Social Media in Stellenanzeigen kein Thema?

Social Media in Stellenanzeigen kein Thema?

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Es ist schon merkwürdig. Alle Welt spricht vom Fachkräftemangel und keiner geht hin. Ist natürlich Quatsch. Vielmehr ist es so, dass die Unternehmen nicht alle Register ziehen, um beim Bewerber zu punkten und ihm den Zugang zu Informationen möglichst einfach zu gestalten. Umso unverständlicher also, wenn Arbeitgeber sich auf Facebook & Co. tummeln, in ihren Stellen- oder Imageanzeigen aber nicht darauf hinweisen. Ganz zu schweigen von kununu, Xing etc. Kann mir mal bitte einer erklären, was da los ist?

Schauen wir uns das doch mal im Detail an. Zunächst einmal anhand einer Untersuchung von personal total. Nun bin ich offen gestanden kein Freund von Personaldienstleistern, aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Auch soll das Thema Blogger Relations jetzt nicht das Thema sein, dazu hatte ich schon vor einigen Wochen meine Meinung kundgetan bzw. auf einen Artikel von Eva hingewiesen. Und Mike Schnoor hat sogar eine Blogparade dazu ins Leben gerufen. Um wieder den Bogen zurückzuspannen. Tagtäglich wird mein E-Mail-Postfach mit irgendwelchen (unverlangt) zugesandten Pressemitteilungen bombardiert. Einige Absender landen mittlerweile direkt im Spamfilter, aber es kommen täglich neue Absender hinzu. Ob man will, oder nicht.

Nun, wie auch immer. Mit dabei war diesmal auch eine Pressemeldung von personal total. „Zenit überschritten? Social Media in Stellenanzeigen wieder rückläufig“ hieß es da. Weiter ist zu lesen, dass „obwohl Social Recruiting nach wie vor zu den Trendthemen der Mitarbeitergewinnung gehört, die Integration von sozialen Medien in Stellenanzeigen abnimmt„. Klammer auf: bzw. nie wirklich stattgefunden hat. personal total hat im Rahmen seiner Untersuchung im Grunde genommen genau das gemacht, was ich vor einigen Monaten schon einmal durchgeführt hatte. Nämlich zu untersuchen, ob Unternehmen, die im Social Web (bevorzugt auf Facebook) unterwegs sind, auch so clever sind, ihr Engagement in Stellenanzeigen oder Imageanzeigen nach außen zu tragen. Das Ergebnis damals war – wie so oft, wenn es um das Thema Personalmarketing geht – desillusionierend.

Hinweise auf Arbeitgeberpräsenzen auf Facebook & Co. Mangelware

Zugegeben, personal total hat geringfügig mehr Anzeigen untersucht. Genau gesagt waren es 4,3 Millionen Stellenanzeigen aus 158 deutschen Printmedien, Online-Jobbörsen sowie zahlreichen (definiere „zahlreich“ :-)) Karriere-Websites. Der Untersuchung zufolge gab es von 2011 auf 2012 einen deutlichen Anstieg in der Integration von Hinweisen auf Facebook-Karriereseiten. Dieser Trend kehrt sich gerade um. Während in 2012 7,3 Prozent der Stellenanzeigen auf eine Facebook-Seite verwiesen, sind es in 2013 bis dato nur 4,7 Prozent. Auch bei der Integration von Twitter (ehrlich gesagt bin ich persönlich total überrascht, dass überhaupt jemand Twitter integriert. Notiz am Rande: Wurden tatsächlich Hinweise auf Twitter- und Facebookseiten gezählt oder vielleicht nur Share-Buttons?) ist ein erheblicher Rückgang zu beobachten. Weitere Notiz am Rande: Selbst 7,3 Prozent ist verdammt wenig – tummelt sich doch mittlerweile fast jeder Depp mit einer Karriereseite auf Facebook. Aber warum sollte man auch drauf hinweisen? Fans kann man doch auch kaufen oder per Gewinnspiel generieren. Bloß nicht die Stellenanzeige mit solchen Hinweisen verschandeln. Bloß nicht!

Facebook und Twitter in Stellenanzeigen - Quelle index

Für das Jahr 2012 wurde nun auch geschaut, wie viele Stellenanzeigen auch einen Hinweis auf Xing oder kununu enthalten. Das Ergebnis ist niederschmetternd: „Mit einem Anteil von 1,2 Prozent spielt Xing derzeit in Stellenanzeigen kaum eine Rolle. Verweise auf kununu sind nur vereinzelt zu finden.“ Komisch. Da tun Unternehmen alles, um sich das Deckmäntelchen einer Arbeitgebermarke überzustreifen und darzustellen, wie toll sie doch sind und verzichten dann darauf, ihr Xing- und/oder kununu-Profil zu verlinken? Unglaublich, bieten doch gerade diese Plattformen die Möglichkeit, Transparenz und Authentizität der Unternehmen zu erhöhen.

Diese Untersuchung war für mich der Auslöser, selber wieder einmal zu schauen, wie es deutsche Arbeitgeber schaffen, Social Media und Stellenanzeigen zu verbinden. Respektive es überhaupt schaffen, von ihrer Stellen- oder auch Imageanzeige auf ihre Webpräsenz zu verweisen – ob nun Karriere-Website, Facebook-Seite, Blog, kununu, Xing oder was auch immer. Auch wenn ich nicht ganz so viele Anzeigen untersucht habe (es waren derer nur 29, allesamt aus den neuesten Ausgaben von UNICUM Campus, UNICUM Wirtschaft, UNICUM Abi), das Ergebnis ist ähnlich erschreckend…

  • Von 29 Unternehmen weisen nur 23 auf ihre Karriere-Website hin (wer jetzt sagt wieso nur, das sind doch mehr als drei Viertel – ja, stimmt. Aber wer eine Karriere-Website besitzt, sollte auch auf direkt auf diese verweisen. Und nicht auf die Unternehmens-Website, wie es vier der Unternehmen machen. Die anderen zwei platzieren entweder ausschließlich einen QR-Code oder aber betten den Link so in den Text ein, dass er garantiert nicht auffällt). Stattdessen findet man dann eine Anzeige wie diese. Wenn das Hans Riegel wüsste! Aber vielleicht ist das auch seine Handschrift, wer weiß… Dann wird es Zeit, da jetzt aufzuräumen. Wie wäre es mit dem Slogan „Haribo macht Kinder froh, aber Bewerber nicht ebenso“? Hm, die Anzeige wäre durchaus auch was für die Goldene Runkelrübe :-)
    Haribo macht Kinder froh, aber Bewerber nicht ebenso - Personalmarketing-Anzeige von Haribo
  • Von 29 Unternehmen verfügen 19 über eine Karriereseite auf Facebook. Gerade einmal sechs davon schaffen es, diese auch direkt in der Anzeige zu benennen. Zwei präsentieren ein Facebook-Logo. Was aber soll so was? Jeder (oder auch nicht) weiß, dass die Facebook-Suche den Namen nicht verdient. Ergo: die Leute werden entweder gar nicht erst nach der Seite suchen oder aber sie nicht finden. Aber mal ganz unter uns – Facebook können Sie eh vergessen! :-) Schön ist ja auch, dass zwar kein Platz für die URL ist, aber ein Hinweis auf den Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen erfolgt. In einer Personalmarketing-Anzeige wohlgemerkt!!
    Ein Logo allein macht wenig Sinn - Personalmarketing-Anzeige von Audi
    Naja und den restlichen 11 ist es vielleicht einfach zu peinlich, dass sie überhaupt so eine Seite besitzen. Wer weiß. Oder aber sie liegen im Clinch mit einer Unternehmenskommunikation, die es mal wieder besser weiß und die CD-Richtlinien einhalten muss. Da hilft dann vielleicht eine Portion Frechmut.
  • Besonders erschreckend: Jedes dieser Unternehmen verfügt über ein Unternehmensprofil auf Xing. Jedes. Nicht jedes über ein Employer-Branding-Profil (so heißt es jetzt). Trotzdem. Kein einziges der 29 Unternehmen weist auf sein Xing-Profil hin. Keins. Null. Nada.
  • Ganz zu schweigen von kununu.
  • Immerhin ein Unternehmen ist dabei, welches in seiner Anzeige auch einen Hinweis auf seinen Twitter- respektive Youtube-Channel unterbringt (siehe oben). Da das Ganze aber auch wieder nur in Form eines Logos erfolgt, verpufft das Ganze aber im nichts.
  • 8 Unternehmen setzen QR-Codes ein, um auf (sogar überwiegend mobil optimierte. Ich habe nicht schlecht gestaunt!) Karriere-Website bzw. Facebook-Seite hinzuweisen. Durchaus sinnvoll, dies in einem Printmagazin für Schüler und Stundenten zu platzieren!

Und die Moral von der Geschicht: die Unternehmen lernen’s nicht!

In diesem Sinne, schönen Feiertag (die, die einen haben)!

  1. Jürgen Sorg sagt:

    Lieber Henner,
    ich will noch ein Argument in die Runde bringen: oft sind es auch interne technische Hürden, die einen daran hindern. Aber Dein Artikel habe ich als Anlass genommen, das Thema wieder anzugehen. Hat geklappt, wenn das auch durchaus noch optimiert werden könnte ;)

    Grüße
    Jürgen

    • personalmarketing2null sagt:

      Moin Jürgen,
      na, das freut mich aber! :-)
      Es geht in diesem Artikel primär um Printanzeigen, nicht um Online. Dass es da technische Hürden gibt, wage ich mal zu bezweifeln ;-)
      Schöne Grüße
      Henner

  2. Lieber Herr Knabenreich,
    konnte ich damit rechnen, dass Sie gleich ein solches As aus dem Ärmel ziehen? Das Beispiel Haribo ist für Ihre Argumentation wirklich brillant. Die einzige, halbherzige Erklärung für das nicht nennenswerte Employer Branding, ist: Hier sonnt sich das Personalmarketing im bunten Glanz der Produktmarke und der reicht nocht immer für ein volles Eingangsfach in der Personalabteilung. Natürlich spricht nichts dagegen, in der Stellenanzeige auf die Karriereseite zu hinzuweisen/ zu verlinken! Der Punkt geht an Sie (und das Mittagessen auch, wenn Sie nach Crailsheim kommen!).
    Allerdings wäre eine Verlinkung auf Facebook auch hier zweckfrei, denn Haribo hat keine Karriereseite auf Facebook, nur 12 oder mehr Unternehmensseiten …
    Schöne Grüße
    Ralf Eisenbeiß

    • personalmarketing2null sagt:

      Lieber Herr Eisenbeiß,
      sobald ich mal nach Crailsheim komme, nehme ich die Einladung gerne an :-)
      Natürlich ist eine Verlinkung auf Facebook zweckfrei, wenn keine Karriereseite da ist, keine Frage. Und das mit dem „im Glanz der Marke sonnen“ gilt ja leider nicht nur für Haribo.
      Freut mich, dass ich Sie in dem Punkt mit meiner Argumentation überzeugen konnte.
      Danke noch mal fürs Kommentieren und fürs regelmäßige Lesen sowieso.
      Grüße nach Crailsheim,
      Henner Knabenreich

  3. Lieber Herr Knabenreich,

    Sie fragten: „Umso unverständlicher also, wenn Arbeitgeber sich auf Facebook & Co. tummeln, in ihren Stellen- oder Imageanzeigen aber nicht darauf hinweisen. Ganz zu schweigen von kununu, Xing etc. Kann mir mal bitte einer erklären, was da los ist?“
    dann will ich Ihnen mal einen Teil der Erklärung liefern – zumindest in meinen Augen.
    Der Sinn einer Stellenanzeige ist zunächst einmal, einen passenden Bewerber (m/w) zu finden. Nichts anderes! Keine Likes, keine Freunde, keine Follower!
    Wann macht es dann Sinn, auf ein Social Media Portal zu verweisen? Wohl doch nur, wenn der Bewerber dort zusätzliche Informationen findet, die ihn für meine Firma gewinnen. Wenn das Unternehmen die FB-Seite aber nur halbherzig pflegt (wie Sie ja oft selbst bemängeln), von kununu nichts hält und nicht erwartet, dass der Bewerber Mitglied bei XING ist (Wenn Sie mal sehen, wer bei XING Mitglied und auch noch einigermaßen aktiv ist, sind dies vor allem Vertriebler und Schreibtischtäter. Es gibt aber auch noch viele andere Berufe, die oft per Stellenanzeige gesucht werden.) – dann gibt es oft keinen wirklichen Grund, auf Facebook, kununu oder XING zu verweisen.
    Und solange die Stellenanzeige auch ohne diesen Verweis auskommt und ausreichend gute Bewerbungen einspielt, ist doch alles in Ordnung.
    Ähnliches gilt natürlich auch für den QR-Code. Eine Darstellung und Verlinkung macht Sinn, wenn die hinterlegte Landingpage mobile-optimiert ist. Ansonsten lassen wir den QR-Code doch lieber weg. So sexy sieht er ja nun auch nicht aus.
    Schöne Grüße
    Ralf Eisenbeiß

    • personalmarketing2null sagt:

      Lieber Herr Eisenbeiß,
      schön, von Ihnen zu hören! Und danke für Ihre Bemühungen, Licht ins Dunkel zu bringen :-)

      Im Grunde genommen gebe ich Ihnen in allen Punkten Recht. Klar macht es nur Sinn, auf eine Quelle zu verweisen, wenn der Bewerber da entsprechende Infos findet. Nun kann man sich aber durchaus die Frage stellen – und das tue ich wie so oft – warum denn ein Unternehmen für ein Engagement auf xununu, Facebook oder sonst wo viel Geld in die Hand nimmt, wenn dann dort diese Profile nicht entsprechend gepflegt werden bzw. wenn nicht auf diese hingewiesen werden. Nehmen wir mal als Beispiel Xing oder auch kununu. Da bezahlt also ein Unternehmen viel Geld (und das machen wohl nur die, etwas davon halten – so sollte es zumindest sein), um sich dort unter dem Deckmäntelchen von Employer Branding als Arbeitgeber zu präsentieren und wirbt im Zweifel sogar mit seinem Top- oder Open Company-Siegel. Was also liegt näher, als mit diesen Pfunden zu wuchern und zu zeigen, hey, schau mal, wir sind ein toller Arbeitgeber. Im Beispiel von Haribo sieht man das sehr schön: In der Anzeige prangt unübersehbar das „Top-Arbeitgeber-Siegel“ von Universum. Auf Xing verfügt Haribo über ein Employer-Branding-Profil. Auf der Karriere-Website wird sogar darauf verlinkt. Was aber spricht dagegen, auf diese Präsenzen auch schon in der Stellenanzeige zu verweisen? Was spricht dagegen, in der Anzeige auf die Karriere-Website und nicht auf die Corporate Website zu verweisen? Auch hier ist Haribo wieder ein schönes Beispiel. Gehen Sie nämlich auf haribo.com müssen Sie erst einmal die Homepage abscannen, wo sich denn der Karriere-Link oder -Button auf der Website versteckt. Den Link finden Sie mit Mühe im Footer, den Banner auf der Website nur dann, wenn Sie lange genug warten, bis er erscheint. Was also spricht dagegen, anstatt haribo.com direkt haribo.com/karriere oder, da es ja um Trainees geht, direkt auf eine Seite wie haribo.com/trainees oder dergleichen zu verweisen. Was? Wenn Sie nur ein einziges vernünftiges (!) Argument haben, lade ich Sie zum Essen ein, wenn ich das nächste Mal in Crailsheim bin :-) (oder Sie im Rhein-Main-Gebiet).
      Also, zusammengefasst: Sobald sich ein Unternehmen dafür entscheidet, in Social Media aktiv zu sein und welche Plattformen auch immer zu bespielen, um sich als Arbeitgeber zu positionieren, so sollte auch auf diese Plattformen aufmerksam gemacht werden (ich setze dabei voraus, dass die Unternehmen, die sich dafür entscheiden, die Potenziale auch ausschöpfen und entsprechende Ressourcen bereitstellen. (Anderenfalls könnten sie sich das schenken)). Und das auch auf Stellenanzeigen, dienen diese doch oft als erste Anlaufstelle oder erster Kontakt mit dem zukünftigen Arbeitgeber.
      Schöne Grüße zurück
      Henner Knabenreich

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