Unkonventionelle Stellenanzeige bietet Pfarrern den Himmel auf Erden

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Heute wird’s mal wieder etwas christlicher. Schließlich ist ja auch die Kirche von dem betroffen, was in Medien- und einfallslosen (oder mit falschem Mindset gesegneten) Unternehmenskreisen gerne als „Fachkräftemangel“ kolportiert wird, der sich in den meisten Fällen dann doch irgendwie als Ideenmangel entpuppt und den es de facto nicht gibt. Oder wie kommt es, dass sich auf einmal doch Bewerber finden, wenn man die eingetretenen Pfade verlässt? So auch für eine Stelle als Pfarrer für die Gemeinde Männedorf, 20 km vom schönen Zürich entfernt, am rechten Zürichseeufer gelegen.

Mit langweiligen, mitunter in Behördendeutsch verfassten (und das durchaus nicht nur von Behörden ;)) 0815-Stellenanzeigen ist heute kaum noch ein Blumentopf zu gewinnen – geschweige denn ein Bewerber hinterm Ofen hervorzulocken. Zumal, wenn dieser aus einer Vielzahl von Jobs wählen kann. Gewinnen tut der, der mit Argumenten überzeugt. Oder überrascht. Und das funktioniert gut, wenn man unkonventionelle Wege geht. Zum Beispiel wie der Caritasverband Düsseldorf mit seiner Aktion „Bei Anruf Ausbildung„. Oder wenn man sich selbst auf die Schippe nimmt, wie ja z. B. die Eier legende Wollmilchsau zeigt, oder auch der legendäre Baggor- und Laschdwagafahror.  Nicht zu vergessen die Stellenanzeige für die Erzieherin, die gerne bei 300 Dezibel arbeitet, das Wort Nein in 24 Sprachen beherrscht und das permanente Sitzen auf Zwergenstühlen verkraftet.

Kirchgemeinde Männedorf bietet den Himmel auf Erden

Sitzen auf Zwergenstühlen gibt’s nicht in Männedorf. Auch nicht gestresste, überforderte und ausgelaugte Kollegen. Dafür aber darf man sich als Pfarrer/in „vor allem mit lammfrommen, jederzeit motivierten Jugendlichen im Konf-Unti rumschlagen„, hat von „Jugendarbeit und rpg nie gehört“ und predigt als „engstirniger Kirchenpfleger“ mit „unmotivierten Pfarrkollegen“ und „gelangweilten Mitarbeitenden“ am allerliebsten „in einer leeren Kirche„.

Originelle Stellenanzeige - Männedorf sucht Pfarrer für den Himmel auf Erden

Man kann davon halten, was man will. Mir gefällt diese frechmutige Anzeige ausnahmslos gut! Während die meisten Stellenanzeigen austauschbar sind und durch ein Übermaß an Worthülsen und Einheitsbrei auszeichnen – und damit von einer für eine wie auch immer geartete Arbeitgebermarke dringend notwendige Differenzierung Galaxien entfernt sind – macht dieses Inserat Laune und sorgt für Begeisterung (zumindest bei der visierten Zielgruppe, dazu unten mehr).

„Stellenanzeigen sind nichtssagend. Austauschbar. Ohne Pfiff. Sie würden kein langweiliges Buch verschenken. Aber langweilige Stellenanzeigen sollen hochmotivierte Kandidaten anziehen?“ (Martin Gaedt)

Andere finden das gar nicht so amüsant und fühlen sich verunglimpft bzw. sich in ihrer Rolle als „Pfarrerin nicht ernst genommen„. Was sich in diesem Fall aber als Glücksfall entpuppt. Ist es doch genau dieser Tweet einer verärgerten Pfarrerin (eine twitternde Pfarrerin – toll! Da sollten sich mal ganz viele HR-ler ein Beispiel dran nehmen!), der der im „Magazin der Reformierten“ Bref veröffentlichten Stellenanzeige erst zur notwendigen Aufmerksamkeit verhalf.

Man muss auffallen, sonst geht man unter

Aufmerksamkeit um jeden Preis ist nicht immer gut, schnell kann das Ganze ins Peinliche kippen und sogar der Reputation schaden (oder, wie man in der Schweiz sagt: als „Sauglattismus“ empfunden werden). Beispiele gibt es derer genug. Den Weg der Provokation ist man in Männedorf aber bewusst gegangen:  „Man muss auffallen sonst geht man unter„, wird Kirchenpflegerin Beate-Christina Hagen in der Zürichsee-Zeitung zitiert. Gesucht wird „eine unkonventionelle Person im Alter von 30 bis 40 Jahren mit erfrischenden Ideen„. Und es funktioniert. Denn tatsächlich erreicht die Anzeige das Zielpublikum. Und genau darum geht’s. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Und so gingen schon einige Bewerbungen ein – und das im gleichen ironischen Tonfall formuliert, wie die frechmutige Stellenanzeige. Und für alle, denen das Ganze zu freimutig ist, gibt’s die Stellenanzeige für die Stelle als Pfarrer auch noch mal entschärft auf der Website der Kirchengemeinde.

„Man muss auffallen, sonst geht man unter“. Das gilt in einem Bewerbermarkt, in dem sich der Kandidat aussuchen kann, welchem Unternehmen er seine Arbeitskraft gibt – sich die Rollen also vertauscht haben – umso mehr. Und auffallen tut die Pfarrgemeinde auch anderweitig: Mit einem Kinospot, der für das Amt als Kirchenpfleger wirbt, sorgte sie bereits vor einigen Monaten für Aufmerksamkeit und fragende Gesichter.

Es ist zunehmend schwierig, Leute für die Kirchenpflege zu finden„, begründet Kirchenpflegepräsidentin Madeleine Strub-Jaccoud  auf der Website ref.ch den Aufwand. Während das Stelleninserat allerdings nur mit einigen Hundert Fränkchli zu Buche schlug, verschlang die Produktion des professionell inszenierten Clips 7.000 Stutz. Die Aufmerksamkeit, die der Stellenanzeige nun deutlich mehr zuteil wird, gibt’s indes umsonst.

Eine Stellenanzeige für Pfarrer kann ich Ihnen leider nicht bieten, dafür finden Sie hier…


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    1. Franca Gütte sagt:

      Da ist der Texter wohl etwas übers Ziel hinaus geschossen. Es gibt auch Menschen, die genau das glauben, was sie lesen. Und eine zugegeben etwas flockig-lockere Sprache im Umfeld der Kirche nicht goutieren. Aber letztlich zählt, dass ein neuer Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin gefunden wird, die auch zu eher kirchenfernen Kreisen einen Zugang findet. Und in den Rekrutierungsgesprächen auch mit einer völlig „uncoolen“ und sachbezogenen Dialogform überzeugt. Sich sprachlich-rhetorisch auf verschiedene Zielgruppen einzustellen, ist auch für den Klerus hilfreich. Ein lebendes Beispiel ist Papst Franziskus. Er sieht sich als Bindeglied zu Gott, nicht als dessen Stellvertreter auf Erden. Eine Bescheidenheit, die dem Amt gut tut. Dies ist wohl mit ein Grund, dass ihm weltweit die Herzen der Menschen zufliegen. Auch derer, die nicht Kirchen-nah sind. Was nicht daran hindert, einen möglichst anständigen Weg durchs Leben zu gehen und die christlichen Werte in das eigene Verhalten einzubinden.

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