SEA, SEO, Google for Jobs – DAX-Unternehmen patzen im Recruiting

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 8 Minuten.

Der „Hype“ um Google for Jobs sei wohl vorbei, las ich neulich auf LinkedIn. Nun, von einem „Hype“ kann wohl kaum die Rede sein, schlafen die Unternehmen der Republik weiter vor sich hin und lassen ungeahnte Potenziale links liegen. Schließlich nutzen immer mehr Menschen Google auch, um nach Jobs zu suchen. Und, viel wichtiger: Auch Nutzer, die gar nicht aktiv auf Jobsuche sind, können nicht nur über Google for Jobs, sondern darüber hinaus über sinnvolle SEO- oder SEA-Maßnahmen zu potenziellen Mitarbeitern werden. Dass das vielen Unternehmen so ziemlich schnuppe ist und man lieber Tausende von Euro in Jobbörsen versenkt, belegt nun eine Untersuchung unter den DAX30.

Schon kurz vor Start von Google for Jobs hatte ich auf das desaströse Agieren der DAX30-Unternehmen in Sachen Google for Jobs hingewiesen und in einer Blitzuntersuchung gezeigt, dass man dort in den HR-Abteilungen lieber wirklich wichtigen Dingen nachgeht – etwa Bewerber durch nutzerunfreundliche Karriere-Websites und Bewerbungsprozesse verprellen – anstatt Potenziale zu nutzen, um zusätzliche Reichweite zu generieren. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Die Unternehmen fahren äußerst erfolgreich eine perfekte Bewerbervermeidungsstrategie.

Die Bedeutung von Google für die Jobsuche

Laut Google nutzen über 70 Prozent der Nutzer die Suchmaschine weltweit auch für die Jobsuche. Tendenz: Steigend. Allein in Deutschland nutzen gemäß einer Studie von Careerbuilder über 50 Prozent der Befragten Google, um gezielt nach Jobs zu suchen. Die Recruiting Trends der Uni Bamberg gehen mit ihrer Untersuchung noch etwas mehr ins Detail: Demnach nutzen 43,3 Prozent der Befragten Google für die Jobsuche, 49,3 Prozent für die Suche nach potenziellen Arbeitgebern und 64,7 Prozent für die Suche nach weiteren Infos über den Arbeitgeber – auch hier mit deutlich steigender Tendenz. Auch bei der Suche nach Ausbildungsteilen hat Google die Nase vorn. Bei Azubi-Bewerbern ist Google der am häufigsten genutzte Kanal: 84,3 Prozent von ihnen nutzen Google „sehr oft“ oder „oft“ zur Suche nach einem Ausbildungsplatz.

All diese Zahlen zeigen (eigentlich) unmissverständlich, dass Google für viele Menschen bei der Jobsuche mittlerweile nahezu unverzichtbar ist. Und in der Folge, wie wichtig es ist, mit der eigenen Karriere-Website respektive seinen Stellenangeboten unter den Top-Suchergebnissen bei Google vertreten zu sein. Denn nur wer auch hier mittels SEO, SEA oder Google for Jobs Präsenz zeigt, wird von potenziellen Bewerbern wahrgenommen bzw. kann auf diese Weise seine Bekanntheit stärken. Und, das kann ich nur noch mal betonen: Das gilt eben nicht nur für diejenigen, die aktiv auf Jobsuche sind, sondern auch für die, die durch Zufall über Ergebnisse stolperten, im Job nicht zufrieden und damit latent wechselwillig sind.

SEO, SEA, Google for Jobs - Unternehmen verschenken massiv Potenziale im Recruiting

SEO von Stellenanzeigen und Karriere-Website erhöht Reichweite bei potenziellen Kandidaten

Nun ist der vermeintliche „Hype“ um Google for Jobs ja das eine. Google bietet weit mehr Potenziale, Mitarbeiter von morgen auf sich aufmerksam zu machen. SEO, also Suchmaschinenoptimierung (SEO steht für Search Engine Optimization), gehört dabei definitiv zu den Hausaufgaben (ein Grund, warum ich diesem Thema ein ganzes Kapitel in meinem Buch Karriere-Websites mit Wow!-Effekt gewidmet habe).

Nicht nur die Stellenanzeigen selbst bieten ein unglaubliches Potenzial in Sachen Sichtbarkeit und Reichweite, sondern auch die Inhalte der Karriere-Website. Vorausgesetzt, man setzt auf Relevanz, sprich relevante Inhalte, die potenziellen Kandidaten einen Mehrwert bieten. Und vorausgesetzt, man schiebt der Auffindbarkeit nicht einen Riegel namens Iframe vor (eine Maßnahme, die dazu führt, dass Ihre Jobs nicht via Google aufgefunden werden. Möglicherweise werden Ihre Jobs dank Google for Jobs trotz Iframe nun doch gefunden. Allerdings nur, wenn Ihr Anbieter von E-Recruiting-Software entsprechend aufgestellt ist. Und da sehe ich ziemlich schwarz für Sie). Übrigens: Nur weil Google for Jobs Ihnen nun eine bisher nie da gewesene Sichtbarkeit beschert und Ihre Stellenanzeige sichtbarer macht, bedeutet das für Sie noch lange nicht, SEO für den Rest Ihrer Karriere-Website nicht minder wichtig zu betrachten!

Karriere-Websites mit Wow!-Effekt: Wie Sie Karriereseiten gestalten, denen kein Bewerber widerstehen kann
  • Henner Knabenreich
  • Herausgeber: Springer Gabler
  • Auflage Nr. 12019 (21.11.2019)

Mit SEA beim Bewerber punkten

Gleiches gilt auch für SEA, also Suchmaschinenmarketing (SEA steht für Search Engine Advertising und meint in diesem Falle das Schalten von Google Ads – früher bekannt als Google Adwords) bietet Unternehmen viele Möglichkeiten, beim Bewerber zu punkten. Vorausgesetzt, man beherrscht das Thema und schafft es, dem Nutzer auch die Inhalte zu bieten, die in den Google Anzeigen versprochen wurden. Aber wie soll das funktionieren, wenn die Unternehmen nicht in der Lage sind, Ihre Stellenanzeigen in der Form einer Landingpage so zu gestalten, dass sich a) dort Inhalte finden, die Lust darauf machen, sich mit selbigen auseinanderzusetzen und b) den Nutzer dann mit einem möglichst einfachen Formular (E-Mail, CV-Upload und/oder Verknüpfung des LinkedIn/XING-Profils oder auch WhatsApp-Verknüpfung) und einem prominent platzierten Jetzt-bewerben-Button zur Bewerbung zu motivieren. Mir ist zumindest so gut wie keine Google Ad bekannt, wo einem Unternehmen das gelungen ist. Meist wird der Nutzer etwa durch eine Karriere-Startseite, auf der er sich dann in den unendlichen Weiten einer schlecht strukturierten Präsenz verliert oder durch eine gähnend langweilig gestaltete Stellenanzeige mit abschreckendem Bewerbungsprozess in die Flucht geschlagen.

Soweit meine leidgeprüfte Erkenntnis. Ja, es gibt Ausnahmen. Aber die sind alles andere als die Regel, auch wenn das die sich gerne gegenseitig auf die Schulter klopfende HR-Blase nicht wahrhaben will. Eine Untersuchung der Universität Paderborn in Zusammenarbeit mit dem Bielefelder SEA-Recruiting-Spezialisten persomatch unterstreicht einmal mehr, dass die Unternehmen in Sachen SEO, SEA und Google for Jobs alles andere als gut aufgestellt sind.

SEO, SEA, Google for Jobs: Unternehmen verschenken massive Potenziale

Folgende Punkte wurden anhand der Auswertungen der jeweiligen Karriere-Websites im Rahmen der Analyse untersucht:

  1. SEA: Haben die Unternehmen auf bestimmte Keywords und Keyword-Kombinationen (Name des Unternehmens, Name+Karriere, Name+Ausbildung, Name+Stellenangebote, etc.) Google-Anzeigen geschaltet?
  2. SEO: Wurden die Online-Stellenanzeigen für Google optimiert? Zeigt also bspw. die Formatierung der Ausschreibung eindeutig, was der Titel und was der Inhalt ist? Gibt es eine sprechende URL? Vermittelt die sogenannte „Meta Description“ alle Informationen, die Google braucht, um Inhalte finden zu können? Ist die Ladezeit der Online-Stellenanzeige optimal und kann sie auch von mobilen Geräten (Smartphones, Tablets) gut gelesen werden?
  3. Google for Jobs: Entspricht die Online-Stellenanzeige den Empfehlungen von schema.org respektive den von Google definierten Standards?

Untersuchungsschema Google-Fitness im Recruiting bei den DAX30 - Quelle Uni Paderborn

Auch wenn meines Erachtens bspw. das angelegte Beurteilungsschema bei SEA etwas zu kurz greift (die geprüften Aspekte würden ja voraussetzen, dass potenzielle Kandidaten das Unternehmen bereits kennen. Ihre Herausforderung ist es aber, genau die Nutzer auf Sie als Arbeitgeber aufmerksam zu machen, die Sie noch gar nicht auf dem Zettel haben! Manche Unternehmen haben das zumindest im Ansatz verstanden, bspw. wenn bei Google eine Anzeige vom TÜV Süd angezeigt wurde, obwohl man ja eigentlich nach Jobs bei Daimler gesucht hatte od. Ä.): Die Erkenntnisse aus dieser Analyse sind erschreckend und zeigen, wie leichtfertig Unternehmen (in diesem Falle die DAX30, die es eigentlich besser wissen sollten) mit Recruiting-Potenzialen umgehen.

Hälfte der DAX30 verzichtet auf SEA im Recruiting

Trotz der zunehmenden Relevanz der Google Ads (diese werden immer oberhalb des blauen Google for Jobs-Container angezeigt, lassen sich zielgruppengerecht ausspielen und haben damit eine noch höhere Sichtbarkeit als der Container selbst) nutzt die Hälfte aller DAX-Unternehmen gar keine Google-Anzeigen (Google Ads), um sich und bzw. offene Stellen zu präsentieren. „Selbst die für die Stellenbesetzung so eingängigen Keyword-Kombinationen wie „Unternehmen + Jobs“ oder „Unternehmen + Stellenangebote“ werden von 27 der 30 DAX-Unternehmen bzw. von 25 der 30 gar nicht beworben„, konstatieren die Autoren.

Hier muss angemerkt werden, dass SEA-Maßnahmen im Gegensatz zu SEO eher temporär, bspw. im Rahmen einer Kampagne, sinnvoll sind. D. h. also, dass zwar zum Zeitpunkt der Analyse möglicherweise keine Ads geschaltet wurden, diese aber zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht online waren bzw. regelmäßig geschaltet werden. SEO-Maßnahmen hingegen oder auch die Präsenz in Google for Jobs ist dauerhaft zu betrachten (und auch auszuwerten).

Jeder macht „ein bisschen“ SEO. Das ist zu wenig

Auch in Sachen SEO werden die Hausaufgaben nicht gemacht. „Jeder macht ein bisschen SEO„, heißt es in der Auswertung. Also mal hier ein Title Tag, da mal eine sprechende URL, hier mal etwas Ladezeitenoptimierung, da mal etwas Mobiloptimierung. Eine alle Facetten umfassende Suchmaschinenoptimierung hingegen sucht man vergeblich. Dabei sind sowohl schnelle Ladezeiten als auch mobil optimierte Seiten bzw. Stellenanzeigen vor dem Hintergrund immer mehr aufs Smartphone starrender Bewerber immens wichtig.

Google for Jobs: Von „Hype“ bei den DAX30 keine Spur

Über das traurige Abschneiden der DAX30 in Sachen Google for Jobs hatte ich bereits an anderer Stelle ausgiebig berichtet. Da liegen viele (und von allen drei Disziplinen am leichtesten zu erfüllende) Potenziale brach. Zudem wird getrickst: Um alle Google-Kriterien zu erfüllen, gibt Siemens etwa ein Gehalt an – allerdings mit 0.

Gehaltsangabe bei Google for Jobs - wer will schon für 0 Euro arbeiten?

Dass das schnell nach hinten losgehen kann (wer will schon für 0 Euro arbeiten?), sei nur am Rande erwähnt.

Google for Jobs: Wie Google den Jobmarkt revolutioniert und Sie im Recruiting profitieren (essentials)
  • Henner Knabenreich
  • Herausgeber: Springer Gabler
  • Auflage Nr. 12019 (22.08.2019)

Analyse zeigt ernüchterndes Bild auf die Recruiting-Bemühungen der DAX30

Insgesamt wirft die Analyse also (wieder einmal) ein sehr ernüchterndes Bild auf die Recruiting-Bemühungen der DAX30. Ein Bild, welches sich ohne Weiteres auch auf den Rest der meisten Unternehmen der Republik übertragen lässt. Die Macher der Analyse gehen davon aus, dass der „Suchmaschinen-Gigant auch im Bereich Jobsuche mittelfristig marktführend wird“ – erste Tendenzen dazu gibt es ja durchaus – und halten das „Ergebnis dieser Studie für nicht nachvollziehbar“. Eine Meinung, der ich mich uneingeschränkt anschließe.

Glücklicherweise gibt es aber Unternehmen, die die Potenziale von SEO, SEA und Google for Jobs im Recruiting erkannt und damit die Nase im Wettbewerb um die Talente weit vorne haben. Gehören Sie dazu?


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Über den Autor

Hallo, ich bin Henner Knabenreich. Seit 2010 schreibe ich hier über Personalmarketing, Recruiting und Employer Branding. Stets mit einem Augenzwinkern oder den Finger in die Wunde legend. Auf die Recruiting- und Bewerberwelt nehme ich nicht nur als HR-Blogger maßgeblich Einfluss, auch als Autor, als Personalmarketing-Coach, als Initiator von Events wie der HR-NIGHT oder als Speaker hinterlasse ich meine Spuren in der HR-Welt. Sie wollen mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, haben Interesse an einem Karriere-Website-Coaching, suchen einen Partner oder Berater für die Umsetzung Ihrer Karriere-Website oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Ob per E-Mail, XING, LinkedIn oder Twitter - sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Sie!


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