Fragen Sie Alexa! Sprachassistenten für Recruiting und Jobsuche

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 10 Minuten.

„Alexa, wie wird das Wetter?“, „Alexa, füge Olivenöl meiner Einkaufsliste hinzu“, „Alexa, spiele mir 5 Sterne de Luxe“, „Alexa, such mir einen Flug aus“ – all das sind Sprachbefehle, auf die Amazons Sprachassistenzsystem Alexa reagiert. Ohne Frage, Anwendungen, die per Sprachbefehl gesteuert werden, bedeuten viele Annehmlichkeiten, machen vieles möglich und definieren den Begriff Multitasking neu. Was läge also näher, als diese Technik auch fürs Recruiting zu nutzen?

Was Chatbots im Recruiting leisten könn(t)en, hatte ich an anderer Stelle bereits ausführlich dargestellt. Dass wir noch meilenweit von dem  entfernt sind, was wirklich möglich wäre, auch. Aber ist es nicht ohnehin viel schöner, mit jemandem zu reden, eine Stimme zu hören? Wollen wir wirklich nur noch chatten, wild auf Smartphones hin und her wischen und tippen – oder sehnen wir uns nach menschlicher Wärme und dem Austausch von Sprache? Gut, zugegeben – schaut man sich die Entwicklung von WhatsApp und die der Telefonate an, so mag ich falsch liegen. Wobei die massive Nutzung von Sprachnachrichten schon ein Indiz ist. Aber abgesehen davon bietet Sprache noch einen weiteren Vorteil. Sprachassistent(inn)en wie Siri oder Alexa machen einem das Leben leichter. Zumindest theoretisch.

Sprachassistenten machen sich breit

Das ist dann wohl auch der Grund für die zunehmende Verbreitung von Alexa in Amazons Lautsprechern Echo und Echo Dot oder via Smartphone. Über die Zahl der verkauften Echo-Lautsprecher macht Amazon keine Angaben. Schätzungen gehen von etwa 15 Millionen Geräten aus. Während die prognostizierten Umsätze für den digitalen Assistenten dieses Jahr bei 689 Millionen liegen, sollen es 2018 bereits rund 2,26 Milliarden US-Dollar sein. Tendenz: weiter steigend. Auch die Anzahl der so genannten Skills – das sind quasi Apps für Alexa – steigt kontinuierlich. Im September wurden 20.015 Skills auf Amazon gelistet (im Vormonat 17.650). In Deutschland gibt es vergleichsweise wenig: 1.806 dieser Skills zählt das Portal voicebot.ai im August. Auch bei Amazons Jobs spielt Alexa eine große Rolle: Aktuell sind 1.016 Stellen bei Amazon gelistet, die sich alle um die Entwicklung der Sprachassistentin kümmern.

Fakt ist: Auch wenn die Geräte der Echo-Serie Orwells „1984“ zu einem seichten Witz degradieren, die Geräte machen sich in immer mehr Wohn- und Schlafzimmern breit. Nun, das ist wohl wie bei WhatsApp. Was macht es schon, ein paar Daten preiszugeben oder sich belauschen zu lassen, wenn man doch all diese Annehmlichkeiten bekommt: Die intelligente Technik beantwortet Fragen nach dem Wetter, nach Flügen, Bahnverbindungen oder dem Fernsehprogramm, versorgt einen mit den neuesten Nachrichten und erfüllt jeden Musikwunsch. Im vernetzten Zuhause schaltet sie das Licht an und aus, verriegelt die Türen, regelt die Heizung und die Jalousien, übernimmt den Einkauf oder erzählt Witze wie diesen: „Woran erkennt man jemanden, der sich überhaupt nicht mit Technik auskennt? Er stolpert immer über das W-LAN-Kabel„. Kein Scherz! Tatsächlich gehört das Erzählen von Witzen zu den meist genutzten Funktionen auf Echo.

Amazon Alexa - Nutzerstatistiken - Bildquelle voicebot.ai

Jobsuche & Bewerbung mit Alexa

Warum sollte man all diese Annehmlichkeiten nicht auch für Recruiting und Jobsuche nutzen? So dachte man im August 2016 auch bei ZipRecruiter. ZipRecruiter ist eine der größten Jobbörsen in den USA und wurde 2010 gegründet. “We have millions of job seekers looking for work on our site. I wake up every day thinking about how I’m going to find those people jobs.”, so wird Ian Siegel, Gründer und CEO auf der  Website zitiert. Und eines Tages wachte er dann wohl auf und dachte sich, Mensch – wie wäre es, wenn wir unseren Nutzern unsere tolle App auch via Amazon Alexa zur Verfügung stellen? So ähnlich war es tatsächlich, wie Mashable berichtet:

„Conversational [design] is not perfect for a number of industries, but there’s something that makes it extra magical for us. Voice in a way is humanizing the job search.“

So wird Jen Ringel, ZipRecruiter’s Produktmanagerin zitiert, die bereits durch den Einsatz eines Chatbots eine deutlich zunehmende Interaktion der Nutzer mit der angebotenen Dienstleistung wahrnehmen konnte. Klar, eine Jobsuche bedeutet endloses Tippen und ewiges Recherchieren in Jobboards oder auch auf Google Jobs. Wenn also der Einsatz eines Chatbots schon solche Reaktionen bei den Nutzern hervorruft – wie wäre es dann wohl bei Alexa? Schließlich hätte das Ganze noch einen „humaneren“ Touch, so die Überlegung.

„Even though it’s not a real human, it still becomes more of a human experience.“

Wie bereits im Recruiting-Chatbot-Test bin ich mir für nichts zu schade und gehe diesem technischem Schnickschnack diesen technischen, das Recruiter-Leben verbessernden Neuigkeiten, auf den Grund. Tatsächlich war diese Meldung und die Neuigkeit, die mir im Rahmen des DGFP Labs zu Ohren kam, nämlich dass Jobstairs als erste deutsche Jobbörse auf den Alexa-Zug aufspringt, Grund dafür, mir Amazon’s Echo anzulachen. An sich ist die Idee gar nicht so dumm. Anstatt wie blöd auf die Tastatur einzuhacken (oder auf dem Smartphone zu tippen und zu wischen) startet man seine Jobsuche ganz einfach per Sprachbefehl und lässt sich passende Stellen vorlesen.

Überzeugende Umsetzung scheitert noch

Während der Grundgedanke an sich kein schlechter ist, scheitert die wirklich überzeugende Umsetzung (noch?) an zwei Dingen:

Da ist zum einen die Stellenanzeige. Content is King – das gilt auch bei einer „vertonten“ Stellenanzeige. Nun ticken die Amis ja irgendwie anders als wir und haben erkannt, dass das Din-A-4-Denken bei Stellenanzeigen längst der Vergangenheit angehört (was letztlich auch daran liegt, dass man dort die DIN-Norm nicht kennt), aber auch wenn ich das für einen sinnvollen Ansatz halte (ich habe den Eindruck, dass dieses DinA4-Denken dazu führt, dass einer der wichtigsten Aspekte der Stellenanzeige, nämlich die Darstellung der Mitarbeitervorteile und Kontaktdaten, deswegen zu kurz ausfallen) manche Stellenbeschreibungen sind einfach viel zu lang. Das wird dann beim Vorlesen der Stellenanzeigen deutlich. Wobei die Länge eigentlich nicht das alleinige Problem ist. Es ist vielmehr der Inhalt, der wenig Lust beim Zuhören macht.

Und dann ist da die Sprachwiedergabe selbst. Denn das mit dem Zuhören bei solchen oft eher unstrukturierten Texten ist sone Sache. Unstrukturierte Texte bzw. Textwüsten sind schon an sich ein Graus. Wenn diese Struktur aber nicht vorhanden ist, schlägt sich das auch in der Wiedergabe durch Alexa wieder. Sie kennen das von Ihrem Navi oder anderen Sprachcomputern. Da werden dann mal Wörter anders betont, Buchstaben verschluckt oder Wörter mit einander verbunden, die gar nicht verbunden gehören. Alexa ist nun mal bei allen „humanisierenden“ Ansätzen kein Mensch. „Sie“ ist und bleibt ein Sprachassistent. Und da macht das Zuhören bei längeren Sätzen einfach keinen Spaß.

Dieses Problem gibt es natürlich auch auf der anderen Seite. Ein Sprachassistenzsystem kann nur so gut sein, wie es einen auch versteht. So versteht Alexa z. B. trotz all meiner Bemühungen einer deutlichen Aussprache anstatt „Job Stairs“ „Job’s Tears“, „Upstairs“ oder „Upskills“. Aus „Job“ wird „Joke“, aus „Consultant“ „Concert“. Natürlich mit der Folge, dass Alexa gar keine gescheiten Ergebnisse auswerfen kann und mit einem lapidaren „Das weiß ich leider nicht“ antwortet. Übrigens eine Standardantwort von Alexa.

Aber zurück zu den Funktionen: Die ZipRecruiter-Skill schlägt einem nicht nur Jobs vor und verrät einem Stellendetails, auch eine Bewerbung ist via Alexa möglich. Allerdings braucht’s da einen aktuellen, gut gepflegten ZipRecruiter-Account (der Account ist generell erforderlich, um sich mit der Skill zu connecten). Per „Apply“-Befehl wird dann die Bewerbung abgewickelt. So weit, so gut.

Warum in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch (manchmal) so nah. Sprich in Deutschland. Und wie ich oben schrieb, ist tatsächlich seit wenigen Wochen nach ZipRecruiter nun JobStairs die zweite Jobbörse, die Alexa für sich entdeckt hat. Auch dieser Skill ermöglicht eine Jobsuche. Über Befehle wie „Alexa frage job stairs nach Beraterstellen in Hamburg im Umkreis von 25 Kilometern“ oder „Suche nach Verkäufern in meiner Umgebung“ sollen entsprechende Jobs ausgegeben werden. Sind Details zur Stelle gewünscht, so kann man sich eine E-Mail zusenden lassen, die dann den Link zur auf jobstairs.de platzierten Stellenanzeige beinhaltet. Abgesehen davon, dass das leider noch nicht so wirklich zufriedenstellend klappt, ist auch einer der Hauptvorteile – nämlich sich die Anzeige vorlesen zu lassen oder sich direkt via Alexa zu bewerben, nicht möglich. Und warum bei einer Anfrage nach Stellen als Personalreferent in Wiesbaden und Umgebung nachfolgende Ergebnisse herauskamen, wissen wohl nur Alexa und der Skillentwickler.

Ich habe verschiedene Varianten ausprobiert, Einstellungen geändert, Alexa angefleht – all das ließ Alexa relativ kalt. Meinen Kampf mit dieser (künstlichen) Intelligenzbestie habe ich in einer Sonderausgabe meines Podcasts dokumentiert. Noch etwas Geduld bitte.

Ein erstes Fazit: In der Theorie ist das Ganze wirklich eine feine Sache. Dank Alexa kann man in neue Welten des Multitaskings eintauchen. Egal, was man gerade sonst so tut: Plätzchen backen, spülen, bügeln oder Autofahren: ohne die Hände zur Hand zu nehmen kann man mit wenigen Worten seine Jobsuche starten und sich im Falle von ZipRecruiter sogar bewerben. In der Praxis sieht das Ganze leider anders aus. Und so finden sich auch weder auf ZipRecruiters, noch auf JobStairs Website Hinweise auf den Assistenten. Möglicherweise ist man doch nicht (mehr) überzeugt von der Technik? Aber wir stehen am Beginn einer Entwicklung, die sich so wohl kaum aufhalten lässt. Möglicherweise ist die Jobsuche aber doch ein zu komplexes Thema? Gerade war zu lesen, dass Bayer den Einsatz von Alexa für 2018 plant. Ich bin schon sehr gespannt, was man sich dort einfallen lässt.

Alexa fürs Employer Branding

Denn theroretisch wäre viel mehr möglich mit Alexa. So könnten Sie z. B. einen Skill konzipieren, der dann auf das Employer Branding einzahlt. „Alexa, welche Mitarbeitervorteile bietet mir XY?“, „Alexa, wie viele Mitarbeiter sind bei XY beschäftigt?“, „Alexa, mit welchem Tech-Stack arbeite ich bei XY“, „Alexa, kann ich meinen Hund bei XY mit zur Arbeit bringen?“, „Alexa, wie sieht der Bewerbungsprozess bei XY aus?“ – solche und ähnliche Fragen wären möglich. Genau wie die entsprechenden Möglichkeiten ausschöpfende Recruiting-Chatbots oder Jobbots auch, könnte der Einsatz von Sprachassistenten eine komplett neue Welt der Bewerberansprache erschließen. Wie die Qualität der Umsetzung aus, ist allerdings stark von dem ab, was an Hirnschmalz in die Entwicklung investiert wird.

Alexa im Active Sourcing

Moment mal! Wir wissen doch alle, dass die Entwicklung der Arbeitskräftenachfrage und des Erwerbspersonenpotenzials dazu führen wird, dass das Zeitalter des Post & Pray nun demnächst wirklich (also so richtig, richtig wirklich) vorbei sein wird, werden Sie jetzt einwenden. Was also sollen Jobbörsen, die ich über Alexa steuern kann, wenn ich doch auf aktive Ansprache setzen muss? Auch da wäre ja rein theoretisch ein Ansatz denkbar. Zum Beispiel ein Skill von XING oder Linkedin, über die Sie dann Kandidaten suchen könnten. „Alexa, such mir auf XING einen „Techniker als Spezialist im Bereich 2nd Level Support inklusive VIP-Betreuung“ mit fünf Jahren Berufserfahrung und Erfahrung mit ITIL, 2nd-Level-Support und Hardware-Konfiguration im Umkreis von 25 Kilometern rund um Essen“. Und dann spuckt Ihnen Alexa entsprechende Profile aus bzw. verknüpft diese mittels Talentmanager oder schreibt sie vielleicht sogar direkt via wesource an.

Wäre doch was, oder? Ganz nebenbei bauen Sie noch eine persönliche Beziehung zu Alexa auf. Insbesondere für Singles oder Alleinstehende bietet die Sprachassistenz ungeahnte Möglichkeiten. Endlich ist mal jemand da, mit dem man sprechen kann und der keine Widerworte geben kann ;)

Alexa in der Vorauswahl

Unabhängig davon wären auch noch andere Szenarien möglich: Was wäre z. B., wenn man im Bewerbungsinterview auf Alexa und Co. setzen würde? Oder zumindest in der Vorauswahl? Hier wären „echte“ Gespräche möglich. Klar, bis die Technik soweit ausgereift ist, wird noch ein bisschen Zeit ins Land gehen. Sowie bei den Jobbots auch. Aber Bewerber dank Sprachassisstent durchs Gespräch zu führen, hätte doch was, oder? Ich meine, wir haben alle keine Zeit und Ressourcen und schon gar nicht fürs Recruiting, da wäre das doch eine echte Erleichterung. Da die Systeme immer besser werden und dazu lernen, erfolgt die Vorauswahl durch Alexa. Weitere Vorteile: Keine Reisekosten, der Bewerber muss sich noch schick machen, sondern kann lässig mit Bier und Pizza auf der Couch chillen und sich entspannt mit Alexa unterhalten. Schöne neue Recruiting-Welt, oder?

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    1. Hallo Henner,
      da hat ich jetzt mal Spaß. Wenn ich Vorträge zum Thema Digitalisierung in der Berufsausbildung halte, habe ich immer Alexa dabei (allerdings wartet die auch immer mit einer Überraschung auf und nicht jedes WLAN will sie). Unser neustes Produkt der Azubi-Navigator soll nämlich zukünftig auch auf Zuspruch sofort sagen können, wo der Azubi gerade ist. Das ich mal meiner Zeit voraus seien würde, hätte ich auch nicht gedacht.
      Liebe Grüße
      Felicia

      • personalmarketing2null sagt:

        Liebe Felicia,
        wow, das ist ja großartig! Ich bin sehr gespannt, da musst du mir unbedingt mehr von erzählen!
        Oder mir vorstellen :)
        Liebe Grüße
        Henner

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