Mit Recruiting-Innovator Michael Witt in der Akademie der (Recruiting)-Künste – Podcast Episode 6

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Während der Großteil der Unternehmen nicht einmal über eine eigene Abteilung fürs Recruiting verfügt und sich Personalmarketing in vielen Fällen im Schalten von Stellenanzeigen durch die Assistenz der Geschäftsleitung erschöpft, fordert mein aktueller Gesprächspartner in meiner neuesten Podcast-Episode gleich vier Rollen für Recruiter. Mit Michael Witt, weit über diverse Tellerränder blickender Recruiting-Innovator, habe ich über Künstliche Intelligenz, Innovationen im Recruiting und den Recruiter Slam in der Akademie der Künste in Berlin gesprochen.

Wie so viele von uns, wusste auch Michael getreu dem Motto „Und was machst du so“ seinerzeit nicht, was er werden würde. Zu seiner Ausbildung als Tischler kam er mehr durch Zufall. Er wurde Sozialarbeiter, arbeitete mit „verhaltensinnovativen Jugendlichen“ und lehrte arbeitslose Menschen, wie sie richtig Anschreiben und Bewerbungsdeckblätter gestalten (von Mobile Recruiting sprach damals noch kein Mensch). Nach sieben Jahren in der Berufsbildung landete er dann bei einem Personaldienstleister, wo er das erste Mal mit dem Begriff Recruiting konfrontiert wurde und sich schon schnell vom Recruiting-Virus infizieren ließ. Wobei der Job des Recruiters ja schon einiges mit dem des Sozialarbeiters gemeinsam hat… Nach drei Jahren in der Zeitarbeit war die Zeit dann reif für einen Job in „einem richtigen Unternehmen“. Als Recruiter glänzte er dort dann mit innovativen Ansätzen, für die er verschiedene Awards einheimste und zum Personalmarketing-Innovator gekürt wurde.

Mit Wimmelbus zum Azubi

Eine dieser Ideen war z.B. der Wimmelbus. Das Problem: Man fand keine bzw. nicht ausreichend Azubis. Ein großer deutscher Automobilkonzern aus Ingolstadt agiert als „großer Staubsauger“, wie Michael es ausdrückt, und fegt den Markt an Bewerbern leer. Erste Idee war, Telefonnummern auf Autos zu kleben, um potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Das war zwar schon mehr, als man bisher tat, aber für einen wie Michael nicht innovativ genug. Herausgekommen ist dann nach einigem Nachdenken und Ideen filtern eine Art Comic oder auch Wimmelbild, welches dann auf einem der Servicefahrzeuge aufgebracht wurde. Der Wimmelbus war geboren. Der Bus kurvte dann durch Ingolstadt, war immer auf Tour, stand vorm Eishockeystadion, vor Schulen und überall da, wo sich die Zielgruppe tummelt. Das Ergebnis: Der Bus brachte die lange gesuchten Bewerber. Und zwar mehr als zuvor. Tatsächlich ist der Bus immer noch im Einsatz und Stellen werden auch besetzt. Das zeigt, dass man mit guten Ideen Bewerber findet, die vorher „nicht da waren“. Man muss eben aktiv werden.

„Rumplärren, wir haben Fachkräftemangel, und dann das Recruiting nicht professionalisieren…“

Content Marketing auf Amazon

2016 hatte Michael die Idee zu „Helden der Zukunft„. Auslöser war der Verkauf des Geschäftsbereichs an eine Heuschrecke. Die Employer Brand stand auf wackeligen Füßen, es gab keinen neuen Markenauftritt, es wurde quasi ein Weg gesucht, „eine Employer Branding Kampagne ohne Employer Brand zu machen„. Und wer sollte das besser vermitteln können, als die eigenen Mitarbeiter? Heißt ja immer „die Mitarbeiter sind der Mittelpunkt unseres Unternehmens„. In diesem Fall ließ man sie aber tatsächlich zu Wort kommen. Man befragte also Mitarbeiter aus den fünf zuvor identifizierten Sockel- und Engpassberufen und „strickte“ daraus fünf „Heldengeschichten“.

Diese wurden als Podcast aufbereitet und durch Vine-Videos, sechs-sekündige Videoschnipsel, ergänzt. Das war Michael aber nicht genug. Da er gerne liest, kam ihm die Idee, das Ganze auch als Buch rauszubringen. Letztendlich wurde es ein E-Book, was dann u. a. auf Amazon angeboten wurde. Der Hintergedanke: Kunden, die andere Heldengeschichten oder Science Fiction Storys kauften, würden durch Amazons intelligente Algorithmen („Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“) auch auf die „Helden der Zukunft“ aufmerksam. Das Konzept ging auf: Die Stellenanzeigen hatten eine dreimal so hohe Conversion wie die herkömmlichen. Für Helden der Zukunft gab es dann zurecht den HR Excellence Award.

Recruiting 1.0, 2.0, 3.0, 4.0, 8.0

Michael ist auch ein aktiver Blogger (zumindest das Lesen von Recruiting-Blogs gehört zu den Aufgaben eines Recruiters) und bereichert den personalblogger mit seinen Beiträgen. Hier macht er sich viel Gedanken um das Recruiting der Zukunft (und wie man die Gegenwart gestalten könnte). Aufgrund der ganzen Diskussion um Recruiting 4.0 und Recruiter-4-0 kam ihm die – naheliegende – Idee, neue, kompetenz- und persönlichkeitsbasierte Rollen für den Recruiter zu definieren und zählt dabei den Frontend-Recruiter oder Backend-Recruiter oder aber den Data Scientist Recruitist auf. Würde man alle diese Rollen in einem einzigen Job vereinen, kämen wir auf 60 Stunden und wären dann meilenweit von einer 28-Stunden-Woche entfernt, die die Gewerkschaft IG Metall fordert. So kamen wir dann auf Recruiting 8.0. Was das ist? Reinhören!

„Ohne einen Sponsor aus der Geschäftsführung wirst du kein Recruiting aufbauen!“

Stellt Recruiter ein und kämpft dafür!

Fakt ist, dass all die Aufgaben, die an einen Recruiter  in Stellenanzeigen gestellt werden (Candidate Experience Experte soll er oben drein auch noch sein), von einer Person nicht zu leisten sind. Und schon gar nicht von denen, die Recruiting – wie das ja in den meisten Unternehmen so üblich ist – noch nebenher leisten. Obwohl Unternehmenslenker im Fachkräftemangel die größte Bedrohung für ihre Unternehmen sehen, ist keiner bereit, das Recruiting zu professionalisieren. Dies sei aber dringend notwendig, so Michael im Podcast. Auf meine Frage, was man tun kann, um dem Fachkräftemangel Herr zu werden, lautet seine lapidare Antwort „Recruiter einstellen„. Sein Tipp, wie man im Unternehmen für die Rolle des Recruiters werben kann, lautet das Ganze Bottom up anzutriggern. „Ohne einen Sponsor aus der Geschäftsführung wirst du kein Recruiting aufbauen„, ist Michael überzeugt. Dafür braucht’s natürlich ein dickes Fell und viel Ausdauer. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein!

Auch über Maschinelles Lernen, Künstliche Intelligenz, Robot Recruiting, Chatbots, Amazon Alexa und natürlich über den Recruiter Slam, der am 12. April 2018 in Stuttgart über die Bühne geht, haben wir gesprochen.

Nun aber viel Spaß mit dem Podcast! Den gibt’s natürlich auf iTunes!

Links zu dieser Episode

Michael Witt auf XING | auf Twitter

Der Wimmelbus

Helden der Zukunft

Michaels Beiträge im personalblogger

Praxishandbuch Recruiting | Erfolgsfaktor Sourcing

Recruiter Slam

Zug um Zug, Michaels Blog

Lust auf einen Job im Recruiting? Hier gibt’s…


Die besten Personalmarketing & Recruiting Jobs

Personalmarketing, Recruiting, Employer Branding oder HR generell ist deine Leidenschaft? Du willst dich verändern oder strebst nach Höherem? Dann klick dich glücklich! Unter einer Vielzahl von Stellenangeboten findest auch du deinen Traumjob!

    Schreiben Sie Ihren Kommentar

    Suche

    Keinen Artikel mehr verpassen?

    Save the Date! Am 4. Mai 2018 geht’s weiter!

    Jede Wette, dass es am 4. Mai weitergeht!

    Kategorien

    Arbeitgeber Ausbildungsmarketing Authentizität Bewerber Candidate Experience employer branding Facebook Fachkräftemangel Karriere-Fanpage Karriere-Page Karriere-Website Karriere-Website-Check Karriereseiten kununu Personalmarketing recruiting Social Media Social Media Personalmarketing Stellenanzeige Stellenanzeigen Studie twitter Xing Youtube Zielgruppe

    Archive

    Die App für HR-Blogs

    HR_BloggerBadge Get it on Google Play