Und was machst du so? – Berufsorientierung neu gedacht – Mein Podcast mit Ali Mahlodji

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Und was machst du so? Mal Hand aufs Herz: Wussten Sie damals eigentlich, was Sie mal werden wollen? Wäre es nicht großartig gewesen, wenn es ein Buch oder eine Plattform gegeben hätte, wo alle Berufe von verschiedenen Menschen vorgestellt würden, so dass Sie eine Orientierungshilfe haben? Als mein aktueller Gesprächspartner Ali Mahlodji 14 Jahre alt war, hat er sich genau so ein „Ein Handbuch der Lebensgeschichten“ gewünscht. Mit whatchado und seinen Freunden hat er seinen Traum realisiert. Nun hat er seine Erfahrungen und Erlebnisse niedergeschrieben. Über sein Buch „Und was machst du so“ und das Leben habe ich mit Ali in Wien gesprochen.

Als ich 16 war, wusste ich nicht, was ich mal werden wollte. Eher durch Zufall bin ich nach der Höheren Handelsschule dann im Einzelhandel gelandet. Nach 13 Jahren war für mich dann klar: Das kann es nicht gewesen sein und ich habe angefangen zu studieren. BWL. Klar. Wer nichts wird, wird Wirt. Schwerpunkt: Personal. Und Wirtschaftsinformatik. Nach ein paar Stationen in der freien Wirtschaft habe ich dann hier im Blog und der daraus resultierenden Arbeitgeberauftrittsoptimierungsberatung meine wahre Leidenschaft gefunden.

Vom Flüchtlingskind und Schulabbrecher zum Unternehmensgründer

Ali war zwei, als er nach Wien kam. Als Flüchtlingskind persischer Eltern hatte er es alles andere als leicht. Was er mal werden wollte, wusste er nicht. Einen Traum hatte er: Ein Handbuch der Lebensgeschichten, wo jeder Beruf vorgestellt und eine Orientierungshilfe fürs Leben gegeben wird. Quasi wie ein „Poesie-Album“ für Erwachsene. Damals konnte sich kein Erwachsener vorstellen, dass so etwas in 20 Jahren möglich und erfolgreich wäre. Über 40 Jobs hatte Ali: Er hat Böden geputzt, hat auf Baustellen malocht, stand hinter der Supermarktkasse, war Unternehmensberater, Lehrer, Firmengründer. Er hat die Schule abgebrochen, nachgeholt und ein Studium draufgesattelt. Sein Traum, das Handbuch der Lebensgeschichten, ist mit whatchado wahr geworden. Und nun ist er auch noch Buchautor. „Und was machst du so?“ heißt das Buch, welches er in Wien bei einer Lesung vorgestellt hat, der ich glücklicherweise beiwohnen konnte.

„Wann immer wir glauben, wir sind nicht fähig,Neues zu lernen, sollten wir uns daran erinnern, wie wir gehen und sprechen gelernt haben… Es war unsere Neugierde und nicht der Druck von außen.“

Die Resonanz war überwältigend: Die Buchhandlung an der Landstraßer Hauptstraße platzte aus allen Nähten, es mussten extra Stühle aufgestellt werden und aufgrund der begeisterten Fans begann die nachfolgende Lesung einige Minuten später. Die Schlange zog sich durch die ganze Thalia-Filiale, einige hatten gleich mehrere Exemplare seines Buchs in der Hand, die sie signiert haben wollten. Ich hatte das Buch zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gelesen, war aber von der Atmosphäre und von dem Gespräch, welches ich kurz zuvor beim HR Barcamp mit Ali führen konnte, schon infiziert.

Für alle, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen

Ali will nicht mehr und nicht weniger als die Welt retten. Was so pathetisch klingt, scheint ihm zu gelingen. Natürlich nicht das Leben der Weltbevölkerung, das wäre wohl etwas vermessen. Aber was Ali möchte und was ihm auch gelingt, ist es, Menschen, die an einem Punkt in ihrem Leben stehen und nicht mehr weiterwissen, zu zeigen, welche Möglichkeiten und Perspektiven sie haben, um es zu ändern. Egal, ob sie 14 oder 54 Jahre alt sind. Jeder kann sein Leben selber in die Hand nehmen.

Schon krass irgendwie. Da steht da jemand vor einem, der es der landläufigen gesellschaftlichen Meinung gar nicht hätte soweit bringen dürfen als Flüchtlingskind, Schulabbrecher und Stotterer. Heute steht Ali bei TED-Konferenzen auf der Bühne, ist EU-Jugendbotschafter auf Lebenszeit und Bestsellerautor. Tatsächlich ist die erste Auflage seines Buches bereits nach kurzer Zeit verkauft gewesen. Das alles, weil er sein Leben selbst in die Hand genommen und fest an seine Träume geglaubt hat.

„Ich möchte Menschen, die an einem Punkt ihres Lebens stehen und nicht mehr weiterwissen, die Perspektive erweitern und zeigen welche Möglichkeiten sie haben – egal ob 14 oder 54.“

Auch an das „Handbuch der Lebensgeschichten“. Schon verrückt, dachte er vor einigen Jahren: Wir haben das Internet und verwenden das für Selfies – aber es gibt keine Plattform für Jobs. Das wollte er ändern. Irgendwie. Wenn es sonst keiner macht, dann eben er. Ohne großartig nachzudenken, kaufte er für 400 Euro eine Kamera, ein Mikro und ein Stativ und ging auf die Straße, um Menschen die Fragen zu stellen, die sie interessieren. Heraus kamen dabei die sieben whatchado-Fragen. Das erste „offizielle“ Interview dauerte zwei Stunden, das erste Video auf whatchado 41 Minuten. Die Plattform ging dann 2011 mit 17 Videos online. Zunächst als Herzensprojekt. Dank eines ORF-Berichts kamen dann die ersten Anfragen von Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dort präsentiert sehen wollten. In der Folge wurde aus dem Verein whatchado das Startup gegründet. Das war reiner Zufall und alles andere als geplant. Schließlich sei „Planung Feind alles Neuen, aber Freund alles Nachhaltigen„, so Ali im Interview. Mittlerweile sind über 6.000 Videos online, monatlich kommen über 100 Videos hinzu. Auf whatchado geben sich Youtuber, Anwälte, Personaler, Polizisten und Politiker, Lokführer, Ärzte, Controller, Uhrmacher und Bäcker die Klinke in die Hand.

Und was machst du so - Das Buch von Ali Mahlodji

Berufsorientierung als Herzensangelegenheit

Begonnen hat das Ganze als Kindheitsidee. Gedacht war die Plattform ursprünglich, um Jugendlichen eine Orientierung zu geben. Genutzt wird es aber genauso von Berufseinsteigern und Berufserfahrenen. Und so wurde whatchado zur größten Plattform für Berufsorientierung. Generell treibt Ali das Thema Berufsorientierung an. Sein Wissen und die Erfahrungen, die sein Leben geprägt haben, gab Ali schon vor whatchado an Schüler weiter. Bei der Jugend-Caritas war er Lehrer für unbegleitete Jugendliche und hat sie bei der Berufsorientierung unterstützt und hoffnungslosen Fällen eine Perspektive gegeben. Und so berichtet Ali mit leuchtenden Augen von „Problemschülern“, die schon alle abgeschrieben hatten, die ihr Abitur oder eine Lehre gemacht haben.

„Experten haben immer nur das Wissen der Vergangenheit. Wenn du wissen willst, ob etwas Verrücktes funktionieren kann, frag ein Kind… keinen Experten.“

Aus diesem Engagement ist in den letzten Jahren die whatchaskool erwachsen, die mittlerweile schon für über 50.000 Schüler Berufsorientierung vermitteln konnte. Wie es zu whatchado kam, wie Ali „als Vertreter der Jugend“ EU-Jugendbotschafter auf Lebenszeit wurde und was er da macht, was es mit der whatchaskool auf sich hat, warum ihm das Thema Berufsorientierung eine Herzensangelegenheit ist, und warum man nicht warten soll, bis jemand etwas macht, sondern selbst die Initiative ergreifen sollte, das alles erzählt er in diesem sehr persönlichen Podcast. Viel Spaß!

Links zur Episode:

„Und was machst du so“ bei Amazon

whatchado

whatchaskool

Holstee-Manifest

Mein Blogartikel zu whatchado

Alis Video bei whatchado

HR-Barcamp Wien


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