Volle Transparenz für Bewerber: Personalmarketing mit Vorbildcharakter

Volle Transparenz für Bewerber: Personalmarketing mit Vorbildcharakter aus Wiesbaden

von Henner Knabenreich. Lesezeit: fast 4 Minuten.

Wie der eine oder andere sicherlich weiß, lebe ich im beschaulichen Wiesbaden. Von dem einen oder anderen liebevoll Spießbaden genannt, ist Wiesbaden doch sehr liebens- und lebenswert (wobei mir persönlich die Kneipen- und Clubszene Bielefelds, also meiner Heimatstadt, doch besser gefällt. Aber das nur am Rande). Und in dieser liebens- und lebenswerten Stadt gibt es nicht nur eine unglaublich hohe Freelancer-Dichte (die jetzt im Urbanhouse in der Wilhelmstraße – von den Wiesbadenern „Rue“ genannt (hier kommt z. B. das Spießbadnerische zum Ausdruck) ein neues Zuhause finden können, Co-working made in Wiesbaden)), sondern natürlich auch diverse Unternehmen und Agenturen.

Und von einem dieser Unternehmen wurde mir heute in meinen Facebook-Newsfeed ein interessanter Beitrag gespült. In einem Youtube-Video erklärt Martin Seibert, Geschäftsführer von Seibert Media, wie man das neue Bewerberportal nutzen und welche Infos man finden kann. Netter Ansatz, wie ich finde.

Volle Transparenz für Bewerber

Bereits seit vielen Jahren, zuletzt gerade anlässlich des Treffens der eco Kompetenzgruppe E-Recruiting in Köln oder auch in Berlin im Rahmen der Land-der-Ideen-Preisverleihung für den Younect Talentpool, predige ich wie wichtig es ist, relevante Informationen über den Arbeitgeber, die Benefits und den Standort auch auf der Website zu veröffentlichen. Und zwar nicht irgendwelche Standardfloskeln, sondern wirklich relevanten Inhalt. Quasi Butter bei die Fische, dem Bewerber für seinen Entscheidungsprozess wichtige Informationen mit an die Hand geben.

Das hat auch Seibert Media erkannt und informiert potenzielle Kandidaten ausgiebig via Text und Video über das, was sie im Unternehmen erwartet. Seibert Media ist ein mittelständischer IT-Dienstleister, aus dessen Feder bspw. das Social Media Monitoring Tool TwentyFeet oder auch viele Firmen-Wikis stammen. Dabei werden auf der Karriere-Website aber beileibe nicht nur die Benefits genannt, nein, auch zu vermeintlichen Nachteilen steht man da. So viel Transparenz gibt es wahrlich selten.

So bringt Martin Seibert es dann auch treffend auf den Punkt:

Wir versuchen die Informationen so transparent, offen und ehrlich zu gestalten, damit du auch die Gelegenheit hast, wirklich eine fundierte Entscheidung zu treffen und dich womöglich sogar ohne Interaktion mit Seibert Media gegen Seibert Media zu entscheiden – was natürlich nicht angestrebt wird.

Wir versuchen ehrlich auch Herausforderungen und Nachteile darzustellen und nicht eine rosarote Welt der Bewerberkommunikation aufzubauen.

Apropos Bewerberkommunikation: Diese wurde komplett konsequent (wie man anhand des Zitats unschwer sehen kann) aufs „du“ umgestellt, da intern ohnehin geduzt wird.Und so gibt es keinen „Herrn Seibert“, sondern „Martin„. Gefällt mir ebenfalls gut: Bewerber können sich auch direkt per Video bewerben. Und nutzen dies auch, wie mir Martin Seibert bestätigte. Klar, gibt es da eine Hemmschwelle sich via Video anzudienen. Aber allein diese Variante anzubieten, finde ich wirklich lobenswert.

Ein weiteres Highlight auch, direkt via Chat mit dem Unternehmen (nicht selten ist das Martin selbst) Kontakt aufzunehmen. Ich hab’s gleich mal ausprobiert, es funktioniert!

Live-Chat bei Seibert Media

Live-Chat bei Seibert Media

Generell setzt man dort im Unternehmen gerne auf den Einsatz von Videos. Und so gibt es auch einen eigenen Youtube-Channel mit vielen authentisch und spontan und in Handarbeit erstellten Videos. Wie ich immer sage, es kommt nicht auf irgendwelche Hochglanzvideos an, sondern auf den Inhalt. Und die Echtheit. Ein schönes Beispiel in Sachen Echtheit ist ja auch nach wie vor das Video des Kartoffelhotels Lüneburger Heide. Also, Authentizität rules! Was man von dem zuguttengebergten Video von Edeka nun weiß Gott nicht behaupten kann :-)

Die Kulturchronik – Mitarbeiter und Kunden plaudern aus dem Nähkästchen

Auch Infos zu Wiesbaden selbst (die sind ausbaufähig) und zum Wohnungsmarkt helfen potenziellen Kandidaten bei der Entscheidung für oder wider diesen Arbeitgeber. Natürlich kommen auch die Mitarbeiter zu Wort. Dies nicht unbedingt via Video, hier sieht man überwiegend den Martin :-), aber in der so genannten Kulturchronik. Auch etwas, was ich in dieser Form bis dato nicht gesehen hatte und in meinen Augen wirklich Vorbildcharakter hat. Die Kulturchronik ist ein 75 Seiten starkes Büchlein, in dem Mitarbeiter, Kollegen und Kunden Ihre Einschätzungen zu Ihrem Arbeitgeber abgeben. Auch hier finden sowohl positive als auch nicht ganz so positive Äußerungen unzensiert ihren Weg zum Leser.

Auch wenn es in der Präsentation der Inhalte mit Sicherheit Optimierungspotenziale gibt, so helfen die präsentierten umfangreichen Infos dem Bewerber bei der Entscheidung, ob das Unternehmen und er (oder sie :-)) zusammenpassen oder nicht. Insofern: Daumen hoch und mehr davon!

Kennen Sie weitere Beispiele dieser Art? Dann her damit!

  1. […] stoßen. Vor einiger Zeit hat sich der Recruiting- und Employer-Branding-Experte Henner Knabenreich in seinem Blog personalmarketing2null mit dem Bewerber-Marketing bei //SEIBERT/MEDIA beschäftigt. Die wichtigsten Aspekte seiner umfangreichen Einschätzung geben wir hier […]

  2. 0timverhoeven0 sagt:

    Hallo Henner,

    ein tolles Beispiel, wie man authentisch an seinem Arbeitgeberprofil arbeiten kann. Ich würde mich freuen, wenn es auch mehr größere Arbeitgeber geben würde, die sich trauen würden so (vermeintlich) offen und ehrlich über Stärken und Schwächen zu schreiben.

    Was ich persönlich noch sinnvoll gefunden hätte, wäre eine Verlinkung zu kununu (und vielleicht vorher auch im Unternehmen Werbung dazu machen, offen bei Kununu das Unternehmen zu bewerten). Egal, wie sehr man sich als Unternehmen anstrengt, offen zu wirken – es wirkt auf einem „neutralen“ Portal wie Kununu noch besser.

    Trotzdem: Hut ab!

    Gruß

    Tim

    • Hallo Tim,
      ja, das Beispiel kann Schule machen, wie ich finde. Klar, Optimierungspotenzial ist vorhanden, nichtsdestotrotz ist man hier viel weiter als in vielen anderen Unternehmen :-).
      Was die Geschichte mit kununu angeht, so stimme ich dir als eingefleischter kununu-Fan (bzw. befürworte ich generell Arbeitgeberbewertungsplattformen) absolut zu. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
      Den Martin wird’s freuen zu lesen denke ich.
      Schöne Grüße, Henner

  3. 0timverhoeven0 sagt:

    Hallo Henner,

    ein tolles Beispiel, wie man authentisch an seinem Arbeitgeberprofil arbeiten kann. Ich würde mich freuen, wenn es auch mehr größere Arbeitgeber geben würde, die sich trauen würden so (vermeintlich) offen und ehrlich über Stärken und Schwächen zu schreiben.

    Was ich persönlich noch sinnvoll gefunden hätte, wäre eine Verlinkung zu kununu (und vielleicht vorher auch im Unternehmen Werbung dazu machen, offen bei Kununu das Unternehmen zu bewerten). Egal, wie sehr man sich als Unternehmen anstrengt, offen zu wirken – es wirkt auf einem „neutralen“ Portal wie Kununu noch besser.

    Trotzdem: Hut ab!

    Gruß

    Tim

    • Hallo Tim,
      ja, das Beispiel kann Schule machen, wie ich finde. Klar, Optimierungspotenzial ist vorhanden, nichtsdestotrotz ist man hier viel weiter als in vielen anderen Unternehmen :-).
      Was die Geschichte mit kununu angeht, so stimme ich dir als eingefleischter kununu-Fan (bzw. befürworte ich generell Arbeitgeberbewertungsplattformen) absolut zu. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
      Den Martin wird’s freuen zu lesen denke ich.
      Schöne Grüße, Henner

  4. Yep, auch von mir ein „Daumen hoch“. Tolle Denke, die dahinter steckt.

  5. Yep, auch von mir ein „Daumen hoch“. Tolle Denke, die dahinter steckt.

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