Bewerben bei Foodora – So funktioniert Performance Personalmarketing

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Vor Kurzem schrieb ich einen Artikel über Performance Personalmarketing und welche Möglichkeiten einem dieses vielfältige Instrumentarium, welches im Online-Marketing schon seit gefühlten 100 Jahren im Einsatz ist, in der Bewerberansprache bietet. Und schwupps, lief mir ein brillantes Beispiel über den Weg, welches wunderbar zeigt, wie das Ganze funktionieren kann. Auch wenn ich von Foodora selber nicht sonderlich viel halte und das Unternehmen auch nicht immer gut da steht – von wertschätzender Bewerberansprache verstehen die was :).

Letztendlich dient Performance Personalmarketing dazu, unter Einsatz von Targeting. Re-Targeting und E-Mail-Marketing aus Interessenten Kandidaten und aus Kandidaten Bewerber zu machen. Das Ganze mit dem Ziel, messbare Reaktionen und/oder Transaktionen mit dem Nutzer zu erhalten. Die Ansprache potenzieller Bewerber erfolgt individuell auf die potenzielle Zielgruppe zugeschnitten, um die größtmögliche Interaktion mit dem Kandidaten zu erreichen und zur Bewerbung zu führen. Und es ist genauso einfach, wie es klingt :)

Bewirb dich als Rider

Im Zuge einer Recherche für einen Vortrag stolperte ich über die Website eines Jobportals. Wahrscheinlich checkte ich gerade die Auffindbarkeit der Stellenangebote eines Kunden, die dank Einbindung der Stellen mittels E-Recruiting-Software allerdings nicht gegeben war. Wie auch immer. Hier prangte dann rechts neben den eigentlichen Suchergebnissen ein per Google Adsense eingeblendetes Banner. Ich solle mich als Rider bewerben, hieß es da.

Targeting im Personalmarketing am Beispiel Foodora

Klar, dachte ich mir, ein bisschen frische Luft und Bewegung und ein netter Nebenverdienst nach Feierabend – warum nicht! Gesagt, getan, geklickt. Ich landete auf einer Landing-Page (deswegen heißt die auch so ;)) und wurde gleich als einer von Foodora begrüßt: „Du bist einer von uns„, heißt es da.

Job-Landing-Page von Foodora

Eine direktere Bewerberansprache geht wohl kaum. Klingt fast wie bei der Deutschen Bahn. Nur nimmt man der Bahn das „Du“ bei „Willkommen, du passt zu uns“ irgendwie nicht so richtig ab. Foodora schon. Und noch etwas zeigt Foodora: Dass man nämlich die Bewerber sehr wohl auf der Startseite adressieren kann (und sollte). Weil jeder Kunde auch ein potenzieller Bewerber ist. Aber das sei nur ganz bescheiden am Rande erwähnt.

Hinweis auf die Jobs auf der Foodora-Startseite

Auf der Landingpage informiert dann Foodora darüber, was das Unternehmen so zu bieten hat und dass man selber für den fahrbaren Untersatz, das Smartphone und die Datenflat zu sorgen hat. Wem es passt, der kann sich bewerben. Was ich, wie oben erwähnt, getan habe. Dabei wird im Übrigen jeder Schritt getrackt, anhand bspw. der URL ist zu erkennen, über welche Kampagne(nseite) der Nutzer kam. Jeder Bewerber erhält seine eigene ID, über die man die weiteren Schritte dann nachvollziehen und den Erfolg der Kampagne messen kann.

Nun ist es aber mit Nichten und Neffen so, dass jemand sich auch wirklich bewirbt, wenn er sich über einen Job informiert hat. Das ist so wie mit den Schuhen bei Zalando: Nur weil ich sie mir angeschaut und vielleicht auch in den Warenkorb gelegt habe, heißt das noch lange nicht, dass ich auch direkt den Kaufabschluss tätige. Warum auch immer, manchmal bedarf es einen zusätzlichen Impulses, um die Transaktion abzuschließen. So auch bei der Bewerbung. Ist klar, dass ich mir das „Kurierfahrer-how-to-Video“ angeschaut und den Test bravourös bestanden habe, oder? Aber meine Bewerbung wollte ich dann erst mal nicht zum Abschluss bringen. Das lag nicht an dem Video, das ist super gemacht und gibt wirklich eine perfekte Vorstellung von dem, was einem in dem Job als Fahrradkurier bei Foodora erwartet.

Tolle Candidate Experience dank E-Mail-Marketing

Was aber passiert, wenn man die Bewerbung bei Foodora einreicht (und den Bewerbungsprozess nicht abschließt), ist ein echtes Lehrstück in Sachen Candidate Experience. Theoretisch zumindest. Es beginnt mit dem Eingangsbescheid, der mich binnen Minuten per E-Mail erreicht. „Hi Henner, wir fühlen uns geschmeichelt, dass Du Teil unserer Fahrerflotte werden möchtest!“ Schreibt mir eine Nina Karow. Wow, denke ich! Was für eine nette, wertschätzende Begrüßung als Bewerber! So etwas habe ich noch nie gesehen! Mehr davon! Und ich bekomme mehr: „Wir freuen uns riesig über Deine Bewerbung und möchten Dir auf diesem Weg wichtige Informationen zukommen lassen, wie es mit Deiner Bewerbung weitergeht.“ Foodora freut sich riesig über meine Bewerbung. Wow! Das geht ja runter wie Öl!

Eingangsbescheid auf die Bewerbung als Fahrradkurier bei Foodora

Tja, und obwohl das Schreiben soooo nett war (bis auf den fehlenden Absender ernst gemeint!), habe ich den Test dann nicht absolviert. Aber Nina Karow respektive Foodora lässt nicht locker. Vier Tage später erhalte ich eine freundliche Erinnerung. Gut so! Den Kandidaten sachte zur Bewerbung führen und freundlich erinnern.

Foodora schickt eine freundliche Erinnerung

Ich nehme das als Anlass, noch einmal das Video bzw. die Test-Seite aufzurufen, werde aber aus welchen Gründen auch immer wieder von einer Bewerbung abgehalten. Damn! So denkt man wohl auch bei Foodora, die auf die magentafarbenen Fahrer angewiesen sind und schickt mir drei Tage später eine weitere Erinnerungsmail. Text ist der gleiche, nur das Bildmotiv wurde gewechselt. Da ich zu der Zeit viel auf Vortragsreisen bin, die HR-NIGHT vor der Tür steht und ich gerade keinen Kopf für einen Ausflug als Fahrradkurier habe und darüber hinaus auch von der Berichterstattung in den Medien abgeschreckt bin, zucke ich wieder nicht.

Das ficht „Nina“ nicht an und so erhalte ich bereits am folgenden Tag eine weitere E-Mail: „Hi Henner, wir sind wieder auf der Suche nach den besten Kurieren der Stadt und haben Dich nicht vergessen!“ Ich bin gerührt: Endlich mal jemand, der an mich denkt! „Du willst noch Teil unserer pinken Flotte werden? Dann klicke einfach auf den Button unten und fange schon in weniger als einer Woche bei uns an. Wir freuen uns auf Dich!

We are HIRING - Foodora laesst nicht locker

Ich bin hin und her gerissen: Da ist jemand, der mich nicht vergessen hat und auf der Suche nach den besten Kurieren der Stadt ist (woher wissen die das bloß…) und wo ich schon in weniger als einer Woche anfangen könnte… Wie kann ich Nina da vor den Kopf stoßen. Vielleicht sollte ich sie mal auf ein Glas Wein zu einem echten Candy Date einladen? Vielleicht könnte ja auch privat was aus uns werden…. Ob ich ihr mal schreibe?

Während ich noch zögere, zerstört sich neun Tage später meine Hoffnung auf eine junge Liebe. „Nina“ schreibt mir: „Hi Henner, vielen Dank für Dein Interesse an foodora! Leider müssen wir Dir mitteilen, dass wir Deine Bewerbung momentan nicht in die engere Auswahl nehmen können. Wir möchten uns bei Dir für Dein Interesse an dem Job und die Zeit, die Du in die Bewerbung investiert hast, bedanken! Unabhängig davon wünschen wir Dir viel Erfolg und alles Gute für Deine persönliche und berufliche Zukunft.

Nina, ach Nina… du hast mein Herz gebrochen. Wir hätten ein prima Paar abgegeben, wir zwei. Wie gerne wäre ich mit dir in magentafarbener Kluft durch die Straßenschluchten Wiesbadens gerast, um Foodoras Zukunft mitzugestalten und Menschen zu noch mehr Bequemlichkeit und Faulheit zu verhelfen…

Nina verzweifelt gesucht!

Sollte ich das auf mir sitzen lassen? Nach nur einem Korb aufgeben? Auf gar keinen Fall! Also begab ich mich auf die Suche nach Nina. Nina Karow, so ihr Absender. Google sollte sie kennen. Wirklich viel spuckt Google nicht aus. Unter anderem einen User bei Twitter. Ob das Nina ist?

Auch eine Protagonistin bei einem Tatort hört auf den Namen Nina Karow. Ob Nina Karow ihre Rolle als Kommissarin mit der einer Recruiterin vertauscht hat? Ein Blick auf XING und Linkedin sollte Klarheit verschaffen. Ein Recruiter, der nicht auf einem bzw. beiden dieser Business-Netzwerke vertreten ist, hat seinen Job verfehlt. Linkedin: Fehlanzeige. XING: Ja, da gibt es eine Nina Karow. Sogar gleich dreimal. Aber alles sieht mir irgendwie nach Fakeprofil aus. Sollte Nina Karow also ein Fake sein? Eine Recruiter-Persona vielleicht? Mich erinnert das irgendwie an Sonja Christensen. Die gab es auch nicht, war aber angeblich fürs Marketing bei Alice zuständig. Witzigerweise nach meinem Blogartikel dann irgendwann nicht mehr.

Wie auch immer. Wie sich Foodora des Performance Personalmarketings bedient, ist wirklich vorbildlich. Und Targeting, E-Mail-Marketing, wertschätzende Bewerberkommunikation, freundliche Erinnerungen, dass man die Bewerbung abschließen möge sowie eine ansprechende Landingpage zeigen anschaulich, wie Phasen einer guten Candidate Experience aussehen können. Bis auf die Randerscheinungen (Nina verzweifelt gesucht) definitiv ein inspirierendes Beispiel.

In diesem Sinne, ich bestell jetzt mal was bei Foodora.


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