Wir haben noch nie jemanden erschossen, der sich bei uns beworben hat - Neues aus der Welt der Recruiting-Videos

Wir haben noch nie jemanden erschossen, der sich beworben hat – Skurille Recruiting-Videos

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Eine der Wunderwaffen im War for Talents ist neben Facebook (welches Sie jetzt nach der neuesten Neuerung bitte wirklich vergessen!!!) ja das Recruiting-Video. So richtig erfolgreich sind Recruiting-Videos aber nur, wenn die Mitarbeiter rappen, tanzen, nackt im Bett liegen oder andere peinliche Sachen machen. Ja, dann haben die durchschlagenden Erfolg und erhalten bundesweite Aufmerksamkeit. Und dazu noch die Goldene Runkelrübe. Oder den Silbernen Sellerie. Insofern bleibt abzuwarten, wie erfolgreich gleich eine ganze Reihe von Recruiting-Clips eines Software-Unternehmens aus Stuttgart ist.

Recruiting-Videos kann man entweder professionell von einer Agentur produzieren lassen (wobei es viele Anbieter gibt, die sich auf die Fahnen schreiben, solche Videos produzieren zu können, aber irgendwie leider keine Ahnung von Personalmarketing haben. Wird auch überbewertet, insbesondere dann, wenn der Entscheider selber keine Ahnung hat) oder aber selber erstellen. Klar, die ganzen Youtube-Stars machen es vor. Selbst produzierter Content is King. Aber so was von. Schließlich heißt das ja Social Media.

Hat sich der Chef des Stuttgarter Softwarehauses wohl auch gedacht und sich gleich mehrfach vor die Kamera gestellt. Abgesehen von seiner Vorliebe für karierte Hemden, hat er auch noch eine Vorliebe für schrägen Humor. Wenn man den denn als solchen versteht. Aber sehen Sie selbst (und halten Sie unbedingt durch, es lohnt sich in jedem Fall)!

Ohne jeden Zweifel bekommt man als Bewerber richtig Lust, sich bei dem Unternehmen zu bewerben. Schließlich winkt vielleicht eine ähnliche Karriere neben dem Chef hinter oder neben der Kamera (das wünscht er sich zumindest). Außerdem bekäme man dann auch vielleicht das Team zu sehen, von dem zwar immer die Rede ist (oder auch Frau Rixen), welches aber nie erscheint. Gut, es ist ein selbstproduziertes Recruiting-Video. Und der gute Mann ist offenbar ein ziemlicher Selbstdarsteller. Auch wenn er Youtube ganz offensichtlich liebt, reichen seine Kenntnisse und die Ressourcen dann doch nicht aus (offensichtlich sogar, schließlich sucht er auch Studenten oder Schüler, die sich für ein Taschengeld um Bild- und Videobearbeitung kümmern), das Ganze mal etwas anzureichern. Bspw. mit Einblicken in das Unternehmen, in die Büros oder eben der Vorstellung des oft erwähnten, aber nie gezeigten Teams. Oder eben Frau Rixen.

Ist das Ganze nun peinlich und eine Nominierung für die Goldene Runkelrübe wert?

Das liegt so ziemlich im Auge des Betrachters. Schließlich geht es im Personalmarketing ja immer um die stets bemühte Authentizität.  Die ist gaaanz wichtig. Bloß keine Realität vorgaukeln, die dann bestimmte Erwartungshaltungen beim Bewerber aufbaut und sich hinterher als große Lüge entpuppt. Könnte ja bspw. sein, dass Herr Böhmichen gar keine karierten Hemden trägt. Oder er gar nicht so einen tollen Humor hat, sondern ein Choleriker vor dem Herrn ist (wobei das eine das andere nicht zwingend ausschließt). Könnte ja sein.

Sei es drum. Der Mann ist, wie er ist. Ein echter Selbstdarsteller. Ich als Bewerber kann das peinlich finden oder mich damit identifizieren. Sicher ist, dass sich nur die bewerben werden, die sich mit diesem Auftreten identifizieren können. Das sind im Zweifelsfall nur wenige. Aber es geht ja auch nicht darum, möglichst viele Bewerbungen zu bekommen, sondern um die passenden! Und entscheidend ist nun mal, dass der Mitarbeiter ins Team passt, sich mit der Unternehmenskultur identifiziert und über die richtigen sozialen Kompetenzen verfügt. Alles fachliche kann man sich im Zweifelsfall aneignen. Also, wenn es mir gefällt und ich mich in dem, was Herr Böhmichen da gleich mehrfach von sich gibt, wiederfinde und auf seinen schrägen Humor stehe, bewerbe ich mich. Wenn nicht, dann eben nicht. Schließlich hat man dort „noch nie jemanden erschossen, der sich beworben hat“ (Zitat Böhmichen).

Einen Tipp hätte ich dann aber doch noch für Herrn Böhmichen. Die Jobs mal etwas prominenter auf der Website platzieren. Erhöht die Chance immens, dass diese auch gefunden werden.

In diesem Sinne, Ihnen ein entspanntes Wochenende!

  1. […] So “Gut geblökt: Jobbörse für Schäfer – stellenmarkt-schafe.de“, “Wir haben noch nie jemanden erschossen, der sich beworben hat Skurille Recruiting Videos” oder “Personalsuche der etwas anderen Art: Sky sucht Rekruten für Nachtwache […]

  2. Andreas sagt:

    „es geht nicht darum, möglichst viele Bewerber zu bekommen, sondern um die passenden.“

    So soll das sein – die Persönlichkeiten müssen zur Tätigkeit und zur Gruppe passen.Es wird kommuniziert was gemacht wird und was erwartet wird.

    Entweder möchte ich als Bewerber und potentieller zukünftiger Kollege (m/w)dazugehören oder nicht!

    Alles andere kostete nur Nerven, Zeit und Geld und das ist erst richtig frustrierend für beide Seiten

  3. Hallo liebe Kollegen,
    vielen Dank für den Beitrag. Es ist in der Tat so: die einen lieben die Videos – die anderen hassen Sie. Meine Mitarbeiter bekommen die Clips in jedem Fall vorher zu sehen. Die allzu schrägen oder biederen varianten fallen dann meist schon raus.
    Interessanterweise haben wir mit dem ersten schrägen Video eine Mitarbeiterin für das Online-Marketing gefunden, die sich gesagt hat: Hey, die gehen nicht zum Lachen in den Keller – damit kann ich mich identifizieren.
    Übrigens: Unsere Kollegin Marlene Rixen konnte ich noch nicht davon überzeugen, sich vor die Kamera zu stellen.
    P.S.: Ich habe bisher in meiner beruflichen Laufbahn noch kein anderes so virales Medium kennen gelernt, wie diese Videos.
    … und wir finden bestimmt noch einen Mitstreiter, der die Clips etwas professioneller aufbereiten kann.

    • personalmarketing2null sagt:

      Hallo Herr Böhmichen,
      vielen Dank für die Rückmeldung! Klasse, dass Sie sich dazu äußern!
      Ich sag ja immer wieder: es geht nicht darum, möglichst viele Bewerber zu bekommen, sondern um die passenden. Insofern ist es doch gut, wenn man als potenzieller Mitarbeiter gleich einen Eindruck davon bekommt, wie der künftige Chef tickt. Eine wunderbare Methode eines „Self Assessments“, wenn man denn so will.
      Ich bin ehrlich: zu Anfang habe ich doch sehr mit dem Kopf geschüttelt und gedacht, wie peinlich ist das denn? Dann aber fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Klasse, was der Herr Böhmichen da macht. Endlich mal einer, der zeigt, wie er tickt. Und hier machen sich nicht die Mitarbeiter „zum Affen“, hier macht es der Chef selbst. Von meiner Seite aus: Daumen hoch. Wird aber nicht jeder so denken. Was aber auch egal ist.
      Vielleicht sehen wir uns ja in Wiesbaden? Würde mich sehr freuen!

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