Es weihnachtet sehr – Personalmarketing bei Deutschlands Lebkuchenbäckern

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Okay, zugegeben. Bis Weihnachten ist es noch ein bisschen hin. Aber letztendlich stehen ja schon seit September die Weihnachtsleckereien in den Supermärkten. Und ja, ich bekenne: Bereits im September kaufte ich meine ersten Dominosteine. Meinetwegen dürften die auch das ganze Jahr über verkauft werden. Obwohl, da wäre die Freude dann nicht mehr so groß. Das ist in etwa so wie mit der künstlichen Verknappung von Mon Chéri. Wobei Sie mir mit den ekligen Likördingern vom Leibe bleiben können, ganz ehrlich!

Auch wenn jetzt schon lange nicht mehr die Saison ist, Lebkuchenbäcker einzustellen (die Ware ist längst im Laden, Saisonkräfte werden meist schon im Sommer gesucht), finde ich es doch mal interessant, wie sich Deutschlands bekannteste Lebkuchen- und Weihnachtsgebäckhersteller als Arbeitgeber im Web präsentieren. Wagen Sie gemeinsam mit mir einen Blick ins Weihnachtswunderland der Lebkuchenbäcker-Personalmarketing-Welt…

Fangen wir mal in Nürnberg an. Nürnberger Lebkuchen sind wohl jedermann und -frau ein Begriff und weit über Deutschland hinaus bekannt. Einer der bekanntesten Anbieter mit eigenen Filialen ist wohl Lebkuchen Schmidt. Was tue ich also als hoffnungsfreudiger Bewerber, der sich über das Unternehmen informieren möchte oder sich bspw. als Saisonkraft bewerben will? Röchtöch! Der schaut mal auf der Website des Unternehmens vorbei. Alleine wenn ich den Begriff „Lebkuchen“ google, komme ich nicht an deren Webportal vorbei. So. Und nun suchen Sie mal gemeinsam mit mir nach Karrierechancen respektive Infos zum Arbeitgeber. Wie man sieht, sieht man nichts. Zumindest keinen Link mit „Jobs“ oder „Karriere“. Aber wir sind ja nicht dumm und als Bewerber zwar leidgeprüft, aber mittlerweile erfahren genug, dass Unternehmen solche Infos gerne unter „Über uns“, „Unternehmen“, „Kontakt“ oder „News“ verbergen. Also schauen wir doch mal da…

Infos für Bewerber sind auf der Website von Lebkuchen Schmidt Fehlanzeige

Selbst ein Blick auf die Sitemap zeigt: nichts. Weil ich kaum glauben kann, dass ein Unternehmen wie Lebkuchen Schmidt nicht auch auf die Suche nach heiß begehrtem Nachwuchs geht, google ich noch mal nach „Lebkuchen Schmidt Stellenangebote“. Auch hier werde ich nicht unmittelbar fündig, stoße aber via kimeta bzw. indeed auf eine interessante Information respektive werde ich weitergeleitet auf eine Stellenanzeige auf stepstone (!).

Infos für Bewerber? Leider Fehlanzeige!

Dort lese ich unter anderem, dass die Gottfried Wicklein GmbH & Co. KG zum Unternehmen der Lebkuchen-Schmidt-Gruppe und damit zu den namhaften Herstellern von Nürnberger Lebkuchen und Gebäckspezialitäten gehört. Schlüssel deren Erfolgs sei die hervorragende Qualität ihrer Produkte. Deren Schlüssel, so denke ich mir, sind dann wohl die qualifizierten und hoch motivierten Mitarbeiter. Hoch motiviert bin auch ich, als ich die Web-Adresse, die im Rahmen der E-Mail-Adresse, die im Stellenangebot genannt wird (die im Übrigen – wen wundert’s – jede Menge Optimierungspotenzial aufweist) aufrufe (ja, sie interpretieren richtig: eine Website-Adresse selber wird nämlich gar nicht erst richtig angeboten). Weil, so denke ich mir, hier finde ich endlich die gewünschten Infos

Auch auf der Website von Wicklein selbst finden sich keine Bewerberinformationen respektive Stellenanzeigen

Der geneigte Leser ahnt wahrscheinlich schon, was kommt. Und er ahnt richtig. Zwar finde ich die Information, dass Wicklein schon seit 1615 Lebkuchen herstellt und damit wohl der älteste Lebkuchenbäcker Nürnbergs ist – Informationen aber für Bewerber geschweige denn Stellenangebote sind leider, leider Fehlanzeige.

Nun ja, kein Problem. Der nächste Arbeitgeber ist ja nur einen Mausklick entfernt. Außerdem habe ich ja die Bewertungen auf kununu entdeckt, insofern schaue ich doch mal lieber, was andere Lebkuchenbäcker und Feingebäckhersteller so zu bieten haben.

Wie wäre es da bspw. mit Lambertz? Die machen immerhin mit die besten Schoko-Nussprinten der Welt. Es wäre doch toll, Teil des Teams zu sein, welches für diese Leckereien verantwortlich ist. Eine Suche bei Google führt alleine über den Begriff „Printen“ zum Ziel. Zumindest zur Website an sich. Klasse. Auch auf Facebook, Twitter, Youtube und Pinterest (!) ist Lambertz vertreten. Da geht bestimmt was und ich bekomme jede Menge Infos über den Arbeitgeber Lambertz. Und tatsächlich: Unter der Rubrik „Unternehmen“ finde ich tatsächlich die Unterseite mit Infos zum Arbeitgeber und Stellenanzeigen selbst. Nun gut, ich will ehrlich sein. Die Infos zum Arbeitgeber selbst sind recht rudimentär und beschränken sich auf folgende Zeilen:

Die Lambertz-Gruppe ist einer der großen Anbieter der Süßwarenbranche und deckt mit ihrem breiten Sortiment viele Segmente von Saisonprodukten und Lebkuchen über Jahresgebäck bis hin zu Pralinen ab. In vielen dieser Segmente ist Lambertz Marktführer. Die Unternehmensgruppe ist international aufgestellt und produziert an sieben Standorten in Deutschland und Polen.

Bei Lambertz ist sogar eine Online-Bewerbung möglich

Toll, oder? Da weiß man als Bewerber sofort, mit wem man es als Arbeitgeber zu tun hat. Immerhin gibt es bspw. bei den Azubi-Stellen (eigentlich sind nur die neben Praktikumstellen ausgeschrieben – Infos zum Thema Ausbildung selber sucht man auf der Website aber vergeblich) die Info, dass es folgende Benefits gibt:

  • eine fundierte Ausbildung (wer hätte das bei einer Ausbildung gedacht?),
  • 30 Urlaubstage pro Jahr, Urlaubs- und Weihnachtsgeld,
  • eine Weihnachtsfeier für alle Mitarbeiter und deren Partner und
  • Personalrabatt im Werksverkauf.

Insbesondere die Weihnachtsfeier, bei der ich sogar einen Partner mitbringen darf (!), lassen mich kurzzeitig überlegen, ob ich meine Selbstständigkeit dran gebe und mich dort bewerbe :-). Aber werden wir nicht kleinlich. Immerhin ist eine Online-Bewerbung möglich (allerdings ist die ja auch nur möglich, wenn man die Stellenangebote gefunden hat…).

Einblicke ins Unternehmen oder welche Mitarbeiter für das Unternehmen stehen, gibt es im Übrigen weder auf der Website noch auf den Social Media Kanälen. Mit einer Ausnahme. Denn  an einem „Mitarbeiter“ geht auf jeden Fall kein Weg vorbei: Dr. Hermann Bühlbecker, Firmeninhaber und ( scheinbar einziger) Repräsentant der Firma, der sich gerne im Glanze von Prominenten und Politikern sonnt und sich mit selbigen umgibt. Nun denn. Zu Lambertz gehören übrigens auch Weiss-Lebkuchen und Kinkartz. Und nun raten Sie, wie viel Infos Sie hier zum Arbeitgeber, zum Unternehmen respektive zu den Jobs finden… :-)

kununu erste Anlaufstelle für Bewerber

Interessante Infos zum Arbeitgeber Lambertz finden sich übrigens dann wieder auf kununu. Schade.

Aber ich gebe nicht auf. Einen Versuch habe ich noch. Und da wage ich einen Blick in meine alte Heimat. Denn, wer hätte das gedacht, auch im schönen Ostwestfalen versteht man die schöne Kunst der Dominosteinbäckerei. Schulte heißt der Laden, kommt aus Rietberg und bietet seine Dominosteine in seinem neuen Online-Shop sogar in der 1-Kilo-Box an.

Und im schönen Ostwestfalen versteht man nicht nur die Kunst der Dominosteinbäckerei – als einziges der hier vorgestellten Unternehmen bietet es auch unmittelbar mit einem Mausklick zu erreichende Infos für Bewerber an. Gut, die sind natürlich noch etwas ausbaubar. Aber ein Anfang ist gemacht. Auch muss man die Infos nicht mit der Lupe suchen. Nein, wie es sich gehört, ist der Link zu Jobs und Karriere prominent in der Seitennavigation platziert. So klappt es auf jeden Fall schon mal mit der Aufmerksamkeit des Bewerbers.

Schulte Feingebäck aus Rietberg mit eigener Karriere-Website

Leicht verdaulich aufbereitet gibt es dann Infos für die primär gesuchten Zielgruppen Fachkraft für Süßwarentechnik,  Exportsachbearbeiter,  Qualifizierte Servicekraft,  Industriekaufleute und sogar Saisonkräfte. Für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich. Insbesondere die Infos für Azubis (die derzeit primär gesucht werden) verdienen eine Überarbeitung. Schade auch, dass man lieber auf austauschbares Stockmaterial als auf Fotos „echter“ Mitarbeiter setzt. Auch dass man lieber nicht darüber spricht, wie man als Arbeitgeber eigentlich ist, stößt mir übel auf. Dass man sich online bewerben kann, ist wiederum ein Pluspunkt. Zwar nicht per Formular wie bei Lambertz, aber immerhin per Mail. Dass das dann wiederum nur eine info@-Adresse ist, sorgt wiederum nicht gerade für Vertrauensaufbau beim Bewerber.

Aber ganz ehrlich, nachdem ich so viele Enttäuschungen im Rahmen meiner Recherche erleben musste, will ich da einmal großzügig drüber hinwegsehen. Schließlich ist ja auch bald Weihnachten, das Fest der Liebe :-).

Insofern, hätte ich einen Preis zu vergeben, der goldene Dominostein ginge an Schulte aus Rietberg. Habe ich aber nicht, deswegen werde ich mir jetzt einfach mal so einen aus Schokolade einverleiben.

Übrigens, die Moral von der Geschicht: Wirbst du als Lebkuchenbäcker für dich als Arbeitgeber nicht, findst du deine Fachkräfte nicht. So einfach ist das.

 

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