20. Juli 2023

Jobtitel vs. Skills: Ein Plädoyer für die Volltextsuche
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weiterlesen24. Oktober 2013
Lesezeit: 8 Min. PersonalmarketingRecruitingStellenanzeigen
Wir alle haben schon mal von AIDA gehört – nein, ich meine weder die Kreuzfahrten noch die Oper von Giuseppe Verdi. Ich spreche vielmehr von der Formel, die einem in Marketingvorlesungen vorgebetet wird (zumindest war das zu meiner Zeit so). Wie aber sieht es mit GIULIO aus? Ich meine jetzt nicht den im Laufe des Jahres verstorbenen italienischen Politiker Giulio Andreotti, auch handelt es sich nicht um das männliche Top-Model Giulio Siegel – denn erstens heißt die Giulia und ist darüber hinaus weiblich. Vielmehr geht es hier auch um eine Formel. Wie diese beiden Formeln nun aber im Kontext zu Personalmarketing stehen, lesen Sie, wenn Sie weiterlesen…
AIDA also. Jeder kennt Sie, die “Zauberformel” der Werbewirtschaft. Und die “Essenzen” dieser Formel finden nicht nur in der Werbung Verwendung, sondern auch in der “Personalwerbung”. Wobei Personalwerbung nicht mit Personalmarketing gleichzusetzen ist, sondern lediglich ein Bestandteil davon ist. Worum geht’s bei der guten alten AIDA? Nun, Wikipedia zufolge ist Aida eine nubische Prinzessin, die nach Ägypten als Geisel verschleppt wurde. Der ägyptische Heerführer Radames muss sich entscheiden zwischen seiner Liebe zu Aida und seiner Loyalität dem Pharao gegenüber bzw. der Hochzeit mit Amneris, der Tochter des Pharaos. Soweit, so klar? Ich habe mir gedacht, ein bisschen Kultur kann hier im Blog ja nicht schaden (ich bin ganz offen – Aida habe ich noch nie gesehen). Wenn man so will, braucht Aida also die Aufmerksamkeit von Radames und er muss handeln. Der Wunsch wird bei ihm geweckt, weil Aida wahrscheinlich ein scharfes Ding ist. Wie gesagt, ich spekuliere. Die Oper habe ich nie gesehen. Wohl aber die Formel. Und um die soll es ja gehen. Ich versuche das mal anhand eines praktischen Beispiels darzustellen:
Soweit also die meist graue Theorie. Wir alle wissen – und das zeigen auch wunderbar die Nominierungen für die Goldene Runkelrübe (der Award für schlechte Personalkommunikation (Einreichungen immer noch. Herzlich. Willkommen.)) – dass es in der Praxis nicht immer so rund läuft. Kleines Beispiel gefällig? Aufmerksamkeit bekommt diese Stellenanzeige mit Sicherheit, nämlich durch das Bild und die Überschrift:
Der Rest – nun ja… ARE YOU ON FIRE? Selbstverwirklichung als Controller – schließt sich das nicht von selbst aus (ohne den Controllern unter meinen Lesern zu Nahe treten zu wollen :-))? Ich zitiere weiter “Willst Du wieder Feuer und Flamme für Deinen Job sein, Verantwortung übernehmen aber nicht verbrannt werden? Dann fackel nicht lange und komm zu uns!”
Steht da wirklich, ist nicht von mir. Dann werden neun spannende Aufgaben aufgeführt (unter anderem “abwechslungsreiche und branchenunabhängige Aufgabenstellung rund um das Thema Controlling” oder “Weiterentwicklung von bestehenden Controllinginstrumenten”), es folgen das Aufgabenprofil, Infos zum Unternehmen und was eben dieses bietet. Also, was letzteres angeht, so ist das Unternehmen da ganz weit vorne. Denn das schaffen die wenigsten. Aber das nur am Rande. Frage ist ja, ob man mit diesem Motiv und den Inhalten wirklich die Zielgruppe erreicht, das Interesse weckt und der Wunsch dann so groß ist, sich zu bewerben. Um dann als Controller durch die Feuersbrunst zu gehen. Im Übrigen gibt’s von diesen Anzeigen noch einen ganzen Schwung. Ich habe Ihnen da mal was zusammengestellt:
Wie gesagt, die Aufmerksamkeit ist Ihnen bei solchen Motiven sicher. Die erlangen Sie aber auch ganz schnell, wenn sich einmal die mit der Anzeigenveröffentlichung beauftragte Zeitung eine Freudsche Fehlleistung erlaubt – so jüngst in der Schweiz geschehen. Aus einem leitenden Mediziner wurde da ganz schnell ein leidender :-).
Nun ist AIDA ja das eine. AROSA, hoppla, wollte sagen GIULIO das andere. Während AIDA nahezu mit der Muttermilch aufgesogen wird und jeder schon mal davon gehört hat, so fristet GIULIO doch eher ein Mauerblümchendasein. Dabei ist der Name “Giulio” als männlicher Vorname mit deutlich mehr Stolz zu tragen als bspw. Kevin. Oder DAGMAR (noch so eine Marketingformel). Aber um die soll es jetzt hier nicht gehen. Weder um DAGMAR noch um Kevin. GIULIO, der geneigte Leser wird es sich schon gedacht haben (die Schweizer unter Ihnen wissen dies sogar), ist ebenfalls eine Formel. Ich bin immer wieder überrascht, warum man sie kaum kennt. Auch wenn man nach ihr googelt, findet man nicht viel (nun, das wird sich dank dieses Blogartikels natürlich ändern). Dabei ist diese Formel wunderbar geeignet, wenn es ums Personalmarketing geht. Eigentlich dient sie als Hilfestellung bei der Erstellung von Stellenanzeigen, aber man kann sie durchaus auch auf andere Bereiche übertragen.
Ein bemerkenswertes Beispiel, welches fast alle Punkte voll erfüllt, wird heute auf der Wollmilchsau beschrieben. Gut, an der Optik lässt sich arbeiten. Auch über die Lesbarkeit lässt sich streiten. Auch die Tatsache, dass man in Personalunion Linux-Systemadministrator und jemanden für den Support sucht, ist semioptimal. Aber was die Glaubwürdigkeit, die Unverwechselbarkeit und die Information angeht, so bleibt eigentlich kein Wunsch offen. Wobei das, so wie Tobi schon schrieb, in der breiten Masse und schon gar nicht im klassischen Stellenangebot darstellbar ist.
Weitere inspirierende Beispiele für Stellenanzeigen finden sich in meinem Artikel “Stellenanzeigen mal anders”.
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