Recruitainment einmal anders: Mit Banking 2.0-Event und Monopoly spannende Kandidaten kennen lernen

Recruitainment einmal anders: Mit Banking 2.0-Event und Monopoly spannende Kandidaten kennen lernen

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Heute will ich zunächst einmal einen Artikel aus dem Jahr 2002 zitieren. In dem heißt es:

Recruitainment ist ein webbasiertes Konzept, das zwei Entwicklungen in sich vereint, einen E-Cruiting- und einen Infotainmentansatz.

Recruitainment ist demnach „eine logische Zusammenführung der beiden Entwicklungen, wobei die Infotainmentkomponente mehr ist als eine oberflächliche Verbindung von Information und Unterhaltung. Es ist in erster Linie ein Marketingkonzept, um Teilnehmer durch Unterhaltungselemente zu binden, parallel Arbeitgeberimage, Produktvorteile oder andere Informationen zu vermitteln oder um Informationen zu erheben. Ein Infotainment-Konzept sichert die Aufmerksamkeit der Teilnehmer durch Unterhaltung, dabei werden Informationen bereitwilliger aufgenommen und verinnerlicht bzw. werden Lebenslaufdaten und ausbildungsspezifische Hardfacts akzeptierter abgegeben, weil die Abfrage subjektiv weniger im Vordergrund steht.“

So steht’s in die „Besten gehen ins Netz„, zur damaligen Zeit eins der ganz wenigen, aber absolut empfehlenswerten Fachbücher zum Thema Online-Recruiting. Ich weiß nicht, wer diesen Begriff geprägt hat, meine Recherchen hierzu waren nicht wirklich ergiebig, erste Nennungen gab es in Deutschland um 2000 herum, als Cyquest die „Karrierejagd im Netz“ aus der Taufe hob. Mit dem Konzept „Challenge Unlimited“ ging Siemens damals erstmals mit einem solchen Konzept auf die Jagd nach Talenten.

Aber ist Recruitainment wirklich ausschließlich online zu verstehen? Haben wir nicht gerade gelernt, dass Studierende und Hochschulabsolventen viel mehr den persönlichen Kontakt suchen als online? Und bietet das persönliche Kennenlernen nicht viel mehr Potenziale als irgendwelche Online-Spielchen? Ob die nun Fliplife heißen oder sonst wie? Und wenn dem so ist, wie könnte so etwas dann aussehen?

Eine Antwort liefert da bspw. der vor einigen Tagen in Frankfurt durchgeführte Think Tank zum Thema Banking 2.0. Im wesentlichen bietet das dort vorgestellte Konzept genau das, was die oben genannte Definition vorgibt. Nur eben nicht online. Sondern in echt. Live und in Farbe.

Eindrücke vom Banking 2.0 Think Tank - Quelle: Young Targets

Eindrücke vom Banking 2.0 Think Tank - Quelle: Young Targets

Zu dem Think Tank unter dem Motto „Beyond mobile money and virtual values“ geladen hatten das IT-Beratungsunternehmen Cirquent (mir persönlich bekannt durch den Auftritt von Thomas Siegner auf der Personalmarketing-Konferenz in Neuss respektive D’dorf sowie durch geniale (von hoch motivierten Mitarbeitern erstellten Youtube-Videos) und durch einen lesenswerten und als gutes Vorbild dienenden Corporate Blog)) und die auf „nicht-virtuelles“ Recruitainment spezialisierte Agentur Young Targets (Young Targets selbst schreibt davon, Pionier im Bereich des erlebnisorientierten Recruitings in Deutschland zu sein. Kann man so stehen lassen).  Gekommen waren außer meiner Wenigkeit 30 weitere Interessenten, um gemeinsam mit Gleichgesinnten spannende Szenarien zu entwickeln, wie das Banking im Jahr 2020 aussehen mag.

Ziel des Think Tanks „Banking 2.0“ war es, dass die 30 Teilnehmer (überwiegend Absolventen, Young Professionals und Professionals aus dem IT-, Wirtschafts- und Bankenumfeld) mit der Unterstützung von Experten in Teamarbeit Konzepte erarbeiten und diese dann von einer prominenten Jury nach den Kriterien „beste Ideen“, „Logik“ und „kreativste Präsentationsform“ bewertet werden. Zu diesem Zweck erhielten die einzelnen, willkürlich zusammengewürfelten Teams, nach einem Warmup mit erfrischenden Getränken und Snacks auf der Terrasse der Villa Giersch in Frankfurt die Aufgabe, darzustellen, wie das Banking der Zukunft aussehen kann. Ob nun M-Payment, Verhältnis Kunde – Bank, Community Banking, Crowd Sourcing – alles zum Thema war erlaubt. Ein speziell für diese Veranstaltung adaptiertes Monopoly-Banking-2.0-Spiel diente dabei als Leitmedium und Zufallskomponente, welche die Teilnehmer in ihren Ausarbeitungen berücksichtigen mussten.

Vor dem eigentlichen „Spiel“ informierte Ralf Baust, u.a. verantwortlich für Innovationsmanagement bei Cirquent, in einem Vortrag über interessante Praxisbeispiele aus der Beratung von Banken (besonders interessant dabei: Deutsche Banken halten sich bis dato in Sachen Innovationsmanagement und Nutzung von Social Media absolut bedeckt. Insofern war dieser Think Tank wohl mehr als notwendig :-)). Ihm folgte ein spannender Vortrag von Prof. Dr. Sonja Salmen (Professur E-Strategie und BWL an der Hochschule Heilbronn im Studiengang Electronic Business) über die Megatrends der Netzgesellschaft, Konsumverhalten in 2020 und der Vertrauenskultur im digitalen Netz. Ein wesentlicher Punkt, den ich selbst immer wieder erlebe: Die Unternehmen haben Angst vor einem Kontrollverlust im Social Web und verschließen sich daher diesen neuen, aber überlebenswichtigen Technologien. Sehr gut gefällt mir in diesem Zusammenhang das Zitat des Soziologen Prof. Dr. Peter Groß von der Uni St. Gallen:

Wir können die Zukunft nicht voraussehen, da wir sie selbst durch nicht prognostizierbares gestalten! Wir müssen Erfahrungen im Umgang mit dem Unberechenbaren sammeln.“

Genau diese Angst vor dem Ungewissen lähmt viele Unternehmen. Aber ich schweife schon wieder ab.

Den Input der Vorträge konnten die hoch motivierten Teilnehmer dann auch gleich im Banking 2.0-Monopoly anwenden. In bunt zusammengewürfelten Arbeitsgruppen wurde kräftig das Hirn angestrengt und Ideen gesponnen. Hierzu konnten die vielen verschiedenen Räume der  Villa Giersch, wo das Ganze stattfand genutzt werden, in die sich  die Teams “Knete”, “Mammon”, “Zaster” und “Kohle” zurückziehen konnten.

Das Team Zaster bei der Arbeit - Quelle: Young Targets

Das Team Zaster bei der Arbeit - Quelle: Young Targets

Auch Freiluftarbeiten war möglich (und beliebt) und so wurde der große Garten ebenso genutzt, um zukunftsweisende Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Lediglich die vorher von den Teams selbst ernannten “Spielführer” aus jedem Team musste im Rhythmus von 10 Minuten im Vortragsraum an der Leinwand antreten um per Mega-Würfel die jeweilige Teamfigur auf dem Bank 2.0-Monopolyspielfeld vorzurücken. Ähnlich wie beim echten Monopoly konnten auch hier “Ereigniskarten”, “Beraterkarten” oder “Gemeinschaftskarten” gezogen und gespielt werden – inklusive Gefängnis und Freiparken.

Das Banking-2.0-Monopoly-Spielfeld - Quelle: Young Targets

Das Banking-2.0-Monopoly-Spielfeld - Quelle: Young Targets

Das erspielte Geld konnte bzw. musste dann wiederum in Präsentationsmaterial, Hilfsmittel oder Beratung investiert werden (Neben Post-Its und Markern standen sogar Legobausteine und Knete zur Verfügung).  Sogar einen Zeichner konnten die Teams engagieren! Wobei man insgesamt gut kalkulieren musste, denn die Kosten für die Hilfsmittel waren nicht von Pappe! Und wer nicht haushalten konnte, musste ohne Hilfsmittel auskommen und ggf. die ermittelten Ergebnisse à la Samy Molcho darstellen. Nun gut, so schlimm kam’s nicht dann doch nicht.
Nach drei Stunden konnten die engagierten und motivierten Teams ihre teilweise recht überraschenden Ergebnisse der Jury präsentieren, die aus Ralf Baust, Prof. Dr. Salmen und dem Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel bestand.

Nach getaner Arbeit wurde dann noch gegrillt und bei Grillwurst und Steak klang die Veranstaltung dann auf der Terrasse der Villa Giersch aus. Weitere Impressionen vom Event gibt es auf Flickr.

Alles in allem ein spannender Ansatz, bei dem die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, auf ungewöhnliche Weise spannende Szenarien zu erarbeiten und Cirquent interessante Persönlichkeiten kennen lernen und identifizieren konnte. Übrigens war dies nicht die erste Veranstaltung dieser Art. Bereits im September und Dezember 2010 initiierten Cirquent und Young Targets ein Recruitainment-Event. Beim JAVA-BBQ ging es um „prozessoptimiertes Grillen„. Auch hier war es Cirquent gelungen, hoffnungsvolle Talente zu identifizieren und letztendlich zu rekrutieren. Hier beweist Cirquent ein weiteres Mal seine Employer Branding Qualitäten. (Wer noch mehr über den Einstieg und die Perspektiven bei Cirquent wissen möchte, dem seien noch die Karriere-Website sowie die Bewertungen auf kununu ans Herz gelegt(in diesem Falle schöpft Cirquent die Potenziale einmal nicht aus ;-))).

Aber auch für andere Unternehmen sei dieser spannende Ansatz zur Nachahmung empfohlen,  weil er Interessenten die Möglichkeit bietet,  unverkrampft und spielerisch Arbeitgeber und Aufgaben in Augenschein zu nehmen und auf der anderen Seite Unternehmen die Chance haben, potenzielle Talente kennen zu lernen. Und das Ganze ebenso unverkrampft, abseits von beide Parteien hemmender Assessmenter Center-Atmosphäre.

Zum Abschluss noch das Video zum Event und der Hinweis, dass der Think Tank wiederholt wird. Weitere aktuelle Infos dazu gibt’s im Bank-2.0-Blog. Anmelden und Teilnehmen lohnt sich!

  1. […] veranstaltete bspw. das IT-Unternehmen cirquent unter dem Titel “Banking 2.0 Think Tank” eine Art auf das Banking adaptierte Version von Monopoly, um darüber mit den Teilnehmern […]

  2. […] mit Maßnahmen zu begeistern, die den Bedürfnissen des einzelnen – ob nun ITler, Berater, Banker oderwasweißich – entsprechen. Und dies ist mit einer Recruitainment-Aktion wie dieser auf […]

  3. […] Sie mehr über das Recruiting Event im Blogbeitrag von Henner Knabenreich (Knabenreich Consult) und im Blog der […]

  4. […] Sie mehr über das Recruiting Event im Blogbeitrag von Henner Knabenreich (Knabenreich Consult) und im Blog der […]

  5. […] veröffentlichte der geschätzte Kollege Henner Knabenreich in seinem Blog den Artikel “Recrutainment einmal anders” und stellte darin das von Cirquent veranstaltete und von der Berliner Agentur YOUNG TARGETS […]

  6. […] veröffentlichte der geschätzte Kollege Henner Knabenreich in seinem Blog den Artikel “Recrutainment einmal anders” und stellte darin das von Cirquent veranstaltete und von der Berliner Agentur YOUNG TARGETS […]

  7. Jo Diercks sagt:

    Hi Henner, der Artikel aus dem Buch von Lars Hünninghausen („Die Besten gehen ins Netz“) wurde ja seinerzeit von meinen Kolleg(inn)en Dagmar Busch, Andreas Weber und Tim Jägeler geschrieben. Schon sehr spannend, dass dieses Thema inzwischen mehr als salonfähig geworden ist, sei es on- oder offline. Wir haben uns damals noch einiges anhören dürfen („Sie können doch nicht so etwas ernstes wie Recruiting mit so einem Spiel…“ usw.).

    Ich werde mich hierzu bei mir im Blog in den nächsten Tagen auch nochmal äußern. An dieser Stelle aber eine vielleicht haarspalterische, mir aber wichtige Anmerkung: Challenge Unlimited ist im Juni 2000 gestartet. Die CYQUEST Karrierejagd durchs Netz ist im Mai 2000 gestartet. Wenn es einen Startpunkt für Recrutainment (zumindest im Web) gab, dann waren wir die Ersten.. ;-)

    VLG
    Jo

    • Servus Jo,
      danke für den Hinweis. Aber genau das habe ich doch geschrieben, oder?

      „Ich weiß nicht, wer diesen Begriff geprägt hat, meine Recherchen hierzu waren nicht wirklich ergiebig, erste Nennungen gab es in Deutschland um 2000 herum, als Cyquest die „Karrierejagd im Netz“ aus der Taufe hob“.

      Aber stimmt, Challenge Unlimited war ja gar nicht von euch. Nun denn, Ehre, wem Ehre gebührt. Der Erfinder von Recruitainment (warum schreibst du es eigentlich ohne „i“) war natürlich Cyquest. Und nicht die Schweizer. Und auch nicht eligo. So. Zufrieden?

      Liebe Grüße und danke für die Richtigstellung (ich liebe Erbsenzähler, bin ja zuweilen selber einer :-))
      Henner

  8. Jo Diercks sagt:

    Hi Henner, der Artikel aus dem Buch von Lars Hünninghausen („Die Besten gehen ins Netz“) wurde ja seinerzeit von meinen Kolleg(inn)en Dagmar Busch, Andreas Weber und Tim Jägeler geschrieben. Schon sehr spannend, dass dieses Thema inzwischen mehr als salonfähig geworden ist, sei es on- oder offline. Wir haben uns damals noch einiges anhören dürfen („Sie können doch nicht so etwas ernstes wie Recruiting mit so einem Spiel…“ usw.).

    Ich werde mich hierzu bei mir im Blog in den nächsten Tagen auch nochmal äußern. An dieser Stelle aber eine vielleicht haarspalterische, mir aber wichtige Anmerkung: Challenge Unlimited ist im Juni 2000 gestartet. Die CYQUEST Karrierejagd durchs Netz ist im Mai 2000 gestartet. Wenn es einen Startpunkt für Recrutainment (zumindest im Web) gab, dann waren wir die Ersten.. ;-)

    VLG
    Jo

    • Servus Jo,
      danke für den Hinweis. Aber genau das habe ich doch geschrieben, oder?

      „Ich weiß nicht, wer diesen Begriff geprägt hat, meine Recherchen hierzu waren nicht wirklich ergiebig, erste Nennungen gab es in Deutschland um 2000 herum, als Cyquest die „Karrierejagd im Netz“ aus der Taufe hob“.

      Aber stimmt, Challenge Unlimited war ja gar nicht von euch. Nun denn, Ehre, wem Ehre gebührt. Der Erfinder von Recruitainment (warum schreibst du es eigentlich ohne „i“) war natürlich Cyquest. Und nicht die Schweizer. Und auch nicht eligo. So. Zufrieden?

      Liebe Grüße und danke für die Richtigstellung (ich liebe Erbsenzähler, bin ja zuweilen selber einer :-))
      Henner

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