Der Tag des Ausbildungsplatzes und die Bedeutung von Online Ausbildungsmarketing

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Auch wenn er nun vorbei ist, so will ich nun quasi „posthum“ den Tag des Ausbildungsplatzes würdigen (ja, der ist nämlich heute am 18. Mai, also schon vorbei, ich weiß. Aber das, was ich hier jetzt im Folgenden von mir gebe, ist nachhaltiger als nur ein einzelner Tag und soll dem einen oder anderen Unternehmen ein paar Tipps in Sachen Online Ausbildungsmarketing geben). Neulich hatte ich ja die Ehre anlässlich der Ausbildertagung des bbz Chemie in Berlin einen Vortrag zum Thema Ausbildungsmarketing zu halten, was mir eine besondere Freude war. Statt gefunden hat das Ganze in Strausberg bei Berlin und wenn Sie von Berlin dorthin fahren, kommen Sie dort tatsächlich durch den Ortsteil „Jenseits des Sees“. Kein Scherz. Dass sich dort direkt eine große Seniorenresidenz befindet bzw. der Ort eigentlich aus dieser besteht, macht das Ganze perfekt. Von wegen Jenseits. Aber das nur am Rande.

Warum Ausbildungsplätze nicht besetzt werden

Zurück zum Tag des Ausbildungsplatzes. Wussten Sie eigentlich, dass es in Deutschland 348 Ausbildungsberufe gibt? Aber wussten Sie auch, dass sich ¾ aller Bewerber nur auf 44 dieser Ausbildungsberufe bewerben? Geschockt? War ich auch. Zutiefst. Und wer hats erfunden? Die Schweizer? Mitnichten und Neffen. Der BiBB-Report hat herausgefunden, woran es liegt, dass Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Nein, es liegt nicht nur am mangelnden Qualifikationsniveau der Schüler. Mit Sicherheit auch. Aber es gibt auch folgende Gründe auf der Angebotsseite: Nämlich zu kurzfristige Angebotsplanung der Unternehmen, geringes Engagement bei der Vermittlungspraxis sowie bei den Auswahlverfahren und zu hohe Ansprüche an die Bewerberqualifikation. Ich möchte das an dieser Stelle nicht vertiefen und verweise stattdessen einfach mal auf den Report. Lesen lohnt sich allemal!

Perspektive Jugend – mit kostenlosem Ausbildungsmarketing Stellen besetzen?

Und wie man dann auf eine Ausbildungsstelle aufmerksam? Nun, dass man Stellen-Anzeigen in der hiesigen Presse schalten kann und seine Stelle beim Arbeitsamt melden kann, dürfte wohl jedem klar sein. Auch Job- und Azubimessen sind hoch im Kurs. Aber wussten Sie bspw. auch, dass das Portal meinestadt.de seit 2009 im Rahmen der so genannten Perspektive Jugend Unternehmen die Möglichkeit gibt, kostenlose Anzeigen zu schalten, um auf Ausbildungsplätze aufmerksam zu machen? Das wissen wohl die wenigsten (zumindest hat das eine Stichprobe von mir ergeben – so waren zwar Ausbildungsstellen über die Arbeitsagentur gemeldet, nicht aber über die Perspektive Jugend-Initiative). Zielführend ist das Ganze insofern auch, weil meinestadt.de und das Netzwerk schuelerVZ miteinander kooperieren und Schüler so auf die Anzeigen aufmerksam werden (doch, doch, es gibt noch Schüler bei schuelerVZ, die sind noch nicht alle bei Facebook). Laut meinestadt.de ist das Ganze ein voller Erfolg und so wurden dank der Initiative diverse Ausbildungsstellen besetzt.

Neue Herausforderungen im Ausbildungsmarketing

Warum Arbeitgeber bzw. Ausbildungsbetriebe ihre Online-Bemühungen weiter ausbauen sollten, liegt eigentlich auf der Hand. So sind bspw. laut ARD/ZDF-Online-Studie von 2010 100 % der 14 – 19jährigen online. Mehr als 100 % geht ja schon mal nicht. 85 % der Jugendlichen nutzen laut einer Umfrage von azubister das Internet zur Ausbildungsplatzsuche. Laut der letzten Shell-Studie „lebt“ die Jugend förmlich im Internet und nutzt vor allem das Social Web. Und das nahezu täglich. Auch die JIM-Studie bestätigt diese Zahlen und ermittelt, dass das Internet eine sehr relevante Rolle bei der Suche nach Informationen spielt. Umso erschreckender, dass laut Ausbildungs-Umfrage des DIHK nur 55 % der befragten Unternehmen das Internet für ihr Ausbildungsmarketing nutzen. Unglaublich, aber wahr! Im Umkehrschluss heißt das, dass 45 % an der Zielgruppe vorbei rekrutieren. Und sich dann wundern, dass die Ausbildungsplätze nicht besetzt werden (zugegeben, das ist jetzt schon provokativ und vielleicht etwas milchmädchenhaft, aber letztendlich muss der eine oder andere mal wachgerüttelt werden! Und selbst wenn durch die Online-Aktivitäten nur wenige Plätze mehr besetzt würden, so sind das doch dann Plätze, die immerhin besetzt würden…)

Finanzverwaltung goes Facebook – ob das gut geht?

Also ist dann das Bemühen der Finanzverwaltung Rheinland Pfalz doch nicht so verkehrt, die sich ja seit geraumer Zeit mit einer Ausbildungspage in Facebook tummeln? Ich berichtete ja schon vor einiger Zeit über die hehren Bemühungen, aber ich wiederhole mich auch immer wieder gerne (auch wenn dies oberlehrerhaft klingen mag  :-)): bei einem Engagement in Social Media geht es nicht ums ob, sondern ums wie. Was bringt es eine Facebook-Page aufzusetzen, die sich ganz offensichtlich an Azubis wendet (und dieses jetzt auch noch durch die Medien geisterte), wenn dort ausschließlich Tweets von der Website der Finanzverwaltung Rheinland-Pfalz gespiegelt werden, die soviel mit Ausbildung zu tun haben wie Wiesbaden mit einer ausgeprägten Club-Szene? Richtig, nüscht. Denn abgesehen von den Themen, geht es ja auch noch um die Ansprache auf Facebook. Und insbesondere die der Azubis. Gut, irgendwann werden sie wahrscheinlich durch das Beamtentum so dröge, dass ihnen die Ansprache gefällt, aber dafür sind sie momentan noch 30 Jahre zu jung. Nun gut, wie ich gerade sehe, wurden nun immerhin schon echte auf die Ausbildung bezogene Inhalte mit integriert. Immerhin.

Ausbildungsblogs – keiner kennt die Wünsche der Azubis besser als diese selbst

Einen ganz anderen Weg geht da bspw. das Unternehmen Life Food. Schon mal was vom Tofucheckergehört? Nein? Dann wird’s aber Zeit. Das ist nämlich der Ausbildungsblog von Life Food, wo Azubis auf unterhaltsame und authentische Weise ihren Ausbildungsalltag vorstellen.

Tofuchecker - Azubi-Blog der Lifefood GmbH

Tofuchecker - Azubi-Blog der Lifefood GmbH

2007 ging ja der Ausbildungsblog von Festo an den Start, der erste seiner Art, der deshalb auch diesen Namen tragen darf. Heute, 4 Jahre später, gibt’s auch ein paar Nachahmer. Da fällt mir zum Beispiel der Azubi-Blog der Warsteiner Brauerei ein, der Blog von Edding auch diverse Banken sind mit dabei. Apropos Banken: die sind nicht nur in Sachen Social Web viel unterwegs, sie sind vielmehr auch stark in der Durchführung von Bewerbernächten. Nacht der Bewerber – auch ein Konzept, welches meines Wissens erstmals bei Festo eingeführt wurde und nun erfolgreich „kopiert“ wird. So z. B. am 8. Juni bei der Volksbank Regensburg, wo ich mit Jugendlichen über Facebook & Co. diskutieren werde. Da freue ich mich gleich doppelt: auf die Nacht der Bewerber und den Charme von Regensburg. Ich lasse mich überraschen. Um den Bogen zurück zur Ausbildertagung zu schlagen: In Sachen „Nacht der Bewerber“ ist im Übrigen bspw. das Unternehmen PCK auch schon seit einiger Zeit mit dabei, die nächste ist für den Oktober geplant. Ein sehr erfolgreiches Konzept, wie mir seitens des Initiators versichert wurde. Ohnehin ist dieses Unternehmen in Sachen Ausbildungsmarketing sehr rührig. Im Gegensatz zu vielen anderen der Branche wird auch den Azubis entsprechend Aufmerksamkeit auf der Karriere-Website geschenkt. Und das ist selbst bei ganz Großen keine Selbstverständlichkeit. Bei Weitem nicht.

Aber zurück zu Blogs: Azubi-Blogs stellen ja ein hervorragendes Mittel dar, um sich authentisch als Ausbildungsbetrieb darzustellen. Vor allem dann, wenn es quasi „hand“- bzw. „azubi-made“ ist. Denn letztendlich stellt das Ganze ja auch ein tolles Projekt für Azubis dar und bedarf aufgrund kostenloser Blog-Plattformen wie WordPress.com auch eigentlich keines (relevanten) Budgets. Und wenn man so junge Firmenbotschafter hat, denen die Ausbildung und das Bloggen viel Spaß macht – perfekt. Fast ein wenig zu perfekt erscheint mir da der massiv beworbene Azubi-Blog von Douglas. Vor allem die penetranten Google Ads nach dem Motto „Rockt den Blog“ finde ich schon fast ein wenig grenzwertig. Aber andererseits: Tue Gutes – und sprich drüber. Besser als Facebook-Pages nicht mal auf der Karriere-Website oder in Image-Anzeigen zu verlinken, was leider gängiger Standard ist. :-)

Rockt den Blog - Douglas Google Ad

Rockt den Blog - Douglas Google Ad

Natürlich stellen auch Azubi-Communities wie azubister, aubi-plus (im Schlepptau mit JobTV24), yousty und younect interessante Plattformen dar, um auf sich als Ausbildungsbetrieb aufmerksam zu machen und die junge Zielgruppe für sich zu begeistern.

Beerobi – Ausbildungsberufe im Bewegtbild

Abschließend noch der Blick auf ein wirklich absolut erwähnenswertes Portal, welches in meinen Augen den Grimme Online- oder einen sonstigen Award verdient hat. Beroobi heißt das Ganze, so viel wie Berufe in Bildern und das bringt es auch absolut auf den Punkt. Denn hier finden sich viele Ausbildungsberufe, die in Wort und Bewegtbild dargestellt werden und zwar von „echten“ Azubis bzw. Mitarbeitern, die sich und ihr Berufsbild vorstellen. Klasse gemacht, dafür ein dickes Kompliment von mir. Und wenn man als Unternehmen nicht das Budget hat, selbst so ein Video zu drehen, so kann man doch wenigstens auf das Material zurückgreifen und von seiner Website aus verlinken.

So, der Tag des Ausbildungsplatzes neigt sich dem Ende. Zeit, den Rechner runterzufahren. Aber nicht ohne den Hinweis auf die Vakanzen des Pharmakanten bzw. Chemikanten beim bbz Chemie Berlin. Apropos Berlin: Da freue ich mich ganz besonders auf die Podiumsdiskussion anlässlich der Wiwex Careers Unternehmergespräche, wo ich an der Seite von Gundula Pabst (Randstad), Oliver Viel, Steve Goodwin (DB) und den Gastgebern selbst über die Zukunft oder Vergangenheit von Social Media diskutieren werde. In diesem Sinne, gute Nacht!

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