Corona-Krise: Arbeitgeber lassen Bewerber im Dunkeln tappen

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Vor kurzem hatte ich darüber berichtet, dass nur ein geringer Prozentanteil der Stellenanzeigen auf StepStone darüber Aufschluss liefert, ob Unternehmen trotz Corona-Krise einstellen und wie möglicherweise der Bewerbungsprozess in Corona-Zeiten abläuft. Nun ist StepStone ja durchaus kein unbedeutender Player, dennoch tummeln sich weit mehr Jobbörsen in Deutschland (wie viele es genau sind, das weiß keiner). Daher bin ich mit index Marktforschung der Sache genauer auf den Grund gegangen: 130 Jobbörsen und 198 Printmedien wurden in Bezug auf Corona, Corona-Krise, Covid-19 und andere Begriffe ausgewertet. Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft (und wenig schmeichelhaft ist wahrlich noch schmeichelhaft ausgedrückt).

“Jetzt braucht man sich gar nicht zu bewerben, die Unternehmen haben eh Besseres zu tun, als zu rekrutieren.” So oder so ähnlich haben in den letzten Wochen viele potenzielle Bewerber gedacht und denken es noch heute. Klar, die Medien sind voll von Schlagzeilen über Kurzarbeit und Entlassungen. Dennoch, es gibt sie: Unternehmen, denen es trotz oder auch wegen der Corona-Krise und Covid-19 prächtig geht. Die allen Unkenrufen zum Trotz weiter einstellen – und das mitunter nicht zu knapp. Das Problem: Sie kommunizieren es nicht!

Entwicklung des Jobmarktes in Zeiten der Corona-Krise

Wie wenig Arbeitgeber es tatsächlich kommunizieren, das wollte ich genau wissen. Sicherlich, die Auswertung bei einer großen Stellenbörse wie StepStone war schon verstörend genug, aber natürlich nicht repräsentativ. Oder doch?

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir einen starken Partner gesucht: index Marktforschung. Der Anbieter erfasst mit seinem Tool index Anzeigendaten täglich geschaltete Stellenanzeigen aus Online-Jobbörsen, von Unternehmens-Websites sowie aus Zeitungen und Zeitschriften. Mit über 38 Millionen Stellenanzeigen im Jahr ist index Marktforschung in diesem Segment Marktführer in Europa. Wer so viel Marktdurchblick hat, ist der perfekte Kooperationspartner für eine entsprechende Auswertung, für die ich mich auch an dieser Stelle noch mal herzlich bedanken möchte!

Ganz im Vorbeigehen haben wir nicht nur ermitteln können, wie viel Unternehmen in Stellenanzeigen generell auf das Thema Corona bzw. Covid-19 eingehen, wir haben zudem auch noch sehen können, wie sich das Stellenanzeigenaufkommen zwischen März und Mai entwickelt hat. Untersucht haben wir den Jobmarkt von März, April und Mai 2020. Ausgewertet wurden 130 Jobbörsen (darunter StepStone, indeed, stellenanzeigen.de, Jobware, Monster, XING, LinkedIn, sogar eBay-Kleinanzeigen u. v. m.) sowie 198 Printmedien.

Fangen wir also mit den guten Nachrichten an.

Aufkommen der Stellenanzeigen zeigt nach deutlicher Delle einen zarten Hoffnungsschimmer

Tatsächlich hat sich das Aufkommen der Stellenanzeigen mit Eintritt der Corona-Krise drastisch verschlechtert. Während im Zeitraum März 2020 noch über 507.000 Stellenanzeigen von 80.940 Firmen erfasst wurden, waren es im April nur noch 361.761 von 60.446 Firmen. Das entspricht einem Rückgang von fast 30 Prozent bei den veröffentlichten Stellenanzeigen und von gut 25 Prozent bei den ausschreibenden Firmen gegenüber dem Vormonat. Aber es gibt einen zarten Hoffnungsschimmer: Im Vergleich zu April ist die Anzahl der Ausschreibungen im Mai wieder um fast 2 Prozent auf 368.346 Stellenanzeigen gestiegen. Und bei den ausschreibenden Firmen sind es mit 67.052 sogar rund 11 Prozent mehr. Wenn das kein Anlass zur Freude ist!

Stellenanzeigen in Zeiten von Corona - Gesamtvolumen

Erhält der Bewerber in Stellenanzeigen Informationen über den Umgang mit der Corona-Krise?

Schauen wir mal, inwieweit die Freude anhält. Denn wir wollten ja wissen, inwiefern die Unternehmen Transparenz zeigen und darüber informieren, dass sie trotz Corona einstellen und wie die Bewerbungsprozesse ablaufen. Dazu wurden die Anzeigen von index u. a. nach folgenden Begriffen durchsucht (es waren noch mehr, alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen):

  • corona*
  • covid
  • coronakrise*
  • coronavirus*
  • corona_pandemie*
  • trotz_corona
  • We are still Hiring
  • Auf_Grund_der_Corona

Hier einige Beispiele, mit denen Unternehmen Einstellungen bzw. Bewerbungsprozesse im Kontext der Corona-Krise thematisieren:

  • “sicherer Job in Zeiten von CORONA
  • “Saisonstart nach Covid 19.”
  • “Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hinsichtlich COVID-19 müssen wir Sie leider darauf hinweisen, dass sich unser Bewerbungsprozess etwas verzögern wird.”
  • “We are still Hiring! Trotz des Covid-19-Virus lassen wir unseren Wachstumskurs nicht stagnieren. Wir suchen und onboarden auch weiterhin neue Teammitglieder – on remote!
  • “Auch während der Corona-Krise stellen wir weiter ein.”
  • “Wir möchten unsere Kandidatensuche nach Verzögerung durch die Corona-Krise auffrischen: “
  • “Die Bewerbungsfrist wurde wegen der CORONA Krise verlängert!”
  • “Wir halten unsere Recruiting-Prozesse auch während der Corona-Krise aufrecht.”
  • “Trotz der aktuellen Corona-Krise bieten wir Ihnen einen sicheren Arbeitsplatz!”
  • “Wir stellen trotz der Corona-Krise ein!”

In diesem Artikel finden Sie weitere Beispiele und Hinweise zur Optimierung Ihrer Stellenanzeigen.

Auch mit “Kurzarbeit” wird geworben

Als Schmankerl obendrauf wurde noch analysiert, ob Unternehmen den Begriff “Kurzarbeit” einsetzen, um damit zusätzliche Anreize bei davon betroffenen Menschen zu schaffen. Hier gab es bspw. Formulierungen wie

  • Kurzarbeit? Berufsunterbrechung? Freistellung?  Unterstütze die Versorgung in den Seniorenhäusern!”
  • “Sie suchen in dieser schweren Zeit nach einem sicheren Arbeitgeber, der auf volle Auftragsbücher zurückgreifen kann und daher nicht auf Kurzarbeit umstellt?”
  • “Ihr seid Studenten ohne Vorlesung oder seid von Kurzarbeit betroffen? Dann meldet euch bei uns-wir können helfen.”
  • “Alle reden von Kurzarbeit? WIR nicht!”
  • “Sie sind in Kurzarbeit, aber wollen sinnvoll arbeiten? Wir suchen genau Sie!”

Positive Entwicklung bei Stellenanzeigen erkennbar

Insgesamt ist grundsätzlich bei der Berücksichtigung der Corona-Krise in Stellenanzeigen ein positiver Trend auszumachen, wie folgende Auswertung zeigt.

Corona-Krise: Arbeitgeber lassen Bewerber im Dunkeln tappen 1 Stellenanzeigen in Zeiten von Corona Anteil total am Gesamtvolumenn

Während bspw. der Begriff “Corona” im März nur in 3.007 Stellenanzeigen auftauchte, waren es im April bereits 7.649. Im Mai stieg der Wert dann sogar auf 9.149. Drastischer war die Entwicklung beim Begriff “covid”, was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass dieser Begriff im weiteren Zeitverlauf bekannter wurde und an Bedeutung gewann. Während es im März nur 485 Stellenanzeigen waren, die den Begriff beinhalteten, waren es im Mai 5.355. Einen wahren Höhenflug erfuhren auch Begriffe wie “Coronavirus” oder “Corona-Pandemie”, deren Nutzung sich von März bis Mai auf 11.785 Stellenanzeigen mehr als versechsfacht hat. “We are still hiring” hingegen hat sich nie durchgesetzt und auch der Begriff “Coronakrise” hat in Stellenanzeigen offenbar die besten Tage hinter sich. Im Stellentitel selbst wurde die Corona-Krise im März mit 430 Anzeigen von 112 Firmen und im April mit 539 Anzeigen von 125 Firmen gewürdigt.

Nimmt das Bewusstsein für Formulierungen hinsichtlich Corona in Stellenanzeigen zu?

Halten wir also fest: Ja, es kommt im Bewusstsein der Menschen an, die fürs Recruiting zuständig sind, dass es sinnvoll ist, in Stellenanzeigen und auf der Karriereseite Bezug auf Corona zu nehmen. Es ist ein deutlicher Anstieg der Nutzung von im Kontext der Stelle bzw. des Bewerbungsprozesses stehenden Begriffe zu sehen. Das ist allerdings nur der Blick auf die Anzahl der Stellenanzeigen total.

Corona-Krise in Stellenanzeigen insgesamt gesehen ohne Bedeutung

Jegliche Euphorie schwindet, wenn wir die Anzahl der Stellenanzeigen, die Corona und Covid etc. im Text berücksichtigen ins Verhältnis setzen zur Gesamtzahl der ausgeschriebenen Stellen. Diese Zahlen sind nämlich nicht nur wenig schmeichelhaft, sie sind schlicht desaströs! Um das sichtbar zu machen, habe ich die x-Achse bewusst auf 100 Prozent ausgelegt.

Stellenanzeigen in Zeiten von Corona - Anteil in % am Gesamtvolumen

So machen selbst die meistgewählten Begriffe wie “Coronavirus” u. Ä. nicht einmal 3,2 Prozent am Gesamtvolumen aller im Mai in 130 Jobbörsen und 198 Printmedien veröffentlichten Stellenanzeigen aus. Selbst wenn wir jetzt alle Begriffe aufaddieren würden (was mathematisch und inhaltlich natürlich unsinnig ist, aber der Versuch ist, das Beste herauszuholen und diese Schande möglichst kleinzuhalten), selbst wenn wir das also tun würden, so kämen wir auf nicht einmal 9 Prozent!

Großteil der Arbeitgeber lässt Bewerber hinsichtlich des Umgangs mit Corona im Dunkeln tappen

Nicht einmal 9 Prozent aller im Monat Mai veröffentlichten Stellenanzeigen geben potenziellen Bewerbern also Aufschluss darüber, ob es sich lohnt, sich zu bewerben, oder nicht. Wobei diese Werte sich nur auf extern veröffentlichte Stellenanzeigen beziehen. Nicht auf die von Karriereseiten!

Und, das ergab seinerzeit meine Stichprobe bei StepStone: Zwar wurde in einigen der dort veröffentlichten Stellenanzeigen auf den Bewerbungsprozess im Rahmen von Corona hingewiesen. Auf den Karriereseiten selbst war aber nur ein Bruchteil der Arbeitgeber so schlau, das ebenfalls zu tun.

Ich glaube, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Handeln Sie jetzt, bevor es zu spät ist und holen Sie sich hier gerne weitere Inspirationen. Verunsicherte Bewerber werden es Ihnen danken!

TIPP: So einfach landen Ihre (natürlich “für Corona optimierten” Stellenanzeigen bei Google for Jobs – und beim Bewerber! >> Hier klicken! <<

Übrigens: Wie es mit dem Recruiting in Zeiten von Corona ausschaut, erfahren Sie in dieser aufschlussreichen Analyse!

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Über den Autor

Corona-Krise: Arbeitgeber lassen Bewerber im Dunkeln tappen 3 Henner Knabenreich personalmarketing2nullHallo, ich bin Henner Knabenreich. Seit 2010 schreibe ich hier über Personalmarketing, Recruiting und Employer Branding. Stets mit einem Augenzwinkern oder den Finger in die Wunde legend. Auf die Recruiting- und Bewerberwelt nehme ich nicht nur als HR-Blogger maßgeblich Einfluss, auch als Autor, als Personalmarketing-Coach, als Initiator von Events wie der HR-NIGHT oder als Speaker hinterlasse ich meine Spuren in der HR-Welt. Sie wollen mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, haben Interesse an einem Karriere-Website-Coaching, suchen einen Partner oder Berater für die Umsetzung Ihrer Karriere-Website oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Ob per E-Mail, XING, LinkedIn oder Twitter - sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Sie!


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  1. Charly sagt:

    Interessant und fundiert, Henner. Aber liegt das Problem nicht eigentlich darin, dass – ganz unabhängig von Corona – Stellenanzeigen nur veröffentlicht sein sollten, wenn auch wirklich beabsichtigt ist zu besetzen? Wenn kein Bedarf, keine Veröffentlichung. Kein Bedarf mehr, offline nehmen.

    Auf unserer Karriereseite sind jedenfalls ausschließlich Positionen geposted, die wir auch besetzen wollen. Das gilt vor, während und nach Corona.

Was meinen Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

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