich zunimmt.

HR absorbiert die Konflikte längst – aber ohne Mandat und ohne Rückendeckung

Die Metaplan-Studie „Unter Strom” dokumentiert, dass HR-Teams diesen Druck längst spüren. Sie absorbieren polarisierte Konflikte zwischen Beschäftigten, sie moderieren zwischen unterschiedlichen Wertvorstellungen, sie versuchen, Eskalationen zu verhindern. Und sie tun das in der Regel ohne formales Mandat und ohne fachliche Unterstützung von außen.

Wer jetzt die Organisationen schwächt, die genau diese Unterstützung bereitstellen, schwächt auch Unternehmen und ihre Personalabteilungen.

Alle drei Tage ein dokumentierter Angriff auf die Zivilgesellschaft

Wie wichtig diese Organisationen für die Zivilgesellschaft sind, zeigt auch ein ganz aktueller Bericht der Amadeu Antonio Stiftung. Ihr Ende März veröffentlichter Sicherheitsreport „Feindbild Zivilgesellschaft” dokumentiert für das Jahr 2025 insgesamt 112 Angriffe auf demokratisch engagierte Initiativen, Vereine und Einzelpersonen in Deutschland. Im Schnitt bedeutet das jeden dritten Tag einen dokumentierten Angriff, von Bedrohungen und Sachbeschädigungen über öffentliche Diffamierungskampagnen bis hin zu körperlichen Übergriffen.

Die Stiftung weist zugleich auf eine erhebliche Dunkelziffer hin. Der Befund wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zeitpunkt der Streichungen:

Während die Angriffe auf die Zivilgesellschaft messbar zunehmen, schwächt die Bundesregierung ausgerechnet jene Strukturen, die sich diesen Angriffen seit Jahren professionell entgegenstellen.

36 Anfragen in den Landesparlamenten, 13 im Bundestag – wie CDU und AfD die Demokratiearbeit aushöhlen

Dass die aktuellen Streichungen nicht aus dem Nichts kommen, lässt sich inzwischen empirisch belegen. Die Recherche-Plattform FragDenStaat hat alle parlamentarischen Anfragen ausgewertet, die sich in den vergangenen Jahren mit „Demokratie leben!” befasst haben. Das Ergebnis ist aufschlussreich. Zwischen Januar 2020 und Februar 2026 wurden in den Landesparlamenten mindestens 36 schriftliche Anfragen zu dem Programm gestellt. 26 davon stammten von der rechtsextremen AfD, sieben von der rechtskonservativen CDU.

Im Bundestag haben AfD-Abgeordnete allein in der laufenden Legislaturperiode, also in deutlich weniger als einem Jahr, 13 Anfragen eingereicht, die sich auf das Programm beziehen. Hinzu kommen die viel diskutierten 551 Fragen der Union vom Februar 2025 zur „politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen”. Einige der Träger, die damals namentlich genannt wurden, verlieren jetzt ihre Förderung.

FragDenStaat fasst die eigene Auswertung in einem Satz zusammen, der schwer zu entkräften ist: Priens Streichungen seien

„das Ergebnis einer seit Jahren geführten Kampagne gegen Demokratiearbeit in Deutschland”.

Das Muster, so die Recherche, sei dabei immer dasselbe. Erst werde ein Vorwurf etabliert, dann würden Organisationen und ihre Mitarbeitenden namentlich angegriffen, und am Ende stehe die staatliche Förderung in Frage. Was ursprünglich als Negativkampagne der politischen Rechten begann, wird nun durch eine CDU-Ministerin politisch umgesetzt.

Wenn die AfD sagt, es reiche ihr „bei weitem nicht aus”

Bezeichnend ist auch, wie die AfD selbst auf die Streichungen reagiert hat. Martin Reichardt erklärte in der Aktuellen Stunde des Bundestags zum Thema, die Kürzungen reichten ihm „bei weitem nicht aus”, das Programm müsse „gänzlich abgeschafft” werden. Wenn die AfD signalisiert, dass ihr eine Maßnahme der Bundesregierung nicht weit genug geht, sollte das den Verantwortlichen in Union und SPD eigentlich zu denken geben.

IW-Studie zeigt: Unternehmen brauchen genau die Träger, die jetzt wegfallen

Die Streichungen sind nicht nur politisch, sondern auch sachlich fragwürdig. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und der TU Dresden zum CEO-Aktivismus liefert dazu einen interessanten Befund. Die Forscher haben untersucht, was passiert, wenn Unternehmensvorstände sich öffentlich und direkt gegen die AfD positionieren. Das Ergebnis ist eindeutig: Solche Stellungnahmen erzeugen einen messbaren Backlash mit einem Vertrauensverlust gegenüber dem positionierenden Unternehmen.

Was empirisch dagegen wirkt, sind strukturelle indirekte Maßnahmen wie Bildungsangebote, Beratungsstrukturen und langfristige Netzwerkarbeit.

Genau jene Arbeit also, die die spezialisierten Träger über Jahre aufgebaut haben und die jetzt weggestrichen wird.

Wenn Unternehmen gemäß der IW-Studie auf strukturelles, indirektes Engagement angewiesen sind, dann brauchen sie professionelle Partner, die genau diese Arbeit leisten können, etwa bei

  • Beratung im Umgang mit rechtsextremen Vorfällen,
  • Fortbildungen für Führungskräfte,
  • Begleitung bei digitaler Gewalt,
  • Bildungsangeboten für Auszubildende.

Es sind die Amadeu Antonio Stiftung, HateAid, die Bildungsstätte Anne Frank und ihresgleichen, die Unternehmen diese Form von wirksamem Engagement überhaupt erst ermöglichen. Wer ihnen die Förderung entzieht, schwächt nicht nur die Zivilgesellschaft. Er nimmt der Wirtschaft die Partner, die sie für genau jene Strategie braucht, die nachweislich funktioniert.

Entscheidung vor der Evaluation: Politik statt Evidenz

Hinzu kommt, dass die Evaluation des Programms, die nach dem Koalitionsvertrag eigentlich abgewartet werden sollte, noch gar nicht vorliegt. Sie wird erst im Sommer 2026 erwartet. Prien entscheidet also, bevor die Ergebnisse auf dem Tisch liegen, ob die geförderten Projekte ihre Ziele erreichen oder nicht. Das ist nicht evidenzbasiert, sondern politisch motiviert.

Und es widerspricht, wie der offene Brief der über 1.050 Unterzeichnenden zu Recht feststellt, „den Prinzipien von Vertrauen und Respekt gegenüber den auf dem Feld tätigen Akteuren”.

Eine Lücke, die HR und Geschäftsführung gemeinsam füllen können

Wenn der Staat sich aus der Demokratieförderung zurückzieht, eröffnet sich für Unternehmen die Möglichkeit, diese Lücke zumindest teilweise zu schließen.

Nicht als Ersatz für staatliche Verantwortung, sondern als Signal, dass die Wirtschaft sehr wohl versteht, auf welchem Fundament ihr Erfolg steht – nämlich auf dem Boden der liberalen Demokratie.

Die Gesicht-Zeigen!-Studie zeigt im Übrigen, dass fast ein Viertel der privatwirtschaftlichen Entscheider sich die „Unterstützung gemeinnütziger Vereine” als Engagementform ohnehin schon wünscht.

 

“Demokratie-Euro” an die betroffenen Organisationen stärkt die Zivilgesellschaft

Der konkreteste Schritt, den HR und Geschäftsführung gemeinsam morgen gehen können, besteht darin, eine regelmäßige Spende an eine oder mehrere der betroffenen Organisationen einzurichten.

Das ist keine Großspende, kein Sponsoring-Vertrag, kein langwieriges CSR-Programm, sondern ein Dauerauftrag, der in der Buchhaltung kaum auffällt und gleichzeitig genau die Strukturen stützt, die gute Personalarbeit im Tagesgeschäft benötigt.

Engagement für Demokratiearbeit kostet weniger als eine einzige Stellenanzeige

Eine Größenordnung, die sich erfahrungsgemäß gut kommunizieren lässt, ist ein Euro pro Mitarbeiter und Monat. Bei einem Unternehmen mit 100 Beschäftigten ergibt das bspw. eine Jahressumme von 1.200 Euro.

  • Das ist weniger als der Preis einer einzigen Stellenanzeige auf den großen Jobportalen, die mitunter deutlich mehr kosten.
  • Das ist nur ein Bruchteil der Kosten, die eine einzige Fehlbesetzung verursacht.

12 Millionen „Demokratie-Euro“ für die Zivilgesellschaft, wenn 0,3 Prozent aller Unternehmen mitmachen

Hochgerechnet ergibt sich daraus eine eindrucksvolle Wirkung. Auch wenn der Begriff „Demokratie-Euro” ursprünglich aus dem NoAfD-Fonds stammt, auf den ich weiter unten noch zurückkomme, lässt sich die Idee, jeden von der AfD in Wahlkämpfe investierten Euro mit einem „Demokratie-Euro” aus der Zivilgesellschaft zu kontern, ohne Weiteres auf die Logik dieses Artikels übertragen.

Ein Beispiel: Wenn nur 10.000 deutsche Unternehmen, also gerade einmal 0,3 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, einen Euro pro Beschäftigtem und Monat in die Demokratieförderung stecken würden, kämen bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 100 Mitarbeitenden rund 12 Millionen Demokratie-Euro pro Jahr zusammen. Das entspricht ungefähr der gesamten Jahresfinanzierung der Amadeu Antonio Stiftung. Mit der gleichen Logik ließen sich auch HateAid, die Bildungsstätte Anne Frank oder andere kleinere Träger problemlos absichern.

Prävention statt Philanthropie: Welche Folgen Nicht-Handeln für die Personalarbeit hat

Es ist deshalb wichtig, das nicht als Philanthropie zu framen, sondern als Prävention zu verstehen. Denn Nicht-Handeln hat ebenfalls sehr konkrete Kosten, die in HR-Abteilungen oft erst dann sichtbar werden, wenn es zu spät ist.

  • Beschäftigte verlassen Arbeitsumgebungen, in denen rechtsextreme Äußerungen unwidersprochen bleiben.
  • Die psychologische Sicherheit in Teams sinkt, mit messbaren Folgen für Krankheitstage und Produktivität.
  • Internationale Fachkräfte meiden Unternehmen und ganze Regionen, in denen sie kein klares Bekenntnis zu demokratischen Werten erkennen. Die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zur Fachkräfteabwanderung aus Regionen mit hohen AfD-Wahlergebnissen sprechen eine sehr deutliche Sprache.

Vor diesem Hintergrund ist ein Euro pro Kopf und Monat keine Ausgabe, sondern eine Investition in genau die Standortfaktoren, die HR sonst mühsam und teuer verteidigen muss.

Steuerlicher Rahmen für Unternehmensspenden

Wie eine Spende steuerlich behandelt wird, hängt zunächst davon ab, in welcher Rechtsform ein Unternehmen geführt wird. Für Kapitalgesellschaften wie GmbH, AG oder UG ist die Sache vergleichsweise einfach. Sie können Spenden an gemeinnützige Organisationen direkt vom zu versteuernden Einkommen abziehen, und zwar entweder bis zu 20 Prozent des Einkommens oder alternativ bis zu 4 Promille der Summe aus Umsätzen, Löhnen und Gehältern, je nachdem, welcher der beiden Werte höher ist. Geregelt ist das in § 9 Abs. 1 Nr. 2 des Körperschaftsteuergesetzes. Wer in einem Jahr mehr spendet, als diese Höchstgrenze zulässt, kann den überschießenden Betrag als Spendenvortrag zeitlich unbegrenzt in die folgenden Jahre übertragen.

Bei Personengesellschaften wie OHG, KG oder GbR und bei Einzelunternehmen gilt eine andere Logik. Spenden lassen sich hier nicht als Betriebsausgabe des Unternehmens absetzen, weil Personengesellschaften steuerlich nicht selbst Subjekt der Einkommensbesteuerung sind. Stattdessen müssen die Gesellschafterinnen und Gesellschafter die Spende anteilig in ihrer persönlichen Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe geltend machen. Für die meisten HR-Verantwortlichen, die in mittelständischen GmbHs oder größeren Konzernen arbeiten, ist das jedoch eher eine Randnotiz, weil sie ohnehin in einer Kapitalgesellschaft angestellt sind.

Unabhängig von der Rechtsform gilt für den Nachweis: Bis zu einer Spendenhöhe von 300 Euro genügt der Kontoauszug als Beleg gegenüber dem Finanzamt, bei höheren Beträgen stellt die empfangende Organisation eine formelle Zuwendungsbestätigung aus.

Empfehlungen: An wen Unternehmen jetzt sinnvoll spenden können

Im Folgenden eine Auswahl an Organisationen, die unmittelbar oder mittelbar von den Streichungen betroffen sind und Unternehmensspenden annehmen. Alle genannten Träger sind als gemeinnützig anerkannt und stellen Spendenbescheinigungen aus.

Spezialisierte Träger gegen Rechtsextremismus, Hass und digitale Gewalt

Die Amadeu Antonio Stiftung wurde 1998 gegründet und ist die wohl bekannteste deutsche Stiftung im Bereich der Demokratieförderung. Sie unterstützt bundesweit über 1.000 lokale Initiativen und Projekte, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus engagieren. Für Unternehmen besonders relevant ist die jahrzehntelange Erfahrung der Stiftung im Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit am Arbeitsplatz. Spenden sind möglich unter amadeu-antonio-stiftung.de/spenden-und-stiften.

HateAid ist die wichtigste Anlaufstelle für Betroffene digitaler Gewalt in Deutschland. Die gemeinnützige GmbH berät Einzelpersonen und finanziert in geeigneten Fällen die Prozesskosten für zivilrechtliche Verfahren gegen Hass im Netz. Im Juni 2025 wurde HateAid von der Bundesnetzagentur zum Trusted Flagger im Sinne des Digital Services Act ernannt. Für HR-Verantwortliche ist die Organisation insbesondere dann ein Partner, wenn Beschäftigte oder Führungskräfte des eigenen Unternehmens im Netz angegriffen werden. Spendeninformationen finden sich unter hateaid.org/spenden.

Correctiv ist ein gemeinnütziges Recherchezentrum mit Sitz in Essen und Berlin und steht in der Rechtsform einer gGmbH. Die Redaktion hat unter anderem die Recherche zum Treffen von Rechtsextremen in Potsdam veröffentlicht, die im Januar 2024 zu einer der größten Protestbewegungen der letzten Jahrzehnte führte. Correctiv finanziert sich aus einer Mischung von Spenden, Stiftungsgeldern und Erlösen aus der wirtschaftlichen Tochtergesellschaft. Für Unternehmen, die Wert auf evidenzbasierte Informationen über die Strategien rechtsextremer Akteure legen, ist Correctiv eine zentrale Quelle. Spenden über correctiv.org/unterstuetzen.

Bildung, Beratung und Partner für Unternehmen

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main ist von den Prien-Streichungen besonders existenziell betroffen. Die Einrichtung entwickelt seit Jahren innovative Bildungsformate für den Umgang mit Antisemitismus, Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die sowohl Schulen als auch betriebliche Fachkräfte erreichen. Direktor Meron Mendel hat in mehreren Interviews öffentlich gemacht, wie unmittelbar die Streichungen die laufende Arbeit gefährden. Spenden sind möglich über bs-anne-frank.de/spenden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Name in dieser Liste, war aber über Demokratie leben! an Projekten zur gesellschaftlichen Teilhabe und zur demokratischen Kultur im ländlichen Raum beteiligt. Der BUND ist als großer Umweltverband etabliert, gemeinnützig und sehr transparent in seiner Finanzierung. Spenden über spenden.bund.net.

Gesicht Zeigen! – Für ein weltoffenes Deutschland e. V. ist die Organisation, die ich bei HR4Democracy von Anfang an als zentralen Partner verstanden habe. Marco Varnas hat im Januar bei unserer Auftaktsession die Studie „Unternehmen in Verantwortung!” vorgestellt, auf deren Zahlen wir uns seitdem regelmäßig beziehen. Mit dem Programm „United! – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus” wendet sich Gesicht Zeigen! gezielt an Unternehmen und unterstützt sie konkret bei der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Phänomenen am Arbeitsplatz. Spenden über gesichtzeigen.de/spenden.

Opferberatung, Ausstiegshilfe und politische Bildung

Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) ist der bundesweite Dachverband der spezialisierten Opferberatungsstellen. Diese Beratungsstellen sind in vielen Bundesländern die einzige professionelle Anlaufstelle für Menschen, die rechtsextreme Gewalt erlebt haben. Auch hier gilt: Wenn Beschäftigte eines Unternehmens betroffen sind, ist der VBRG häufig die erste sinnvolle Adresse. Informationen zur Unterstützung unter verband-brg.de.

EXIT-Deutschland ist das älteste und bekannteste deutsche Ausstiegsprogramm für Menschen aus der rechtsextremen Szene. Die Organisation arbeitet seit 2000 und wurde vom Kriminologen Bernd Wagner gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung gegründet. EXIT begleitet Aussteigerinnen und Aussteiger über teils mehrere Jahre und ist auch für Unternehmen relevant, etwa wenn es darum geht, Beschäftigte beim Ausstieg aus szenetypischen Strukturen zu unterstützen. Spenden über exit-deutschland.de/spenden.

Das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) ist ein bundesweiter Träger der politischen Bildung, der vor allem mit jungen Menschen arbeitet und seine Bildungsangebote auch in Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben durchführt. Für Unternehmen mit Auszubildenden ist das ein direkt anschlussfähiger Partner. Spenden über netzwerk-courage.de.

Eine Sonderkategorie: Der NoAfD-Fonds für die Landtagswahlen 2026

Eine bewusste Sonderkategorie ist der NoAfD-Fonds, den Campact im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aufgelegt hat. In weniger als einem halben Jahr haben dort über 36.000 Einzelspender bereits rund 1,5 Millionen Euro zusammengetragen, mit dem erklärten Ziel, jeden Wahlkampf-Euro der AfD mit einem Demokratie-Euro zu kontern. Aktuell soll das Volumen auf 2,5 Millionen Euro aufgestockt werden, weil die AfD angekündigt hat, allein in Mecklenburg-Vorpommern eine weitere Million Euro in den Wahlkampf zu pumpen.

Die Hälfte der eingesammelten Spenden fließt an lokale Initiativen und Vereine in den beiden Bundesländern, die zweite Hälfte verwendet Campact für eigene Kampagnen wie Postwurfsendungen, Zeitungsanzeigen oder die Strategisch-Wählen-Aufrufe, mit denen die Organisation 2024 in Sachsen dazu beitragen konnte, dass Grüne und Linke die Sperrminorität der AfD verhindern konnten.

Bevor ich den Fonds in die Empfehlung aufnehme, sind drei Dinge offen anzusprechen.

  • Erstens ist eine Spende an den NoAfD-Fonds steuerlich nicht absetzbar, weil Campact als Trägerin seit 2019 nicht mehr gemeinnützig ist.
  • Zweitens verfolgt der Fonds eine bewusst andere Logik als die strukturellen Träger weiter oben in dieser Liste. Während die Amadeu Antonio Stiftung, HateAid oder die Bildungsstätte Anne Frank langfristig und strukturell an Bildung, Beratung und Prävention arbeiten, ist der NoAfD-Fonds eine ausdrücklich oppositionelle Wahlkampagne, die sich namentlich gegen eine politische Partei richtet.
  • Drittens passt diese Logik nicht zu jeder Unternehmenskultur, und sie steht in einer gewissen Spannung zu der IW-Köln-Erkenntnis, dass direktes politisches Engagement im Zweifel Backlash erzeugt.

Die HR4Democracy-Linie war von Anfang an, sich für Demokratie und Freiheit zu positionieren, statt oppositionell gegen eine bestimmte Partei. Allerdings sehr wohl gegen Rechtsextremismus und (neu)rechte Narrative.

Trotzdem hat der Fonds seinen Platz in dieser Übersicht, und zwar aus einem einfachen Grund. Wenn Unternehmen den Fonds nicht über die Geschäftskasse unterstützen wollen oder können, gibt es immer noch eine zweite Ebene, die für HR4Democracy seit Beginn zentral ist: die individuelle Verantwortung.

Spenden über campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds/.

Jeder HR-Verantwortliche kann auch privat spenden!

Jede HR-Verantwortliche, jede Führungskraft und jeder Beschäftigte kann unabhängig vom Arbeitgeber und unabhängig von der Frage der Steuerabzugsfähigkeit privat spenden. Im offenen Brief gegen Prien stehen 1.052 Unterzeichnende, davon ein erheblicher Teil als Privatpersonen. Diese Ebene des persönlichen Engagements lässt sich nicht delegieren, und sie war schon im Januar Teil des Auftakts von HR4Democracy, als ich auf das Willi-Graf-Zitat zurückgriff, dass jeder Einzelne die ganze Verantwortung trägt. Wer den NoAfD-Fonds unterstützen möchte – was ich eindringlich empfehle – kann das hier tun: campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds. Eine Spendenbescheinigung gibt es zwar nicht, eine politische Wirkung im konkreten Wahlkampf voraussichtlich sehr wohl.

Strukturen erhalten, bevor sie verschwinden

Die Streichung der 200 Projekte wird zum Jahresende wirksam. Die betroffenen Organisationen können sich ab 2027 unter neuen Förderrichtlinien neu bewerben, allerdings weiß bisher niemand, wie diese Richtlinien aussehen werden, und die Überbrückungsfinanzierung ist für die meisten Träger schlicht nicht gesichert.

Jede Spende, die jetzt eingeht, sichert Arbeitsplätze, Beratungsstrukturen und genau die fachliche Expertise, die sonst über Jahre verloren gehen würde, bevor sie sich überhaupt wieder aufbauen ließe.

Ein Demokratie-Euro pro Mitarbeiterin oder Mitarbeiter und Monat.

Das ist weniger als eine einzige Stellenanzeige, weniger als die Folgekosten einer einzigen Fehlbesetzung – und doch sehr viel mehr als ein bloßes Statement.

Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung.

Auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser.

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Moin! Ich bin Henner Knabenreich. Als Recruiting-Aktivist und Arbeitgebermarkenauftrittsoptimierer helfe ich Unternehmen, mit einer wertschätzenden und menschenzentrierten Ansprache passende Mitarbeiter zu finden. Mein Fokus: Karriereseiten, Stellenanzeigen und eine Bewerbungsarchitektur, die aus Interessenten Bewerber macht. Mein Wissen teile ich auch als Speaker, Personalmarketing-Coach, Berater und als Fachbuchautor der weltweit ersten Bücher über Karriereseiten und Google for Jobs. Ich hinterfrage den Status quo, lege gern den Finger in die Wunde und sage, was ich denke – und nicht, was alle hören wollen. Sie möchten mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, eine wirklich funktionierende Karriereseite aufbauen, suchen einen Sparringspartner für Employer Branding oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Dann kontaktieren Sie mich gern per E-Mail oder LinkedIn – ich freue mich auf Sie!
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