Arbeitgeberbewertungen powered by FOCUS

Spamst du schon oder bewertest du noch? Arbeitgeberbewertungen powered by FOCUS

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 12 Minuten.

Heute mal zur Abwechslung aus gegebenem Anlass mal wieder was zum Thema Arbeitgeberbewertungen. Ich bin ja eigentlich ein großer Freund von Bewertungsportalen. Aber wenn ich etwas gar nicht mag, dann ist das die Bevormundung respektive das für dumm verkaufen (ich wollte eigentlich verarschen schreiben, aber dieser Blog ist bekannt für seine bedächtige und zurückhaltende Wortwahl, insofern der mäßige Ton) der Nutzer. So war ich auch ein riesengroßer Fan von Qype. Seitdem das deutsche Portal aber an die Amis verkauft wurde und auf den schönen Namen Yelp hört, können Sie das Portal in die Tonne kloppen. Und seit dem das größte deutsche Arbeitgeberbewertungsportal kununu von Xing (und damit von Burda) übernommen wurde, finde ich manche Ideen dort auch etwas fragwürdig. Neueste Idee: Arbeitgeberbewertungen „powered by FOCUS“.

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit schrieb ich darüber, wie mein Friseur Christian von schönschräg die Bewertungsplattform Qype sinnvoll nutzt und was Sie als Personalmarketeer davon lernen können. Wie schon oben erwähnt, hört Qype nun auf den Namen Yelp. Quasi „Yellow Pages“ in Form eines Bewertungsportals (oder steht das für „Yelling People“? Das scheint mir fast wahrscheinlicher. Denn diejenigen Unternehmen, die dort bewertet werden, haben aufgrund der mehr als fragwürdigen Bewertungsparameter, die die Plattform dort anlegt, allen Grund zu schreien. Nicht vor Schmerz Glück wie bei Zalando. Sondern eher aus umgekehrten Gründen. Hier ist nämlich ein Algorithmus am Werk, der meint zu wissen, wann eine Bewertung vom Unternehmen manipuliert wurde und wann nicht. Offenbar ist das System so ausgelegt, dass es scheinbar gute Bewertungen nicht gibt. Diese bleiben nämlich in den meisten Fällen verborgen. Stattdessen bekommt der Nutzer überwiegend negative Bewertungen zu sehen. Interessant in diesem Zusammenhang übrigens die Tatsache, dass man natürlich als Unternehmen auch ein bezahltes Profil ordern kann und dann natürlich auch die guten Bewertungen wieder oben stehen. Alles nur Zufall, ist klar. Mehr zur Thematik Yelp finden Sie im Übrigen bei meinem Bloggerkollegen Lars Hahn von Systematisch Kaffeetrinken. Schon alleine wegen des großartigen Namens ist sein Blog einen Blick wert.

xununus neuester Coup: Powered by FOCUS

So weit geht xununu dann aber doch nicht in seinem neuesten Coup. Obwohl, es sind einige Neuigkeiten angekündigt für das neue Jahr. Vielleicht gehört neben einer Komplettüberarbeitung der Website-Oberfläche ja auch ein neues Businessmodell dazu. Denn mal Hand aufs Herz: Schaut man sich die Unternehmen an, die ein bezahltes Unternehmensprofil auf kununu unterhalten (und damit als Open Company gehandelt werden (open deshalb, weil man sein Portemonnaie ganz weit auf gemacht hat ;-))) und setzt diese ins Verhältnis zu den Unternehmen, die ein unbezahltes Profil unterhalten, so werden Sie schnell feststellen, dass da noch ganz viel Luft nach oben ist. Wie wäre es also – analog zu Yelp – einfach mal die guten Bewertungen unter den Tisch fallen zu lassen (bzw. erst per gut verstecktem Mausklick sichtbar zu machen) und nur die schlechten anzuzeigen und wenn man möchte, dass auch der Nutzer die guten Ergebnisse zu sehen bekommt, dann zahlt man dafür. Das wäre doch mal was! Ich muss sagen, die Idee gefällt mir sehr gut, die muss ich da mal unterbreiten.

Arbeitgeberbewertungen POWERED BY FOCUS?

Aber Scherz beiseite – denn gute Ideen hat man dort natürlich selbst. Bzw. werden diese wahrscheinlich in München bei der Übermutter Burda Media ausgeheckt. Sie kennen Burda? Nein, ich meine nicht den netten alten Mann an der Seite der Tierärztin und Tatortkommissarin Maria Furtwängler. Auch nicht das Hausfrauenmagazin (gibt’s das eigentlich noch? Ich kann mich noch daran erinnern, dass das bei uns zuhause neben der Brigitte rum lag und auch von mir gelesen wurde. Sagen wir durchgeblättert, nicht gelesen. Aber das ist über dreißig Jahre her). Gemeint ist vielmehr das Verlagshaus aus München mit so illustren Angeboten wie Playboy, Bunte, Amica, Fit for Fun, Focus und wie sie alle heißen. Sogar eine Blogplattform gehört dazu. Und – Achtung! – die Bewertungsplattform holidaycheck.de (von denen gibt’s mittlerweile sogar Fernsehwerbung mit Reiseangeboten. Zuträglich für die Glaubwürdigkeit solcher Bewertungsportale ist das nicht gerade. Egal, vielleicht ist das ja ein Vorgeschmack darauf, wo die Reise mit xununu hingeht? Immerhin, die Fernsehwerbung für das X in xununu gibt’s ja schon). Und seit einiger Zeit nun auch Xing. Und – wir erinnern uns – zu Xing wiederum gehört seit einiger Zeit kununu (weswegen man der Einfachheit halber einfach nur noch von „xununu“ spricht, wenn es um diese Plattformen geht).

So. Und wenn man nun so eine große Familie ist, muss man natürlich Synergien schaffen und die Plattformen bzw. Geschäftsfelder miteinander verknüpfen. Und deswegen gibt es Xing jetzt neuerdings auch als Printausgabe. „spielraum“ heißt das Ganze, ist das „Magazin für die Arbeitswelt von morgen“ und gibt es für Premiummitglieder kostenlos (wie, Sie haben noch keinen Account, dann aber husch husch und Sie haben das lesenswerte Magazin rubbeldikatz im Briefkasten!). Und das Focus Arbeitgeber-Ranking (nicht noch eins, werden Sie sagen. Doch, werde ich sagen. Noch eins.) gab es ja auch schon. Natürlich gab es dann letztes Jahr auch prompt ein FOCUS Special mit dem Titel „Beste Arbeitgeber“. Laut FOCUS ein „monothematisches Sonderheft zum Thema „Beste Arbeitgeber 2013“. Jaha. Weil man dort erkannt hat, dass man mit diesem Thema durchaus noch den ein oder anderen Euro verdienen kann (nicht ohne Grund sind Recruitinglösungen der am stärksten wachsende Bereich von xununu: „Der größte Wachstumstreiber ist derzeit der Geschäftsbereich E-Recruiting mit einem Umsatzplus von 43 Prozent auf 6,19 Mio. Euro im dritten Quartal 2013 (Q3 2012: 4,34 Mio. Euro.„) und die Unternehmen händeringend wegen des viel beschrieenen Fachkräftemangels auf jeden Zug aufspringen, gibt es dieses Jahr, genauer am 28. Januar, das neueste Machwerk am Kiosk. Natürlich werden da – tada! – Deutschlands beste Arbeitgeber vorgestellt.

Und wie wurden die ausgewählt? Gute Frage. Während man letztes Jahr ziemlich massiv die Werbetrommel für dieses Ranking rührte (und ich mitgerührt hatte, weil ich dachte, wow, endlich mal ein objektives Arbeitgeberranking! – meine Naivität sei mir verziehen), ist es dieses Mal recht still gewesen. Sprich Infos dazu gab es keine oder nur wenige. Man setzt also wohl auf den Überraschungseffekt. Schauen wir uns daher also mal kurz an, wie FOCUS die Daten letztes Jahr ermittelt hatte (hier erspare ich mir den Text und verweise auf nachfolgenden Screenshot bzw. auf den Download der Präsentation zum FOCUS Spezial „Beste Arbeitgeber“):

FOCUS-Spezial - Beste Arbeitgeber - Die Methodik 2013 - Quelle hubert burda media company

Sensationell, oder? Die 406 besten Arbeitgeber. 406 beste Arbeitgeber. Diese Zahl an „Besten“ schafft nicht einmal Great Place to Work! Wen die Ergebnisse des letzten Jahres, interessieren – bitteschön. Aber mehr als eine Infografik war nicht:

Deutschlands beste Arbeitgeber 2013 - Quelle: statista

Ein bisschen was ist nach außen gesickert, was sich im Verhältnis zum Vorjahr geändert hat: Diesmal wurden deutlich mehr (19.000) Mitarbeiter aus 816 Unternehmen befragt, diese aus 22 Branchen (vormals 17) .

Sie werden sich fragen, warum ich über ein so lange zurück liegendes Ranking schreibe und was das jetzt mit den Arbeitgeberbewertungen zu tun hat. Stimmt, ich schweifte mal wieder ab. Aber der Zusammenhang Burda – FOCUS – Xing – kununu musste ja irgendwie hergestellt werden. Um es kurz zu machen (wobei kurz zugegebenermaßen bei mir relativ ist): Gestern stolperte ich Rahmen einer Karriere-Website-Analyse über Arbeitgeberbewertungen auf kununu, die den Vermerk „POWERED BY FOCUS“ tragen. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum ich im Rahmen einer Karriere-Website-Analyse über Arbeitgeberbewertungen stolpere, die doch gar nicht auf der Website liegen, so gibt es da eine einfach Antwort. Im Zuge dieser Analysen schaue ich mir auch immer an, ob ein Unternehmen die Potenziale von Social Media nutzt. Und dazu gehören auch Verknüpfungen zu Xing oder kununu (macht natürlich nur Sinn, wenn das Unternehmen dort vertreten ist und auch eine relevante Anzahl an Bewertungen und/oder Aufrufen vorzuweisen hat). Also, ich stolperte. Und fragte mich mal wieder: WTF? Was zum Teufel… Oder, frei nach Herbert Grönemeyer: Was soll das?

Ich ahnte Böses, wollte aber Klarheit. So ging meine Frage an das Portal, auf dem ich diese Auszeichnung fand, also an kununu. Die Antwort fiel, nun sagen wir mal, nicht besonders zufriedenstellend aus:

„Die Bewertungen auf kununu ‚powered by FOCUS‘ wurden im Rahmen einer Kooperation mit dem FOCUS-Magazin generiert. Details zur Kooperation werden Ende Jänner 2014 veröffentlicht.“

Etwas Ähnliches hatte ich mir schon gedacht. Blieb also nur ein Weg, nämlich selber auf eigene Faust weiter zu recherchieren. Um es auch hier kurz zu machen. Viel gefunden habe ich zunächst nicht. Anbieten könnte ich zum Beispiel die Unternehmen, die mit dieser fragwürdigen „Auszeichnung“ geehrt wurden. Wobei… „Auszeichnung“ und „geehrt“ ist nicht ganz richtig. Gleich dazu mehr. Hier erst einmal eine Auswahl der Unternehmen, die vom POWERED-by-FOCUS-Schicksal ereilt wurden:

iteratec, Tomorrow FOCUS :-), Hubert Burda Media :-) :-), Microsoft, Danone, Bearing Point, BFFT Fahrzeugtechnik, Pfizer, Hettich, EADS, Salzgitter, Hochland, agco, Fio Systems, KHS, HUGO BOSS, Viessmann, Conergy, Bongrain, HEXAL, segmüller, Celesio, Sodexo, Dyckerhoff, coconet, Gegenbauer, GASAG, LEONI, top itservices, Duravit, Arvato, Vodafone, Avira, Salutas Pharma, PPG, Fielmann, PwC, Lidl, LEAR, Aerogate, Schenker, IBM, real, Merck, Voith, Kaufland, Hays, …, Xing :-) :-) :-).

Xing - POWERED BY FOCUS

kununu ist natürlich nicht dabei – es handelt sich ja um ein Unternehmen aus Österreich :-). Wenn Sie wissen möchten, welche Unternehmen alle „betroffen“ sind, einfach site:kununu.com „powered by focus“ googeln. Viel Spaß!

Masse statt Klasse? Spam-Arbeitgeber-Bewertungen

Zurück zum Thema Auszeichnung. Auch wenn nun auf vielen Bewertungen das „POWERED BY FOCUS“-Siegel prangt, ein Garant für eine positive Bewertung ist das nicht (zum Glück). Denn mit dem „Siegel“ wurden sowohl positive als auch weniger positive Bewertungen ausgezeichnet. Interessanterweise sind nicht nur Unternehmen mit mehreren Bewertungen in dieser „Auslese“ vertreten, es sind auch Newcomer mit dabei, also Unternehmen, die im Zuge dieses Aufrufs erstmalig bewertet wurden. Das Tolle dabei ist: Viele (wahrscheinlich die meisten) Unternehmen, wissen nicht einmal, dass sie powered-by-FOCUS-bewertet wurden. Maximal werden sie durch Zufall darauf aufmerksam. Und so schwappte das Thema auch in unsere personalblogger-Gruppe, wo das Thema Bestandteil einer Diskussion wurde. Da in dieser Gruppe natürlich nur hellwache und dem Thema Social Media gegenüber aufgeschlossene Mitglieder vertreten sind (klar, sonst würden sie ja nicht bloggen),  hat man dort kununu selbstverständlich auf dem Schirm und kennt auch den Benachrichtigungsagenten. Und es fiel natürlich auf, als auf einmal so viele Bewertungen geballt herein kamen – noch massiver als bei den so genannten Express-Bewertungen (die zu Recht auch eher fragwürdig betrachtet werden). Der ein oder andere empfand das Ganze sogar als Spam. Ein paar Zitate aus der oben erwähnten Diskussion:

„Sah ziemlich unglaubwürdig aus und hat mich stutzig gemacht!“

„Sah für mich – auch aufgrund der Kürze der Bewertungen – zu Beginn nach Spam aus.“

„Wirkt nach Spam, da zudem in Form der eh schon unnützen „Express-Bewertungen“ auch unglaubwürdig und wenig aussagekräftig.“

„Für mich scheitert es schon am einfachsten – der Kommunikation! Kununu und XING haben es ja damals schon bei der Express-Bewertung vernachlässigt! Aber auch nicht daraus gelernt!“

Da bei einigen der Beteiligten überwiegend quasi über Nacht viele dieser überwiegend extrem positiven Bewertungen eintrudelten, kam sogar der Verdacht auf, die Bewertungen seien durch Marketing oder Geschäftsleitung geschönt. Und genau diesen Eindruck will man (zumindest bei einem professionellen Umgang mit Arbeitgeberbewertungen) ja eigentlich vermeiden. Dennoch waren diese Bewertungen plötzlich und unerwartet da. Eine Erklärung seitens kununu? Fehlanzeige. Gut unterrichteten Kreisen zufolge hat kununu die Express-Bewertungen, die über XING im Rahmen des Wettbewerbs abgegeben wurden, in Wellen in die Plattform importiert. Um diese von anderen Bewertungen abzugrenzen (und weil es wohl einige Anfragen zu dem plötzlichen Bewertungswachstum gab), tragen diese nun das Zusatzlabel „powered by Focus“. Eine Info, die bspw. per Mouseover erscheint und den irritierten Nutzer darüber aufklärt, worum es sich bei dieser Auszeichnung handelt, fehlt aber (noch).

Stellt sich also noch die Frage, woher all die Bewertungen auf einmal kamen, die primär die Aufmerksamkeit für kununu, Xing bzw. FOCUS wecken, nicht jedoch positiv auf die Reputation des Unternehmens einzahlen. Hat man nun in Klickfarmen in Bangladesh nach dem Facebook-Like nun auch die kununu-Expressbewertung als Geschäftsmodell entdeckt? Natürlich nicht. Bei xununu geht man schon etwas subtiler vor. Und so wurden Xing-Mitglieder einfach angeschrieben und die Mitglieder zu Bewertungen aufgefordert. So sah das dann aus:

Aufruf an Xing-Mitglieder

Nun ist an sich nichts gegen Bewertungen zu sagen. Im Gegenteil. Je mehr, desto besser. Das ist natürlich Bullshit. Daher will ich das mal etwas konkretisieren, letztendlich ist das ähnlich wie mit Bewerbungen. Es geht nicht um die Menge, sondern um die Qualität der Bewerbungen. Das Gleiche gilt für Bewertungen. Es sollten derer nicht zwingend möglichst viele sein, sie sollten vor allem qualifiziert sein. Ich empfehle meinen Kunden immer, auf kununu Stellung zu solchen Bewertungen zu beziehen. Natürlich ist das nur dann sinnvoll, wenn man Stellung beziehen kann. Das ist aber eigentlich nur dann wirklich möglich, wenn die Bewertung fundiert ist und nicht einfach nur ein Urteil bzw. eine „Sternchenbewertung“ abgegeben wird. Das Problem haben viele Unternehmen ja schon mit der Express-Bewertung. Nun also auch mit powered-by-Focus. Wie meinte ein Mitglied der personalblogger-Gruppe so treffend:

„Ich finde die Bewertungen eher lästig, da ja nur Sterne vergeben werden und man als Unternehmen aufgrund des fehlenden Kontextes überhaupt nicht reagieren kann… schade eigentlich.“

Meines Erachtens ist diese Art der Bewertung nicht nur lästig (und ich stehe mit meiner Meinung bei weitem nicht alleine da), sie ist sogar absolut kontraproduktiv, konterkariert den Sinn eines glaubwürdigen Bewertungsportals und zerstört das Vertrauen der Nutzer (sowohl auf Unternehmens- als auch auf Bewerberseite). Primär scheint es bei dem Ganzen wohl darum zu gehen, die eigene Plattform künstlich nach oben zu pushen, sprich Kohle auf Kosten anderer zu verdienen. Das aber könnte nach hinten losgehen, das haben wir schon bei Yelp gesehen. Nun, sei es drum: Wen es interessiert: Die „Gewinner“, also die besten der besten „Besten Arbeitgeber Deutschlands“ werden übrigens am 27. Januar in Berlin bekannt gegeben.

FOCUS - Deutschlands beste Arbeitgeber 2014

Und ab dem 28. Januar ist dann das FOCUS Spezial im Handel. Tja, und wer eine Anregung benötigt, was man tun kann, wenn man von diesem „powered by Focus“-Gedöns betroffen ist, da hat xununu natürlich auch was auf Lager. Schreibt’s doch einfach eine Stellungnahme. Wenn es denn anders nicht geht, bitte sehr:

Powered by FOCUS - kontern mit Stellungnahme

In diesem Sinne, auf Wiederlesen!

  1. Aussagekraft Arbeitgeberranking 2014 Fokus/Xing/Kununu

    Ich habe mir das Arbeitgeberranking in der aktuellen Fassung angeschaut und bin ein wenig überrascht. Aber vielleicht kann eine Diskussion über das gelieferte Ranking ja Einblicke für mich bringen. Die Eckdaten:
    …hatte das Statistik-Portal Statista-Research im Auftrag der Zeitschrift Focus die Urteile von rund 43.000 Arbeitnehmern aller Hierarchieebenen über 1150 Unternehmen ausgewertet.
    -> Das macht je Unternehmen ab 500 MA 37,4 Bewertungen.

    …Die 42.900 Antworten stammten aus Online-Befragungen, unter anderem von Xing-Mitgliedern, und Arbeitgeberbewertungen des Portals Kununu.
    -> keine repräsentativer Ansatz: Selbstselektion bei Kununu, Xing, Onlinepanel

    Mit anderen Worten: was sagen denn die restlichen 462,6 Mitarbeiter eines Unternehmens mit 500 MA oder die restlichen 39.962,6 Mitarbeiter eines Unternehmens mit 40.000 MA?

    Nun stellen Sie sich vor, Sie würden über eine Mitarbeiterbefragung knapp 1% bzw. 0,001% Teilnahmequote erhalten – wären diese Ergebnisse für Sie die Grundlage einer objektiven Bewertungsmöglichkeit oder die Basis für das Einleiten neuer Prozesse? Andersherum: kann man sich auf den Ergebnissen ausruhen und diese Bewertung für sich selbst so akzeptieren?

    Oder mit noch anderen Worten:
    -> 0,001% aller Mitarbeiter sind zufrieden mit dem Unternehmen. Würde Sie das motivieren, dort zu arbeiten? Oder würden Sie sich die Frage stellen, was die anderen 99,999% der Mitarbeiter sagen? Wie haltbar sind diese Aussagen?

    Ich verstehe schon, das die Ergebnisse durch die Unternehmen für Werbezwecke genutzt werden und auch ihre Wirkung erzielen. Ich frage mich aber: Warum wird bei der Datenerhebung hier gar kein Wert auf statistische Grundlagen gelegt, die seit den 70ern bekannt sind?
    Sind wir alle – und die Bewerber – tatsächlich so dumm, dass wir jede Auszeichnung einfach so anerkennen?

    Vielen Dank für eine Erleuchtung!

    Christian Dicke

  2. Jo Diercks sagt:

    Ich muss den Gedanken nochmal ein wenig mehr reifen lassen und werde mich dann ggf. mal im Blog etwas differenzierter dazu auslassen. Aber in Zeiten von ADAC-, Stiftung Warentest- und TÜV-Skandalen erscheint mir der Weg, den Kununu hier einschlägt (auch mit der Darstellung der Bewertungen für zahlende Kunden vs. der Darstellung der Bewertung für NICHT-zahlende Kunden im Zuge der neuen Seite nach dem Relaunch) fragwürdig, mindestens riskant. Man hätte auch nicht gedacht, dass der ADAC Leserstimmen „erfindet“, deren Reihenfolge manipuliert und dass Gelbe Engel einem Batterien verkaufen, obwohl die alte noch okay ist. Die Währung all dieser „Institutionen“ heißt „Glaubwürdigkeit“. Es dauert Jahre oder Jahrzehnte, diese aufzubauen. Aber es dauert nur fünf lustige Minuten, um sie zu verspielen… „Kununu, der gelbe Engel des Employer Brandings“? Hmm, Vorsicht ist geboten…

    • personalmarketing2null sagt:

      Jo, Jo… „Der gelbe Engel des Employer Brandings“… Harte Worte. Aber: ich stimme dir zu in dem was du da schreibst. Meine Gedanken gehen da so ziemlich in die gleiche Richtung. Nur war noch nicht die Zeit, sie niederzuschreiben. Das Businessmodell ist klar. Ich frage mich gerade, ob der Burda-Xing-kununu-Deal nicht doch ein Pakt mit dem Teufel war… Ist noch nicht zu Ende gedacht…

  3. Hallo Henner,

    wie du weißt, schätze ich deine offenen Worte.
    Der Vollständigkeit halber möchte ich jedoch zu einigen Punkten meine 5 Cent beitragen:

    1. kununu ist unbestechlich – und wird es immer bleiben
    Daran wird nicht gerüttelt. Spekulationen, dass künftig gute Bewertungen nur gegen Entgelt sichtbar sind, können getrost beiseite geschoben werden. Gute Arbeitgeber müssen auch in Zukunft tatsächlich gute Arbeitsbedingungen bieten: Das ist der einzige Weg, um gute Bewertungen zu generieren – und das gilt für alle Unternehmen, egal ob mit oder ohne Profil.

    2. Gezielte Information über die FOCUS-Kooperation
    Die Umfrage zum „Besten Arbeitgeber“ ist eine Kooperation mit mehreren Beteiligten (FOCUS, XING, STATISTA, kununu). Wir haben uns für gezielte Informationsmaßnahmen entschieden, um eine vorzeitige Kommunikation der Ranking-Ergebnisse nicht zu gefährden. Ende Jänner werden durch zahlreiche Aktivitäten sämtliche Fragen beantwortet, nichts bleibt im verborgenen.
    Bis dahin können Interessierte einen Blick auf unser Blog werfen: http://blog.kununu.com/2014/01/neu-bei-kununu-mitarbeiter-meinungen-der-aktuellen-focus-umfrage-online/

    3. Qualität der Bewertungen zählt nach wie vor
    Wir vertreten die Ansicht, umso mehr Bewertungen auf kununu vorliegen, desto leichter fällt die Orientierung für Bewerber. Klar, Erfahrungsberichte mit weiterführenden Texten halten für Unternehmen und Bewerber mehr Informationen bereit. Aber auch Bewertungen mit Punkte-Beurteilungen sind legitim, da sie auf einen Blick Stärken und Schwächen in einzelnen Bereichen aufzeigen.

    Übrigens noch 2 Dinge:

    Erstens finde ich den Namen xununu furchtbar und zweitens findet die Produktentwicklung immer noch in Wien bei einer „Eitrigen“ (Anm. d. Red.: Käsekrainer), einem „16ner Blech“ (Anm. d. Red.: Bier aus dem 16. Wiener Gemeindebezirk), einem „Krokodü“ (Anm. d. Red.: Essiggurke) und einem „Bugl“ (Anm. d. Red.: Endstück eines Mischbrots) statt ;-)

    Martin (Poreda)
    Co-Gründer kununu

    • personalmarketing2null sagt:

      Lieber Martin,
      ich danke dir für deine Stellungnahme und den Hinweis auf den Link.
      Zu Punkt 1: Das war natürlich ein Scherz. Der Seitenhieb bot sich aber einfach aufgrund der Yelp-Sachlage an ;-). Ansonsten stimme ich dir natürlich voll zu: „Gute Arbeitgeber müssen auch in Zukunft tatsächlich gute Arbeitsbedingungen bieten“. Unterschreibe ich sofort! Nur dann klappt’s auch mit zufriedenen Bewerbern/Mitarbeitern.
      Zu Punkt 2: Nun, eben an diesen gezielten Informationsmaßnahmen fehlte es ja offensichtlich, ansonsten wären die geschilderten Reaktionen unter den Personalverantwortlichen nicht so ausgefallen und wäre es zu der genannten Stellungnahme gekommen.
      Zu Punkt 3: Natürlich ist es toll, möglichst viele Bewertungen einzuheimsen. Ob der eingeschlagene Weg aber der richtige Weg ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Ich für meinen Teil sehe das Ganze sehr skeptisch, aber das bringt der Artikel ja auch zum Ausdruck.
      xununu: mir gefällt’s gut :-)
      Wien: Ich lasse mich gerne zu euch einladen – dabei reicht mir das 16ner Blech vollkommmen aus. Gut, ich sage mal so: Wenn du eine vegane Oatrige anzubieten hast, so nehme ich die auch gerne ;-)
      In diesem Sinne,
      Henner (Knabenreich)
      Gründer personalmarketing2null

    • Tobi Ortner sagt:

      @kununu @martin
      Traffic, Traffic, Traffic = $$$$ oder nicht. Eine gemeinsame Werbeaction von Xing, Kununu und Focus oder besser eine schöne Werbeaction unter dem Dach der Hubert Burda Media Holding. Linke Tasche – Rechte Tasche?

      Am meisten stört mich aber wieder die Vorgehensweise und die Kommunikation mit den Kunden, bzw. den Unternehmen die auf kununu unterwegs sind.
      Es ist, denke ich ja nicht das erste mal, dass so etwas auf der Plattform zu Lasten der Unternehmen passiert. Wir hatten ein sehr ähnliches Thema schon mal letztes Jahr mit den Expressbewertungen über Xing. http://www.diegruene3.de/kununu_kurzbewertung/

      Finde ich sehr sehr schwierig und dann auch noch zu sagen: Hmmm….. tut uns Leid wir können nichts dazu sagen, da wir von Focus hierzu einen Maulkorb bekommen haben und nichts sagen dafür. Steht ganz klar für Transparenz, oder?

      Das Beste zum Schluss:
      Des Beste ist aber, dass nicht mal unser Kundenbetreuer darüber Bescheid gewusst hat, dass diese Bewertungen bei uns eingestellt werden. Ohne Zusatzinformation oder Sonderkategorie einfach mal den Unternehmen auf die Seite drauf gehauen und gut ist.

      Wann wird reagiert?
      Im nachhinein. Starke Leistung. Es tut mir für die Jungs und Mädls leid, die sich im Namen von Kununu entschuldigen mussten.

      Für uns BFFT ist das alles sehr unverständlich und auch nicht professionell.

      Schönen Abend
      Tobi

  4. Lars Hahn sagt:

    Für eine Hand voll Dollars…

    Oder so ähnlich könnte der Titel Deiner Story auch heißen. Da setzt ein bisher zumindest doch recht renomiertes Bewertungsportal seinen Ruf aufs Spiel für ein Arbeitgeberranking, das man garantiert zerpflücken muss.

    Anders als Yelp, denen man ja wenigstens eine Qualitätsstrategie unterstellen darf, scheint kununu hier recht riskant allein auf die Partnerschaft mit Focus zu setzen, die sich sicherlich monetär auszahlt. Und das eben zu Lasten von Qualität.

    Auf das Ranking bin ich ja dennoch gespannt: Ob sie diesmal Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern berücksichtigt haben?

    Und ansonsten: Klasse recherchiert, hoch informativ. Es gibt selten so lange Artikel, die ich zu Ende lese. Hier bleib ich stets kleben. Und das nicht nur wegen Herbert Grönemeyer.

    P.S. Ich errötete ja förmlich beim Lesen ob des netten Lobs für Systematisch Kaffeetrinken. Danke! ;-)

    • personalmarketing2null sagt:

      Hallo Lars, danke fürs Feedback. Ja, ich sehe es ähnlich, wie du es schreibst. Ob die Entwicklung in die richtige Richtung geht, wage ich zu bezweifeln (dass es bei Yelp um eine Qualitätsstrategie geht im Übrigen auch :-)). Aber lassen wir uns mal überraschen, was das Jahr in Sachen Arbeitger-Rankings, Xing, kununu & Co. noch alles bringt. Wir stehen ja noch ganz am Anfang. Den Hinweis auf den Blog bringe ich gerne. Vielleicht schaffen wir es dieses Jahr ja auch mal systematisch einen Kaffee zu trinken ;-)

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