HR-Artist aus der Stadt der heißen Quellcodes - Auf einen Ingwer-Tee mit Sebastian Sellinat

HR-Artist aus der Stadt der heißen Quellcodes – Auf einen Ingwer-Tee mit Sebastian Sellinat

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Sebastian Sellinat ist selbst ernannter HR-Artist, macht seit 13 Jahren „was mit Menschen“ (aka Personalarbeit) und hat in dieser Rolle u. a. dafür gesorgt, dass die Aareal Bank aus Wiesbaden ein Gesicht als Arbeitgeber erhalten hat. Sein Antrieb ist die Lust auf neue Dinge und diese beharrlich (wenn nötig, auch gegen Widerstände) selbst umzusetzen. Man kann nie wissen, ob etwas funktioniert, wenn man es nicht selbst ausprobiert hat, das ist auch Sebastians Motto. Über den dringend zu vollziehenden Rollenwechsel von HR vom Verwalter zum Gestalter, warum er sich selbst als „HR-Artist“ bezeichnet und zurecht als Employer Brand Manager of the Year ausgelobt wurde, habe ich mit ihm im Heimathafen Wiesbaden in meiner 14. Episode meines heiter beschwingten Podcasts gesprochen.

Auch wenn Sebastian der einzige (offizielle) HR-Artist Deutschlands (wenn nicht der Welt) ist, steht er doch stellvertretend für viele Tausende, wie auch immer sie in ihrem Unternehmen auch genannt werden mögen: HR Generalist, Personalreferent, HR Manager, Personalbetreuer, HR Business Partner, HR Specialist. Grundsätzlich machen alle die unterschiedlichsten Aufgaben, von der Beratung bis hin zum Schreibmaschinentäter und jonglieren im übertragenen Sinne als „Mädchen für alles“ mit vielen Bällen. Mit dem Begriff will Sebastian ausdrücken, was er in seiner Tätigkeit macht. Sebastian sieht sich als „Künstler“, daher der Name „Artist“.

Du hast als HR’ler zwei Möglichkeiten, so Sebastian. „Entweder du wirst Personalverwalter und bist der klassische oder auch überqualifizierte Sachbearbeiter oder aber du willst wirklich was verändern und wirst Gestalter, verkörperst also quasi den „Artist“, der mutig neue Wege beschreitet und auch mal Stürme zu überstehen hat„. Das kostet zwar viel Kraft und bedarf viel Ausdauer, macht (ihm) aber auch viel Spaß.

Neugierig sein und Innovations-Gen haben

Eine Ausbildung als Gestalter erhält allerdings keiner. Im Laufe der 13 Jahre im Personalmanagement hat er viele Sachen „by doing“ gelernt und ausprobiert. Nur weil man irgendwelche teure Konferenzen und Seminare besucht und dann vielleicht sogar ein Zertifikat dafür erhält, heißt das noch lange nicht, dass man das auch beherrscht. „Das ist wie beim Aufofahren: Nur weil du einen Führerschein bekommen hast, heißt das nicht, dass du Autofahren kannst. Es ist eine Sache der praktischen Erprobung„, so Sebastian. „Du musst neugierig sein und ein „Innovations-Gen“ in dir tragen„. Immer auf dem Laufenden zu bleiben, ist dabei ein wesentlicher Punkt (diesen und andere (HR-)Blogs zu lesen, befruchtende Netzwerk-Events zu besuchen, ist da schon mal hilfreich).

„Ich bin neugierig und wage, mich auf neue Dinge einzulassen und auszuprobieren. Und das jeden Tag.“

Sebastian brennt für Personalmarketing und treibt das Thema neben dem so genannten „Tagesgeschäft“ eines Personalers innerhalb der Bank mit Leidenschaft voran. Wichtig sei, so Sebastian, Kennzahlen zu kennen, mit denen man vor Vorstand & Co. argumentieren könne. Etwas anderes als Zahlen würde man dort nicht verstehen. Es sei unglaublich wichtig, KPI zu sammeln und zu messen. Ihm ist auch bewusst, dass Personalmarketing dringend strategisch verankert werden müsse und auch Ressourcen zu schaffen sind, um einen Arbeitgeber durch einen immer härter werdenden Arbeitsmarkt zu bringen, dem stünden aber oft politische Entscheidungen und Befindlichkeiten entgegen.

HR Artist Sebastian Sellinat

Sein Engagement und seine Beharrlichkeit haben sich gelohnt. Nicht nur, dass das Arbeitgebermarketing fruchtet, auch durch seinen Auftritt als „HR-Artist“, was natürlich auch auf das Personal Branding einzahlt, wurde er zum „Employer Brand Manager of the Year“ nominiert. Dabei zeichnen ihn seine Neugierde und seine Bereitschaft aus, weit über den Tellerrand zu blicken und sich auch außerhalb des Unternehmens mit Dingen zu beschäftigen. Für ihn geht es bei der Auszeichnung auch darum, für seine Ideen, seinen Mut, Ideen einzubringen und gegen Windmühlen anzurennen und mit kleinen Mitteln große Dinge zu bewegen, gewürdigt zu werden.

Die erste Herausforderung, die er seinerzeit als HR-Artist zu stemmen hatte, war die Einführung der digitalen Personalakte. Ganz nebenbei das erste Cloud-Projekt überhaupt für die Bank. Seinerzeit war ihm gar nicht klar, welche Dimensionen das Ganze annehmen würde. Wichtig sei es, so Sebastian, von Anfang an die internen Stakeholder klar zu haben. Networking ist also nicht nur nach außen wichtig, bspw. bei dem von uns initiierten Personalerfrühstück, wo wir die HR-Community aus Wiesbaden und Umgebung in den befruchtenden Austausch bringen oder bei Formaten wie dem HR Barcamp (demnächst wieder in Wien!) oder personalmarketing2null & friends, wo sich unsere Wege erstmals kreuzten, sondern auch intern.

Apropos intern: Sebastian treibt nicht nur die Themen voran, lernt neue Technologien kennen und probiert sie aus, er „bildet“ quasi auch seine Mitarbeiter in der Nutzung dieser Tools aus und schafft innerhalb der Belegschaft Bewusstsein und Begeisterung für diese Themen. Wichtig ist für Sebastian dabei immer aus Kundensicht zu denken – Stichwort Jobs to be done! Und das sowohl nach innen zu den Mitarbeitern als auch extern zu Bewerbern bzw. potenziellen Mitarbeitern. Ihm ist klar, dass Menschen Veränderungen doof finden, schließlich kosten diese Kultur- und Prozessveränderungen viel Kraft. Er sieht es als Herausfordrung, die Menschen dafür zu begeistern und sie auf den Weg zu bringen. Denn wenn ein Unternehmen in diesem dynamischen und von Verknappung des Erwerbspersonenpotenzials geprägten Markt überleben wolle, müsse es sich verändern.

„Wenn wir am Markt bestehen wollen, müssen wir uns verändern.“

Für Veränderungen braucht es einen langen Atem

Das solche Veränderungen nicht mit einem Fingerschnipp passieren, ist ihm klar. Es gibt Themen, da ist er drei Jahre für angerannt. „Da braucht man langen Atem. Und den musst du haben„, so Sebastian. Zu diesen Veränderungen gehörten auch die Überarbeitung der Karriere-Website und die Auffindbarkeit der Stellenanzeigen. Aber auch Überzeugungsarbeit für ein nutzerfreundliches, schlankes und hoch effizientes ATS zu leisten, gehörte dazu. Und während gerade eine Diskussion darüber entbrennt, ob man denn in Stellenanzeigen nun auch noch ein „drittes Geschlecht“ adressieren und durch ein „x“, „divers“, „inter“ oder „anders“ kennzeichnen müsse, wurde schon vor acht Jahren entschieden, auf diesen Genderwahnsinn zu verzichten und geschlechtsneutral und mit augenzwinkernden Sternchen die Bewerber anzusprechen, was auf viel positive Resonanz stößt. Sebastians Tipp an die HR-Community: „Nehmt nicht immer alles bierernst„. Ein Tipp, dem ich mich gerne anschließe.

Weitere Empfehlungen für die HR-Community, wie man sich Wissen drauf schafft und begeistern kann:

  • kein Powerpoint: geh nicht auf Konferenzen, wo Powerpoint-Folien vorgetragen werden
  • geh auf Veranstaltungen, wo du auf Menschen triffst (Barcamps, personalmarketing2null & friends, Personalerfrühstück ;))
  • sei neugierig
  • vernetze dich (intern/extern)

Seine Quintessenz: Menschen sind gerne bereit, ihr Wissen zu teilen. „Du hast die gleichen Leute auf den Netzwerktreffen wie auf den teuren Konferenzen„, so Sebastian. Stimmt auffallend. Entscheiden Sie selbst: Zahlen Sie lieber bspw. 80 Euro und bekommen Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe in entspannter Atmosphäre bei reichlich Drinks und gutem Essen, garniert mit spannenden Recruiting-Insights von der Zielgruppe für die Zielgruppe oder besuchen Sie stattdessen teure Konferenzen und zahlen für Powerpointschlachten 1.000 Euro (oder deutlich mehr)?

Was Sebastian sonst noch zu erzählen hat über zu überwindende Widerstände, die Rolle von HR, den Employer Brand Manager of the Year und sein Künstlerdasein, erfahren Sie im Podcast. Viel Spaß!

Links zur Episode

Sebastian Sellinat auf XING

Sebastian Sellinat auf Twitter

Podcast mit Juliane Wagner

Employer Brand Manager of the Year

 

Hier geht's zum personalmarketing2null-Podcast!


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