Facebook Jobs sagt Spam den Kampf an und bietet jetzt Schnittstelle zu E-Recruiting-Software

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Alle Welt spricht von Google for Jobs. Okay, bis auf die meisten Unternehmen in Deutschland, die leider wieder einmal den Anschluss an etwas wirklich Großes verpassen. Tatsächlich hat Facebook mit seinem Jobboard wohl eher den Nerv der Nutzer getroffen, zumindest wenn man sich anschaut, was da mittlerweile gepostet wird. Dennoch spricht kaum einer drüber. Oder ist das nur wieder dieser uns alle betreffende Filterblaseneffekt? Wie auch immer, es tut sich was bei Facebook. Schließlich will sich Mark Zuckerberg von Google for Jobs nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Ob ihm das gelingt?

Wie so oft muss ich wohl auch hier wieder etwas weiter ausholen, sind doch einige Monate ins Land gegangen, seitdem ich über Facebook Jobs und seinen Deutschlandstart berichtet habe und ich weiß nicht, ob Sie es schon wussten: Auch auf Facebook lassen sich Jobs schalten. Und man kann sich sogar direkt dort bewerben – und mal ganz ehrlich: Wen schert schon eine total unpraktikable DSGVO?

Ebend. Und deswegen nutzen viele Unternehmen, insbesondere aber Zeitarbeitsfirmen, Kleinstunternehmen und Multi-Level-Marketing-Anbieter Facebooks eigene Jobbörse, um ihre mehr oder weniger seriösen Jobs an den Mann, respektive die Frau zu bringen.

Was ist Jobs on Facebook (Facebook Jobs)?

Facebook Jobs ist die Jobbörse von Facebook. Also ein Bereich innerhalb des Facebook Kleinanzeigen-Marktes, auf dem Unternehmen Jobs ausschreiben können. Und da das die Unternehmen keinen Cent kostet und das auch kinderleicht geht, wird es gerne insbesondere von den Unternehmen genutzt, die über kein großes Recruiting-Budget verfügen oder aber die versuchen, ihren Spam an den Mann (und die Frau) zu bringen. Vorausgesetzt, sie verfügen über eine eigene Facebook-Seite. Nutzer gelangen zu den Jobs entweder, in dem sie gezielt facebook.com/jobs aufrufen oder aber in dem sie wie zufällig drüber stolpern, weil ihnen die Stellenanzeige im Feed ausgespielt wurde (in der Regel dann, wenn Sie für diese Reichweite bezahlt haben).

Schaut man sich die Anzahl an Jobs und deren (globale) Reichweite an, so ist Facebook zwar alles andere als ein Jobbörsen-Killer, wie ich es seinerzeit effekthascherisch betitelt hatte, dennoch kann sich das Ganze durchaus sehen lassen und lässt wohl die „üblichen Verdächtigen“ der Jobbörsen-Szene vor Neid erblassen. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn tatsächlich kann sich wohl kaum eine Jobbörse über ein Milliardenpublikum freuen, wie Facebook das trotz aller Skandale unverständlicherweise immer noch tut.

Und so verkündet man nun stolz, dass man seit Launch 2017 über einer Million Menschen geholfen hat, Jobs zu finden. Abgesehen davon, dass „einen Job finden“ nicht gleichzusetzen ist mit einer Bewerbung, bleibt Facebook einen entsprechenden Nachweis schuldig. Ob es sich also um die für Facebook typischen Fake News handelt, das zu beurteilen, überlasse ich Ihnen (Facebook spricht lediglich von „Facebook internal data„, ohne aber auf eine Quelle zu verweisen.

Facebook Jobs bietet jetzt Schnittstelle für E-Recruiting-Software

Facebook Jobs - Integration jetzt auch per XML-Schnittstelle möglich - Screenshot Facebook

Bisher konnten Jobs nur mittels Copy & Paste bzw. über eine Eingabemaske veröffentlicht werden. Eine Schnittstelle zu E-Recruiting-Software, insbesondere für das automatisierte Ausspielen von einer großen Anzahl von Jobs – geschweige denn, zum Verwalten der eingehenden Bewerbungen, gab es nämlich bis dato nicht. Was auch der Grund war, warum Facebook Jobs eher ein Tummelplatz für kleinere und Kleinst-Unternehmen, wie etwa Handwerksbetriebe, war. Großunternehmen wurden zwar gesichtet, waren aber eher die Ausnahme. Klar, denn denen fehlte die technische Möglichkeit, ihre schiere Jobs-Masse in den Facebook-Feed zu pumpen. Bis jetzt. Denn – tada – vor wenigen Tagen (und bisher in der Szene unbeachtet) kündigte Facebook an, dass das nun vorbei sei. Ausgerechnet eine Kooperation mit Successfactorsder Schrecken jeder Bewerber (und Recruiter – wenn sie sich ernsthaft mit dem System auseinandersetzen) – verkündet der blaue Riese aus Palo Alto nun dem staunenden Publikum.

„Today, we’re announcing new partnerships with enterprise HR companies such as SAP SuccessFactorswhich will combine the ease and convenience of hiring tools with the expansive reach of Jobs on Facebook.“

So heißt es auf Facebook. Und weiter: Dank ATS-Schnittstelle können Arbeitgeber jetzt auf einfache Weise Stellenanzeigen erstellen und Bewerbungen verwalten. Jobs können direkt via API auf Facebook ausgespielt werden. Und noch mehr ist möglich: Unternehmen können auch auf den „umfangreichen Talentpool auf Facebook zugreifen„. Wie wir alle wissen, nimmt es Facebook mit Datenschutz nicht so genau und so können die ohnehin schon für viele Organisationen offen liegenden Nutzerdaten nun auch von Arbeitgebern eingesehen werden. Ach Mark, Recruiter werden dich dafür lieben! Vor allem, weil das Ganze ja nach wie vor kostenlos ist! Auch Bewerbungen können direkt über die Schnittstelle an das ATS übergeben werden. Recruiterherz, was willst du mehr! DSGVO? Who cares! Bleibt nur zu hoffen, dass die Schnittstelle nicht für den nächsten Datenskandal sorgt. Aber um dem vorzubeugen, hat man ja nun vorgesorgt

Und so freut man sich wie Bolle bei Successfactors über den gelungenen Deal:

„We are excited to extend our sourcing capabilities by leveraging the new Facebook Jobs solution. This will help our global customers connect with, and reach, candidates around the world in a meaningful way.“

Zugang zu Facebooks „Talent Pool“ und zahlreichen Bewerberdaten möglich

Klar, dass man auch bei Facebook die Sektkorken knallen lässt und so verkündet man, dass mit den ATS-Anbietern als „best buddies“ Unternehmen nicht nur das Recruiting erleichtert wird, sondern noch mehr Menschen Zugang zu noch mehr Jobs auf Facebook haben (und noch mehr Anbieter Zugang zu deren Daten haben und mit diesen schwungvollen Handel treiben können). Klar, Facebook muss Google for Jobs Paroli bieten. Oder es zumindest versuchen. Denn klar, dass auch Facebook Jobs von Google indiziert werden. Denn wenn es um echte Reichweite geht, geht kein Weg an Google vorbei. Das muss man auch in Palo Alto zähneknirschend zugeben.

Facebook schiebt „Spam-Jobs“ den Riegel vor

Facebook verspricht natürlich – wie es für den sympathischen Datensammler üblich ist – einen „strengen Integritätsprüfungsprozess„, den die Jobs durchlaufen müssen und sorgt mit den Richtlinien für Facebook-Plattformen, den Nutzungsbedingungen für Jobs (Abschnitt 24) und den Richtlinien für Facebook-Seiten, Jobs auf Seiten (Abschnitt F), dass nur die Jobs auf Facebook auftauchen, die diesem strengen Regelwerk entsprechen. So sind bspw. Stellenanzeigen mit irreführenden, täuschenden oder betrügerischen Inhalten (aka MLM-Anbieter) verboten,  Gleiches gilt für Jobs, in denen es um illegale Aktivitäten, Produkte oder Dienstleistungen geht (Auftragskiller müssen Sie also weiterhin im Dark Web suchen). Ferner dürfen Jobs nicht in sexuell anzüglicher Art und Weise hervorgehoben werden (das dürfte viele Anbieter enttäuschen, die gerne mit nackten Tatsachen werben). Auch Bordelle und Sexshops werden sich aus Facebook Jobs zurückziehen müssen, denn auch Beschäftigungsmöglichkeiten, die Dienstleistungen für Erwachsene oder die Nutzung von Produkten für Erwachsene erfordern, sind dann nicht mehr erlaubt.

Wenn Ihre Jobs also nicht den strengen Kriterien entsprechen, werden diese auch nicht auf Facebook veröffentlicht. Alle Jobs, die Sie schalten wollen oder ändern oder nachträglich einem XML-Feed hinzufügen, müssen ebenfalls diesen Überprüfungsprozess durchlaufen. Wenn dieser Überprüfungsprozess ebenso gründlich ist, wie bei den Fake-News, dann muss sich eigentlich keiner Sorgen machen und Tür und Tor bleiben für Betrüger weit offen. Was ich mich gerade frage: Warum gibt es diese Integritätsprüfungen eigentlich nicht für Seitenbetreiber? Oder für Facebooknutzer generell? Da blieben der Menschheit viele (rechts)radikale Inhalte und Hate-Speech erspart. Aber klar, Jobs sind deutlich sensibler, da muss man schon ordentlich filtern…

Facebook sucht Partner für seine ATS-API

Bleibt also abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Wenn Sie mehr über das Ganze wissen wollen: Facebook hat dem Thema, wie Sie mittels ATS Ihre Jobs auf Facebook bringen, eine eigene Seite mit vielen Informationen gewidmet. Noch befindet sich das Ganze in der Beta-Phase, aber Facebook freut sich über Partner, die sich in diesem frühen Stadium anschließen. Also, Freiwillige vor! Ah, bevor ich es vergesse und Sie sich wieder in blindem Aktionismus auf etwas stürzen, weil man das ja so macht – vielleicht versuchen Sie es mal mit Facebook Gruppen? Da gibt es viele, die sich ausschließlich um Jobs drehen und wo Sie Ihre Jobs individuell posten können. Das geht zwar nicht automatisiert per Massenfeed, sondern nur mit indivduellen Posts. Aber Klasse ist eh immer besser als Masse und da gibt’s dann auch Reichweite und Garantie fürs Gesehen-werden inklusive.


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Über den Autor

Hallo, ich bin Henner Knabenreich. Seit 2010 schreibe ich hier über Personalmarketing, Recruiting und Employer Branding. Stets mit einem Augenzwinkern oder den Finger in die Wunde legend. Auf die Recruiting- und Bewerberwelt nehme ich nicht nur als HR-Blogger maßgeblich Einfluss, auch als Autor, als Personalmarketing-Coach, als Initiator von Events wie der HR-NIGHT oder als Speaker hinterlasse ich meine Spuren in der HR-Welt. Sie wollen mich für einen erfrischenden Vortrag buchen, haben Interesse an einem Karriere-Website-Coaching, suchen einen Partner oder Berater für die Umsetzung Ihrer Karriere-Website oder wollen mit bewerberzentrierten Stellenanzeigen punkten? Ob per E-Mail, XING, LinkedIn oder Twitter - sprechen Sie mich an, ich freue mich auf Sie!


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    1. Tim sagt:

      Hallo Henner, schöner Artikel amüsant geschrieben, aber tatrsächlich so ist es, kaum ein Tool , kaum eine App, kaum eine Dienstleistung die Facebook nicht für sich beansprucht. Aber wie du schon sagst mit hunderten von Millionen Nutzern kann man sich ja auch entspannt ausprobieren.
      Gruß Tim

    2. „(…) wie es für den sympathischen Datensammler üblich ist.“. Klasse, you made my day, Henner! Danke dafür. :)

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