Forschung beweist: Gen schuld am Fachkräftemangel

Forschung beweist: Gen schuld am Fachkräftemangel

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Alle Welt jammert über den Fachkräftemangel. Bewerber werden nicht gefunden, Stellen werden nicht besetzt. Das HR Barcamp in Berlin brachte sogar an den Tag, dass Personaler den Fachkräftemangel wollen. Wer als Arbeitgeber respektive Recruiter das Problem hat, seine Stellen nicht mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen, kann sich nun mit einer genetischen Ursache herausreden.

Psychologen der Humboldt-Universität Berlin haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Problematik, Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen und dem Gen KIaIuN15 nachgewiesen, welches eine wichtige Rolle bei der Signalweiterleitung in die Stirnlappen spielt.

Wer über eine bestimmte Variante dieses Gens verfügt, leidet an Lethargie und Desinteresse, leistet lieber Dienst nach Vorschrift und ist innovativen Recruitingstrategien gegenüber immun – Faktoren, die sich unumwunden auf dieses Gen zurückführen lassen und offenbar eine wesentliche Schuld am Fachkräftemangel mittragen.

Die Wissenschaftler haben im Labor schon vor längerer Zeit Hinweise gefunden, dass das Gen KIaIuN15 am Fachkräftemangel beteiligt ist. Die Struktur dieses Gens sei „mit einem Dirigenten vergleichbar, der das Gehirn als Orchester koordiniert”, erklärte Sören Knappinski,  Erstautor der Studie. Macht der Dirigent mit seinem Taktstock – in diesem Fall das Gen KIaIuN15 – Fehler, gerät das gesamte Orchester durcheinander – es kommt zum Missklang respektive zum allseits kolportierten Fachkräftemangel. Dass es sich dabei nicht wirklich um einen Fachkräftemangel handelt, sondern eher um die von diesem Gen geförderte mangelnde Bereitschaft bzw. das Unvermögen des Rekrutierenden, sich auf Innovationen und Neuerungen einzulassen, untermauern diese Studienergebnisse.

Fachkräftemangel: Schuld ist ein Gen

Wesentliche Erkenntnis dieser Studie: Im Laufe der Evolution hat sich eine Vielzahl von Formen der Kommunikation entwickelt, die situationsabhängig eingesetzt werden und eine entscheidende Rolle im intra- sowie interspezifischen Verhalten von Recruitern und Bewerbern spielen (Candidate Experience). Dabei liegt jeder Art von Kommunikation ein Sender-Empfänger-Prinzip zugrunde, nach welchem jedes Signal erst dann einen Sinn ergibt, wenn ein Empfänger auf Grundlage der Information des Senders sein Verhalten anpassen kann. Entscheidend ist, dass sowohl Sender wie auch Empfänger mögliche Kosten (also die entsprechenden Rekrutierungs- bzw. Bewerbungsmaßnahmen) gegen den zu erwartenden Nutzen (Einstellung der jeweiligen Fach- und Führungskräfte respektive Auszubildende) abwägen. Klare Erkenntnis: Damit ein Signal evolutionsstabil ist und den Bewerber erreicht, muss der (bevorzugte) Empfänger einen Nutzen aus dem Signal ziehen können, der letztendlich auch dem Sender zugute kommt („Candy Date„; Cornelsen & Trost 2013).

Fachkräftemangel? Alles eine Frage der Gene!

Allerdings: Auch wenn der Fachkräftemangel ein Zeichen des Unvermögens von Recruitern darstellt (als Recruiter gelten gemäß Studiendesign die, die sich um die Personalbeschaffung von Mitarbeitern kümmern), so sind diese damit entschuldigt, dass sie das KIaIuN15-Gen in sich tragen. Allerdings ist es durchaus möglich, hier gegenzusteuern.

Das Fatale bei dieser „Gen-Störung“: Natürlich tritt sie auf beiden Seiten auf. Was sich beim Recruiter bspw. darin äußert, dass Stellenanzeigen mangelhaft verfasst werden und auf den falschen Jobbörsen veröffentlicht wird (wenn denn überhaupt Jobbörsen genutzt werden), zeigt sich auf der anderen Seite im Unvermögen der Bewerber, Stellenanzeigen zu lesen und zu interpretieren – Stichwort Lesekompetenz. Analog PISA geht es dabei um folgende Dimensionen:

  • Stellenanzeigentexte finden und auf sie zugreifen
  • Stellenanzeigentexte interpretieren und einordnen
  • Stellenanzeigentexte reflektieren und evaluieren

und, schlussendlich: die Stellenanzeige lesen, verstehen, reflektieren, interpretieren und sich dann bewerben oder besser auch nicht. Hier zeigt sich auch wieder das Phänomen, dass nicht viele Bewerbungen das Ziel sind, sondern die passenden. Und das auf beiden Seiten.

Fehlende Lese- und Problemlösekompetenz sorgt für Mismatch am Arbeitsmarkt

Was letztendlich den „Fachkräftemangel“ verschlimmert ist die Tatsache, dass ein Recruiter, der dieses Gen in sich trägt, auch ein Bewerber sein kann und umgekehrt. Treffen beide dann im Bewerbungsprozess aufeinander und mangelt es dann noch an der notwendigen Problemlösekompetenz, so führt dies zu einer Gen-Mutation und in der Folge zu einer besonders schweren Ausprägung von Mismatching.

 

Entwicklung Mismatch Recruiter vs. Bewerber

Für ihre Studie haben die Psychologen insgesamt über 600 Frauen und Männer sowohl aus Arbeitgeber- als auch aus Bewerbersicht getestet und deren Speichelproben auf das „Fachkräftemangel-Gen“ untersucht.

Zudem sollten die Teilnehmer anhand eines Fragebogens die Candidate Experience einschätzen. Die Ergebnisse zeigten demnach einen deutlichen Zusammenhang zwischen „Fachkräftemangel“ (dem Unvermögen, Bewerbende zu erreichen), „Candy Date“ (Bewerber zu begeistern) und der benannten bestimmten Genvariante.

Gegen den Fachkräftemangel respektive das Gen lässt sich nach Angaben der Experten allerdings einiges tun: „Man kann neue Recruitingwege beschreiten und dem Kandidaten die verdiente Wertschätzung entgegen bringen„, erklärte Knappinski. Vor allem aber solle man „Recruiting und Personalmarketing als Strategie betreiben und den Stellenwert von HR im Unternehmen gegenüber der Geschäftsführung manifestieren„. Hilfreich sind hier auch Entspannungsformen wie autogenes Training oder Yoga. Auch wohl dosiertes Hypoxietraining hilft.

Bewerbern empfiehlt Knappinski „einfach mal die Stellenanzeige richtig zu lesen“ und weiter „sich nur auf die Stellen zu bewerben, die auch auf einen passen„. Hier allerdings kann die oben genannte Gen-Mutation die Empfehlungen konterkarieren. Wenn nämlich die Stellenanzeige so verfasst wurde, dass das „karierte Maiglöckchen“ respektive die „Eier legende Wollmilchsau“ gesucht wird und eine klare Zuordnung zu den einzelnen Kompetenzen nahezu unmöglich ist.

Resümee der Studie: Wer die Empfehlungen der Studienautoren in den unterschiedlichen Arbeitsmarktsituationen beherzigt, kann demzufolge dem Fachkräftemangel selbstbewusst entgegen treten bzw. diesem ein Schnippchen schlagen. Na, dann los!

Was ist mit Ihnen – sind auch Sie von diesem Gen betroffen? Wie gehen Sie damit um, was sind Ihre Empfehlungen für Ihre Kollegen in Recruiting und Personalmarketing [Notiz an mich: sollte ich mal als Session bei einem der nächsten HR Barcamps vorschlagen]?

  1. […] sind, die sich gegenseitig befruchten wollen. Und ganz bestimmt eins nicht in sich tragen: Das Gen mit der Nummer KIaIuN15, welches nachweislich für den Fachkräftemangel mitverantwortlich i…. Zudem gibt es ein Unterhaltungsprogramm, wie es das in der Form auch noch nicht gegeben hat. So […]

  2. Marc M. sagt:

    Gut, dass es solche Studien gibt. Fast hätte ich schon gedacht, dass es an subjektiven Entscheidungskriterien in der HR oder zu geringen Recruiter-Frechmut liegt, wenn es zum Missmatch kommt.

    Auf meiner Suche nach weitergehenden Infos bin ich aber leider nicht weitergekommen, sondern nur genau hier gelandet: http://www.internet-ende.com/

    Freundliche Grüße aus Bayern
    Marc M.

  3. ich empfehle einen AdBlocker, um das Gen am mutieren zu hindern.

  4. Andreas sagt:

    Dieser (personaler) Gendefekt ist sehr weit verbreitet, wahrscheinlich weiter als die Studien evtl. vermuten lässt.

    Wir haben hier eine Datenbank von knapp 10000 Probandenadressen. Wenn man hier die Kampagnen….sorry, Studienauswertung betrachtet, dann können signifikante Werte bei einem 99% Niveau errechnet werden.

    Das ist sehr traurig. Daher unsere Empfehlung an die Pharmaindustrie. IMPFSTOFF entwickeln.

    • personalmarketing2null sagt:

      Ja, offensichtlich stellt diese Studie nur die Spitze des Eisbergs dar. Wir dürfen gespannt sein, was uns das Team um Herrn Knappinski noch um die Ohren haut…

      • Andreas sagt:

        Wir konnten feststellen, dass zum „Krankheitsbild“ überwiegend folgende Symptome auftrete.

        Komische Fragen, zB wie „kostet des was? Wenns was kostet, dann bringts nix.“
        Und auch Wiederholungen von Aussagen: „für so Zeugs haben wir kein Budget.“ Oder „Mit unseren 5-6 Printanzeigen fahren wir bisher immer noch sehr gut.“
        Ein ganz schwieriger Fall wahnfieberte sogar, dass er zB nie auf Azubisuche gehen muss, weil seine Angestellten ja Nachwuchs haben, der dort den Eltern folgen wird.

        Wer weitere Beobachtungen hierzu hat, gerne hier…

  5. Gerhard Kenk sagt:

    Die interessante Studie wurde unter dem Pseudonym Sören Knappinski publiziert, erhältlich unter ISBN 978-3-527-50769-6. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich in Wirklichkeit der Neurologe und Psychologe Martin Gehtsnochkowski.

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