Recruiting im Workwear Valley: Zu Besuch bei Engelbert Strauss - Podcast Episode 17

Recruiting im Workwear Valley: Zu Besuch bei Engelbert Strauss – Podcast Episode 17

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Für meinen 17. Podcast habe ich mich aufgemacht nach Biebergemünd, ins so genannte Workwear Valley. Sie kennen weder Biebergemünd, noch das Workwear Valley? Das ging mir vor meinem Besuch bei Engelbert Strauss genauso. Aber der hat sich definitiv gelohnt, ich konnte nicht nur einen Kaffee genießen, der schlau und schön macht (und den schon unsere Kanzlerin genießen durfte), sondern habe im Gespräch mit Judith und Julia (beide HR), Gabriel (Unternehmenskommunikation) und Steffen (Geschäftsführung und „Gründerenkel“) viel über den Arbeitgeber Engelbert Strauss erfahren: Über die Geschichte von Engelbert Strauss, den Erfolg von Mitarbeiterempfehlungsprogrammen, wie man auf die Idee kommt, Berufskleidung sexy zu machen und was Engelbert Strauss alles für seine Mitarbeiter tut – und warum.

Biebergemünd liegt zwischen Frankfurt und Fulda, nahe der A66 und mitten im schönen Kinzigtal. Hier befindet sich seit nunmehr 1948 das Familienunternehmen Engelbert Strauss. Das Firmensymbol, der Vogel Strauß, ist Ihnen bestimmt schon oft ins Auge gefallen, wenn Ihnen ein Handwerker über den Weg lief. Selbst als ich mich an dem Morgen ins Workwear Valley aufmachte, kreuzte ein Handwerker in Engelbert Strauss-Hosen quasi als gutes Omen meinen Weg. Auch Julia aus dem HR-Team begrüßte mich in einem stylischen Engelbert-Strauss-T-Shirt, als sie mich am Bahnhof abholte. Ob ich meine personalmarketing2null-T-Shirts in Zukunft bei Engelbert Strauss fertigen lasse?

Vom Besenhändler zur Modemarke

Schließlich geht bei Berufsbekleidung wohl fast kein Weg an Engelbert Strauss vorbei, so zumindest mein Eindruck. Dabei liegen die Wurzeln von Engelbert Strauss eigentlich ganz woanders: Nämlich im Verkauf von Besen und Bürsten, hat mir Gabriel Jäckel aus der Unternehmenskommunikation verraten. Früher wurde im sogenannten „Besenkassel“ (Kassel ist ein Ortsteil von Biebergemünd) nämlich Reisigbesen gefertigt, die Engelbert Strauss seinerzeit verkaufte. Später kamen dann Arbeitskleidung, aber vor allem Arbeitshandschuhe, ins Sortiment, welches dann sukzessive um Regenjacken, Schrauben, Bohrmaschinen u. a. erweitert wurde. Tatsächlich ging es erst 2003 mit der Herstellung eigener Kleidung los. Und seitdem hat sich Engelbert Strauss vom Händler zum Hersteller zur Marke entwickelt, die mittlerweile echten Lifestyle-Charakter hat, von den Fans geliebt wird und sogar in Hollywood getragen und gehandelt wird.

Engelbert Strauss goes Hollywood

Dieses Jahr wurde nämlich eine spezielle Kollektion für Filmcrews aus hochwertigsten Materialien gefertigt – oder wie es bei Engelbert Strauss heißt: Textile Ingenieurskunst. Zwar ist das Workwear Valley noch längst nicht so bekannt wie das Silicon Valley, zumindest in Handwerkerkreisen hat sich das aber geändert. Dennoch sind Kalifornien und das Silicon Valley durchaus Impulsgeber für Engelbert Strauss, wie mir Steffen, einer der Enkel des Gründers Engelbert Strauss, bei unserem Gespräch erzählte. So war er sehr angetan vom Haircut-Truck bei Google, ein „voll ausgestatteter mobiler Friseursalon“, der Mitarbeitern im Silicon Valley während der Arbeitszeit die Haare stutzt. Einen Eiswagen, der den Mitarbeitern hausgemachtes Eis anbietet, den gibt’s schon, warum also nicht auch einen mobilen Friseur?

Engelbert Strauss setzt im Recruiting auf Mitarbeiterempfehlungsprogramme

Fakt ist: Engelbert Strauss wächst. Und wächst weiter. Aktuell 1.200 Mitarbeiter hat das Unternehmen, davon 1.000 alleine in Biebergemünd. Nun ist Biebergemünd nicht gerade der Hotspot der Republik oder der Region. Wie so viele Hidden Champions, ist auch Engelbert Strauss außerhalb der Region wenig bekannt. Dabei ist das, was das Unternehmen als Arbeitgeber zu bieten hat, wirklich sensationell und sucht seinesgleichen. Was sogar schon dazu führte, dass ein Banker unbedingt dort anfangen wollte, wie Steffen erzählte. Während man Nachwuchs erfolgreich über die sogenannten Campustage für Engelbert Strauss rekrutiert – es gibt 20 verschiedenen Ausbildungs- und duale Studiengänge!, setzt man im Recruiting darüber hinaus seit Oktober letzten Jahres auf das digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramm von firstbird. Julia und Judith vom HR-Team wurden auf der Personal Süd auf den gelben Vogel (das Markenlogo von firstbird) aufmerksam und waren sofort Feuer und Flamme. Auch die Chemie stimmte, man war sich auf Anhieb sympathisch, so dass einer Einführung des Tools nichts mehr im Wege stand.

Mitarbeiter als Arbeitgebermarken-Botschafter

Bereits vorher gab es ein erfolgreiches Mitarbeiterempfehlungsprogramm. Dass Mitarbeiter, die als „Arbeitgebermarkenbotschafter“ über bestehende Mitarbeiter geworben werden, besonders gut ins Unternehmen passen, dessen war man sich im HR-Team bewusst. Die kulturelle Passung ist besser (oder neudeutsch: der Cultural fit) und es ist für die neuen Mitarbeiter auch leichter, sich im Unternehmen zurechtzufinden, wenn man jemanden kennt, der schon bei Engelbert Strauss beschäftigt ist. Und so wurden die Mitarbeiter dann mit Hausmitteln (Flyer, Plakate) auf das Programm aufmerksam gemacht. Wirklich tracken ließ sich der Erfolg des Programms aber nicht, es fehlten Transparenz und genaue Auswertungsmöglichkeiten, insofern ist ein direkter Vergleich zu firstbird auch nicht möglich. Dennoch: 14  Einstellungen seit Einführung des Programms können sich sehen lassen.

Challenges schaffen Anreize

Eingesetzt wird firstbird für die unterschiedlichsten Positionen. Mit so genannten „Challenges“ wird die Aufmerksamkeit auf bestimmte Positionen bzw. Unternehmensbereiche gelenkt. Challenges sind Aktionen, mit denen Mitarbeitern das Mitarbeiterempfehlungsprogramm ans Herz gelegt wird. Hier gibt es dann monatlich Preise für die aktivsten Talentscouts (also Mitarbeiter, die als Markenbotschafter agieren und neue Mitarbeiter anwerben) zu gewinnen – bei der Springbreak Challenge z. B. ein Frühstück, dass dann vom „Service rundum-Team“ am Arbeitsplatz serviert wird – und natürlich Anreiz für die Kollegen ist, die sich fragen, wie man denn zu der Ehre kommt und sich dann als Talentscout anmelden. Rund 100 Talentscouts gibt es derzeit. Bei 1.000 Mitarbeitern alleine am Standort ist da mit Sicherheit noch Luft nach oben. Es ernährt sich eben nicht nur mühselig das Eichhörnchen, sondern dann und wann auch der gelbe Vogel.

Der Mensch steht bei Engelbert Strauss an erster Stelle

Die Mitarbeiterbibliothek bei Engelbert StraussDer Mitarbeiter steht aber nicht nur im Mittelpunkt der Recruiting-Maßnahmen bei Engelbert Strauss. Es ist quasi Credo im Unternehmen und das im Grunde seit Unternehmensgründung. So gibt es für die Mitarbeiter bspw. eine Kita, eine Bibliothek, eine Kulinarik (Kantine wird der „Cucina del Campo“ einfach nicht gerecht), ein Spa mit Fitnessgeräten, Duschen und Massagemöglichkeit, ein großes Freiluftareal (das Hirschbachtal), wo man seine Joggingrunden drehen kann und die ESbar (Kaffeebar) oder eben das oben schon erwähnte ESkimo-Eis.

Von Oma Lena zum „Service rundum-Team“

Das alles, so Steffen, liegt in der Tradition des Familienunternehmens. Der Mensch steht von jeher an erster Stelle, das war schon bei seiner Oma Lena so. Die hat sich um jeden gekümmert – ob Mitarbeiter, Lieferant oder Kunde, alle wurden in der heimischen Küche von ihr mit Markklößchensuppe oder selbst gebackenem Kuchen verwöhnt. Aus dieser Tradition hat sich dann quasi das „Service rundum-Team“ entwickelt. „Andere haben einen feelgood-Manager, wir haben das Service-rundum-Team„, erzählt Steffen augenzwinkernd. „Wenn man so will, haben wir Oma Lena vervielfältigt„.

Dieser Kaffee macht schön und schlauDie Work-Love-Balance oder Work-Live-Romance, wie er es nennt, seiner Mitarbeiter liegt ihm am Herzen. Ihm ist es wichtig, dass die Mitarbeiter des Unternehmens sich wohlfühlen. Der Mensch im Mittelpunkt, Arbeit und Leben leicht in Einklang bringen, das ist die Devise. Oder eben: Enjoy work. „Wenn wir es schaffen, die Menschen zusammenzubringen, dann haben wir langfristig Erfolg.“ Als Familienunternehmen zählt nachhaltiger Erfolg. Langfristig handeln, nicht quartalsbezogen, so die Devise.

Warum muss ein Blaumann langweilig sein?

Wie man 2003 auf die Idee kam, „sexy“ Berufskleidung anzubieten? Eigentlich ganz einfach. Schließlich will der Mensch gut gekleidet sein, auch bei der Arbeit. Warum muss ein Blaumann langweilig sein, hat man sich gefragt. Wie können wir da ne richtig coole Klamotte draus machen, die die Leute gerne anziehen? Die Idee, modische Berufskleidung herauszubringen (mittlerweile gibt es die „Workwear Couture“), kam bei den Leuten gut an. Mittlerweile hat die Marke echten Lifestyle-Charakter. Auch die Workwear-Stores gleichen eher Fashion-Boutiquen, als klassischen Handwerker-Bedarfsläden.

Welche Klamotten Steffen Strauss selber von Engelbert Strauss trägt, wie Gabriel zu Engelbert Strauss kam, welche Maßnahmen Judith und Julia noch ergreifen, um Mitarbeiter fürs Unternehmen zu gewinnen, wie erfolgreich der Campustag ist, wo es die beste Pizza weit und breit im Umkreis von Biebergemünd gibt und wie die vielen Ideen bei Engelbert Strauss entstehen, das erfahren Sie im Podcast, den es natürlich auch auf iTunes gibt. Viel Spaß!

Links zur Episode

Engelbert Strauss Karriere-Website

Mitarbeiterempfehlungsprogramme

firstbirdcheck

Mitarbeiter werben Mitarbeiter – Der gelbe Vogel im Recruiting-Nest

Engelbert Strauss goes Hollywood

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