DFB sucht Social-Media-Redakteur – Bewerbung ausschließlich per Post

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Eine nahezu identische Schlagzeile gab es schon einmal, da war es die ARD Programmdirektion, die einen Social Media Manager suchte. Der Bewerbungszeitraum betrug seinerzeit zwei Wochen (über die Weihnachtstage!) und eine Bewerbung war ausschließlich per Post möglich. Ob diese Position besetzt werden konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Diesmal ist es die Position eines Social-Media-Redakteurs beim DFB. Auch hier ist die Bewerbung nur per Post möglich. Bewerbungszeitraum ca. 3,5 Wochen. Die Chancen für das Inserat? Eher schlecht, schätze ich. Nicht nur wegen des Anachronismus…

Schön, dass es so aufmerksame Leser und Förderer der Goldenen Runkelrübe gibt. Diese schicken nämlich immer fleißig tolle Vorschläge in Sachen schlechter Personalkommunikation. In den letzten Tagen gerade wieder so wundersame Exemplare, dass ich da doch das ein oder andere von aufgreifen muss. Untermauern sie doch eindrucksvoll, wie erfolgreich deutsche Arbeitgeber ein Sandy Date nach dem anderen inszenieren. Will sagen, Sand ins Getriebe ihrer Recruitingaktivitäten respektive in die Augen (potenzieller) Bewerber streuen. Das ist manchmal so traurig, dass es schon wieder herzzereißend komisch ist. Wie im Beispiel des DFB.

Ich bin ehrlich, ich habe nicht mal ansatzweise was mit Fußball am Hut. Ich konnte die Begeisterung für diese Sportart und den Hype, der um selbige gemacht wird, nie verstehen. Klar, gespielt habe ich auch. Meine Spezialität war es, einfach die Spieler umzuholzen und gegen Knochen zu treten, statt gegen den Ball. Dies war aber auch meiner Fehlsichtigkeit geschuldet. Dieweil diese Spielweise nicht sooo gut ankam, wurde ich ins Tor verbannt. Keine gute Idee. Denn aufgrund meiner Fehlsichtigkeit bin ich Brillenträger. Und nachdem mir irgendwann einer mal selbige vom Gesicht schoss (vermutlich war es ein Racheakt), duckte ich mich danach immer, wenn ein Ball aufs Tor zugeflogen kam. Sie können sich vorstellen, dass auch meine Ambitionen als Torwart dementsprechend geschmäht wurden. Aber ich schweife ab.

DFB sucht Social-Media-Redakteur

Auf dieses wunderbare Exemplar der Stellenanzeige wäre ich also niemals gestoßen, für mich gibt es einfach keinen Grund, die DFB-Seite aufzurufen. Wohl aber für den, der diese wunderbare Anzeige entdeckt hat.

DFB - Deutscher Fußball-Bund sucht per Newsmeldung Social Media-Redakteur

Hier sucht also die DFB Online GmbH einen Social Media Redakteur. Was der mitbringen soll? Na, was als Social Media-Mensch eben unabdingbar ist. Z. B.:

  • ein erfolgreich abgeschlossenes Volontariat oder eine vergleichbare journalistische Ausbildung (ist eine journalistische Ausbildung wirklich zwingend notwendig für solch einen Job?)
  • fundierte Berufserfahrung im Bereich Social Media (wie wird diese definiert?),
  • Erfahrung mit den gängigen Online-Redaktionssystemen (z. B. Facebook, Google+, Twitter, Youtube??),
  • sehr gute Kenntnisse der deutschen und englischen sowie bestenfalls einer weiteren Sprache (bestenfalls einer weiteren Sprache… Türkisch? Aramäisch? Suaheli? Was denn?) in Wort und Schrift,
  • Internet- und Technikaffinität (also das muss mir jetzt mal einer erklären: wozu brauche ich Internetaffinität als Social Media Redakteur?),
  • Souveränität im Auftreten (aber hallo, ich sitze mit Krawatte und geputzten Schuhen an meinem Laptop und weiß mich gut zu artikulieren),
  • Eigeninitiative (wozu? Die von mir verfassten Beiträge oder erstellten Kommentare werden doch wahrscheinlich ohnehin per Hauspost zum nächsten Vorgesetzten geschickt und von diesem redigiert),
  • Teamfähigkeit (!),
  • Zeitliche Flexibilität (klar, Social Media ist kein 9 to 5-Job, da muss man 24/7 am Ball bleiben, Stichwort Shitstorm und so) und Belastbarkeit (ja, solche Nachtschichten kratzen ganz schön am Nervenkostüm und an der Gesundheit, das ist nichts für Warmduscher. Und so einen Shitstorm stecken zart besaitete auch nicht mal so eben weg), •
  • idealerweise Fußballinteresse (Fußballinteresse? Als Social Media Redakteur beim Deutschen Fußballbund? Ihr wollt mich wohl verarschen?).

Schade. Insbesondere der letzte Punkt disqualifiziert mich. Apropos disqualifizieren: Der DFB an sich disqualifiziert sich selber: Denn eine Bewerbung für diese auf einem Online-Medium ausgeschriebene Online-Position ist ausschließlich per Post möglich. Per Post. Nun gut, ich kann mich an meine Online-Bewerbung als Online Marketing-Manager, bei der ich den Zwischenbescheid per Post bekam. Und die online eingereichten Unterlagen ausgedruckt per Post zurück. Kaum vorzustellen, wer da am anderen Ende sitzt und mit zittrigen Händen die (mit Sicherheit zahlreich eingehenden) Bewerbungen öffnet. Wie soll da wer eine qualifizierte Auswahl vornehmen? Das Problem bei der ganzen Geschichte ist nicht nur die Stellenanzeige respektive der Recruiting-Prozess an sich.

Ein Stellenangebot, das keiner findet

Vielmehr ist es auch die Auffindbarkeit des Stellenangebots. Das finden Sie nämlich im Newsbereich. Also eigentlich eher gar nicht. Unter den News-Meldungen ist dieses Stellenangebot erst auf Seite 20, sprich unter den Einträgen 381 bis 400 zwischen so wichtigen Meldungen wie „Schalke 04 bindet Avdijaj, Itter und Friedrich“ und „Aaron Hunt: Auf Fairplay baut das gesamte Spiel auf“ versteckt. Nun gut, demnächst ist bald Ostern insofern lassen wir das mal großzügig gelten.

DFB sucht Online- und Social Media-Redakteur

Zumal sich der DFB noch ein zweites Osterei überlegt hat. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich nämlich sogar um zwei verschiedene Stellen: Einmal die Stelle als Social Media Redakteur, einmal die als Online-Redakteur.

Wenn auch die Internet-Adresse „http://www.dfb.de/news/de/jobboerse/dfb-online-gmbh-sucht-eine-n-social-media-redakteur-in/56253.html“ eine Jobs-Seite vorgaukelt (oder ich dieses in meiner Naivität und Gutgläubigkeit vorzufinden gedachte), so wird der Nutzer auch hier vor vollendete Tatsachen gestellt:

Not found - eine Jobbörse gibt es nicht

Nun, man wird ja mal hoffen dürfen.

Apropos hoffen: Auch der DFB wird hoffen. Auf Bewerbungen. Bei der Auffindbarkeit der Stellenanzeige an sich dürfte das aber schwierig werden. Eine Suche auf Google nach dieser Position brachte als Ergebnis letztendlich nur die Seiten des DFB und des Deutschen Olympischen Sportbundes hervor (hier ist die Auffindbarkeit auf der Seite an sich im Übrigen ähnlich desillusionierend wie beim DFB).

Insofern freue ich mich natürlich, mal wieder einen Dienst an der Menschheit respektive in diesem Falle für die (oder den) Recruiter des DFB getan zu haben, indem ich Ihre Aufmerksamkeit auf dieses wunderbare Inserat gelenkt habe. Haben Sie Interesse? Dann richten Sie Ihre Bewerbung bis 4. April – ausschließlich per Post – an:

Deutscher Fußball-Bund e.V.
Abteilung Personalwesen und Zentrale Dienste
Frau Luana Kinner
Kennwort: Online / Social Media
Otto-Fleck-Schneise 6
60528 Frankfurt

Übrigens, wenn Sie ähnlich schöne Beispiele kennen, einfach per E-Mail an pfuipfuipfui[at]goldene-runkelruebe.de

In diesem Sinne, Ihnen ein sonniges Wochenende!

  1. […] Obwohl es auch diese Woche einige tolle Beispiele für innovatives und erfolgreiches Recruiting und Personalmarketing gibt, tauchen auch immer wieder Beiträge auf, die die Existenz der „Goldenen Runkelrübe“ rechtfertigen. Für diejenigen unter Ihnen, die die Goldene Runkelrübe nicht kennen: Es handelt sich hier um das Pendant zur Goldenen Himbeere Hollywoods, die besonders schlechte Filme und schauspielerische Leistung auszeichnet. Hier also ein Beispiel des DFB, der auf der Suche nach einem Social-Media-Experten mit Internetaffinität, Twitter-Kenntnissen und im Idealfall auch noch Fußball-Interesse ist. Weiterlesen […]

  2. HerrBernd sagt:

    Außer Acht lassen sollte man aber auch nicht, dass derartige Organisationen die Stellen ausschreiben müssen, um Ihre internen Prozesse zu wahren.

    Die Verschleierungstaktik gepaart mit diesen Bewerbungshürden schürt eher den Verdacht, dass ernstzunehmenden Mitbewerber nicht erwünscht sind, die der Übernahme des ausgelernten Auszubildenden gefährlich werden könnten.

    • personalmarketing2null sagt:

      Den Gedanken hatte ich auch schon, ja. Aber wahrscheinlicher scheint mir eher, dass man sich nicht wirklich Gedanken über das Vorgehen gemacht hat. Leider alles andere als ein Einzelfall.

  3. Stefan sagt:

    Was ist daran so komisch? Warum kann man von einem Social Media Manager nicht erwarten, sich per Post zu bewerben? Darf ich also auch nicht mit dem Auto kommen, wenn ich mich bei der Bahn als Lokführer bewerbe?

    Abgesehen davon: Jede Wette, dass dort seeeeehr viele Bewerbungen eingehen – auch, wenn die Anzeige dämlich platziert ist.

  4. Michael sagt:

    Luana Kinner ist auf XING nicht auffindbar :-) Das ist Recruiting vom allerfeinsten! Verstaubt ohne Ende.. Aber guter Zug von Dir Henner, zumindest mal Werbung dafür gemacht zu haben. Vielleicht war genau das die Strategie von denen :-)) … Aber soviel Weitsicht??? ……… Neeeeee….

  5. Andy sagt:

    Ja, das ist einfach zu geil…….
    Vielleicht sollte man eine Bewerbungsmappe mit vielen PostIt schicken (natürlich das Twitterlogo als Wasserzeichen) und die Sätze in der Bewerbung beschränken sich auf 140 Zeichen.
    Unterschrieben wird mit nem „Like“ und die Leute in der Personalabteilung dürfen die Bewerbung mit nem „GooglePlus“ bewerten.
    P.S. ab 5 internen „Plus“ kommt der Bewerber in die engere Auswahl :)

    Ich habe das hier in meiner Region sehr oft, dass viele Betriebe ein Abo mit dem lokalen Printverlag haben – getreu dem Motto: 50.000 € im Jahr zahlen und dann die Anzeigen im Weiteren für 50% weniger inserieren. Da ist man praktisch gezwungen jeden Sch… in die Zeitung zu setzen, weil man ja schließlich vorab 50K € investiert hat und dies nicht verfallen lassen darf.

    Lustigerweise suchen diese Firmen in den Jobinseraten immer Mitdenker und Macher, die Sachen verändern… LOL

    Grüße aus Bayern
    Andy

  6. Jan sagt:

    Wieder ein Geniestreich von Personalern, die immer noch nicht verstanden haben, wie der Ball….also der Hase, läuft. Wie denken die sich immer solche Abseitsfallen aus? Rote Karte und Platzverweis, würde ich sagen ;-)

  7. Lars Hahn sagt:

    Eigentor!

    Ok, ok, ok.
    Der war nicht sehr originell. Aber besser als das Original allemal, oder?!
    Im Ernst, ich kenne einen, der erfüllt alle Voraussetzungen und hätte auch noch Bock darauf. Totaler Ernst.

    Nur Briefe wird der nicht schreiben!

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